i^y^l ^'■■m^^ ,>V^«t/^? ■*..- fi :jü:>«i ^■; l'^^, Ml mX^ ^Y^''vHC:^^V^kV^ W- '"'m V ^(^r' >^V^ 'i^^ 11 [Aedigirt Prof. Dr. H. Potoui^, Kgl. Bezirksgeologen und Docenteii der Päanzenpalaeoiitologie an der Kgl. Bergakademie zu Berlin. FUENFZEHNTER BAND ^-f- (Januar bis December 1900). 4^ BERLIN. Ferd. Dümmlers Verlaosbuchhandlunsv Inhalts -Verzeiehniss. 1 )ie Orig-iiial-Abhundlunyei zeichnet: ausserdem sind -JlittlK-ilui ne Anzali! ;i'u und -Abbildungen sind dureli die Beifügung- der Abkürzung „Orig." gekenn- Autoren an den Keferaten über iiire Arbeiten dadurch betheiligt gewesen, dass sie die Correcturen gelesen ^-^ - Seite Allgemeines und Verschiedenes. Hliinckenliorn, Uebei- Hevptisclie Muschelkretjsp als I .nftsrliifr.T . löl Brick, Die Provinz I 'i ms-^n l,^in'lid."it ' der iniisiknliselien ('.'nli''n .h-.s < Ichirns 18 l.eprinee, .Sitten und G.'biauehe der ßaga Foreh 510 .Müller. P. J., Die Haut und ihre Thätigkeit (Orig.) 31(i Schäfer, Neue Erklärung der subjec- tiven Combinationstöne auf Grund der Helmholtz'schen Kesonanz-Hypo- these 114 Schiller-Tietz, Hautfarb.e der Neu- geboreneu bei den Negervölkern (Orig.) 197 .Siebert, Ueber die verschiedenen Methoden der anthropologischen For- schung (Orig.) ,507 Slosson, Macht der Suggestion . . Toulouse und Vaschied, Messung der Geschmacksempfindungen . . Vaschidin und van Melle, Natur der physikalischen Bedingungen des Geruchs Zoologie. d'Aubusson, Lebensweise des Dick- fuss (Oedicnemus) 93 Bachmetjew, Temperatur der In- sekten 92 v. Bechterew, Ueber pupillenver- engendo und erweiternde Centren in den hinteren Theilen der Hemi- sphären-Rinde bei den Affen . . . 429 ßethe, Ueber die Neurofibrillen in den Ganglienzellen vonWirbeltbieren 343 Biedermann und P. Moritz, Die Function der sogenannten Leber der Mollusken 135 Brandes, Die Leuchtorgane der Tief- seefische Argyropelecus u. Chauliodes 10 — , Begattung des Egels (Nepheles) . 513 Co 11 et t, Der Igel in Norwegen . . 235 Cuenot. Vertheilung der Geschlechter bei den Gelegen der Haustauben . 606 de Cyon, Orientirung der Brieftaube 295 Dreyfuss, Experimenteller Beitrag zur Lehre von der nicht akustischen Function des Ohrlabyrinthes . . . 487 Edinger, Beziehung zw. Hirnanatomie und Psychologie 464 Eimer und Fickert, Artbildung und Verwandtschaft bei den Foramini- feren 20 El Hot, Immunität der Manguste gegenüber dem Cobragift .... 524 Faussek, Die Autotoniie und die Schmerzempfindlichkeit im Thier- reiche 265 Fo erster, W., Orientirung der Brief- taube auf ihrem Fluge (Orig.) . . 331 Friedenthal, Ein neuer Nachweis der Blutsverwandtschaft zwischen Menschen und Thieren ... 91, 570 Godlewski, Einwirkung des Sauer- stoft's auf Entwickelung und Gas- weclisel in den ersten Entwickelungs- stadien von Rana temporaria . . . 581 Heck, Lebensgewohnheiten des Deutsch-Ostafrikanischen Wildes . 476 Hermann, Wirkung hochgespannter Ströme auf das Blut 198 Hertwig, Die ersten fundamentalen Entwickelungsprocesse des thieri- scheu Eies (z. Th. Orig.) .... 15 Seite H i u d e , Ueber den Wechsel in der Er- nährung eines Vogels 544 Hinkelmann, Der Hering ein Laich- fi-esser 606 — , Junge Aale im Darm älterer . . 606 Jtzerodt, Vogelkolonieen in Ham- burgs Umgebung 606 K lunzinger, Zwergrassen bei Fischen und bei Felchen insbesondere . . 488 Kolbe, Altersschwache Käfer ... 404 Kolthoff, Nistplätze der Eismöve . 55 Krämer, Thierbeobachtungen in See (Orig.) 402 Krüger, Edg., Ueber die Entwickelung der Insekten mit besonderer Berück- sichtigung der Deckflügel der Käfer 9 Lehmann, Wirkung der äusseren Existenzbedingungen auf Bau und Lebensweise der Thiere .... 591 Ludwig, N., Bienen-Königin und Ar- beiterin (Orig.) 601 Lydekker, Geographische Verbrei- tung und Entwickelung der Säuge- thiere 441 Mead, Beziehung zwischen Ernährung und Wachsthum bei den Seesternen 296 Möbius, Ueber die ästhetische Bedeu- tung der Säugethiere 331 Mortensen, Einfluss der Temperatur auf Mäuse 270 — , Laich- und AVachsthumsverhältnisse der Ostsee-Garneele 535 Munk, Aus dem Gebiete der Nerven- physiologie (Orig.) 14 Nat hörst, Einwanderung des weissen Polarwolfes in Ost-Grönland ... 501 — , Zur Einwanderung des Polarwolfes in Nordostgrönland 595 Nutting, Nutzen der Phosphoroscenz bei den Thieren der Tiefsee . . . 29(; Ostwald, Wolfg., Köeherbau der Phryganeiden-Larven 176 Prowazek, Rapserdflohs (Orig. mit Orig.-Abbild.) 19 — , Zur Physiologie der Einzelligen (Orig.) 193 — , Zur Entwickelungsgeschichte des Wurmes Dinophilus apatris (Orig. mit Orig.-Abbild.) 397 — , Beobachtung an Seewasser-Aeineten (Orig. mit Orig.-Abbild.) .... 450 — , Organismen im Wiener Leitungs- wasser (Orig.) 476 Rabes, Entwickelung unserer Kennt- niss des Spinnonauges (mit Abbild.) (Orig,) 566 Raspail, Gartenschläfer als Vogel- feind 221 Rawitz, Die japanischen Tanzmäuse 58 :j83:^5 Inhalts- Verzeieliui Seite ilo Kochebrun e, Die portugiesische Auster (Ostrea angulata) .... 535 Sclienkling-Prevöt, Nidologisches (Orig.) 241, 296, 49^ Schewiakow und Schuberg, Thei- luiig bei den Infusorien (mit Abbild.) 534 .Seh iller-Tietz, Die vermeintliche Piirthenogenesis bei der Honigbiene (Orig.) 157 V. .Schilling, Der Rindenwickler (Graptoiitha Wöberiana) . . 129, 439 Schnee, Zur Erklärung der Färbung des Feuersalamanders 221 Schultz, Ose. Phosphorescirende Lichterscheinung an den Antennen eines Schmetterlings 594 Thiele, Fortpflanzung der Blattläuse 151 Tower, Geschichte und Ausbreitung des Colorado-Käfers 585 Werner, Aus dem Thierleben der Sahara (Orig.) 517 Wheoler, Auemotropismus .... i2 Wolterstorff, Ueber die Verbreitung des Springfrosches in Deutschland (Orig.) 205 Zi mmerraann, H., Ueber die Lebens- weise der Apfelbaumgespinnstmotte (Hyponomenta maliuella) .... 105 Internationaler Zoologen -Congress in Berlin 1901 '. ... 621 Südliche Verbreitung desTerek-Wasser- läufers (Tcjtanus) 235 Botauik. Appcl, Ueber Phyto- u. Zoomorphosen (Gallen) ..." 257 Asche rson, Herkunft des Kohls auf Helgoland .574 Baenitz, Herbarium europaeum et americanum 587 Baford, Die Mistel und die Wasser- nuss in Schleswig-Holstein (Orig.) . 559 Beyer inck, Chlorophyllbildung Inder Finsterniss 247 Bohl ig, Assimilation des atmosphäri- schen Stickstoffs (Orig.) 208 Bokorny, Albumin, Albumose und Pepton im Pflanzenreich (Orig.) . 617 Buscalioni und Huber, Eine neue Theorie der Ameisenpflanzen . . 222 Clause n, Ueber die Vererbung der Wüchsigkeit durch Auswahl des Saatguts 138 Devau.x, Korkwarzen (mit Abbild.) . 619 D i e t e 1 , Einiges über die geographische Verbreitung der Rostpilze (Orig.) . 217 Guignard und Nawaschin, Be- fruchtungsvorgänge bei den Phane- rogamen 273 Harshberger, Biologische Notiz über Rhodendron maximum 165 Ileinze, Zur Morphologie und Physio- logie einer Mycoderma-Art . . . 477 Klebs, Zur Fortpflanzung der Pilze . 403 Krause, Ernst H. L., Reductio gene- rum jilantarum (Orig.) G13 Leviii, Mikroben in den arktischen Regionen 41 L idforss, Cheniotropismus der Pollen- schläucho 42 L o e s e n e r, Grünfärbung der Evo- nymus-Keimlinge (Orig.) 71 Mangin, Eine neue Krankheit der Nelken 80 Möbius, Die Farben in der Pflanzen- welt (Orig.) 109 Nawaschin, Zur Befruchtung der höheren Pflanzen 466 Xoll, Verzweigung von Wurzeln (mit Abbild.) .^ 536 Potouie, Verhalten der Rhododen- dron-Blätter in der Kälte (Orig.) . 166 — , Ersatz erfrorener Frühlingstriebe durch accessorisehe und ;indi>ri' Sprosse 332 Ritter, Abhängigkeit der Bactcrien- Bewegung vom Sauerstoä' .... 41 Rosenberg, Physiologisch -cytologi- sehe Untersuchungen über Droser.i rotundifolia 94 Schellenberg, Getreide - Varietäten Graubündens 572 Schleichert, Beiti'äge zur Biologie einiger Xerophyten der Muschelkalk- hängc bei Jena (Orig.) 445 S c h I ö s i n g - fils , Ammoniakst iekstoff als Nährmittel von Pflanzen ... 616 Schumann und Lauterbach, Flora unserer deutschen Schutzgebiete in der Südsee 620 Sorauer, Das massenhafte Absterben der Süsskirschen am Rhein (Orig.) . 133 S ta h 1 , Ueber Mycorhizen-Bildung u. s.w. 511, 536, 575 Thomson, Befruchtung der Blüthen auf Neu-Seeland . '. 294 V. Tubeuf, Doppeltanne des Berliner Weihnachtsmarktes 188 de Vries, Das Spaltungsgesetz der Bastarde 577 V. Wettstein, Pflanzenwelt der Polar- gegenden und ihr Anpassungsver- mögen an die dortigen extremen Lebensbedingungen 557 Werth, Ostafrikanische Nectarinien- Blumen und ihre Kreuzungsvermittler (Orig. mit Orig.-Abbild.) ... 231 Palaeontologie. -\ rtli, Umwandlung von Holz in mine- ralkohlenähnliche Substanz . . . 610 Bertrand, Zur Genesis der Kohlen . 559 Crämer und Spielker, Wachs der Bacillariaceen und sein Zusammen- hang mit dem Erdöl 115 Fuchs, Was istPalaeontologic? (Orig.) 86 de Gall, Geschmolzenes Holz . . . 440 Lehm an'n-Nitsche, Zur Vorgeschich- te der Entdeckung vonGrypotherium bei Ultima Esperauza (Orig.) 385, 539 P a b s t , W' eitere Beiträge zur Kenntniss der Tliierfäbrten in dem Rothlie- genden Thüringens (Orig. mit Orig. Abbild.) ". 121 Potoni^, Ueber die Entstehung der Kohlenflötze (Orig. mit Orig.Ab- bild.) 28 — , Excursion nach dem Harz ... 30 — , Palaeophytologische Notizen (Orig. mit Abbild.) IX. Zur Nomenclatur der Fossilien 313 X. Versuch, den vorwiegend kata- dromen Aufbau der Farnwedel zu erklären 314 XI. Mit der recenteu Polypodia- ceen-Gattung Dipteris verwandte oder generisch idente mesozoische Reste 31.'i XII. Ueber die systematische Zu- gehörigkeit der Crednerien 505 und 563 Renault u. s. w.. Vorweltliche Bacte- rien und deren geologische Thätig- keit 248 Sclilosser, Ueber fossile Menschen- Affen 330 Sinterbildende Alge 94 Was ist Humus und Bitumen V . . . 527 (Jeoloffie luul 5Iiueral<»g:ie. Andersson, Die quartären Thone Finnlands mit organischen Resten 321 Braun, David, Das Problem des Sera- peums zu Pozzuoli 256 C 1 e V e , Mikroskopische Untersuchungen an Staub vom Treibeise im nörd- lichen Eismeere . . 595 De ecke, Entstehung uml N'erljreitung der Feuersteine 595 Seite V. Fellenberg, Entdeckung eiues neuen Prisen-Meteoriten ' 44(1 Fuchs, Was ist Geologie? (Orig.) . 85 — , Die Geologie und ihre Hilfswissen- schaften (Orig) 113 Hamberg, Basalte des König-Karls- Landes 451 Jentzsch, DieHöhen der europäischen Wanderdünen 32U Matteucci, Der gegenwärtige Zustand der Vulkane in Südeuropa .... 69 Matthias und Beushausen, Her- kunft des Wortes ..Culm" (Orig.) 539, 575 Rekstad, Erdbeben in Norwegen 1895-98 595 Sohle, Grube Grossfürstin Alexandra im grossen Schleifsteinthal bei Gos- lar (Orig. mit Orig.-Karte) ... 74 Steenstrup, Der Name Hvitaa-Bildun- gen 286 Weinschenk, Eintheilung der Me- teoriten 223 Postglaciale Ablagerungen mit Ancylus fluviatilis aus Gothland 4(i5 Physik. Boas, Die luductionsapparatc . . . Polläk und Virag, Neues Schnell- teleL;raphen-System R 11 d u 1 p h , Ueber unsichtbare elektrische Stiaiilung und die Energiequelle der Becquerel-Strahlen (Orig.) . . Sjiies, Wechselstrom und Drehstrom (Orig.) Zeemann scIies Pili Mathematik. Ausdehnung der decimalen Eintheilung auf das'Winkelmaass Deutsche Mathematiker-Vereinigung . Mathematischer Congress zu Paris . . Schäffer-Museum in Jena Astronomie. Brenner, Thätigkeit der Manora- Sternwarte 1899 (Orig. mit Orig.- Abbild.) ._ 145 Fauth, Nochmals „Linne" und lunare Veränderungen (Orig) 236 Hnatek, Die Leoniden des Jahres 189'J (I Irig.) . . . 181 , Neue Planeten und Kometen des Jahres 1899 (Orig.) 292 — , Geschichte der Sternschnuppen- Astronomie (Orig.) 421 — , Entstehung des Planetensystems (Orig.) "... .553 — , Leoniden - Expedition der Wiener Sternwarte (Orig.) 596 Koerher, Neuer grosser Refractor der Potsdamer Sternwarte (Orig.) . . 370 Meteorologie. Assmann, Die für den Dienst zur Erforschung der hölieren Luft- schichten geplanten Vorrichtungen vOrig.) 17 Börnstein, Beziehung zwischen Lutt- druckvertheilung und .Muml-IJceh- nation 21 Elster, Geitel, Thomson tnid Wilson, Ursachen der atmosphäri- .scheu Elektricität 273 Heu II ig, Kritik der Falb'schen Wetter- prognose für den Monat December (Orig) 70 Kremser, Die Ei.-^hoiligeii lies Mai . 273 Inluilts-Veizeiehuiss. Less, Wetter - Moiiiitsübci-sicht (mit Diagrammen über Temperaturen un.- Kreisels . Kräpelin, N;il urstuclliii im Garten • Krjoll, Stereoskop-Bilder .... K ronfeld, Bilderatlas zur Pflanzen- geographio La d e nburg, Entwickelungder Chemie in den letzten 20 Jahren .... L assu r- Coli n , Ueber das Ungeeignete der neuerdings für die Berechnung des Atomgewichts vorgeschlagenen Grundzahl 16 für — , Die Chemie im täglichen Leben . Lauterer, Australien und Tasmanien Lefort, Faules et giiogenie .... v.Lendenfeld, Hochgebirge der Erde V. Linstow, Fortpflanzungsgeschichto der Aale Lippmann, Absolute elektrische Ein- heiten Lorscheid, Anorganische Chemie Lydekker, Geographische Verbrei- tung und geologische Entwickelung der Säugethiere Mach, Wärmelehre — , Grundriss der Naturlehre .... Manchot, Ueber freiwillige O.xydation Maurain, Le magnetismo du fer . . Meilmann, Chemie des tiigliehon wirtschaftlichen Lehens. .... Menendez, Cordillera und Natuel huapi Müller, Felix, Vocabulaire mathe- matique 623 — , Hugo, Misserfolge in der Photo- graphie und ihre Beseitigung . . 479 Münch, Physik 191, 431 Naunyn, Entwickelung der inneren Medicin 514 Nernst, Theoretische Chemie ... 526 Netto, Algebra 227 Oppenheimer, Die Fermente und ihre Wirkungen 538 Ost wald 's Klassiker der exacten Wissenschaften 527 Ostwald, Grundlagen der anorgani- schen Chemie 574 Pahde, Erdkunde 190, 539 Paulseu , Einleitung in die Philosophie 358 Fax, Botanik 263 Pernter, Regenbogen - Theorie und Mittelschule 167 Petzoldt, Einfuhrung in die Philo- sophie der reinen Erfahrung ... 95 Pi etz ker , Sprach- und Sachunterricht 563 P|late,- Darwin'sches Selectionsprinzip 239 Preuss, Geist und Stoff 895 Preyer, Seele des Kindes 467 Ratzenhofer, Der positive Monismus 39i Reinke, Entwickelung der Natur- wissenschaft, insbesondere der Bio- logie im 19. Jahrhundert .... 251 Richter, Lexikon der Kohlenstoff- verbindungen 215 Roisol, Chronologie des temps pre- historiques 226 Römer und Schaudinn, Fauna arc- tica 142 Rössler, Raupen .538 Ruschhaupt, Bau und Leben der Pflanzen 599 Sadebeck, Culturge wachse der deut- schen Colonieen 23 Salmon und Fiedler, Analytische Geometrie der Kegelschnitte . . . 226 Saltarino, Abnormitäten 142 Scheiner, Strahlung und Temperatur der Sonne 191 Schmeil, Leitfaden der Zoologie . . 359 Schmidt. Magnetische Untersuchungen des Eisens u. s. w 431 Scholz, Einfluss der Raumerfüllung aus dem Verlauf chemischer Reac- tionen 2911 Schönichen und Kalberlah, B. Eyfferth's einfachste Lebensformen des Thier- und Pflanzenreiches . . 262 Schröter, Taschenflora des Alpen- wanderers 299 Schnitze, Fritz, Vergleichende See- lenkunde 395 Schwarz, Turkestan 587 Seier, C, Auf alten Wegen in Mexico und Guatemala 538 Smith, Analyse electrochimique . . 227 Sokolowsky, Aeussere Bedeckung der Lacertilien 107 Sterne, Werden und Vorgehen . . 598 Stoekmeier, Galvanostegie und Gal- vanoplastik 311 Strasburger, Noll, Schenk und S c h i m p e r , Botanik für Hochschulen 107 Stuck, Gesundheitsfibel 164 Terschak, Photographie im Hoch- gebirge 383 Thomas, Der longitudinale Elastici- tätsCocfficient eines Flusseisens bei Zimmer- und bei höheren Tempe- raturen 166 Thomson, Mehrphasige elektrische Ströme und Wechselstrommotoren 47 Thompson, Dynamoelektrische Ma- schinen -131 Träger, Halligen und Zukunft der Schleswig - holsteinischen Nordsee- Watten 275 Treptow, Bergbau und Hüttenwesen 16 — , Der Bergbau 46 Inhalts -Verzeicluiiss. VII Seite Turner, Kraft und Materie im Räume 45 Vogel, Handbuch der Pliotographie . 287 Vogt und H o eil ge sang, Katalog über Dünnschlift'-Sammlungon .... 179 Weber, H.. Entwickelung unserer mechanischen Naturanschauung im 19. Jahrhundert " . . 347 VVedekind, Junge oder Mädchen? . ."j."i1 \Vellmann, Das älteste Kräuterbuch der Griechen 95 Werner, Auf den Wogen des Oceans 503 Wink! er, Sudetenflora 347 Wohlrab, Vogtland . 22G Wossidlo, Botanik 251 — , Flora von Tarnowitz 335 Will In er, Experimentalphj'sik . . . 191 Wünsche, Verbreitetste Pflanzen Deutschlands 335 Zehnder, Entstehung des Lebens . 480 Zeiller, Paleobotanique 33."> Zenker, Photochromie 479 Zepf, Mineralogie und Chemie . . . 574 — , Menschlicher Körper 599 Annuaire de l'observatoire municipale de Paris 179 Annuaire de bureau do longitudes 1900 131 Arbeiten aus der biologischen Abthei- lung für Land- und Forstwirthschaft am königl. Gesundheitsamt . 107, 527 Astronomischer Kalender für 1900 . . 131 Bericht der Deutschen Botanischen Gesellschaft 203 Boletin del instituto geologico del Mexico 407 Die natürlichen Pflanzenfamilien . . 539 Festschrift zum 70. Geburtstag Moritz Cantor.s 23 Festschrift zur Enthüllung des Gauss- Weber-Denkmals in Güttingen . . 203 Fortschritte der Physik 1898 .... 191 Geologisch-agronomische Special-Karte von Preussen 119 Jahrbuch der Chemie 35, 527 Jahrbuch der Elektrochemie .... 143 Jahrbuch für Photographic (Eder'sches) 479 Koloniale Zeitschrift 35 Liste neuer Erscheinungen Seite 11 und fast in allen folgenden Nummern. Litteratur über Basilisken .... 335 Litteratur zur Geschichte der Natur- wissenschaft 71 Litteratur zur praktischen Chemie . . 83 Scientia 83 The Oologist .-.87 Verhandlungen der naturforscheuden Gesellschaft in Basel 509 AbbilduHgeii. 457, 4ti3, Acineta (Orig.) . Beut-Kiefer .... Bogen, oceanische . Clathropteris .... Credneria triacuminata Diagramme über Temperaturen und Niederschlagshöhen (Orig.) 33, 81, 129, 130, 178, 238, 286, 333, 393, 394, 440, 490, 491, 550, 597-98. Dinophilus apatris ( Entwickelung) (Orig.) 398, Dipteris Erythrinia indica-Blüthe (Orig.j . . Fagus silvatica (zweibeinig) . . . Fossile Fährtenplatten (Orig.) . 1 Fossiler Parallel-Häcksel (Orig.) . . Grundriss der Baue der Grube Gross- fürstin Alexandra bei Goslar (Orig. Hibiscus rosa sinensis-Blüthe (Orig.) Infusorien-Theilung Jambosa vulg.aris-Blüthe (Orig.) . . Juniperus communis (seltenes Exemplar) Jupiter ........ 145, 148, Karte von Deutschlend mit Angabe der Weinbaugebiete der Reblaus heerde (Orig.) Kigelia acthiopica-Blüthe (Orig.) Korkwarzen am Hollunder . . . Korkwarzen an einer Kartoffel . Korkwarzen an einer Wurzel . . Landschaft der Steinkohlenzeit . Loranthus Dregei-Blüthe (Orig.) . Mars im Januar, Februar, März 1899 147, Musa paradisiaca-Bltithe (Orig.) . . . Palmatopteris furcata US silvestris parvifolia US silvestris (Knollenkiefer) . . . US .silvestris (Beut-Kiefer) .... tanus-Bliittor (Orig.) tritt von Avenarius . . . , . . . „ Cuviei- „ „ Darwin „ „ Deeandolle „ „ du Bois Reymond . . . „ „ Helmholtz „ Koch „ „ Pasteur „ Schieiden „ „ Schwendener Virchow Anatomisches etc. über den Rapserd- floh Saturn im August und September 149, Schema für auadromen und katadromen Aufbau . . Schemata zur Erläuterung der Ent- stehung der pedateu PlatanusBlatt- Aderung aus der Fieder-Aderung (Orig.) Schemata zur Erläuterung der Ent- stehung des katadromen Aufbaues aus der Gabelung (Orig.) .... Schilde der Oceanier (Orig.) .... Spinnen-Augen (zur Ana tomie derselben) .567- Wasserabkochapparat 25, Wurzeln mit Seitenwurzelu (zu Noll) ''^"v^- ^^vs--^^' Redaktion: ? Dr. H. Potonie. Verlag: Ferd. Düimnlers Verlagsbuchhandlung, Berlin SW. 12, Zimmerstr. 94. XV. Rand. Sonntag, den 7. Januar 1900. Nr. 1. Abonnement: Man abonuirt bei aUen Buchhandlungen und Post- ^^ Inserate; Die viergespaltene Petitzeile 40 A. Grössere Aufträge eut^ anstalten, wie bei der Expedition. Der Vierteljahrspreis ist M 4.- gö sprechenden Rabatt. BeUagen nach Uebereinkunft. Ingeratenannahme Bringegeld bei der Post 15 ^ extra. Postzeitungsliste Nr. 5301. Jt bei allen Annoncenbureaus wie bei der Expedition. Abdi'Ufk ist nnr mit vollstäudis^ei- Quellenaiigabe ge'**»**«'*- Der neunte naturwissenschaftliche Feriencursus für Lehrer an höheren Schulen, abgehalten in Berlin vom 4. Ocfober bis 14. October 1899. Boricht iiuf üi'iinrl der eingegangenen Beiträge sowie eigener Aufzeiclinungen von Prof. Dr. B. Schwalbe. Wie im Jahre 1897 nuisste auch in diesem Jahre der naturwissenschaftliche Feriencursus von Ostern auf Michaelis 1899 verlegt werden, vor allem deshalb, weil die Leiter des Cursus, die Herren Vogel und Schwalbe, Ostern durch anderweitige Arbeiten sehr in Anspruch ge- nommen waren. Die sehr zahlreiche Betheiligung in den Michaehs- ferien (43 Lehrer) legte den Gedanken nahe, ob nicht überhaupt fiii- die Provinzen, aus welchen die Lehrer zum Feriencursus kommen, d. h. den sämmtlichen ostelbischen Provinzen einschlic.'jslich Sachsen und Schleswig-Holstein der Michaelisterniin günstiger wäre, als Ostern. Manche Gründe sprechen dafür. Die Michaelisferien dauern meist 14 Tage, sodass der Cursus für viele Anstalten innerhalb der Ferien fällt, Michaelis ist vielfach kein Schlussterrain des Schuljahres, Versetzung und Examina finden nicht statt, die Jahreszeit ist günstiger, Festtage können nicht störende Verschiebungen veranlassen, Urlaub ist, wo er- forderlich, leichter zu erlangen, als Ostern und so sind es noch manche Umstände, die für diese Zeit sprechen, während andererseits die Gewinnung der Lehrkräfte schwieriger ist, da viele Doceuten sich nicht gern schon vor den grossen Ferien, also im Juni, binden mögen. Das Programm muss (lann als vorläufiges aufgestellt werden und erfährt dann leicht, wie auch diesmal, Um- änderungen. Zum Feriencursus waren einberufen und erschienen die im nachstehenden Verzeichniss aufgeführten Lehrer. Provinz O s t p r e u s s e n : 1 . Prof. F u h m a n n von der Ober- Realschule zu Königsberg. — 2. ()berl. Borchevt vom Gymnasium in Lyck. — 3. Oberl. Landsberg vom Gymnasium in Allenstcin. — 4. Obcrl. Dr. Mil thaler vom Realgymnasium in Tilsit. — Provinz Westpreussen: 5. Prof. Paszotta vom Gymnasium in Konitz. — 6. Prof. Henneckc vom Progymnasium in Pr. Fried- land. — 7. Oberl. Keil vom Königl. Gymnasium in Danzig. — 8. Oberl. Kronke von der Realschule in Graudenz. — Provinz Brandenburg: 9. Oberl. Striinipfler vom Gymnasium in Guben. — 10. Oberl. Timne vom Gymnasium in Gr. Lichtcrfelde. — U. Oberl. Scheele von der 10. Realschule hier. — 12. Oberl. Dr. V. Hanstein von der 6. Realschule hier. — 13. Oberl. Dr. Hoffmann von der 5. Realschule hier. — 14. Oberl. Dr. Rengel vom Realgymnasium in Potsdam. — 15. Oberl. Seifert II von der Oberrealschule in Charlottenburg. — lü. Oberl. Karsten vom Gymnasium in Luckau. — 17. Oberl. Kuckuck vom Gymnasium in Züllichau. — 18. Oberl. Franke vom Andreas-Realgymnasium hierselbst. — 19. Wissenschaftlicher Hilfslehrer Jool vom Lessing- Gymnasium hierselbst. — 20. Wissenschaftlicher Hilfslehrer Ka- lischer vom Gymnasium in Wittstock. — Provinz Pommern: 21. Prof. Dr. Jahn vom Gymnasium in Dramburg. — 22. Oberl. Friedrich vom Gymnasium in Anklam. — 23 Prof. Dr. Kind vom Königl. Wilhelms - Gymnasium in Stettin. — 24. Obcrl. Schmidt vom Gymnasium in Kolberg. — Provinz Posen: 25. Oberl. Kuert vom Gymnasium in Nakel. — 26. Oberl. Ratsch vom Mariengymnasium in Posen. — 27. Oberl. Kasnoh vom Gymnasium in Rogasen. — 28. Oberl. Sturtzel vom Gym- nasium in Gnesen. — Provinz Schlesien: 29. Realgymnasial- director Gullin in Neisse. — 30. Prof. Blasel vom Gymnasium in Leobschütz. — 31. Prof. Dr. Kalischek voui Matthias-Gym- nasium in Breslau. — 32. Oberl. Bricke vom Realgymnasium in Grünberg i. Schi. — 33. Oberl. Dr. Gesehöfer vom Gymnasium in Oels. — 34. (tberl. Hocke vom Gymnasium in Glatz. — Pro- vinz Sachsen: 33. Prof. Dr. Franke vom Gymnasium in Schleusingeu. — - 3G. Oberl. Holtze vom Domgymnasium in Neuen- bürg a. 0. — 37. Oberl. Dr. Schumann vom Gyronasiuui in Nordhausen. — 38. Oberl. B ü h r i n g vom Gymnasium in Wernigerode. 39. Oberl. Dr. Dorge von der Realschule in Quedlinburg. — 40. Oberl. Naundorf vom Gymnasium in Torgau. — Provinz Schleswig-Holstein: 41. Prof. Fiedler vom Gymnasium in Schleswig. — 42. Oberl. Ostcrloh von der Oberrealsohule in Flensburg. — 43. Oberl. Nitsehe vom Gymnasium Kiel. Mit dem Cursus war diesmal wiederum eine Ausstellung verbanden, die vor Allem den physikalischen Unterricht berücksichtigte und von hiesigen Firmen reichlich be- schickt wurde. Es war von ihnen, so auch vor Allem Naturwissenschaftliclie Wochenschrift. von der Allgemeinen Elektricitäts-Gesellschaft in Berlin, keine Mühe gescheut, die Ausstellung recht fruchtbar zu machen. Neben der Ausstellung durch die Firmen und Mechaniker hatte das Dorotheeustädtische Eealgymnasium einen Theil seiner reichen Unterrichtsmittel namentlich in Beziehung zu den Vorlesungen zur Anschauung gebracht. Die Ausstellung gewann noch dadurch besonders an Interesse, dass besondere Besiclitigungszciten unter Füh- rung angesetzt wurden und auch die Vertreter der Firmen das gefällige Entgegenkommen hatten, die einzelnen Apparate zu demonstriren. Um das Zustandekommen der Ausstellung hatte sich auch diesmal Herr Prof. Heyne vom Falk-Reaigymnasium besonders verdient gemacht, der auch einen kurzen Bericht der Redaction zur Ver- fügung gestellt hat (cf. unten). Eiiue grosse Anzahl von Prciscouranten und Schriften, die für den naturwissen- schaftlichen Unterricht von Wichtigkeit sind, „Naturw. Wochenschr." (Potonie), „Naturw. Rundschau" (Sklarek), „Zeitschrift für physikalischen und chemischen Unterricht" (Poske), Unterrichtsblätter (Pielzker, Schwalbe) standen zur Verfügung. Die Vorlesungen fanden zum Theil in dem Dorotheen- städtischen Realgymnasium, z. Tb. in den Instituten statt, deren Vorsteiier oder Docenten dem Feriencursus freund- lichst ihre Mitwirkung gewährten. Der Cursus wurde eröffnet durch Herrn Provinzial- Schulrath Vogel, der in seiner Bewillkommnung kurz die Einrichtung und das Programm des Feriencursus charak- terisirte und den staatlichen und städtischen Behörden den Dank für diese Förderung des naturwissenschaftlichen Unterrichts aussprach. Herr Geh. Ober-Reg.-Rath Meinerts, der begleitet von Herrn Tilmann im Auftrage des Herrn Ministers erschienen war, wies auf die Wichtigkeit der Einrichtung hin. Der Eröifnung schloss sich nach einigen geschäftlichen Mittheilungen die erste Vorlesung des Herrn Oberlehrers Dr. Lüpke an. Folgendes Programm kam zur Durchführung: Vorlesungen. 1. Obei-1. Dr. Lüpke: Geschichte der Gasbeleuchtung bis zur Neuzeit. 2. Prof. Dr. Gabriel: Die neuesten Forschungen über Zu- sammensetzung der Luft. 3. Director Dr. Spies: Wechselstrom und Drehstrom und ihre Verwendung. ' " 4. Dr. Behn: Die Eigenschaften der Körper bei tiefen Tempe- raturen. 5. Dr. Boas: Die verschiedenen Inductionsapparate und ihre historische Entwickelung nebst Versuchen mit Röntgen- strahlen, ausgeführt mit Apparaten der Allgemeinen Elek- tricitäts-Gesellschaft. 6. Dr. Scjiott: Der Verlauf und jiie wicjitigsten geographi- ~ dem sehen Ergebnisse der deutsch Dampfer Valdivia, Prof. Dr. Hertwig: Ueberblick Tiefsee-Expedition auf ' über die ersten funda ntalen Entwickelungsprozesse des thierischen Eies, if. Dr. M u n k : Aus dem Gebiete der Nervenphysiolog Kgl. Bezirksgeologe Dr. H. Po ton Kohlenflötze. Die Entstehung der Schulversuche aus Nautik und ^•hliigenden logie Prof. Dr. B. Schwalbe: Alte und n dem Gebiete der Physik und Chemie Prof. Dr. B. Schwalbe: Berücksiohi Hygiene im Unterricht unter Vorfülin Lehrmittel des Dorotheenstädtischen Prof. Dr. Schwalbe: Berücksichtig Unterricht unter Vorführung der einschlagenden Lehrmitte des Dorotheenstädtischen Realgymnasiums. Besichtigung und Erklärungen. Besichtigung der Ausstellung physikalischer und chemischer Unterrichtsmittel im Dorotheenstädtischen Realgymnasium mit Demonstrationen unter Leitung des Prof. Dr. S c h w a 1 b e . Besichtigung der Apparat- und Maschinenfabrik der All- gemeinen Elektricitäts-Gesellschaft. Besichtigung der Centrale der Berliner Elektricitätswerke am Schiffbauordamm. Besichtigung dns Postmuseums. 5. Besichtigung der Thierarzneischule. 6. Besichtigung des zoologischen Gartens unter Leitung des Prov.-Schulraths Dr. Vogel. 7. Besichtigung des aeronautischen Observatoriums am Tegeler Schiessplatz. Demonstration und Vortrag über die ver- schiedenen aeronauti^hen Apparate von Prof. Dr. Ass- mann. Den Schluss des Cursus bildete eine höchstinteressante Excursion auf den Brocken unter Leitung des Herrn Dr. Potonie, durch welche den Theilnehmern Gelegen- heit geboten wurde, die neue Brockenbahn kennen zu lernen, einen Einblick in den orographischen Bau dieses Theiles des Harzgebirges zu erhalten, ein Rrockenmoor zu besichtigen, und Auskunft über den Harz und einige Natur- merkwürdigkeiteu desselben zu erhalten. Die Excursion nahm die Zeit von Freitag Nachmittag bis Sonntag Vor- mittag in Anspruch. Der Schluss des Cursus erfolgte durch eine Ansprache des Directors Schwalbe auf dem Brocken, in welcher ein Rückblick auf die geleistete Arbeit und ein Ausblick auf die Ziele der Feriencurse im Allgemeinen gegeben wurde. Abgesehen von den directen, durch die Excursionen gebotenen Förderungen haben dieselben auch einen an- deren allgemein fördernden Theil. Es ist natürlich, dass im Gespräche von Seiten der Collegen und Leiter, die mannigfaltigsten Punkte zur Erörterung kamen. Abge- sehen von den rein persönlichen Beziehungen, die wieder in Erinnerung zurückgerufen oder neu angeknüpft werden, bilden naturgemäss die Schnleiurichtungen und der Schul- unterricht den Hauptinhalt für diesen Gedankenaustausch. Wie vielfach noch der Durcliführuug des Experimentes Hindernisse im Wege stehen, wie der rechnerische Unter- richt überwiegt oder das Cabinet nicht immer die noth- wendigsten Apparate enthält, wird hervorgehoben. Die Schwierigkeiten, die in der kleinen Stadt bestehen, durch irgend .Jemand Reparaturen durchführen zu lassen, die Umständlichkeit, welcher Erkundigungen, die man über Apparate einziehen will, unterliegen, der Mangel an Sicherheit betreff der Güte der Apparate, alles dieses und vieles andere wird im Gespräciie mitgetheilt und erörtert. Wünsche werden ausgesprochen, wie der, ein vollständiges Unterrichtsbild über einige Abschnitte der Physik und Chemie zu eihalten, sodass sich Jeder das Bild eines gewissen Normal- oder Musterunterrichts zurechtlegen kann, oder die Behandlung und historische Entwickelung eines besonders wichtigen Apparates (z. B. der Dynamo- maschine) mit allen Einzelursachen kennen zu lernen oder auch, die Bezugsquellen für bestimmte Unterrichtsmittel nachgewiesen zu haben. üeberhaupt ist diese Seite der Feriencurse durchaus nicht zu unterschätzen. Der Verkehr der Collegen der Schulen der verschiedensten Landestheile untereinander einerseits, der mit den Berliner Collegen und den Uni versitäts- docenten andererseits geben für jeden Theilnehmer, Leiter und Docenten eine Fülle von Anregungen, die oft zur Ausgestaltung des Unterrichts im Einzelnen verwendet werden. Wenn im nächsten Jahre ein Ueberblick der natur- wissenschaftlichen Feriencurse nach zehnjährigem Bestehen derselben gegeben wird, ist die Gelegenheit geboten, auf diese und andere Punkte näher einzugehen. Nun mögen die einzelnen Berichte über die Vor- lesungen folgen, die von den Herren Docenten zum grössten Theile selbst gegeben sind. Einige derselben werden auch z. Th. in Buchform ausführlicher veröffentlicht werden. Es ist ein sehr berechtigter Wunsch, die Vorlesungen, welche z. Th. eigene Resultate, Forschungen und neue Versuche enthalten, ausführlich wiedergegeben zu sehen; geben sie doch auch vielfach den Stand unseres Wissens in einzelnen Fragen, der oft nur mühsam aus den ein- XV. Nr. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. zehien Zeitschriften an der Hand der Originalarbeiten er- mittelt werden kann, aber sowohl die Herren Docenten wie der Redakteur des Berichts sind oft so durch ander- weitige Arbeiten in Anspruch genommen, dass schon dadurch ein solcher ausführlicher Bericht undurchführbar wird, dem auch noch andere Schwierigkeiten entgegen- stehen würden. Auch ist es nicht möglich, den Inhalt der Vorträge vorher den Theiluehmern kurz mitzutheilen. Oberlehrer Dr. Lüpke: Geschichte der Gasbeleuch- tung bis zur Neuzeit. Nachdem in der Einleitung auf das allgemeine Interesse, welches das Beleuchtungswcsen mit Recht bietet, hingewiesen ist, werden zunächst die primitivsten künst- lichen Lichtquellen, auf die man bis zur Mitte dieses Jahrhunderts beschränkt war, vom Kienspan an bis zur Moderateuriampe, vorgeführt. Die dann folgenden Be- trachtungen schliessen sich an die Kerzenflamme an. Jede mit Flarameuerscheinung stattfindende Verbrennung setzt das Vorhandensein brennbarer Gase voraus. Letztere werden von der brennenden Kerze durch den Vorgang der trockenen Destillation der Kerzensubstanz während des Verbrennens selbst erzeugt, sammeln sich in dem inneren Raum der Kerzenflamme an und bewirken durch die im äusseren Flammenmantel vor sich gehende Ver- einigung mit dem Sauerstoff der Luft die Lichterscheinung. Indessen eniittiren die glühenden Gase an sich nach dem Kirchhort'schcn Gesetz nur wenig Licht. Dagegen ist die Lichtemission der glühenden festen Körper jenem Gesetz gemäss weit vollkommener, und es liegt den glühenden Kohlenstofftheilchen, die sich in dem mittleren Flammen- niantel nach der Davy-Lewes'schen Theorie durch Zer- setzung der kohlenstoflfreicheren Gase ausscheiden, in hohem Maasse das Vermögen inne, den Liebtäther in sichtbare Schwingungen zn versetzen. Die Flamme eines brennenden Gases ist um so heller, je mehr Kohlenstoff, dem selbstverständlich eine genügende Luftzufuhr ent- sprechen muss, in der Zeiteinheit glüht (Carburirung), und je höher die Temperatur der Flamme ist (Wien'sclies Gesetz). Hierauf werden die industriell durch trockene Destilla- tion gewonnenen Leuchtgase behandelt. Die Braunkohien- theeröle und Erdölrückstände liefern das Oel oder Fett- gas, dessen Fabrikation und Anwendung auseinandergesetzt werden. Besonders ausführlich wird das Steinkohlengas erörtert, und zwar wird der Fabrikationsgang in seinen Einzelheiten unter Berücksichtigung der wesentlichsten Neuerungen erläutert, und ferner wird ein geschichtlicher Ueberblick über die fortschreitende Entwickelung dieses Zweiges der chemischen Industrie bis zur Neuzeit mit Hinzufügung statistischer Daten gegeben. Die Holzgas- industrie (nach Pettenkofer) wird, weil sie auf wenige Orte beschränkt ist, nur kurz angedeutet. Dagegen mehr wird die im Saalegebiet gedeihende Braunkohlenindustrie berücksichtigt, welche, wenn auch kein Leuchtgas, dennoch brauchbare Lichterzeuger in flüssiger und fester Gestalt liefert. Letztere führen dann zur Betrachtung des Erdöls und seiner Destillationsproducte, die denen des Braun- kohlentheers sehr ähnlich sind, obwohl die Entstehung der Erdöllager von den Fettmassen vorweltlicher See- thiere hergeleitet wird. Es werden die bedeutenderen Vorkommen des Erdöls und die Zusammensetzung und Verarbeitung der Rohöle behandelt, ferner werden einige Angaben über die Production und den Consum des Petroleums gemacht, sowie die Mittel angeführt, von denen man bei einer übermässigen Preissteigerung des Petroleums Ersatz erwartet. Auch die Constructionen der Petroleumlampen werden erwähnt. Das nicht leuchtende Wassergas, welches seit meh- reren Jahren in der Union ausgedehnte Anwendung ge- funden hat, weil hier einerseits in den Erdölrückständen reiche Carburirungsmittel zur Verfügung sind, anderer- seits bei Mangel an flammbaren Kohlen grosse Anthracit- lager vorkommen, hat jüngst auch in einigen Staaten Europas festen Fuss gefasst und wird noch mehr an Boden gewinnen, da es eine rationellere Ausnutzung der Kohlen- vorräthe herbeiführt. Seine Gewinnung beruht auf einer durch Wasserdampf in hoher Temperatur bewirkten völligen Vergasung (nicht Entgasung) der Kohlen. Des Näheren wird die Fabrikationsmethode von Strache aus- einandergesetzt, nach welcher Steinkohlen mit Regenerativ- feueruug verwendet werden. Schliesslich wird von den zu Beleuchtungszwecken dienenden Gasen das Acetylen behandelt, welches sich seit der fabrikmässigen Gewinnung des Calciumcarbids vom Jahre 1894 bis jetzt immer mehr Bahn bricht. Um die Schwierigkeiten, die einer schnelleren und allgemeineren Einführung dieses so stark leuchtenden Gases im Wege standen, verständlich zu machen, werden die Eigenschaften desselben näher gekennzeichnet. Insbesondere werden die neuesten Forschungen über die Explosibilität der Acetylen- Luftgemische und des comprimirten Acetylens, sowie der Metallverbindungen dieses Gases zusammenfassend dar- gestellt. Daraus ergeben sich die bei der Gewinnung und Reinigung des Gases zu beobachtenden Maassregeln, so- wie die enger begrenzten Verwendungsgebiete, unter denen die Carburirung des Oelgases besonders zu betonen ist. Die Argandlampen für Gas und Petroleum waren bis zum Ende der 70er Jahre die am meisten gebrauchten Beleuchtungskörper. Da traten die elektrischen Lampen für Bogenlicht und Glühlicht als Concurrenten auf, und zwar mit einem Erfolg, welcher die Existenz des Kohlen- gaslichtes stark bedrohte. Indessen nahm die Gastechnik den Kampf mit der Elektrotechnik auf und führte ihn zu ihrer völligen Befriedigung bisher durch. Zunächst kam ihr das Regenerati v'prinzip von Friedrich Siemens, nach welchem die Temperatur und somit auch die Leuchtkraft der Kohlengasflamme erheblich gesteigert werden konnte, zu statten. Man construirte eine Reihe von Regenerativ- brennern für Gas und Petroleum, welche den durch das elek- trische Bogenlicht gesteigerten Anforderungen in gewissem Maasse genügten. Dann aber erschien im Jahre 1886 als wirksamstes Rettungsmittel der bedrängten Gastechnik das Auer'sche Gasglüblicht, eine wahrhaft grossartige Erfindung, eine von denjenigen, die sich die ganze Welt erobert haben. Dieses Licht ist ein Incandescenzlicht. Als Wärmequelle dient gewöhnlieh die Flamme des Bunsen'schen Brenners. Aus letzterem geht ein inniges Gemisch von Leuchtgas und Luft hervor. Dasselbe wirkt bei der Verbrennung wie ein (durch den Stickstoff der Luft freilieh verdünntes) Gemisch von Kohlenoxyd und Wasserstoff und giebt daher eine nicht leuchtende aber sehr heisse Flamme. Der leuchtende feste Körper des Gasglühlichtes wird nach Auer's Erfindung durch Ver- aschen eines cylindrischen, mit einem bestimmten Gemisch der Nitrate der edlen Erden imprägnirten Baumwoll- gewebes, sogenannten Strumpfes, und Scharfbrennen des Aschenrückstandes mittels comprimirten Leuchtgases her- gestellt. In öconomischer Beziehung übertrifft bekannt- lieh dieses Licht alle bisherigen Lichtquellen, besonders wenn der Strumpf auf einem mit Wassergas gespeisten Argaudbrenner, bei welchem die hindernde Wirkung des Luftstickstoffs ausgeschlossen ist, angebracht wird. Trotz der grossen Vorzüge, die das Auer'sche Licht bereits aufzuweisen hat, geht mau unermüdlich damit um, Ver- Nalurwissenschaftlicbe Woclicii! ♦ ^* ♦ ©oeßeii erfd^ien: ♦ |Um 9ie Erde in Wort nnd IM.\ X fllit 542 3Uu)lrotioiitti. 1044 Otiten, gr. S". X ♦ 2 »äitbc. ©c^cftct 12 mati, clcfiont flcftmiScn l(i 'Mavt. ♦ ^ ^ 3" bcsieljen tiuviQ ade !BudiT)anbIungcn. i^ X ♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦»♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦»♦♦♦♦♦♦♦♦ PATENTBUREAU airich R. jVlaerz Jnh.C.Schmidtlein.Jngenieur Berlin NW., Luisenstr.22. (jratis "1 franko liefern wir den 3. Braohtrag- (Juli 1897 bis Juni ISOy) zu unserem Verlagskatalog. Ferd Dümmlers Verlagsbuchh., Ferd. Dämmlers Yerlag sbachhaudliing in Be rlin SW. 12. Lehrbuch der Pflanzenpalaeontologie mit besonderer Rücksicht auf die Bedürfnisse des Geologen. Von H. Potonie, Kgl. Bezirksgeologen, beauftragt mit Vorlesungen über Pflanzenpalaeontologie an der Kgl. Bergakademie zu Berlin. 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Projectionsapparate alle Darstellungen und Zwecke .A-Ai\r /.usaiiinii'iilassende Beschreibung aller meiner optischen Apparate ist in der im Verlag von W. Engelmann in Leipzig erschienenen Schrift: „Die optischen Instrumente der Firma R. Puess, deren Beschreibung, Justirung und An- wendung von C. Leiss" gegeben." U^" Siehe auch das Inserat in vorletzter Nummer. "96 Die Insekten- Börse Internationales Wochenblatt der Entomologie :3lj^Ä ibi i^a ,,;,;.,i,. .; ;;i'ii lind Naturfreunde das hervorra:eudste Blatt, welches wogen der be- lehrenden Artikel, sowie seiner internationalen und grossen Verbreitung betreffs Ankauf, Ver- kauf und Umtausch aller Objecte die weit- gehendsten Erwartungen erfüllt, wie ein Probe-Abonnementlehren dürfte. Zubeziehen durch die Post. Abonnements - Preis pro Quartal Mark 1.50, für das Ausland per Kreuzband durch die Verlags -Buchhandlung Frankenstein & Wagner, Leipzig, Salomon- strasse 14, pro Quartal Mark 2.20 = 2 Shilling 2 Pence = 2 Fr. 75 Cent. — Probenummem^ gratis und franco. — Insertionspreis pro 4gespaltene BorgiszeUe Mark — .10. Ferd. Diininilers Verlagsbuchhandlung in Hfrlin SAY. 1'2, Qöätft avi^Xntüe — vovnt\\m aptHottttc gMBnt>rd)rift! Irilj J!o!|flf«ii!!. ^Ijfntnicr Etncs tinitrflifn ,. ,. j-:„s«..l.rt..rt gttliffsinnBfn in giautldioii. V"«! inlOrilDfrg. Plit 4 feinen farlicnbilbcvn nad| ^qnnrrUcn »Oll Jliilli) Ittcvncr iinb 111 atlMltuiiae» im Scjct •iWl luiiiii luoi; t!)r:lnu. — yrfis tfffl. flf6. 4 ^(i. 1011 .itlcinl f,al. (Ein licmiirtic TiitflcOuilfl Olckl)^ - ajEftrineaml lidjciiSaiib (Ämüdcn |P{ Jii brjifiii:!! üurd) allf giiitiliniiMiinGtn. Verantwori lieber Redacteur: Di-. Henry Potonie, Gr. Licbterfelde (P.-B.) bei Berlin, Potsdamerstrasse 3,"), für ib'U Inseratentbeil: Hugo Bernstein in Berlin. — Verlag: Ferd. Dümmlers Verlagsbuchhandlung, Berlin SW. 12. — Druck: G. Bernstein, Berlin SW. 12. _ Redaktion: ? Dr. H. Potonie. Verlag: Ferd. Düjimlers Verlagsbuchhandlung, Berlin SW. 12, Zimmerstr. 94. XV. Band. »Sonntag, den 14. Januar 1900. Nr. Abonnement : Man abonnirt bei allen liuchhanaiungen und Post- anatalten, wie bei der Expedition. Der Vierteljahrspreis ist JC 4.— BrinKegeld bei der Post 15 ^ extra. Postzeitungsliste Nr. 5301. Inserate : Die viergespaltene Petitzeile 40 A. Grössere Aufträge eul- sprechenden Rabatt. Beilagen nach Uebereinkunft. Inseratenannahme bei allen Annoncenbureaus wie bei der Expedition. Abdvnck ist nnr mit vollständi^ei* Qnellenan8;abe gestattet. Der neunte naturwissenschaftliche Feriencursus für Lehrer an höheren Schulen, abgehalten in Berlin vom 4. October bis 14. October 1899. Bericht auf Grund der eiugegiinffenen Beiträge sowie eigener Aufzeichnungen von Prof. Dr. B. Schwalbe. (Fortsetzung.) S. Gabriel: Neueste Uiitersuchung über die Zusainmeusetzung- der Atmosphäre. Der Vortragende giebt eine gedrängte Uebersicht über die Resultate, welche von Lord Eayleigh und Prof. W. Ramsay bezw. von letzterem in Gemeinschaft mit Dr. Travers und Dr. Collie bezüglich der bis vor Kurzem unbekannten Elemente der Atmosphäre erhalten worden sind. Zunächst wird die Befreiung des am besten unter- suchten Elements Argon vom beigemischten Stickstoff durch elektrische Verbrennung („Funken") mit Sauerstoff sowie durch Absorption mit Magnesium resp. Magnesium- Kalk an Hand von Photogrammen der betreffenden Apparate demonstrirt; es werden die wichtigsten Eigen- schaften des Elements erwähnt und die physikalischen Constanten zugleich mit denen der übrigen Begleiter des atmosphärischen Stickstoffs tabellarisch vorgeführt. Hieran knüpft sich eine kurze Schilderung des He- liums, seiner verschiedenen Vorkommen (Sonne, Fix- sterne, Mineralien, Quellen, Luft), sowie der Diifusions- versuche Ramsay 's, durch welche die Einheithchkeit dieses nächst dem Wasserstoff leichtesten Elements er- wiesen ist. Die jüngsten Untersuchungen betreffen die fractionirte Destillation des durch starke Kühlung condensirten rohen Argons (bezw. der flüssigen Luft); aus dem Condensat hat sich das Metargon (welches nahezu die gleiche Atomgrösse wie Argon besitzt) als feste Substanz aus- geschieden, während beim Verdunsten des verflüssigten Autheils Helium Neon, Argon, Krypton, Xenon der Reihe nach mehr oder minder rein gewonnen werden. Um Neon, welches nächst Argon und Helium am meisten bearbeitet ist, von den letztgenannten Elementen VAX befreien, wird das Gemisch dieser 3 Gase mit flüssigem Sauerstoff bei möglichster Abkühlung behandelt, so dass wesentlich Helium uncondensirt hinterbleibt, während die mittlere Fraction gereinigtes Neon darstellt; letzteres wird weiter gereinigt. Die Stickstoft'begleiter reihen sich wie folgt in das periodische System ein: VII. Gruppe I. Gruppe (H 1) Helium 4 F 19 Neon 20 N 35,5 Argon 40 Br 80 Krypton 81,6 J 127 Xenon 128 Diese den neuen Luftelementen zugewiesene Stellung zwischen denen der VII. und denen der L Gruppe harmonirt, wenn man von der kleinen Anomalie beim Argon (welches seiner Atomgrösse nach eigentlich nicht vor, sondern hinter das Kalium gehört), absieht, durchaus mit den numerischen Werthen; aber sie ist auch noch in anderen Beziehungen ein sehr zweckmässiger Ausdruck der Thatsachen: einerseits nämlich stehen die neuen Elemente, die ja sämmtlich durch chemische Indifferenz und Einatomigkeit zusammengehören, zu einer Classe zu- sammen, andererseits findet ihre Indifferenz darin einen Ausdruck, dass sie die Mitte zwischen den stark elektro- negativen Halogenen und den stark elektropositiven Alkali- metallen einnehmen. Gabriel. Li 7 Na 23 K 39 Rh 85 Cs 133 Naturwissenscliaftliclie Wochenschrift. XV. Nr. Dr. U. Beim: Eigeuschaften der Körper bei tiefen Temperaturen. Der Hauptsache nach wurden dieselben Experimente, wie vor anderthalb Jahren*) vorgeführt. Inzwischen ist ein weiteres Vordringen gegen den absoluten Nullpunkt hin zu verzeichnen. Schon im Mai 1898 war es De war gelungen, Wasserstoff in grösseren Mengen /ai verflüssigen. Die Fortsetzung der Unter- suchung hat nun zunächst gezeigt, dass eine nicht un- erhebliche Correctur der bisherigen Temperaturangaben über Siedepunkt etc. des Wasserstoifs erforderlich war: Bei Gelcgenlieit eines Versuchs, die Temperatur des unter reducirtem Drucke siedenden Wasserstoffs zu bestimmen, bemerkte Dewar, dass das Platinthermometer**) bei sinkendem Druck — womit natürlich ein Sinken der Siedetemperatur verbunden sein musste — kein merk- liches Abnehmen des Widerstandes mehr zeigte. Danach war also das Platinthermometer bei diesen Temperaturen nicht mehr brauchbar. Ebenso versagten Widerstands- thermometcr aus Legirungeu, und Thermoelemente. Erst als Dewar ein Gasthermometer***), das mit Wasserstoff von geringem Drucke gefüllt war, verwandte, erhielt er bessere Resultate. Danach ist die kritische Temperatur des Wasserstoffs — 242°, die normale Siedetemperatur — 252°, die Schmelz- temperatur — 256° t). Wasserstoff erstarrt bei dieser Temperatur unter 55 mm Druck zu einer glasigen Masse. Luft gefriert schon erheblich oberhalb der normalen Siedetemperatur des Wasserstoffes. Ihr Dampfdruck bei — 252° ist nur noch ein äusserst geringer, wie folgender Versuch zeigt: Dewar tauchte ein an beiden Enden ge- schlossenes Glasrohr, dessen Wände zunächst sorgfältig von Grasen befreit und das dann mit reiner trockner Luft tt) von Atmosphärendruck gefüllt war mit dem einen Ende in flüssigen Wasserstoff. Dann coudensirte sich die in der Röhre enthaltene Luft in dem eingetauchten Theil bis auf einen Rest nach Maassgabe des Dampf- drucks, den das Lufteis bei dieser Temperatur besitzt. Dieser Rest erwies sich nun, nachdem der obere Theil der Röhre abgeschmolzen war, als so gering, dass es zunächst nicht möglich war, electrische Entladungen durch denselben zu schicken; der Druck war danach auf weniger als ein Milliontel Atm. zu schätzen. Durch ein Experiment, das nach Analogie des be- schriebenen angestellt wurde, zeigte der Vortragende, dass die Dampfspannung der Kohlensäure bei der Temperatur der flüssigen Luft nur noch eine sehr geringe ist. Ein beiderseits geschlossenes, mit Kohlensäure ge- fülltes Rohr wurde mit dem einen Ende in flüssige Luft getaucht. Schon nach einer halben Minute bringt der Sccundärstrom eines kleinen Inductoriums die Röhre zum Leuchten. Der Druck im Rohr nimmt weiter ab, und nach kurzer Zeit zeigt die Entladung die bekannten Schichten. Ein quantitativer Schluss auf den Druck der Kohlen- säure bei der Temperatur der siedenden Luft ist aber bei diesem Versuch nur dann zulässig, wenn die Glas- wände vor der Füllung äusserst sorgfältig von Gasen befreit worden sind. Behn. 1 .■f. X:iturw. Wochenschr. XIII. p. 374, 1898. ) l'.li'ktii-rhei- Widerstand, gebildet durch einen äusserst ■* ) Der (Irund dafür, dass man nicht von vornherein mit dem Wasserstofl'theruiometer gemessen hatte, ist wohl darin zu suchen, dass zuerst nur wenige com flüssigen Wasserstoffs hergestellt werden konnten. Aus Versuchen von Olszewski ist bekannt, dass man ein Gasthermometer recht gut bei Siedetemperatur desselben Gases verwenden kann, wenn der Druck im Thermometer nur hinreichend gering ist. t) C. R. CXXIX, p. 4.54, 1899. ti-) Oder auch Stickstoff oder Sauerstoff. Herr Dr. Boas gab im besonderen Vortrage einen Ueberblick über die verschiedenen Induktions- apparate mit historischen Rückblicken und ihre Ver- wendung für Röntgenstrahlen und Röntgenröhren. Es wurden mit den Apparaten der allgemeinen Elektricitäts- Gesellschaft die Versuche durchgeführt. Die Apparate functionirten vorzüglich; auch wurden zwei Photographien aufgenommen (Hand und Brustkorb); Abzüge davon wurden den Mitgliedern zugesandt, die überdies eine grosse An- zahl von typographischen Darstellungen (Preislisten, An- sichten etc.) der Greselischaft erhielten. Hierfür wie für die sachkundige Führung durch die Apparaten- und Maschinenfabrik ist der Ferienkursus der Gesellschaft und ihren Beauftragten dankbar verpflichtet. Dr. P. Spies: Ueber Wechselstrom und Drehstrom. Die Versuche, welche aus Mangel an Zeit nur zum Theil ausgeführt werden konnten, sind an dieser Stelle (Naturw. Wochenschrift 1898, Seite 376 u. ff'.) und aus- führlicher auch in der Zeitschrift für den physikalischen und chemischen Unterricht (1898, Seite 273 u. ff.) bereits beschrieben worden. Von neuereu Versuchen wurden vornehmlich solche mit der Braun'schen Rüiirc gezeigt. Eine durch einen Motor in schneüe Drehung versetzte Influenzmaschine liefert hochgespannten Strom, welcher in einem Kathodenstrahlröhre einen Lichtpunkt auf einem der Kathode in grosser Entfernung gegenüberstehenden Leuchtschirm erzeugt. Die Maschine muss so ergiebig sein, dass es einer ziemlich schnellen Rotation des Dreli- spiegels bedarf, um dieses Leuchten intermittirend er- scheinen zu lassen. Das Kathodenstrahlbündel wurde nun abgelenkt: a) mit einem Stahlmagneten, b) mit einer vom Wechselstrom durchlassenen Drahtrolle. Die auf dem Leuchtschirm ent- stehende gerade Lichtlinie wird durch den Drehspiegel in eine Sinuslinie auseinander- gezogen, c) mit Hülfe von zwei senkrecht zu einander ge- stellten Drahtrollen, welche von Strom gleicher Phase durchflössen wurden (schräge gerade Linie) oder von Strom verschiedener Phase (Ellipse), d) auf elekrostatischem Wege mittels zweier Stanniolstrcifen, die mit den Polen eines Wechsel- stromtransformators in Verbindung standen, e) gleichzeitig durch elektrostatische und elektro- magnetische Kräfte. Spies. Die Herren Prof. Mnnk und Hertwig haben nach- stehenden Dispositionsbericht über ihre Vorträge ge- geben. Der Vortrag von Herrn Prof. Hertwig ist dann in weiterer Ausführung von Hrn. Landsberg bearbeitet worden. Nach einer einleitenden Besprechung der Vorgänge in den peripherischen Nerven wurden in Anlehnung an den Bau des Rückenmarks die Reflexbewegungen be- trachtet und die im Centralnervensystcm unterhalb des Grosshirns befindlichen Mechanismen behandelt, welche auf äussere Einwirkungen ohne .jede Mitwirkung einer Empfindung oder des Bewusstseins zweckmässige Be- wegungen zum Schutze und zur p]rhaltung des Thieres folgen lassen : Bewegungen der mannigfachsten und oft durch die Bethciiigung vieler Körpertheile verwickeltsteu Naliirwisseiiscliaftliclu" W(iclicnschri(t. Art, gerade wie sie das uorraale Thier zeigt. Sodann wurde dargetiian, wie die Bewnsstseinsvorgänge an das Grossliirn gebunden sind, und zwar die Empfindungen, Waln-nehmungen und Vorstellungen der verscliiedenen Sinne an verschiedene Absclinitte der Grossbirnrinde. Endlicli werden zum Erweise, wie iiberall im Nerven- system für zweckmässige Leistungen vorgesorgt ist, die feinen Regulationen erörtert, welche der dem Bewusstsein entzogene Blutumlauf entsprechend den jederzeitigen Be- dürfnissen des Thieres und seiner verschiedenen Organe erfährt. Munk. In seinem „üeberblick über die ersten fundamentalen Entwickelungsproccsse des thierischen Eies" ging der Vortragende mit einigen einleitenden Worten auf die Geschichte der Theorien der Pracforniation imd Epigenesis ein, knüpfte hieran eine kurze Betrachtung über die Eigenschaften der Ei- und Samenzelle und gab dann eine eingehendere Darstellung von den Erscheinungen des Befruchtungsproeesses, wie er sich namentlich an den p]iern wirbelloser Tliiere (Echinodermen , Pferdespul- wurm etc.) gut beobachten lässt. Der zweite Vortrag handelte von der Theilung der Eizelle, wobei namentlich der complicirte Vorgang der Kernsegmentirung genauer beschrieben wurde, ferner von der Entstehung dir Keimblasc und Gastrula, sowie von der Keimblättertheorie. Vortragender nahm hierbei Gelegenheit, eine grössere Anzahl von l'hotogrammen, betreffend die erste Entwickelung des Ascaris-Eies sowie den Furchungsprocess, die Bildung der Keimblase und Gastrula von Amphioxus, an die Wandtafel zu projiciren. In einem dritten Vortrag endlich wurde noch ein üeberblick über die wichtigsten Entwickelungsprocesse gegeben, durch welche sich aus den vier Keimblättern die Organe und Gewebe des thierischen Körpers hervor- bilden. Zuerst wurde das „Princip der Faltenbildung" besprochen und an zahlreichen Beispielen erläutert. Hierauf wurde auf das Princip der „histologischen Differenzirung und Arbcitstheilung" näher eingegangen. Zum Schluss wurde noch eine Demonstration zahlreicher mikroskopischer Präparate von der Entwicklung des Frosches und Hühnchens im Mikroskopirsaal des ana- tomisch-biologischen . Instituts veranstaltet. 0. Hertwig. Geheimer Medicinalrath Prof. Dr. 0. Hertwig: üeberblick über die ersten fundamentalen Ent- wickelungsprocesse des thierischen Eies. Zu den grossen Erfolgen unseres Jahrhunderts ge- hört zweifellos auch die Beantwortung jener uralten Frage nach der Entstehung, nach der „Entwickelung" des Menschen und der Thiere. Während des ganzen 17. und 18. Jahrhunderts herrschte die sogenannte Evolutionstheorie, welche lehrte, die thierischen Keime, und zwar (nach Ansicht der sogenannten Animalkulisten) insonderheit die 1677 von Hamm, einem Schüler Leeuwen- hoek's, entdeckten Samenfäden, seien Miniaturbilder der Eltern.; in ihnen seien alle Organe schon vorgebildet, allerdings ungemein klein und daher unsichtbar. Caspar Friedrich Wollf's 1759 aufgestellte Theorie der Epi- genese, der Keim sei eine unorganisirte Substanz, be- gabt mit der wunderbaren Eigenschaft, im Laufe der Entwickelung sich zu organisiren, drang nicht durch; sie konnte erst zur Herrschaft gelangen, nachdem sie in der Zellenlehre und in den Methoden mikroskopischer Forschung ihre sichere Grundlage gefunden hatte. So blieb es denn K. E. v. Bär vorbehalten, in seinem klassischen Werke „Die Entwickelung des Hühnchens" 1832 die Entwickelungsgeschichte als eine selbstständige Disciplin zu begründen. Das Ei ist danach nichts anderes als eine einzelne Zelle. Der Dotter entspricht dem Protoplasma der- selben, das allerdings durch reichliche Einlagerung von nur der Ernährung, nicht dem Aufbau dienenden Stoffen — dem Deutoplasma — abgeändert ist; das Keim- 1) laschen dem Kern, in dem die für alle Entwickelungs- Vorgänge äusserst wichtige Nuklein- oder Chromatin- suljstanz enthalten ist; die Dotter haut der Zell- membran. — Die Eier müssen, bevor sie befruchtet werden, einen Reifeprocess durchmachen, der in einer Umwandlung des Kerns und im Ansstossen sogenannter Polzellen oder Richtungskörper, die auch Kern- elemente enthalten, besteht. Erst durch diese Vorgänge wird der Kern der unreifen Eizelle zum richtigen Eikern und nunmehr ist das Ei zur Befruchtung mit den aus den Hoden stammenden Samenfäden geeignet. Letztere sind ebenfalls vollständige Zellen, meistens ungemein klein und von wurmförmiger Gestalt. Ihr Kopf ent- spricht dem Zellkern, der Schwanz, an dem man ein kräftiges Mittel- und ein dünnes, schlängelndes End- stück unterscheidet, dem Protoplasma. Schon Spallanzani, dessen 100 jähriger Todestag in diesem Jahre gefeiert wird, hatte künstliche Befruchtung ausgeführt, aber erst 0. Hertwig gelang es 1877 in Corsica, an dem äusserst günstigen Material von Echino- dermeneiern die im Innern des Eies sich abspielenden Befruehtungsvorgänge zu entdecken. Nur von einem einzigen unter all den zahllosen das Ei umschwärmenden Samenfäden wird normaler Weise die Befruchtung aus- gefiilirt; gegen eine Ueberbefruchtung durch mehrere schützt sich das Ei, indem es durch Ausbildung der Dotterhaut den nachkommenden Samenfäden den Zugang versperrt. Dem mit dem Kopfe voran an das Ei tretenden Samenfaden wölbt sieh von der Dotteroberfläche her der Empfängnisshttgel entgegen, und, sowie der männ- liche Kern eingedrungen ist, reagirt das weibliche Plasma durch stfahlige Anordnung. Die ursprünglich stark' ver- dichtete Nukleinsubstanz des männlichen Kerns bläht sich durch Flüssigkeitsaufnahme auf; Eikern und Samenkern ziehen sich an, nähern sich und verschmelzen schliesslich mit einander, wobei sich die Strahlenfigur des Protoplasmas auf den ganzen Eiinhalt ausdehnt. Während dieses Vor- gangs finden eigenthümliche Umgestaltungen in den Kernen statt: Die nicht färbbare Substanz wandelt sich zu spindelförmig angeordneten, von zwei Centren, den Cen- trosomen, ausstrahlenden Fäden um, während das Nuklein sich zu eigenartig geformten und regelmässig an den Fäden vertheilten Chromosomen umbildet. In dergesetzmässigen VerschmelzTing der Chromosomen des Ei- und Sperma- kerns hat man ein Hauptmoment des ganzen Befruchtungs- actes zu sehen. In dem ans der Vereinigung beider Kerne hervorgegangenen Bläschenkern ordnet sich das Nuklein netzförmig an, so dass nun männliche und weib- liche Chromosomen nicht mehr zu erkennen sind. Be- sonders auch van Beneden hat über diese karyo kineti- schen Processe an Eiern von Ascaris megalocephala Untersuchungen angestellt. Erst nach der Befruchtung gewinnt das Ei die Fähigkeit, sich zu theilen und weiter zu entwickeln; nicht befruchtete Eier dagegen sterben ab. — Aehnliche Vorgänge spielen sich bei der Ent- wickelung der Pflanzen und bei der Conjugation der Grega- rinen u. s. w. ab. Die Erkenntniss dieser Erscheinungen gab Nägeli Veranlassung zur Aufstellung der Idioplasmatbeorie: Die Anlage zu einer ganz bestimmten Entwickelung, die 16 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. XV. Nr Vererbung also der elterlichen Eigenschaften auf die Kinder, liege, so lehrte er, nur in gewissen Elementen der Ei- un J Samenzellen, in dem sogenannten Idioplasma derselben (der Erbmasse oder Anlagesubstanz) begründet, die nach Hertwig wohl identisch ist mit dem Chromatin. Während die Samenfäden beinahe ausschliesslich aus Idioplasma bestehen, enthalten die Eizellen daneben noch grosse Mengen von Nährplasma. Eine wichtige Stütze erhielt die Idioplasmatheorie durch die seit 25 Jahren ungefähr bekannte und häufig bestätigte Thatsache, dass karyokinetische Vorgänge, wie sie bei der Befruchtung sich abspielen, auch die Einleitung einer jeden Zell- theilung bilden. Hiernach kann man annehmen, dass molekulare Elemente des männlichen und weiblichen Idioplasmas in alle Zellen übergehen, die durch Theilung aus der Eizelle entstehen. Durch Theilung der Eizelle bilden sich erst zwei, dann vier, acht u. s. w. Theilzellen, schliesslich eine maul- beerartig aus vielen Zellen zusammengesetzte Kugel, die ßlastula, deren Inneres von der durch Auseinander- weichen der Zellen gebildeten und mit Flüssigkeit an- gefüllten Furchungshöhle eingenommen wird. Durch Einstülpung bildet sich aus der Blastula die becherförmige Gastrula, deren Oeffnung, derUrmund, in eine Höhlung, den Urdarm, führt, der von zwei Zellschichten, den beiden primären Keimblättern, umschlossen wird. Die Keimblätter nannte K. E. v. Bär die Fundamental- organe des Embryos; aus ihnen entstehen sämmtliche Organe des erwachsenen Thieres, in einer Weise übrigens, die für die meisten Organe aller Thiere gleichmässig festgestellt ist. Die Mittel, die die Natur bei der Organbildung an- wendet, sind lediglich ungleichmässiges Wachsthum und Arbeitstheilung, welch letztere sich naturgemäss mit histologischer Differenzirung verknüpft. So geht z. R. die Bildung der Leibeshöhle bei Sagitta so vor sich, dass sich durch Wucherung des Innenblattes der Gastrula, dem ürmund gegenüber, zwei Darmfalten erheben, durch die drei Räume des ürdarms von einander gesondert werden, deren innerster zum Darm, deren beide seitliche zur Leibeshöhle werden. — In ähnlicher Weise ergiebt eine Wucherung des äusseren Keimblattes längs der Rücken- linie eines Wirbelthierembryos zunächst die Nerven- platte, die sich dann weiter durch Emporwulstung der Ränder zu einer Nervenrinne und schliesslich zu einem Nervenrohr umgestaltet. — Wie das Nervensystem, so entstehen auch alle Sinnesorgane aus dem äusseren Keimblatt, so z. B. das häutige Labyrinth des Gehör- organs durch Wucherung des Zellmaterials in einem kleinen Bezirk der hinteren Kopfgegend, wobei erst ein Gebörgrübcheu, dann — durch Abschluss von der äusseren Haut — ein Gehörbläschen entsteht, das nun seinerseits durch Ausstülpungen zu dem verwickelten Bau des Laby- rinths sich ausgestaltet. — Durch Bildung von Wucherungs- centren entstehen ebenfalls die Einstülpungen sowohl an der äusseren, als auch an der Darmhaut, die sich dann ÄU den mannigfach gestalteten Drüsen ausbilden. Die Zellen sind Elementarorganismen, jede übt ur- sprünglich sämmtliche Lebensfunktionen aus; dadurch aber, dass sie in den Dienst eines bestimmten Organs einbezogen werden, erhalten sie eine einseitige Aus- bildung. Es entstehen so Reiz-, Bewegungs-, Drüsen-, Stützzellen u. s. w., die entsprechend verschiedenen Funktionen sich ganz verschieden ausgestalten. So werden ganz verschiedenartige Epithelien aufgebaut, und diese histologische Diiferenzirung ist das zweite wichtige Mittel der Organbildung. Eine so hohe Entwickelung, wie sie die Embryologie in verhältnissmässig so kurzer Zeit erfahren hat, wäre natürlich unmöglich gewesen ohne hoch entwickelte Forschungsmethoden. Vorzügliche Mikroskope, Reagentien, die das Erhärten zarter, weicher Substanzen und das differenzirte Färben durchsichtiger (oder durchsichtig ge- machter) gestatten, Mikrotome endlich, die einen winzigen Körper in eine Unmenge feinster Schnitte zerlegen, sind das Rüstzeug des modernen Enibryologen. Mit Erfolg hat man sich aber auch schon der experimentellen Beob- achtung zur Entscheidung strittiger Fragen zugewendet. So wurde darüber debattirt, ob jede Theilzelle eines Eies volles Idioplasma enthalte oder nur differenzirtes, d. h. also ob etwa die beiden vorderen Zellen eines 4 getheilten Eies nur den Kopf, die beiden hinteren nur den Schwanz des Thieres bilden können : Das an Amphioxus-, später auch an Tritoularven angestellte Experiment hat ergeben, dass jede der vier Theilzellen eines 4 getheilten Eies volles Idio- plasma besitzt, sich also zu einer Volllarve auswachsen kann. Besichtigung einer grossen Menge von frischem und präparirtem Beobachtungsmaterial gewährte nach jedem Einzelvortrage klaren Einblick in die wichtigsten Stadien thierischer Entwickelung; Besichtigung der Sammlungs- und Arbeitssäle am Schluss der Vorträge einen vortreff- lichen üeberblick über die Forschungsmethoden und Forschungsresultate. B. Landsberg (AUeustein). Dr. Schott: Der Verlauf und die wichtigsten geo- graphischen Ergebnisse der Deutschen Tiefsee- Expedition. Verlauf der Expedition. — Nach einem Hinweis auf die früheren Tiefsee-Expeditionen gab der Vortragende eine Beschreibung des Reiseweges der „Valdivia", unter Einfügung allgemein geographischer Betrachtungen über die besuchten Länder und Meeresgebiete; so wurden be- sonders besprochen die Canarischen Inseln, die klima- tischen und Vegetationsverhältnisse der Westküste Afrikas von Kamerun bis nach Deutsch-Südwestafrika, Kerguelen, die Hochlande von Sumatra in ihrem Gegensatze zu den entsprechenden Theilen Ceylons, die Korallen- und die hohen Inseln des tropischen Indischen Oceans, insonder- heit einige floristische und faunistische Eigenheiten der Seychellen- Gruppe. Was die untersuchten Meeresgebiete betrifft, so wurde des Näheren eingegangen auf die sub- marinen Bänke in dem zwischen den Azoren, Canaren und Gibraltar gelegenen Meerestheile, auf die Staubfälle in der Nähe der Cap Verdeschen Inseln und der afrikanischen Küste nördlich von Cap Verde, auf die Wind- und Ström- verhältnisse des tropischen atlanti.ichen Oceans und die davon wesentlich abweichenden, entsprechenden Zustände des tropischen Indischen Oceans, auf die Oceanographie der Gewässer am Cap der Guten Hott'nung und südlich davon bis zur Eisgrenze hin. Da sämmtlichen Mitgliedern des Feriencursus am 12. October je ein Exemplar der amtlichen Expeditions- berichte überreicht werden konnte, erscheint es nicht nothwendig, hier den Reiseweg der „Valdivia" selbst wieder anzugeben. Die wichtigsten geographischen Ergebnisse der Expedition werden in 2 Abschnitten besprochen, und zwar 1. die Arbeiten auf dem Specialgebiete der Oceanographie. Es waren hierfür einige auf der „Valdivia" benutzte usd praktisch erprobte Tiefsee- instrumente ausgestellt, nämlich Tiefseelothe mit den hinzugehörigen Schlammröhren und Sinkgewichten, Proben von Lothdraht, Tiefseethermometer von zweierlei Con- struction und drei verschiedene Systeme von Wasser- schöpfern. Behandelt wurden die Technik der Tiefseelothungen und die Ergebnisse der Tiefenmessungen der „Valdivia", XV. Ni Natm-wissenseliat'tliclio Woeliensclirift. Icrner die wiebtigsten Ergebnisse der vertikalen Tempe- raturreihen der Expedition, wobei besonders die im In- dischen Ocean starli auftretende Sprungscliicht, welche das erwärmte Obertiächenwasser von dem kalten Tiefen- wasser trennt, und die Wärmeschichtung an der Eiskante Beachtung fand; ausserdem skizzirte der Vortragende die von der „Valdivia" im hohen Süden angetroftenen Eis- verhältnisse und beschrieb die schon in ihrer äusseren Erscheinung ganz verschiedenen Arten des Eises, das Treibeis, das Packeis und die Eisberge, sowie deren geo- graphische Vertheilung auf den von der „Vaklivia" ab- gesegelten Längen. Nach kurzer Erwähnung der übrigen physikalischen Arbeiten, die sich besonders auf Bestim- mungen des specifischen Gewichtes der Farbe, Durch- sichtigkeit und der Strömungen des Meerwassers bezogen, wurde noch eingegangen auf 2. die meteorologischen Beobachtungen. Ausser der gewöhnlichen Ausrüstung hatte die Ex- pedition noch an Bord 1 Barograph, 1 Thermograph, 1 Hygrograph; Regenmesser, Isolationsthermometer und ein Assmann'sches Aspirationspsychrometer wurden auch iiäutig benutzt. Die Resultate der fortlaufend, Tag und Nacht alle 4 Stunden angestellten Messungen lassen sich jetzt noch nicht im Entfernten übersehen. Redner be- sprach zum Schlüsse die auffallenden Witterungsverhält- nisse, welche die Expedition südlich von der Zone der „braven Westwinde", d. h. zwischen 5.') und 65° s. Br. angetroffen hat und welche in vieler Beziehung neu oder überraschend waren; er wies darauf hin, dass hier fast nur östliche und nördliche Winde von meist ganz geringer Stärke und von Nebel, Schneefall und ruhiger See be- gleitet, beobachtet worden sind, bei einem Barometer- stand, der nicht etwa höher war als in dem stürmischen Westwindgebiet, sondern vielmehr mit Zunahme der geo- graphischen Breite immer mehr abnahm, was darauf sebliessen ' lä«»ti dass die Gegend einer über einem et- waigen Südpolarcontinent lagernden Anticyclone noch weit entfernt gewesen sein muss. Sowohl am 11. wie am 12. October wurden Licht- bilder, bezw. Photographien zur näheren Erläuterung des Vortrages gezeigt. Schott. Prof. Assinami: Abtheilungsvorsteher im Königl. Meteorologischen Institut, führte auf dem Gelände des im Bau begritfenen Aeronautischen Observatoriums des Kgl. Meteorologischen Instituts am Tegeler Sehiessplatz die für den Dienst zur Erforschung der höheren Luftschichten geplanten Vorrichtungen vor, wobei er, durch Demonstrationen imterstUtzt, Folgendes ausführte. Seitdem man in Folge von verbesserter Construction der Hauptinstrumente, besonders durch die Erfindung des 7^spirationspsychrometers,und dessen Anwendung bei Ballon- fahrten gesehen hatte, dass die bisher als einwurfsfrei gelten- den Resultate von Welsh und Glaisher mit grossen Fehlern beiiaftet sind, hat man das wichtige Problem der Erforschung der höheren Atmosphärenschichten von neuem aufgenommen, zuerst und in intensivster Weise in Berlin, unterstützt durch grosse Geldmittel, die der Kaiser aus dem Dis- positionsfonds gewährte. Nachdem in 75 wissenschaft- lichen Luftfahrten, unter denen die höchste bis j'etzt aus- geführte bis zu 9150 m, und freifliegende unbemannte Registrirballons, mit denen 20 000 m erreicht wurden, „Stichproben" von grossem Werthe gewonnen waren, richtete das Kgl. Meteorologische Institut einen dauernden Dienst für die zusammenhängende Forschung ein. Au dem Aeronautischen Observatorium sollen mit Drachen und Dracheuballous fortlaufende, soweit als irgend thun- lieh über Tag und Nacht fortgesetzte Registriruugcn in Höhen von 3—5000 m während des ganzen Jahres aus- geführt werden. Die Apparate, die den Luftdruck, die Temperatur, Feuchtigkeit und Windgeschwindigkeit aufzeichnen, werden an einen Drachenballon nach der Construction von von Siegsfeld und von Parseval gehängt und dieser an einem Claviersaitendraht von 1,1 — 1,3 mm Stärke und 2 — 300 kg Bruchfestigkeit in die Höhe ge- lassen. Ein solcher Ballon von 37 cbm Inhalt trägt mit Wasserstofffüllung noch etwa 1500 m Draht in die Höhe; geht sein Auftrieb zu Ende, so wird, wenn der Wind kräftig genug ist, ein Drachen Hargrave'scher Con- struction mit 2 — 3 qm Fläche an den Draht gebunden; dieser trägt etwa weitere 500 m Draht; ein zweiter, dritter u. s. w. Drachen trägt abermals entsprechende Kabellängen, sodass der oben stehende Drachenballon 4000 m Höhe und mehr erreichen kann. Aber auch mit Drachen allein kann man bei entsprechender Windstärke Höhen von gleichem Betrage erreichen, wie dies vor kurzem bei Paris bis zu 4300 m geglückt ist. Trifft man Vorsorge für einen steten Wechsel der nicht mehr tragen- den mit neu gefüllten Ballons, so kann man zusammen- hängende Registrirungen erhalten. Durch elektrisch be- triebene Kabelwinden wird das Auflassen und Einholen der Apparate bewirkt. So kann man, wie auf einem Berggipfel, zusammenhängende Beobachtungen aus der „freien Atmosphäre" erhalten und die atmosphärischen Vorgänge sowie die Entwickelung des einen aus dem anderen zur Darstellung bringen. Dies dürfte als ein neuer und ausserordentlich wichtiger Forschungsweg der Meteorologie erhebliche Förderung verleihen. Assraann. Prof^ Dr^ B. Schwalbe: Alte und neue Schul- experimcnte. Da mehrere Herreu verhindert waren, ihre für den Feriencursus in Aussicht genommenen Vorlesungen zu halten, war Zeit vorhanden, das Methodische bei den Vor- lesungen mehr zu berücksichtigen als ursprünglich im Plane lag; zugleich um einem dahin gehenden verschiedentlich ausgesprochenen Wunsche zu entsprechen, wurden in der Doppelvorlesung Gruppen, von Experimenten aus ver- schiedenen Gebieten, von methodischen Bemerkungen und Hinweisen begleitet, vorgeführt. Dem Wunsche zu ent- sprechen, ein Bild zu erhalten über den Unterricht in einem ganz bestimmten, abgeschlossenen Gebiete der Physik oder Chemie gestattete dennoch die verfügbare Zeit nicht. Es wäre für die Theilnehmer des Cursus wohl von Interesse, zu hören und zu sehen, wie z. B. die Akustik im Unterricht durchgeführt wird und die besten und einfachsten Apparate danach grnppirt kennen zu lernen, also den Unterricht des Semesters ohne Schüler in wenigen Vorlesungen dargestellt. In der Chemie würde sich besonders die Verbrennung für ein solches Bild eignen, aber auch einzelne Elemente, wie Chlor, Jod etc. liefern geeignete Stoffe, ebenso wie all- gemeinere Prozesse und Methoden, z. B. die Elektrolyse im chemischen Unterricht, oder Metallurgie im Unterricht, die Thermochemie, wobei selbstverständlicli geeignete Schulexperimente zur Vorführung kommen würden. Die wissenschaftlichen Fortschritte auf diesen und anderen Gebieten haben indessen öfter die Theilnehmer an den Feriencursen kennen gelernt. Aus den diesmaligen Versuchen mögen nur folgende genannt werden. Aus dem Gebiete der Elektricität kamen zur Be- sprechung die von Müller-Uri hergestellten Demonstrations- 18 Naturwisseiisctiaftliclie VVocliensclirilt. XV. Nr. 2 röbrcu, uui diu Eisclicimingcn der elektrischen Entladung in mehr oder weniger luftverdünnteii Räumen zu zeigen-, ferner die Demonstration des elektrischen Anschlusses mit Lampeuwiderstand und Benutzung für den bekannten Versuch die Abhängigkeit der Wärmeentwickelung in metallisehen Leitern vom Widerstand zu zeigen. (Es waren Stücke von gleich starkem Eisen-, Platin-, Alu- minium-, Kupfer- und Silberdraht verbunden, und es wurde die Stromstärke variirt, um Glühen resp. Durchschmelzen oder Durchbrennen der einzelnen Drähte zu erhalten.) Ausserdem wurden einige interessante historische Apparate vorgeführt, so einer der ersten Inductionsapparate, bei dem der Wagner'sche (Neef'sche) Hammer vollständig die Gestalt eines Hammers mit Gritf darstellt, die Spitze des Hammers steht einem Quecksilberschälchen, das in den Stromkreis eingeschaltet ist, gegenüber; Klopfen und Gestalt, des Hammers erklären den jetzt noch gebräuch- lichen Namen für die federnde Ankervorrichtung, die jene uubeholfene Form verdrängt hat.' Aus der Optik wurde die verschiedene Herstellung und Benutzung des monochromatischen Lichtes gezeigt, sowie die Benutzung zur Beleuchtung farbiger Tuche und Papiere, der chinesisch-japanische Spiegel demoustrirt und und auf die Anwendung eines Dunkelkasteus hingewiesen. Aus der Kalorik wird eine neue Wärme- oder Sonnen- mühle gezeigt (vergl. Poske, Zeitschrift 1899) und dar- gethan, wie mannigfaltig sich der Aetherindikator be- nutzen lässt (ein Reagenzgläschen mit Aether, das mit Koik und einer Röhre verschlossen ist; bei Hinzuführuug von Wärme aus irgend einer Quelle wird die Verdampfung des Aethers verstärkt, man kann den Dampf an der Si)itze des Röhrchens anzünden und die Grösse der Flamme giebt ein Maass für die hinzugefügte Wärmemenge). Die An- wendung des Indikators für die Nachweisung der ver- schiedenen Wärmeleituugsfähigkeit der Flüssigkeiten, Wasser und concentrirten Kochsalzlösungen wurde ge- zeigt; auch für thermocheniische Versuche lässt sich der Apparat sehr zweckmässig anwenden. Den geologischen Versuclien wurde die Herstellung eines Geysirs entnommen und die Wirkung comprimirter Luft beim Mammuth- brunnen gezeigt. Aus der Mechanik (einfache Maschinen) kam das Modell eines Automaten für Fahrkarten, Chokolade u. s. w. zur Demonstration. Einige der früher beschriebenen Versuche mit com- primirtem Sauerstoff wurden wiederholt und neue hinzu- gefügt. Auch wurden einige chemische Explosionsversuche und der alte Zündsatz für Torpedoladungen (noch 1870 gebraucht): chlorsaures Kali, Zucker- und Schwefelsäure durch Versuche demonstrirt und eine einfach gefahrlose Darstellung des endothermischcn Chlortetroxyds CI2O4 sowie Experimente, die seine Eigenschaften nachweisen, vorgeführt. Eine Reihe von Versuchen mit der Luftcompressions- pumpe und dem Heber in methodischer Darstellung mussten für spätere Feriencurse vorbehalten bleiben. Schwalbe. (Schluss folgt.) lieber die Selbständigkeit der nuisikiilischeii €entreii des Gehirns gegenüber den Functionen der- jenigen Rindengebiete, welche den übrigen akustischen Wahrnehmungen, insonderheit der Sprache, vorstehen, kann angesichts der klinischen Erfahrungen wie auch der bisherigen experimentellen Untersuchungen gegenwärtig kaum ein Zweifel bestehen, da nach denselben ange- nommen werden muss, dass die verschiedenen Arten der Gehörswahrnehmungen an die einzelnen Theile des Temporallappens in selbständiger Weise gebunden sind. Dies zeigt sich besonders bei der als Amusie oder Ver- lust der Tonwahrnehmung bezeichneten Störung, die von dem Verluste des Sprachverständnisses wie der Sprache unabhängig ist, so dass sowohl Fälle von Aphasie ohne Amusie als auch solche von reiner Amusie ohne Aphasie beobachtet worden sind. Mit der Frage nach der näheren Bestimmung der corticalen Hörcentren sowie nach der Art und Weise, in welcher die der Tonskala entsprechen- den Rindenabschnitte räumlieh zu einander angeordnet sind, beschäftigt sich W. Larionow in Pflügers Archiv für die ges. Phys. (1899, Bd. 76), welcher das Gehör von Hunden unter gleichzeitiger Exstirpafion kleinerer Rinden- theile des Schläfenlappens prüfte. Zur Bestimmung der Tonwahrnehmung diente eine Reihe von Stimmgabeln, welche die Töne A', A, c, e, g\ a\ h', c^, a- und c"* umfassten. Ausserdem bezog sich die Gehörprüfung auf die Wahrnehmung von Geräuschen und ausgewählten Worten, auf welche die Hunde vor Anstellung der Ver- suche dressirt worden waren. Die von Munk auf Grund von Exstirpationen an Hunden gemachte Beob- achtung, dass das vordere Drittel des Schläfenlappens der Wahrnehmung der hohen, das mittlere Drittel der Wahrnehmung der Töne mittlerer Höhe und das hintere Drittel des Temporallappens der Vermittelung der tiefen Töne, Stimmen und Geräusche dient, wurde im Allge- meinen bestätigt. Ausserdem aber zeigte sich, dass in der Rinde des Schläfenlappens die einzelnen Toncentren in strenger Reihenfolge, welche der Tonskala bezw. der Aufeinanderfolge der Helm- hol tz' sehen Resonatoren der Schnecke entspricht, angeordnet sind, und zwar vertheilen sieh die zur Prüfung gelangten Töne auf die einzelnen Windungen des Temporallappens in folgender Weise. Werden die vier Urwiudungen des Raubthiergehirns von der Sylvischeu Furche aus als 4., o., 2. und I.Windung bezeichnet, so liegen die Rindenelemente der tiefen Töne, im gegebenen Falle die Töne A^ bis e, im hinteren Viertel der zweiten Windung von oben nach unten, die der mittleren Töne (von g' bis h') im hinteren Drittel der dritten Windung, von unten nach oben ansteigend, und die der hohen Töne (von c^ bis c'') in der hinteren Hälfte der vierten Windung von oben nach unten, so dass die Rindenelemente der untersuchten Tonreihe die Figur eines liegenden S dar- stellen, in welcher die Töne der Reihe nach von hinten nach vorn aufeinander folgen. Die Zer- störung der Rinde eines ganzen Temporallappens hatte eine bedeutende Herabsetzung des Gehörs auf dem ent- gegengesetzten und eine geringe Verminderung desselben auf dem gleichseitigen Ohre zur Folge, was für eine theilweise Kreuzung der Hörfasern spricht, so dass also der stärkere Faserzug zum entgegengesetzten, der schwächere zum gleichseitigen Ohre geht. Dies fand auch durch die nachfolgende mikroskopische Untersuchung eine Bestäti- gung. Bei Zerstörung der frontalen und parietalen Lappen zeigten sich keine Gehörsstörungen. Ein Vergleich der Windungen des Hundegehirnes mit den entsprechenden Windungen des menschlichen Grosshirnes auf Grund der Untersuchungen von Turner und Ferrier ergab folgende Vertheilung der musikalischen Centren. Dem hinteren Viertel der zweiten Windung des Hundegehirns entspricht die zweite Temporalwindung des Mensehen, dem hinteren Drittel der dritten Windung des Hundes die erste Sehläfenwindung des menschlichen Ge- hirnes und der hinteren Hälfte der vierten Hirnwindung XV. Nr. Naiiirwisseiisehaf'tlicbe Wochenschrift. des Hundes die Querwiadungeii der Insel. In diesen Tiieilen der Rinde haben wir in der augegebcuen Reihen- folge die Riudeuelemente der einzelneu Töne zu suchen. Danach würden beim Menschen die tiefen Töne im vor- deren Theile der zweiten, die mittleren im vorderen Theile der ersten Temporalwindung- und die hohen Töne in der Tiefe der Reilschen Insel localisirt sein. Diese Annahme findet eine Stüf/c sowohl durch Fiechsigs Untersuchungen au mciisHilicIien Embryonen als auch durch die vom Vertasser an,i;estellten Unter- suchungen der betreffenden Hundegeliirne. Es wurden die Endigungeu der liörbahuen sowohl beim Menschen in den Querwindungen des hinteren Theiles der Insel und der ersten Temporalwindung, als auch beim Ilunde- gehirne in den fraglichen Rindengebieteu nachgewiesen. Als eine weitere Bestätigung der angeführten Localisations- theorie ist unter Anderem ein von Edgren berichteter Fall von Amusie anzusehen, nach welchem das Gehirn eines Kranken, der für Musik taub war und an Stelle derselben nur Geräusche hörte, wohl aber die Lautsprache verstand, bei der Section auf der linken Seite eine Zer- störung der vorderen zwei Drittel der ersten Schläfen- windung und der vorderen Hälfte der zweiten Temporal- winduug, dagegen rechts Degeneration der hinteren Hälfte der ersten Temporalwindung zeigte. Dies sind aber die oben angegebenen, bei der Localisation der Töne in Betracht kommenden Rindengebiete des Menschen bezw. des Hundes. Diesen Toncentren steht das im hinteren Abschnitte der ersten linken Temporalwindung gelegene Wernickesche Centrum selbständig gegenüber. Dieser Sonderung entspricht nicht nur die bekannte Theilung des Cochlearisnerven in die Striae acusticae und das Corpus trapezoideum, sondern auch die nach den Untersuchungen Flechsigs und des Verfassers in den Hemisphären in zwei gesonderten Bahnen verlaufende Theilung der Hörstrahlung. Im Wernickeschen Centrum liegen endlich auch diejenigen Rindenelemente, welche nach L. der Wahrnehmung der Töne der grossen Sexte b, bis gj dienen. Der Ausfall dieser Töne fällt aber nach Bezold mit dem Verluste des Sprachverständnisses zusammen, was waln-sclieinlich darin seinen Grund hat, dass diese Sexte bei den meisten Personen die Grundtöne der Vocale um- fasst. Wegener. Zur Naturgeschichte des Rapserdflohs. Einer der gefürchtetsten Schädlinge der Rapsculturen ist der Raps- erdfloh (Psylliodes chrysocephala), der aber nicht einzig und allein auf der Pflanze vorkommt, die ihm den deutschen Namen verlieh, sondern sieh's an dem zarten Laubwerk der mannigfachsten Wiesen- und vor allem Gartenkräuter wohlschmecken lässt; so wurde er auch auf Tropaeolum, der Kresse, und vielen kohlen- und schottenartigen Gewächsen gefunden. Zu lausenden be- decken diese kleinen Schädlinge die schon arg durch- löcherten Blätter, zu lausenden werden sie Beute ihrer Feinde oder der Witterung und neue, abermals neue Kolonnen erscheinen auf der Stätte der Vernichtung; besonders die Schwalben fangen, wie mehrfach beobachtet wurde, im Fluge viele von diesen hurtigen Zerstörern ab. An warmen, sonnigen Sommertagen braucht mau sich einer vom Erdfloh heimgesuchten Pflanze nur in der Entfernung von 50 cm ganz vorsichtig ohne ein Geräusch zu verursachen, zu nahen, und sofort springt eine ganze Wolke von dunklen Punkten, von Erdflöhen empor, um im schützenden Erdreich ihr Heil zu suchen; an reg- nerischen, feuchten Tagen sind sie minder bedachtsam. Die Tliiere sind positiv heliotropisch, doch kombinirt sich diese Art des Tropismus mit negativem Geotropismus. Von iS^^ dieser ihrer Fähigkeit kann man sich leicht überzeugen, wenn man mehrere Individuen in ein Cylindergläschen einsperrt und dann dieses unter manigfacher Versuchs- variation immer theilweise bedeckt; aus leicht erklärlichen Gründen ist diese Eigenschaft ihnen vom besonderen Vortheil, weil sie durch den Tropismus derart getrieben, sehr bald wieder zum leckeren Mahle gelangen. Ihre Sprungweite beträgt durchschnittlich 26—30 cm. Der Käfer an und für sich ist bei weitem nicht so gefrässig, wie es beim ersten Anblick erscheinen würde; wurden mehrere, ordentlich an- gefressene Individuen abgesperrt gehalten, so vollzog sich bei ihnen die letzte Verdauung in ca. 36 Stunden, was die Section einzelner Individuen ergab. Die Anderen wurden so- dann gefüttert, doch i •--) ,^(«1 verzehrten sie nach ' ' ,;' ^ ^1^ mehreren Stunden nur tl — IV2 m'u Blattsub- Z stanz. An dem Darm- tractus fällt vor allem im vorderen Theile eine doppelte, blasige, \^,^^ starke, muskulöse Bil- dung auf, die man als Kropf- und Vormagen bezeichnen könnte ; beide besitzen im In- nern eine eigenartige gelblich glänzende, chitinige Auskleidung; hieran schliesst sich der Chylusmagen an, der an seiner Oberfläche die verdauende Drüsenschichte besitzt und in den die schon früher zerkleinerten und geballten Blättertheile hinein- gelangen, um in eine breiartige hellgrüne Saftsubstanz verwandelt zu werden. Die Chylusmagenzellen sind fein granulöse (die Granula von doppeltem Kaliber) und ent- halten einen rundlichen Kern mit einem, seltener zwei, meist länglichen, mitunter wie gezackten Binnenkörpern. Der Beginn des Afterdarmes wird durch die Insertion von mehreren langen malphigischen Gefässen bezeichnet, deren Zellen länglich sind und einen ovalen, mehrere Nucleoien führenden Kern einschliessen. Besonders im Endtheile dieser Gelasse, die als Harn absondernde Organe fungieren, findet man lichtbrechende Körnchen und grössere Fetttropfen von variabler Grösse. Der After- darm ist nicht sehr lang und besitzt noch eine rectale Auftreibung, in ihm gelangt die schon zur Defäkation be- stimmte Masse, die, compacter schmutziggrün bis grün- lichbraun ist und in der hier und da kleine, lichtbreehende Körnchen suspendirt sind. Der Fettkörper des Erdflohs besteht aus unregelmässigen Gewebskörpern, die ganz von dunklen Fetttropfen durchsetzt sind. Im Darm fand ich mehrmals äusserst kleine, zierliche Nematoden, die fast cylindrisch, hinten und vorne stumpf abgestutzt waren. Die Oberfläche des Körpers wies eine zarte Querringelung auf; wegen ihrer Kleinheit war nicht viel von der inneren Anatomie wahrzunehmen; die ziemlich grossen Darmzellen führten verschiedengestaltete, licht- brechende Körnchen, seitlich vom Darm konnte man die deutlich sich tingirenden, grösseren Kerne der Ovarialaulagen wahrnehmen. Auch Eier fand man in dem trüben Darm- inhalt des Käfers. Die Entwickelung bietet nichts von ;iireuerkläruiig : 1. Darintractus des Raps- erjflohs. — 2. Uer Käfer. - 3. u. 4. Para- sitische Nematoden: 3. = Eier; 4. = ent- wickelter Wurin; mg = malphigischc Gefässe; Kz = KeimzeUen. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. XV. Nr. 2. der gewöhnlichen Nematodeiientwickelung abweichendes, auch hier bildet sich eine eigene Art von Invaginations- gastrula, und aus den beiden, kleine dunkle Kerne führen- den Zellschichten wird die Darm- und andererseits die Körperwand. Auffallend ist die besondere Grösse der Zellkerne in der Genitalanlage. — Der Käfer komrat gewöhnlich im Mai zum Vorschein, er ist schwarzgrün- lich und fein punktirt. Die Wurzel der Fühler und die Beine sind gelblich. Der Käfer legt gegen den Herbst zu, sobald die Herbstsaaten aufgehen, an die Blätter der Keimpflanzen seine Eier, aus denen nach 14 Tagen die Larven, die sich in die jungen Keime einfressen, hervor- gehen. Vom ersten Frühjahr au bis nach der Haupt- blüthezeit des ffapses tritt't man in den ausgehöhlten, wind- brüchigen Stengeln die mehrere Millimeter langen Larven, die dann meist in der Nähe der Astabzweigungeu Löcher in ihre bisherige Behausung durchnagen und sich in der Erde, ohne vorhergegangene Einspinnung, in den Käfer verwandeln, der dann im schönen Blüthenmonat Mai an sein Zerstörungswerk geht. Dr. S. Prowazek- Wien. Die Artbildung und Verwandtschaft bei den Fora- miniferen. Entwurf einer natürlichen Eintheilung der- selben von G. H. Theodor Eimer und 0. Fickert. — unter diesem Titel ist im LXV. Band, 4. Heft der Zeit- schrift für wissenschaftliche Zoologie*) eine Arbeit aus dem wissenschaftlichen Nachlass Professor Eimers ver- öffentlicht worden, die nicht nur für die Systematik dieser Thiergruppe, sondern auch für die descendenz- theoretischen Anschauungen der Verfasser einen werth- vollen Beitrag bildet. Es war schon seit lange von den verschiedensten Forschern der Versuch gemacht worden, in diese durch ihre Veränderlichkeit ausgezeichnete Formen- gruppe Ordnung zu bringen, ein natürliches System der If'oraminifereu aufzustellen. Die Schwierigkeiten waren indessen gross, um eine nur einigermaassen befriedigende Lösung dieser Aufgabe zu erzielen, einmal wegen der ausserordentlichen Variabilität der in Frage stehenden Thiere, andererseits auch deshalb, weil sich bei den Foraminiferen einfache alte Stammformen viel häufiger als gewöhnlich erhalten haben, weil ausserdem nur wenige Zwischenformen verloren gegangen und eine übergrosse Menge unentschiedener Uebergangsformen bestehen ge- blieben sind. Diese Thatsachen werden uns veisländlich, wenn wir berücksichtigen, dass wir es hier mit einfachen Organismen zu thun haben, deren Entwickluug.sriclitungen noch wenig zahlreich sind und die daher auch während ihres Lebens auf weniger Entwicklungshemmnisse stossen werden, die Entwicklungsstillstand - Genepistase herbei- führen können. Auch andere Factoren, welclie bei höher organisirten Thierformen hemmend in ihren Entwicklungs- gang eingreifen und zur Abtrennung der Arten zu führen pflegen, bleiben hier so gut wie wirkungslos, so die Correlation, die verschiedenstufige Entwicklung (Hetere- pistase) und die sprungweise Entwickluug(llalmatogenesis). Wir vermissen also bei den Foraminiferen alle jene Mo- mente, die sonst die Bildung fester abgegrenzter Arten bewirken und begünstigen, und dürfen uns nicht wundern, wenn wir vor eine Anzahl von Formen gestellt wertlen, die alle ineinander überzugehen scheinen. Den bisher aufgestellten Foraminiferensystemen lagen die verschiedensten Principien der Einleitung zu Grunde. Allen haftete indessen mehr oder weniger der Fehler an, dass die Glassificirung auf Grund weniger Merkmale vor- genommen wurde, von Merkmalen, deren systematischer Werth häufig ein reclit geringer war. So trennte z. B. *) Tübinger zoologisch« Arbeiten, 111. Bd., No. (j. Brady und Schwager die Foraminiferen in solche mit sandiger und solche mit kalkiger Schale, Carpenter, Reuss, Jones und neuerdings Ernst Häckel unter- scheiden poröse und porenlose Typen (Perforata und Imperforata), d'Orbigny und M. Schnitze stellen die einkammerigen den vielkammerigen Formen gegen- über. Eimer erkannte von vornherein, dass an der Hand von so wenig maassgebenden Eigenschaften in das Chaos von Formen dieser Thiergruppe unmöglich Ordnung gebracht werden konnte. Seiner Ansicht nach war nur die eingehende Prüfung der Gestalt der Foraminiferen- gehäuse, der Art ihrer Kammerung, ihrer Lagerung und Windungen geeignet, zum erstrebten Ziele zu führen. Nur durch Vergleichen möglichst vieler Formen, ohne Rücksicht auf die bisherige Stellung der Arten im System, war die Wahrscheinlichkeit geboten, die Foraminiferen in natürliche Reihen zu bringen. Bisher hatte man sich die Variabilität der Formen als ein Schwanken nach den verschiedensten Mög- lichkeiten vorgestellt. Eimer war dagegen auf Grund der Erfahrungen, die er an vielzelligen Thieren gemacht, der üeberzeugung, dass wohl auch hier bestimmte Ge- setzmässigkeit, dass auch hier eine beschränkte Zahl von Entwicklungsrichtungen bei der Art- bildung maassgebend sei und dass sich hier wie dort in dieser Gesetzmässigkeit bei der Abänderung von selbst ein natürliches Princip der Eintheilung offenbaren werde. Eimer hatte sich in dieser Annahme nicht getäuscht, denn je mehr sich die Verfasser in das Studium der Formen vertieften, desto mehr wurde die Vermuthung, mit der sie an die Untersuchung herangetreten waren, zur Bestimmtheit. Es ergab sich, dass auch hier keine Unbeständigkeit, kein Schwanken, nichts Zufälliges, son- dern nur Gesetzmässiges herrscht. Eimer nnd Fickert fanden, dass hauptsächlich acht Entwicklungsrichtungen für das Abändern und die Artbildung der Foraminiferen in Betracht kommen: 1. Umbildung von sandigen Gehäusen zu kalkigen, bezw. von aus Fremdkörpern zusammengesetzten zu kalkigen und wahrscheinlich Umbildung von hörn- (chitin) artigen zu sandigen. 2. Auftreten und Ueberhandnehmen der Kalkablage- rung in der sandigen Schalenwand in der Richtung von Innen nach Au.ssen. 3. Entwicklung von unregelmässigen zu regelmässig gebauten Gehäusen, und zwar zu zweiseitigen (zeitlich symmetrischen). 4. Entwicklung von geschlossenen oder an ver- schiedenen Stellen regelmässig offenen Gehäusen zu solchen, welche an zwei entgegengesetzten Seiten oder nur an einem Ende offen sind. 5. Ausbildung von mehrkammerigen Gehäusen aus einkammerigen: es ist der Ausdruck einer der aller- frühesten Entwicklungsrichtungen, dass die Kammern bei der Vermehrung sich nicht von einander trennen, sondern zusammen bleiben, dass unvollkommene Theilung statt- findet. 6. Dabei werden die jüngeren Kammern in der Regel immer grösser als die nächstälteren. 7. Weit verbreitet ist die Neigung, einkammeriger oder mehrkammeriger Gehäuse, langgestreckte Formen zu bilden. 8. Die Neigung dieser langgestreckten Gehäuse sich einzurollen. Die Entwicklungsrichtungen, welche bei Gestaltung der Foraminiferen zur Geltung gelangen, veranlassen die Verfasser, die ganze Thiergruppe in acht grosse Ab- theilungen bezw. in neun^Hauptstämme zu theilen. Die ältesten Formen 4iiit sandigem oder aus Fremdkörperu XV. Nr. 2. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 21 zusammengesetztem Gehäuse bilden den ersten Haupt- stamm der Astrorhizidae. Von diesem führt die Ent- wicklung einerseits zu den kugeligen und becherförmigen Schalen des III. Hauptstammes der Cystoforminiferen (Eimer und Fickert), andererseits zu den röhrenförmigen Gestalten des Hauptstammes der S i p h o n o f o r a m i u i f e r eu. An die Saccamminidengehäuse — einer Familie der C y s 1 f r a m i n i f e r e n — schliesst sich der IV. Hauptstanmi der Ascoforaminiferen an, mit Saccamminiden ähn- lichen in der Länge gezogenen Schalen. Beim IV. Haupt- stamm treten zum erstenmal gewundene Gehäuse, Familie der Serpuleidae, auf. ünregelmässig ge- kammerte Ascoforaminiferenschalen bilden die ursprüng- lichen Formen des V. Hauptstammes des Stichostegia oder Nodosarienstammes. Zu der Hauptfamilie dieses Stammes gehören kalkige, durchbohrte Gehäuse, bei denen die jüngeren Kammern stets grösser werden als die älteren. Dieselbe Entwicklungsrichtung kommt beim VI. Hauptstamm der Textulariden zum Ausdruck. Die Vertreter dieses Stanmies schliessen an die der Stichostegia an, indem sich die Stammesarten der Stichostegia zuerst hinten und dann inmier weiter nach vorne in zwei oder drei Reihen spalten. Bei den Textu- lariden kommt ausserdem die Neigung zur Geltung, gewundene Schalen zu bilden und zwar ist die hinterste Kammer der Gehäuse einzelner Frondicularen (Buliminidae) oft einseitig gegenüber, wife es im VII. Hauptstamm bei den Gehäusen der Enclinostegia Eimer und Fickert zur Regel wird. Die achte Hauptabtheilung des Eimer- Fickert'sehen Systems, dieGrnppe der Orthoclinostegier zerfällt in zwei Hauptstämme den Endothyren und Cor- nuspirenstainm. Beide Stämme enthalten Formen, die regelmässig theihyeise oder ganz gewunden sind. . Mit Ausnahme der Cornuspiriden sind die Vertreter dieser Hauptabtheilnug alle vielkammerig. Die nieder- organisirten Orthoclinostegier haben sandige, die höherstehenden kalkige Schalen. Von den kalkigen ist nur ein Teil uudurchbohrt und die höchsten haben ein ausgebildetes Kanalsystem "in den Windungen. Die haupt- sächlichen Familien, welche zum Cornuspirenstamm ge- hören, sind: die Cornuspiriden, die meist undurehbohrt kalkigen Milioliden, die Chilostomelliden, deren Gehäuse sich dadurch auszeichnen, dass jede ältere Kammer von der jüngeren mehr oder weniger umwachsen wird, und schliesslich die Orbitoliden. Der Endothy renstamm, bei dem wir nur ge kammerte Gehäuse beobachten, zerfällt in die Familie der Endothyriden, Fusulinen und Globigerinen. Von besonderem Interesse sind die im Endothyrenstamm vor- kommenden Gehäuse, die nur theil weise gewunden sind. Dieselben pflegen nur am hinteren Ende gewunden zu sein und es erhebt sich die Frage, ob hier wohl die Einroll ung hinten begonnen hat und nach vorne fort- schreitet, oder aber, ob die scheinbar unvollständig ge- wundenen Gehäuse etwa in Aufroll ung begritfen sind. Rhumbler, dessen „natürliches System der Thala- mophoren" vor Abschluss der Eimer-Fickertschen Arbeit erschienen ist, vertritt die Ansicht, es handle sich hier um eine Um kehr ung des biogenetischen Gesetzes, indem die phylogenetisch höchste Stufe der Entwicklung — die Einrollung — in jüngeren Stadien der Ontogenie gefunden werde, während die älteren Schalentheile auf Ahnenformeu zurücksinken. Eimer und Fickert sehen dagegen in dieser Erscheinung, die besonders bei Haplo- phragium deutlich ist, nichts anderes als eine Umkehr der Eutwicklungsrich tung, ähnlich wie wir es auch bei der Aufrollung von Ammoniten beobachten. Das biogenetische Gesetz bleibt dabei vollkommen in Kraft, das ja die Vererbung von Eigenschaften der Vor- fahren in der individuellen Entwicklung bedeutet und schon aus diesem Grunde nicht umgekehrt werden kann. Audi in der Erklärung der ThatsaclJe, dass verschiedene Schalenformen einem gemeinsamen Entwicklungsziel zu- streben, decken sich die Rhumblerschen und Eimer- Fickertschen Ansichten nicht. Rhumbler schiebt diese P^rscheinung der Wirkung einer Festigkeitsauslese zu, während Eimer unabhängige Entwicklungs- gleichheit, Homeogenesis, als Ursache vorau.ssetzt, die ihrerseits als Folge anzusehen ist der Wechsel- beziehungen • zwischen Konstitution und äusseren Ein- wirkungen und auch bei Verschiedenheit beider zu gleichen Endresultaten führen kann. Die Diskussion der Rhumbler- schen und Ernst Haeckclschen Systeme der Thalamoi)lioreu bildet den Schluss des ersten Theiles der Eimer-Fickertschen Arbeit. Im zweiten speciellen Theil sind die systematischen Folgerungen der eingehenden Untersuchungen Eimers und Fickerts niedergelegt, über die ich im Vorstehenden einen kurzen Ueberblick gegeben habe. Es würde zu weit fuhren, wollte ich auf Einzelheiten eingehen, es konnte hier nur meine Absicht sein, zu zeigen, wie wichtig die allgemeineren Folgerungen sind, welche aus den vorliegenden Studien über die Art- bildung und Verwandtschaft bei den Foraminiferen hervor- gehen und wie sich die Ergebnisse dieser neuen Unter- suchungen als weiterer Beweis für die Lehre von der Entstehung der Arten auf Grund organischen Wachsens den früheren grundlegenden Arbeiten Eimers auf diesem Gebiete anreiht. v. L. Eine Beziehung zwischen Luftdruck -Vertheilung und Monddeclioatiou glaubt Prof. Dr. Richard Börn- stein gefunden zu haben und berichtet darüber in der „Physikalischen Zeitschrift". B. hat schon früher (1891) eine Beziehung zwischen dem täglichen Mondumlauf und der Schwankung des Luftdrucks nachgewiesen und hat nunmehr diese Untersuchung erweitert, nachdem Ekholm und Arrhenius eine Beziehung zwischen dem siderischen Mondumlauf und dem luftelektrischen Potential- gefälle bewiesen hatten. Nun war in der Börnstein'schen Untersuchung gegenüber zahlreichen anderen, ähnlichen Forschungen der Umstand, dass nicht, wie gewöhnlich, der synodische, sondern der siderische Monat zum Ausgangspunkt gem.aeht wurde. Nach den Aufzeichnungen des Sprung-Fuess'schen Barographen an der Landwirthschaftlichen Hochschule zu Berlin wurde aus den Beobachtungs- Ergebnissen von 200 siderischen Monaten (10. I. 1884 bis 24. XII. 1898) der durchschnittliche Gang des Luftdrucks im siderischen Monat berechnet. So ergaben sich für jeden der 27 Tage des siderischen Monats Mittelwerthe, deren jeder aus 200 mal 24 (Zahl der Tagesstunden) berechnet war. Die erhaltene Lufdruckkurve wies ein deutliches Maximum am 12., ein noch deutlicher ausgeprägtes Minimum am 23. Tag des siderischen Monats auf. Die Amplitude der Schwankung betrug 2,851 mm. Eine Theilung des ganzen Materials in zwei Hälften und eine Sonderberechnung jeder Hälfte ergab das allerdings sehr autfallende Resultat des gleichen Ergebnisses. Eine Durchführung der gleichen Berechnungen an den Magdeburger Luftdruckaufzeich- nungen für die gleiche Zeit ergab ein genau gleiches Resultat (Amplitude 2,764 mm). Die Potsdamer Auf- zeichnungen, welche erst für 80 siderische Monate vor- lagen (1. I. 1893 bis 24. XII. 1898) zeigten wiederum ein Maximum am 12. Tage, während sich das Minimum unerheblich, auf den 24. Tag, verschob (Amplitude 3,953 mm). Diese Resultate .sind allerdings recht auffallend; da- Naturwissenschaftliche Wochenschrift. iier wurde die Untersuchung- noch auf einige andere Orte ausgedehnt, für welche seit langer Zeit Luftdruck-Auf- zeichnungen eines Barographen vorliegen. Nun war von vornherein zu erwarten, dass sich nicht an allen Oiten die gleichen Luftdruckschwankuugen zeigen, denn eine gleichzeitige Zu- oder Abnahme des Drucks auf der ganzen Erde ist natürlich ausgeschlossen. Es kann also auch Orte mit vollständig anders gearteten Schwankungen geben, sowie andere, bei denen eine merkbare Amplitude überhaupt nicht vorkommt. In Wien zeigte sich das Maximum am 13., das Minimum am 24. Tage (Amplit. 1,853 mm), in üpsala fielen dagegen die Extreme auf den 4. bczw. auf den 23. Tag (Amplit. 1,949 mm), in .San Fernando (Spanien) auf den lü. bezw. 24. Tag (0,768 mm), in Port au Prince auf den 26. bezw. 18. Tag (0,692 mm) und in Batavia auf den 13. und 21. Tag (Amplit. nur 0,141 mm). Börnstein begnügt sich zunächst mit diesen Mit- theilungen, ohne irgend welche Schlüsse daraus zu ziehen j oder Folgerungen daran zu knüpfen. Derartige Versuche wären auch an der Hand des wenigen vorliegenden Materials entschieden als verfrüht zu bezeichnen. H. Aus dem wissenschaftlichen Leben. Ernannt wurden: Dr. August Garcke, ausserordentlicher Professor in der philosophischen Facultät uudCustos am botanischen Museum der Berliner Universität zum Geheimen Regierungsrath; Dr. i'mil Richter, ausserordentlicher Professor in der medi- zinischen Fakultät zu Breslau, zum Geheimen Medizinalrath; Dr. Stobbe, Privatdocent der Chemie in Leipzig zum ausser- ordentlichen Professor; Dr. Meumann, ausserordentlicher Pro- fessor der Philosophie in Zürich, zum ordentlichen Professor; Dr. L. 6. Cour voisier, ausserordentlicher Professor der Chirurgie, Dr. Karl Mellinger, ausserordentlicher Professor der Ophthal- mologie, Dr. Albert Riggenbach, aussordentlicher Professor der Astronomie und Meteorologie, und Dr. G. A. W. Kahl- baum, ausserordentlicher Professor der Chemie, in Basel zu ordentlichen Professoren; Dr. Ro ber t Mün zel; Oberbibliothekar an der kgl. Universitäts-Bibliothek zu Marburg, zum Oberbiblio- thekar der Berliner Universitäts-Bibliothek; Dr Arnim Graesel, Oberbibliothekar an der kgl. Universitiits Bibliothek zu Berlin zum Oberbibliothekar an der kgl. Universitätsbibliothek zu Göttingen; Dr. Hans Paalzow, Bibliothekar an der kgl. Univositäts- Bibliothek zu Berlin zum Oberbibliothekar der Marburger Uni- versitäts Bibliothek; Dr. Adalbert Ho r tz seh ansky , Biblio- thekar an der Göttinger Universitäts-Bibliothek, zum Bibliothekar an der kgl. Universitäts-Bibliothek zu Marburg; Dr. .Joseph Paczowski, Hilfsbibliothekar an der k^l. Bibliothek zu Berlin zum Bibliothekar; Dr. Friedrich Diestel, Hilfsbibliothekar an der kgl. Universitäts-Bibliothek zu Göttingen zum Bibliothekar. Es habilitirten sich: Dr. Ley, Assistent am chemischen Institut der Universität Würzburg für Chemie daselbst; Dr. Strass- burger, Assistenzarzt an der Universitäts-Klinik in Bonn für innere Medizin daselbst. In den Ruhestand tritt: Dr. Karl Schweigger, Professor der Augenkeilkunde in Berlin. L j 1 1 e r a t u r. Dr. Paul Ton Gizycki. Vom Baume der Erkenntniss. Frag- | mente zur Ethik und Psychologie aus der VVeltiitteratur. 3 Theil: | Gut und Böse. 832 Seiten gross Octav. Ferd, Dümmlers Ver- lagsbuchhandlung in Berlin. 1900. — Preis geheftet 7,ö0 M., in feinstem Liebhaberhalbfranz 10 M. ' 1 Mit der gleichen Objectivität, deren der Herausgeber sich i bei den früheren Bänden befleissigte, sind in diesem Bande I prägnante Aussprüche der Dichter, Denker und Naturforscher j aller Zeiten und Völker systematisch geordnet, in denen sie zu I den Fragen der menschlichen Sittenlehre Stellung nehmen. In- • dem der Herausgeber unparteiisch die Vertreter des freiesten ' Denkens, der voraussetzungslosen Kritik, den Dogmatikeru und : Gläubigen gegenübergestellt, giebt er dem Leser die beste Gelegen- heit, sein eigenes Urthcil zu bilden. Als Materialien-Quelle wird i es bei ethischen Arbeiten vielfach gern benutzt werden. j Gr. Haberlandt, Briefwechsel zwischen Franz Unger und Stephan Endlicher. Mit Porträts und Nachbildungen zweier Briefe. Gebrüder Borntraeger, Berlin 1899. — Preis geb. 6 M. Mit der Veröffentlichung dieses Briefwechsels wird den Freunden historischer Betrachtungsweise ein interessantes Quelleu- material zur Geschichte der Botanik im 19. Jahrhundert geboten. Der Herausgeber und Erläuterer der Briefe, der bekannte Botaniker Haberlandt in Graz sagt u. a. in der Einleitung: „In der Geschichte der Botanik giebt es nur wenige Perioden, die so bedeutsam und fruchtbar gewesen sind, wie das dritte und vierte Decennium des neunzehnten Jahrhunderts. Auf fast allen Specialgebieten dieser Wissenschaft ist damals der Grund gelegt worden für jenen umfassenden Neubau, in dem unsere moderne Botanik sich ausgebreitet hat. Unter den genialen Forschern, die jener klassischen Zeit ihren geistigen Stempel aufgedrückt haben, werden Franz Unger und Stephan Endlicher stets an hervor- ragender Stelle genannt werden. Von Jugend auf sind diese beiden Männer auf das innigste mit einander befreundet gewesen. Ein reger, wissenschaftlicher Verkehr wurde mündlich und brieflich, wenn auch nicht ohne Unterbrechungen, durch fast zwei Decennien fortgeführt; sie haben sich gegenseitig ihre intimsten wissenschaftlichen Gedanken, die ersten Keime ihrer Pläne und Forschungen geoffenbart. So gewährt uns ihr Briefwechsel einen, wenn auch lange nicht voll- ständigen, so doch stellenweise überraschend tiefen Einblick in die geistige Werkstätte und in das Gemüthsleben dieser beiden so ursprünglich veranlagten Forscher. Die Lebhaftigkeit des wissenschaftlichen Verkehrs zwischen den beiden Freunden drängte sie schon frühzeitig dazu, diesem Verkehr durch eine gemeinschaftliche Arbeit bestimmteren Aus- druck zu geben. Vornehmlich war es Unger, der solches an- strebte. _ Schon in seinem zweiten Briefe vom 14. Februar 1830 wird nichts Geringeres, als eine gemeinsame systematische Dar- stellung des ganzen Pflanzenreiches ins Auge gefasst. Unger legt seinem Entwürfe das Okensche System zu Grunde, das ihn be- sticht, weil es naturphilosophisch ausgebaut auf anatomischer Grundlage zu ruhen scheint. Endlicher, der schon damals mit Vorarbeiten zu einem derartigen Werke beschäftigt war, hat mit reiferer systematischer Einsicht und frei von dem Banne ükenscher Begriflfsspiolerei von einer solchen Darstellung jedenfalls nichts wissen wollen; allein jener erste Plan einer grossen gemeinschaft- lichen Arbeit hatte doch seine weitreichenden Consequenzen : End- licher hat seine Vorarbeiten, erfüllt von den Anregungen, die VOM Robert Browns systematischen und blüthenmorphologischen Arbeiten ausgingen, weitergeführt; zwei Jahre später, in seinem Briefe vom 1.5. Juni 1832 sagt er bereits, er habe ein eigenes Opus „Ordines naturales plantarum" geschrieben — unter „Ordines" verstand Endlicher die heutzutage als Familien bezeichneten Ver- wandtschaftskreise — und im Laufe der nächsten vier Jahre hat Endlicher diese Ordines zu dem berühmten Hauptwerke seines Lebens, den , Genera plantarum" erweitert und umgearbeitet. Unger unterstützte ihn dabei auf verschiedene Weise. Am 3 No- vember 1832 schickt er ihm die „besprochenen idealen Blumen- darstellungen", vier Blüthendiagramme, und erklärt sich gern bereit, ihm für sein Werk solche scbematische Darstellungen in grösserer Zahl zu liefern. Es sind dies wohl die ersten Blüthen- diagramuie, die zu systematischen Zwecken construirt worden sind. Wie vollkommen schon diese ersten Versuche ausfielen, lehrt ein Blick auf die in diesem Buche reproducirten Original- zeichnungen Ungers. Aus welchen Gründen Endlicher von diesem Anerbieten keinen Gebrauch gemacht hat und die Genera plan- tarum ohne Blüthendiagramme erscheinen Hess, geht ans dem Brief- wechsel nicht hervor. Hauptsächlich dürfte ilerPlan an den äusseren Schwierigkeiten gescheitert sein. Bekannt ist Unger's Antheil an der Aufstellung des Systems, das Endlicher seinen Genera plantarum zu Grunde gelegt hat. Aus dem vorliegenden Briefwechsel geht bestimmt hervor, dass Unger als eigentlicher Urheber dieses Systems zu befrachten ist. In einem Ende 1835 oder Anfang 1836 geschriebenen Briefe theilt er Endlicher das von diesem gewünschte Schema mit, welches das Uuger-Endlieher'sche System in seiner ursprünglichsten Ge- stalt darstellt. Zum ersten Mal begegnen wir der ICintheilung des Pflanzenreiches in Thallophyten und Cormophyton, und der Eintheilung letzterer in Acrobrya, Amphibrya und Acramphibrya " Die Herausgabe der Briefe ist in mehrfacher Hinsicht dankens- werth, so auch deshalb, weil sie einen Commentar zu den Werken der beiden Freunde bilden. Aber ganz abgesehen von der histo- risch-wissenschaftlichen Seite werfen die Briefe auch Streiflichter auf die Zeit, in der sie geschrieben wurden überhaupt. Endlicher ist — wie authentisch belegt wird — nicht durch Selbstmord geschieden, sondern an einer schweren Krankheit. XV. Nr. 2. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 23 Prof. August Forel, Gehirn und Seele. ;>. und (i. Aufl. Emil Strauss in Bonn, 189^. Den wesoiitliolien Inhalt des auf der 1894 er Versammlung deutscher Naturfiirscher und Aerzte gehaltenen Vortrages haben wir seiner Zeit in Band X der „Naturw. Wnchenschr." (1895) •S. 44 — 47 abgedruckt. Neue Forschungen haben den Verf. veran- lasst, in der vorliegenden Auflage verschiedene neue Anmerkungen anzubringen. Prof. Dr. W. Budde. Physikalische Aufgaben für die oberen Klassen höherer Lehranstalten. Aus den bei Entlassungs- prüfungen gestellten Aufgal>en ausgewählt und mit Hinzufügung der Lösungen zu einem Buche vereinigt. 3., abgeänderte und vermehrte Auflage. Braunschweig, F. Vieweg & Sohn 1899. Die zweite Auflage dieser Sammlung haben wir im X. Bande (S. 343) dieser Zeitschrift empfehlend besprochen und wir können darum heute auf das damalige Referat Bezug nehmen Unserem damals geäusserten Wunsche gemäss sind in der vorliegenden dritten Auflage im Vorwort diejenigen Aufgaben namhaft gemacht, welche auf lineare oder rein quadratische Gleichungen führen. Vielleicht können künftig auch die mit Hilfe gemischt-quadratischer Gleichungen lösbaren Aufgaben angegeben werden, da gerade diese den Schülern der Untersekunda Freude an ihrem mathe- matischen Können zu bereiten geeignet sind, wenn auch eine ge- wisse Nachhilfe seitens des Lehrers beim Ansetzen der Gleichung auf dieser Stufe in den meisten Fällen erforderlich sein wird. Hinzugekommen sind in der neuen Auflage nur 8 Aufgaben, ausserdem aber im Anhang noch eine Sammlung von Thematen, zu Ausarbeitungen aus dem Gebiete der Chemie, in die allerdings zwei quantitative Aufgaben (771 und 783) nicht recht hinein- passen. Soll die Sammlung überhaupt auch auf die Chemie ausgedehnt werden, dann fehlt ihm freilich zunächst ein Abschnitt von Be- rechnungs-Aufgaben im Haupttheil des Werkes. Eine derartige Vervollständigung wäre gewiss vielen Faehgenossen willkommen, es würde sich unseres Erachtens dann aber auch empfehlen, astronomische und mathematisch-geographische Aufgaben ebenfalls nicht auszuschliessen, damit das Buch den Uebungsstotf für alles das, was auf den Gymnasien zur Zeit nun einmal noch unter dem officiellen Namen „Physik" getrieben wird, vereinigt. F. Kbr. Festschrift zum siebzigsten Geburtstag BCoritz Cantors. Zu- gleich neuntes Heft der Abhandlungen zur Geschichte d e r Mathematik. Im Auftrage herausgegeben von M. C u r t z e und S. (Jünther. Mit. einem Porträt Moritz Cantors in Helio- gravüre, 2 Tafeln und bb Figuren im Te.xt. VIII und 6.57 S., gr. 8». Verlag von B. G. Teubner, Leipzig 1899. — Preis 20 M. Aus _ Anlass des siebzigsten Geburtstages von Professor Dr. Moritz Cantor, dem Verfasser der umfangreichsten, auf gründlichstem Quellenstudium beruhenden „Vorlesungen über die Geschichte der Mathematik", hat ihm eine grössere Zahl seiner zahlreichen Verehrer die vorliegende, nach vielen Richtungen hochinteressante Festschrift gewidmet. Mit hoher Befriedigung kann der jugendfrische Heidelberger Mathematiker auf die schön aufspriessendr .Saat lilieken, die er mit seinen Forschungen aus- gestreut hat. i:s i.-it ]iatiirlich unmöglich, von allen 32 Beiträgen, welche die Miiifaii-i-.irlH. I'estschrift enthält, an dieser Stelle auch nur eine Andeutung zu geben; wir wollen uns deshalb damit be- gnügen, einige Forschungen allgemein interessirender Art hier zu erwähnen. Da ist zunächst zu nennen der Aufsatz von Favaro über eine ungedruckte Abhandlung Galilei's über Mechanik, die sich im Archiv des Fürsten von Thurn und Taxis gefunden hat. — Allgemein interessant ist ferner der umfangreiche Beitrag von S. Günther, dem bekannten Münchener Geographen," über Nikolaus von i'nsa und seine Beziehungen zur niathcui.itisrlicn und physikali.M-lirii ( ic.-iaphie; das Ergebniss dieser w ni l,\ ..llm Studie lautet: „Der .M.uiii, iler vor Coppernicus die Kr\ .-.i:ill.-.|ili;iri;ii der griechLschen Himuielskunde zertrümmerte, der otlen die Weseiis- gleichheit der Erde mit den anderen Weltkörpern verkündete, der ganz allgemein die Erdbewegung und konkreter auch die Erd- rotation lehrte, der den wesentlichen Inhalt des Galilei'schen Trägheitsgesetzes voi lier erkannte, der als der erste Neuere eine Landkarte in correctem geometrischem Netz entwarf, der endlich thermometrische, hygrometrische und bathometrische Methoden angab, denen ausnahmslos die theoretische Berechtigung nicht ab- zusprechen' ist — dieser Mann verdient ohne Zweifel in der Ge- schichte der angt Erdkunde einen El allgemeinem Interesse sind die M scheinen begriffene Encyklopädie d Schäften, welche einer ihrer Herausge in Königsberg, in seinem Beitrage ni andten Mathematik sowohl, wie auch der nplatz." — In gewiäsoin Sinin' gleichfalls von im. 11 über die im Er- th.'iiiatisehen Wissen- of. 1)1-. Fra.nz Meyer gt hat; es wird daraus widerlege! bean.siinu- \V.i, oder 111.1 tl , rl itdi '^^"^ •■\\ ■ ih ^.1 1. so seien d gegeben; Bobynin ausser , V. B •a jmi h auch der Nichtmathematiker eine Vorstellung von diesem grc artig angelegten Werke gewinnen, das in mancher Beziehung eine Fortsetzung der Geschichte der Mathematik von Moritz Cantor bildet. — Schliesslich sei hier noch erwähnt der Aufsatz von Wohlwill über die Entdeckung der Parabelform der Wurflinie. Der Verfasser beschäftigt sich darin mit der „Geschichte der experimentellen Methode in Italien" von Rafaello Caverni, der an der Geschichte der Entdeckung der Parabelform der Wurflinie nachgewiesen zu haben behauptet, da.ss und wie Galilei das geistige Eigenthum seiner bedeutenden Zeitgenossen für sich selbst in Anspruch genommen hat. Diese kühne und ganz verblüffende Behauptung hat Caverni gestützt mit einer ausserordentlichen Kenntniss der Werke, Briefe, Handschriften u. s. w. Galilei's, so dass man nicht mit einer blossen Geringschätzung über die ohne Zweifel irrige Beurtheilung Galilei's zur Tagesordnung übergehen kann. Wohlwill unternimmt es deshalb, Caverni dadurch zu >is in alle Einzelheiten folgt. Gewiss iiugsversuchalso allgemeinstes Interesse. -er Stelle versagen, die mehr speeiellen iL;e zur Festschrift zu charakterisiren, lie Namen der Verfasser hier wieder- oben Genannten haben beigesteuert : , Cajori, Curtze, Dickstein, Ene- ström, Gelcich, Graf, Heath, Heiberg, Heller, Hultsch, Hunrath, Loria, Mansion, Felix IMüller, Nagl, Rosen- berger, Rudio, Stäckel, Staigmüller, Steinschneider, Sturm, Suter, Tannery, Unger, Wappler, Wertheim, — Namen, die sowohl die grosse Zahl der Verehrer des Jubilars, als auch die Blüthe zum Ausdruck bringen, deren sich das Studium der Geschichte der Mathematik bei allen Culturvölkern zur Zeit erfreut. Das beigegebene Bild Moritz Cantors ist ausgezeichnet; das beigefügte Verzeichniss der mathematischen Werke, Abhandlungen und Recensionen desselben, von M. Curtze zusammengestellt, legt ein beredtes Zeugniss von der umfangreichen litterarischen Thätig- keit Cantor's ab. Durch ein Namenregister ist für eine bequeme Benutzung der Festschrift Sorge getragen. G. Briefkasten. Hr. Prof. Fr. — Nehmen Sie Sadebeck's Buch: Die Culturgewächse der deutschen Colon ieen und ihre Erzeugnisse (Gustav Fischer in Jena 1899, Preis 10 M.) Eine ausführliche Besprechung finden Sie in Band XIV (1899) No. ö, S. 54 der „Naturw. Woclienschr." Das Buch erfüllt ein von vielen Seiten gefühltos Bedürfniss, und zwar nicht nur von Laienkreisen, wie Colonialfreunden und Interessenten, sondern, ganz offen gesagt, auch von Botanikern, die ja bei dem gewaltigen Umfang ihrer Wissenschaft nur dann wünschenswerth genau über die tropischen Cultur- und Nutz- pflanzen orientirt sein können, wenn sie Systematiker sind und zwar speciell Systematiker, die sich der Tropenflora widmen. Verf. hat sich gewissenhaft an die neuesten Forschungen auf dem von ihm behandelten Gebiet gehalten und nicht etwa bloss compilirt, sondern, wo angängig, selbst untersucht und nach- geprüft; bei seiner Stellung als Director des botanischen Museums und des Botanischen Laboratoriums für Waarenkundo zu Ham- burg ist ihm überdies reichlich Material zur Verfügung gewesen, das ihm eigene Erfahrungen auf dem Gebiet gestattet hat. Die Abbildungen sind exact und schön, zum grössten Theil sorgsam gezeichnete Originale, die in dem Buche in sehr guter Reproduction wiedergegeben sind. Ausser der Litteratur und eigenen Beob- achtungen hat Verf. von verschiedenen Seiten Unterstützung ge- funden, so von den Botanikern Volkens, Güg, Warburg, Hallier, Vogt, Schumann. Disponirt ist das Buch in 14 Abschnitte, welche behandeln 1. Palmen, 2. Getreide und Zuckerrohr, 3. Knollen- und Zwiebel- gewächse, 4. Essbare Früchte und Gemüse, 5. Eigentliche Genuss- mittel (Kaffee-, Thee Gruppe), 6. Gewürze, 7. Tabak, 8. Fette und fette Gele liefernde Pflanzen, 9. Färb- und Gerbstoffe liefernde Pflanzen, 10. Gummi, Harze und Kopale, 11. Kautschuk und Gutta- percha liefernde Ptlauzen, 12. Faserstoffe, 13. Nutzhölzer und 14. Medizinalpflanzen. Inhalt: Prof Dr. B. Schwalbe: Der neunte naturwissenschaftliche Feriencursus für Lehrer an höheren Schulen, abgehalten in Berlin vom 4. October bis 14. October 1899. — Ueber die Selbständigkeit der musikalischen Centren des Gehirns. — Zur Naturgeschichte des Rapserdflohs. — Die Artbildung und Verwandtschaft bei den Foraminiferen. — Eine Beziehung zwischen Luftdruck-Vertheilung und Monddeclination. — Aus dem wissenschaftlichen Leben. — Litteratur: Dr. Paul von Gizycki, Vom Baume der Erkenntniss. — G. Haberlandt, Briefwechsel zwischen Franz Unger und Stephan Endlicher. — Prof. August Forel, Gehirn und Seele. — Prof. Dr. W. Budde, Physikalische Aufgaben für die oberen Klassen höherer Lehranstalten. — Festschrift zum siebzigsten Geburtstag Moritz Cantors. — Briefkasten. 24 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. XV. Nr. 2. ♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦ 1 Dr. Robert Muencke : X Luisenstr. 58. BERLIN NW. Luiseustr. 58. « # Technisches Institut für Anfertigung wissenschaftlicher Apparate ♦ ♦ und Geräthschaften im Gesammtgebiete der Naturwissenschaften. ♦ lerir. Pümmirro |)trlag6buit)l|aniilnng in ^rrlin SW. 12, |inii nfr|lr. 94. 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Specielle Auskünfte in einschlägigen Fragen werden Interessenten gern ertheili. Verantwortlicher Redacteur; Dr. Henry Potonid, Gr. Lichterfelde (P.-B.) bei Berlin, Potsdamerstrasse 35, für den Inseratentheil: Hugo Bernstein in Berlin. — Verlag: Ferd. Dümmlers Verlagsbuchhandlung, Berlin SW. 12. — Druck: G. Bernstein, Berlin SW. 12. ^^v- Redaktion : f Dr. H. Potonie. Verlag: Ferd. Düiiunlers Verlagsbuchhandlung, Berlin SW. 12, Zimmerstr. 94. XV. Band. Hoiintag, den 21. Januar 1900. Nr. Abonnement: Man abonnirt bei allen Buchhandlungen und Post- anstalten, wie bei der Expedition. Der Vierteljahrspreis ist Jl 4.— Bringegeld bei der Post 15 ,A extra. Postzeitungsliste Nr. 5301. Inserate: Die viergespaltene Petitzeile 40 ^. Grössere Aufträge ent- sprechenden Rabatt. Beilagen nach tjebereinkunft. Inseratenannahme bei allen Annoneenbureaus wie bei der Expedition. Abdrnck ist nur mit vollständiger Qnellonaiigabe gestattet. Der neunte naturwissenschaftliche Feriencursus für Lehrer an höheren Schulen, abgehalten in Berlin vom 4. October bis 14. October 1899. Bericht auf Grund der eingegangenen Beiträge sowie eigener Aufzeichnungen von Prof. Dr. B. Schwalbe. Prof. Dr. Schwalbe: Beriicksichtiguug der Nautik uud Hygiene unter Vorführung der einschlagenden Unterrichtsmittel der Anstalt. Der Vortrag verbreitete sich hauptsächlich über den ersten Theil „Die Nautik", über den in den Unter- richtsblättern von Pietzker und Schwalbe ein längerer Bericht als hier möglieh ist, gegeben werden soll. Aber sowohl hier wie bei der Hygiene war es immerhin nur möglich, einige Punkte heraus- zuheben, und viele wichtige Ge- biete nur anzudeuten. Für die Hygiene bietet der Schulunterricht auf jeder Klassen- stufe und fast in jedem Unter richtszweige reichlich Gelegenheit und Veranlassung zur Anknüpfung, die nach den einzelnen Fächern und Klassenstufeu geord- net, schliesslich wohl einen Ueberblick, soweit er für die Schule ge- eignet ist, zu geben ver- mag. Praktisch hygienisch soll ja jeder Unterricht, soll jeder Lehrer werden. Sorge für das Wohlbefinden der anvertrauten Jagend und Controle der etwa vor- handenen Nacbtheile gehören zu den Pflichten des Lehrers, der es übernommen hat, zu unterrichten und zu erziehen. .E^a|j^, Von den vielen hj'gienischen Einrichtungen, welche am Dorofheenstädtischen Realgymnasium bestehen, ist ein kurzer Ueberblick gegeben in der Programmbeilage der Anstalt 1898, Schul hygienische Fragen und Mit- theilungen von Prof Dr. Schwalbe. Berlin 1898. Gaertners Verlag. Von Apparaten kamen zur Vorführung eine Warm- wasser-Heizung, welche die Anlage im Dorotheenstädti- schen Realgyninasium wie das Prinzip der Warmwasser- heizung überhaupt demon- strirt: aus Glas gefertigte Wasserkessel , Steigrohr, oberer Wasserbehälter mit kühlerem Wasser, Absteig- register für zwei Stock- werke. Die Bewegung des Wassers wurde durch einige Sägespähne oder Tropfen gefärbter Flüssigkeiten (Lö- sung von übermangansaurem Kali, Indigo) sichtbar ge- macht; als Vorversuch dient ein in Form eines grossen Rechtecks oder Quadrats ge- bogenes Glasrohr ; die freien Enden werden mit Kautschuk- schlauch verbunden. Die nun in sich geschlossene, ganz mit Wasser gefüllte Röhre enthält als Bewegungsauzeiger einige Sägespähne, beim Erwärmen einer Ecke des schräg 26 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. XV. Nr. 3. gestellten Heizrohres beginnt die circulirende Strömung, die man deutlich verfolgen kann. Ausserdem wurde der Apparat von Siemens zur Herstellung keimfreien Wassers, in dessen Gebrauch die Schüler unterwiesen werden, in Gang gesetzt und demonstrirt. Als im Jahre' 1892 für die Stadt Berliu die Gefahr einer Choleraepidemie vorhanden war, wurde angeordnet, dass in den Schulen nur abgekochtes Wasser zum Trinken verabreicht werden sollte. Da die Beschaffung desselben in grossen Mengen Schwierigkeiten verursachte, wurde der Siemens'sche Wasserkoehapparat angeschafft. Die Einrichtung desselben ist aus den nachfolgenden Abbildungen und der hinzugefügten kurzen Beschreibung leicht verständlich. Derselbe wird in jedem Sommer den Schülern der Oberprima vorgeführt, die zugleich selbst den Gebrauch erlernen, Der Apparat wird auf dem ersten Korridor aufgestellt und der Gas- und Wasserleitung dort angeschlossen; auch der Schul- diener ist mit der Handhabung vertraut. Eine kurze Anleitung ist unten gegeben. Die Ordnung bei der Vertheilung des Wassers Hess sich leicht aufrecht erhalten. Eine Anzahl Gläser, die mit ab- gekochtem Wasser ge- spült werden, müssen bereit gestellt sein. Wasserabkoch- Ap- parat von Geheim- rath Dr. Werner von Siemens. — Die Cholera -Epidemie von 1892 hat es erforderlich ge- mach}, in Zeiten der Gefahr sich für Genuss- und wirth- schaftliche Zwecke nur eines sterili- sirten, d. h. keim- freien Wassers zu bedienen, welches bekanntlich durch hinreichend lang andauerndes Ab- kochen des ge- wöhnlichen Trinkwassers " erzeugt wird. — Um dieses Abkochen in continuirlicher Weise bei möglichst ge- ringem Brennmaterial-Verbrauch und insbesondere, um ein rasches Abkühlen des gekochten Wassers zu er- zielen, hat Werner von Siemens s. Z. vorgeschlagen, die dem gekochten Wasser innewohnende Wärme so weit als irgend möglich an das zufliessende " kalte Wasser abzu- geben dadurch, dass man letzteres an den erhitzten Ge- fässwandungen des ersteren vorbeistreichen lässt. Nach diesem Grundsatz ist der in Fig. 1 dargestellte Apparat construirt. a) ist ein Gas- oder Petroleum-Kochapparat, b) ein Kochgefäss mit Deckel aus Messingblech, c) das Wärmeaustausch- bezw. Abkühlgefäss aus Messingblech, d) der Anschluss für die Wasserleitung, e) der Ablauf für gekochtes Wasser, f) das Wasserstandsglas zur Beobachtung der Durch- flussmenge, g) der Stellhahn i h) das Absperrventil \ für Fig. 2. i) der Schwimmer > Der Apparat erfüllt die ihm gestellte Aufgabe in der vollkommensten Weise, d. h. er tödtet nicht nur die Cholera-, sondern auch die viel widerstandfähigeren Typhusbacillen. Dieser Erfolg ist nachgewiesen worden durch sehr ein- gehende Versuche, welche im Auftrage des Herrn Ministers für geistliche, Unterrichts- und Medicinal-Augelegenheiten mit einem von der Firma gestellten Apparat im hygieni- schen Institut der hiesigen Universität zur Ausführung gelangten, und worüber ein amtlicher Bericht vorliegt. Der vorstehend beschriebene Apparat Fig. 1 erfordert andauernde Controle des Kochproeesses. Der Apparat nach Fig. 2 controlirt sich selbst durch eine von der Firma construirte und zur Patentiruug an- gemeldete Vorrichtung, welche bewirkt, dass der Wasser- zutluss sofort selbstthätig aufhört, sobald der Kochprocess nachlässt und' bei Steigerung des letzteren selbstthätig wieder beginnt, sodass eine vollkommen zuverlässige Regulirung erreicht ist. Fig. 2 hat die von a — f gekenn- zeichneten Theile mit Fig. 1 gemein- schaftlich. Die Regulierung des Zulaufes erfolgt durch den Schwimmer i, welcher durch die beim Kochen des Wassers unter demselben sich sammelnden Dampf blasen angehoben wird, wodurch das mit dem Schwimmer gelenkig verbundene Absperr- ventil h sich öffnet und den Zulauf frei- giebt. Lässt der Kochprocess nach, so wird mit dem Sinken des Schwimmers der Zulauf ab- geschnitten. Durch diese Vorrichtung ist jede Möglich- keit ausgeschlossen, dass nicht vollstän- dig durchgekochtes Wasser zum Aus- lauf gelangt. Nach a führt der Anschluss der Gasleitung, nach d die Wasserleitung. Anweisung zum Gebrauch (Fig. 2). Beim Gebrauch schliesst man zu- nächst den Hahn g, öffnet alsdann den Hahn der Wasserleitung ganz und nun- mehr langsam den Hahn g soweit, dass das Wasser in dem Wasserstandsglas etwa 2 dm hoch steht. Man lässt nun so lange Wasser einströmen, bis dasselbe aus e auszufliessen beginnt. Während des Einströmens hebt man mit der Hand das Bleigewicht k empor, weil der Zufluss des Wassers unter- bleibt, sobald das Bleigewicht bis in die Nähe des Deckels gesunken ist. Sobald das Wasser aus e auszufliessen beginnt, lässt man das Bleigewicht fallen und zündet, ohne an der Stellung der Hähne etwas zu ändern, die Flamme im Kochapparat a an. Der Apparat arbeitet von nun an allein. Das beim Füllen sowie das beim Er- hitzen anfangs aus e ausfliessende Wasser (im Ganzen etwa 2 Liter) fängt man gesondert auf (lässt es also nicht in den grossen Zinkbehälter einfliessen) und giesst es fort. Sodann kamen bei der Vorlesung zur Sprache: Einzelne Ventilationsverhältnisse (Porosität der Bau- materialien, Petteukofer'sche Versuche, Porometer) werden gezeigt und die Herstellung eines Sandtilters entsprechend den Filtriranlagen der Städte als wttnschenswerth be- zeichnet. XV. Nr. 3. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 27 Wie nun im Unterricht die Hygiene zur Berücksichti- gung iioninien sollte, konnte nur angedeutet werden; es niuss in dieser Beziehung auf die oben erwähnte Pro- gramniabhandlung und die sonstigen Publikationen des Verfassers verwiesen werden. Prof. Dr. Schwalbe: Berücksichtigung der Geologie im Unterricht unter Vorführung der einschlagen- den Unterrichtsmittel des Dorotheenstädtisch en Realgymnasiums. Im Jahre 1897 waren bei dem damaligen naturwissen- schaftlichen Ferieneursus neben den von Firmen ausge- gestellten Apparaten auch die Sammlungen des Dorotheeu- städtischen Realgymnasiums ausgestellt worden. Schon der Raum erlaubte es nicht, diesmal eine ähnliche Aus- stellung zu veranstalten. Aus fast allen Unterrichtsgebieten sind Anschauungsmittel resp. Apparate und Modelle be- schafft, überall aber im Hinblick auf den wirklichen Ge- brauch für den Unterricht, so dass sich z. B. feinere Messapparate nur vereinzelt finden. Diesmal war vorzüglich nur eine Seite des Unter- richts, und zwar in einem nicht lectionsplanmässigen Gegenstande, berücksichtigt. Schon in früheren Abhand- lungen ist auf die Not h wendigkeit, die Geologie im Unterricht zu berücksichtigen, hingewiesen und es wurde über die Einführung dieses Unterrichts das Nähere dargelegt in: „Ueber die Geologie als Zweig des geographischen Unterrichts. Central-Organ für die Interessen des Realschulwesens", 1879 VII, S. 193 bis 225; in Verfolg der Sache erschien im Anscbluss an Vor- lesungen und an den Unterricht in der dynamischen Geologie, der noch bis Anfang der achtziger Jahre ge- stattet war, die „allgemeine Geologie"", in der auch ge- zeigt wurde, wie experimentell viele Erscheinungen in der Geologie nachzuweisen seien. Die Zusammensetzung der im Laufe der Jahre durch- geführten geologischen Experimente findet sieh in der Zeitschr. für physikalischen Unterricht 1897, Heft 5, 217 bis 233. Diesem Theile war ein allgemeiner Theil voran- geschickt (16. März 1897, 65 — 72, in dem die Geologie als Gegenstand der Anknüpfung allgemein erörtert wurde. Die vielfach fehlende allgemeine Bildung in dieser wichtigen Wissenschaft in Deutschland, die für Jeden des Interessanten genug bietet, da jede Gegend als Ausgangs- punkt genommen werden kann, ist auf den -fast ganz fehlenden Unterricht in den Schulen zurückzuführen. Bei dem diesmaligen Ferieneursus wurden zunächst einige Resultate der geologischen Experimente gezeigt, Efflores- cenzen, Miueralbildungen durch Diffusion, künstliche Sedi- mentirungen, die bei jedesmaliger Zerstörung der Schichten sich genau wieder in derselben Folge niedersetzen, künst- liche Dendriten und andere Durchsickerungsversuche, wie sie in der oben erwähnten Abhandlung geschildert sind. Hauptsächlich aber erstreckten sich die Vorträge auf die Erklärung der Sammlung, die ausser dem geologischen Haupttheile noch einige andere Anschauungsmittel darbot, so wurde die Eichler'sche Stoffsammlung und ihre Ver- wendung im Unterricht, einige geographische Reliefs aus den Kalkalpeu Oberbayerns von St. Dinget in Windelheim (München, Max Kettevers Verlag) und einige physikalische Apparate, Wellenapparat und Bogenlampe mit Handregulirungen sowie das Richter'sche Modell eines Gasmotors demonsfrirt. Besprochen in Beziehung auf unterrichtliche Ver- werthung wurden die mineralogischen und geologischen Anschauungsmittel der Firma Droop in Dresden-Planen (Härteskala, Entstehung der Ackerrode, Basaltsäulen etc.), wie denn überhaupt die unterrichtliche Verwerthung der einzelnen Stücke der Sammlung in Beziehung auf Pen- sum, Klasse und Gegenstand (Physik. Geographie) be- sonders hervorgehoben wurde. So besonders die geo- logische Wand im Humboldthain; die geologischen Wand- tafeln von Hippolyt Haas, die Bilder aus dem National Park (Zittel'sche Sammlung) und geologische und agro- nomische Karten von Berlin und Umgegend. Ein ganz neues Anschauungsmittel hat die Anstalt durch eine grosse Sammlung der für die Bauten Berlins verwendeten anorganischen Baumaterialien erhalten. Die Stücke haben ca. 2 bis 8 cdm Inhalt und sind würfel- förmig gestaltet. Bei den natürlichen Bausteinen ist eine Seite unbearbeitet geblieben und zeigt den Rohstein, die anderen Seiten zeigen die verschiedenen Arten der Bear- beitung (Politur, Körnung etc.), auch die künstlichen an- organischen Materialien Ziegel und Backstein finden sich in verschiedenen Formen, in denen sie zur Verwendung kommen. Es wird besonders betont, wie verschiedenartig sich solche Anschauungsmittel verwerthen lassen, wie namentlich dadurch gerade auch in kleineren Städten die Aufmerksam- keit der Schüler auf ihre Umgebung gelenkt werden kann. Eine Steinmetzwerkstätte findet sich wohl an jedem Orte, wo eine höhere Schule ist, und gern werden die Inhaber einiges Material liefern; es ist nur ein Stück Rohstein (Abfallstück) und ein bearbeitetes Bruchstück erforderlich. Die Samndung des Dorotheenstädtischen Realgymnasiums, die mehr bietet, als der Unterricht braucht, schlosssich unmittelbar dem Praehtwerke, Berlin und seine Bauten, an, das für die Berliner Schulen mannigfachen interessanten, unterrichtlich verwerthbaren Stoff enthält. Ein Theil der geographischen Sammlungen, die auf geo- logische Anschauungsmittel entfallen, werden jetzt von Herrn Oberlehrer Bohu beschrieben „Die geograpbischcNaturalien- sammlung des Dorotheenstädtischen Realgymnasiums und ihre Verwendung beim Unterricht" (1. Theil, 1899, 1—24), der zweite TheiJ erscheint Ostern 1900). Gerade für die- jenigen, die mit der Geographie als Naturwissenschaft und den einschlagenden Unterrichtsmitteln wenig bekannt sind, giebt die Darlegung ein Mittel zur Orientirung, eben- so für die an der Anstalt neu eintretenden Herren, die in Geschichte, Geographie und Naturwissenschaften unter- richten sollen, die Benutzung der Sammlungen dadurch bedeutend erleichtert. Auch auf einige litterarische Hilfsmittel für geologische Excursionen, die nur zur allgemeinen Orientirung dienen, und zur Verbreitung geologischer Kenntniss beitragen sollen, wurde hingewiesen, so auf die im Bornträger'schen Verlage erscheinenden Wegweiser und die Senft'schen Hefte: Geognostische Wanderungen in Deutschland. Schliesslich mag das Verzeichniss der Bausteine folgen und zwar nur nach Gruppen geordnet: I. Granite von 9 Fundorten, II. Farm von 2 Fundorten, III. Kalkstein von 13 Fundorten, IV. Marmor von 8 Orten, V. Dolomit von 1 Fundort, VI. Schiefer von 1 Fundort, VII. Sandsteine, a) schlesische .... von 14 Orten b) hannoversche . . . „ n c) aus der Prov. Sachsen „ d) Anhalt „ „ e) Bückeburg . . . . „ „ f) Fränkische . . . . „ „ g) Württemberg . . . „ „ •2S Naturwissenschaftliche Wochenschrift. XV. Nr. 3. h) Pfalz von 1 Ort i) Königreich Sachsen . ,, 3 Orten k) Braunschweig ... „2 ,, VIII. Tuffstein von 2 Orten. IX. Syenite von 2 Orten, üass sich daran geographische Schilderungen an- schliessen lassen, bedarf kaum des Hinweises. Schwalbe. Kgl. Bezirksgeologe Dr. H. Potonie: Ucber die Ent- stehung der Kohlenflötze. Zunächst sprach der Vortragende über die früheren Ansichten hinsichtlich der Entstehung der mineralischen Kohle, wie über die alte Annahme, dass sie durch eine Verdichtung des Kohleudioxyds der Luft, also als anorga- nisches Product entstanden sei, er- wähnte, dass einzelne Forscher, wie Scheuchzer(1706),Beroldingen(1778), Rouelle, Jussieu, die namentlich von Goeppert (1848) eingehend begrün- dete Thatsache, dass sie pflanz- licher Herkunft sei, schon sehr früh behauptet hätten und betonte, dass dementsprechend schon Button (1835) und Link (1838), dann Gümbel (1883) in der Steinkohle pflanzliche Zellen und Reste von solchen nachge- wiesen hätten. Beroldingen, Ad. Brongniart hatten für die Entstehung der Kohlenlager aus Pflanzen, die an Ort und Stelle wuchsen, d. h. für Autochthonie plaidirt, vergleichbar unseren heutigen Mooren; dann wurde meist die allochthone Ent- stehung angenommen, während jetzt nach besserer Kenntniss der That- sachen, welche die Flötze, ihr Han- gendes und Liegendes bieten, immer mehr und mehr eingesehen wird, dass das Gros der Flötze in der Tliat autochthou ist. Der Gegensatz der Autochthonie und Allochthonie wurde vom Redner eingehend erörtert; es sei hier nur darauf liingewiesen, dass sich autochthone Fossilien durcli iine gute und ausgiebige Erhaltung, die Wedel z. ß. oft zwischen dem Gestein sauber ausgebreitet, wie getrocknete, recente Pflanzen in einem Herbarium, während allochthone Reste sich als „Häcksel" erhalten zeigen, der sogar zuweilen noch durch die mehr oder minder auffällige Parallelität der einzelnen Fetzen die Richtung der ursprünglichen Wasserströmung, welche diese Häcksel- bestandtheile einschwemmten, zu erkennen giebt: Fig. 1 (Näheres über Auto- und Allochthonie im „Lehrbuch der Pflanzenpalaeontologic" des Vortragenden, Berlin 1899, S. 333 if.) In der That giebt das eingehende Studium des Werdens unserer Moore einen trefflichen Anhalt zum Verstäudniss der Entstehung z. B. der Steinkohlenflötze, die allermeist „fossile AValdmoore" sind, Fig. 2. Die allgemeine An- sicht, dass in erster Linie als Vorbedingung eine wasser- undurchlässige Schicht nöthig sei und die Moorbildung am besten in Mulden vor sich gehe („lokale Moorbildung"), ist dahin zu modificiren, dass die Hauptmoorbildungen wie sie sich über ganze Regionen erstrecken, in erster Linie von dem ständigen Vorhandensein genügender Luft- feuchtigkeit abhängig ist („regionale Moorbildung"), so- dass besonders oft Moore gerade auf den feuchten Höhen der Gebirge sich finden, wie auf der ganz vermoorten Höhe des Bruchberg-Ackers und des Brockens im Harz, und hier wie in der Ebene Wälder, welche die verlangte Feuchte schafTen, die Veranlassung zu ausgebreiteten Moorbildungen waren; viele grossen Moore, die heute keine Waldnioore sind, haben sich denn auch nach Untersuchung ihres Liegenden als aus Wäldern hervorgegangen ergeben. Die geeigneten Wälder vermoosen zunächst meist, um dann zu vermooren, und das Moor frisst gewissermaassen das ursprünglich blosse Land allmählich auf und greift immer weiter um sich. Wie das Vorhandensein unserer „Grünlandmoore" beweist, ist übrigens die Vermoosung einer Land- strecke als erstes Stadium einer Vermoorung durchaus nicht erforderlich; es sei dies betont, weil aus der Thatsache, dass es zur Steinkohlenzeit sehr wahr- scheinlich keine Moose gegeben hat, der Trugschluss gezogen worden ist, dass dem- nach auch die Flötze nicht aus Mooren hervorgegangen sein könnten. Es können die Moore Wald- moore bleiben wie unser Spree- wald, oder es kann, wie meist bei uns, der Wald verschwinden. Die „Ortsteinbildung" unterstützt durch Schaffung einer undurchlässigen Schicht die Moorbildung oft wesent- lich; er kommt dadurch zu Stande, dass humose Stoft'e der verwesenden, den Boden bedeckenden Pflanzen- theile durch Regenwasser gelöst und von an Mineralstoflfen reicheren Bodenschichten wieder ausgefällt werden, sodass in einer gewissen Tiefe unter der schon ausgelaugten Gesteins- (Sand-, Lehm- u. s. w.) Decke oft eine continuirliche Schicht z. B. von Humussandstein entsteht, der also durch Humusstoffe ver- kitteter Sand ist. Da sich bei uns der Wald aus der nach der Eiszeit vorhandenen Steppe ent- wickelt hat, so hätten wir hier die Entwickelung nach dem folgenden Schema : mt PariUel Häcksel m der natui hellen fetembnich in dei Culmgran^^ acke \ on Ebendorf bei Magdebuig WaMmooic (Spvecwald) oder unbew.-ildete Moore Steppe im natürlichen Verlauf fe der Cultur nicht vor- wohl einer fast voll- Es geht daraus hervor, dass der Dinge, d. h. wenn die Eingrif banden wären, unsere Heimath ständigen Vermoornng entgegen gehen würde. Man kann also nach der Eiszeit sprechen von einer 4. Moorzeit, der wir jetzt entgegengehen würden, ;',. Waldzeit, 2. Steppenzeit und von 1. einer Eiszeit. Es ist wenig bekannt, wie stark vermoort schon jetzt Norddeutschland ist. Wir haben (nach dem Protokoll der 41. Sitzung der Central- Moor-Comraission 1898. Berlin 1899: Denkschrift Fleischer's, Ucber den gegenwärtigen Stand der Moorkultur): XV. Nr. 3. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 29 in Hannover fast 15 7o Moorland, „ Pommern über 10 Vo „ „ Schleswig-Holstein über 9 % Moorland und „ Brandenburg fast 9 7« Moorland u. s. w. Die Entstehung von bleibendem (fossilem) Humus ist durchaus abhängig von dem Vorhandensein ständiger Feuchtigkeit; wo sie hinreichend mit Trockniss ab- wechselt, also wo die chemischen Bedingungen sehr wechselnd sind und die verwesenden Pflanzen-Materialien stark angreifen, kann ein Moor nicht entstehen. Wir haben denn auch bei uns je nach den Verhältnissen alle Uebergänge von sandig bleibenden Wäldern durch Park- böden, Moor-Erden bis zu Mooren, die chemische Umbildung wegen besseren Abschlusses weit langsamer vor sich geht. Erst in zweiter Linie sind die beiden genannten Hauptkohlensorten in ihrem Werden von ihrem geologischen Alter abhängig. So sind die älteren Kohlen des Saar-Rheingebietes fette Kohlen, die jüngeren magere Kohlen, im Ruhr-Revier jedoch im Ganzen die älteren Kohlen die mageren und die jüngeren die fetten. Wo anders endlich (Aachener Gegend) kann man beobachten, dass ein und dasselbe Flotz in dem besser von der Einwirkung der Atmosphärilien geschützten Theil fett, in dem schlechter geschützten hingegen mager ist. Eine allgemein gültig sein sollende Berechnung, wie- viel ursprünglich lebendes Pfianzenmaterial dazu gehört, Rcconstiuction einer Landschaft der mittleren productiven Steinljolilenzoit nach einer vom Vortragenden veröffentlichten Wandtafel (vergl. Näheres in der Erläuterung zu dieser Wandtafel (Berlin-Leipzig 1899) oder „Naturw. Wochenschr." 1898, Band XIIL Seite 613 ff., 1899, XIV, Seite 32). Die Steinkohlen bestehen nicht aus freier Kohle, sondern aus Verbindungen von Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauerstoff. Wie beim Glühen des Zuckers giebt auch die Steinkohle erst nach dem Glühen, wodurch der AVasser- und Sauerstoff in Gasverbindungen, auch als Kohlenwasserstoffe, entweichen, das Element Kohle. Die Kohle kann schmelzen; sie zersetzt sich, itnd es bleibt Coaks, d.h. Kohle einschliesslich derAschenbestandtheile der ursprünglichen Pflanzen zurück. Die Unterscheidung in Mager- und Fettkohlen bezieht sieh auf den Gasreich- thum, namentlich SauerstoftVeichthum der letzteren; die Bildung derselben ist abhängig von der Bedeckung der Kohlenflötze: bei den Magerkohlen haben die Atmo- sphärilien leichteren Zutritt gehabt, wodurch sicii die Kohle an Kohlenstoff anreicherte wegen der leichteren Möglich- keit, die Gase abzugehen, während bei den Fettkohlen um ein Kohlenlager von bestimmter Mächtigkeit zu er- zeugen, ist nach dem Gesagten ganz müssig, da die ein- getretene Volumen-Reduction durchaus davon abhängig ist, in wieweit die Atmosphärilien Zutritt hatten. Die wichtigste Substanz für die Kohlebildung ist die Cellulose. Sofern diese dem Holz, das aus Cellulose und den unter dem Namen „Lignin" zusaminengefassten „in- crustirenden Substanzen" besteht, durch chemische Ein- flüsse bei der Verwesung entzogen werden kann, trägt auch das Holz zur Kohlebildung bei, sonst erhält sich Holz als verkohltes Holz, schliesslich als Holzkohle. Man kann denn auch in der That nicht selten wirkliche Holzkohle in der .Steinkohle beobachten, und in Brauu- kohlen ist das eventuell noch vorhandene Holz als solches ebenfalls noch deutlich erkennbar halbverkohlt (dunkelgebräunt) erhalten und als Brennmaterial ganz 30 Natuiwissenscbaftlicbe Wochenschrift. XV. Nr. 3. geringwerthig, weil ihm im Verlauf der chemischen Veränderungen die als Brennmaterial werthvolleii Bestand- theile entzogen worden sind, die eventuell mit zur Entstehung der das Holz einbettenden Braunkohle beitragen. Die Substanz, welche die fertige Miueralkohle bildet, ist eben zum grossen Theil ursprünglich in Lösung gewesen und hat sich aus dem Wasser wieder niedergeschlagen (,,In- kohlungsprocess" Gümbers). Man kann sich eine Anschauung davon verschaffen durch Beachtung der hellkaffeebraunen Färbung, welche zu Zeiten die aus Moor - Revieren kommenden Bäche zeigen, wie z. B. die Ilse u. s. w. im Harz. Auch die kohlig-schwarze Färbung der Brand- und Thon-Schiefer der Steinkohlenformation kommt vielfach durch ursprüngliche Imprägnation in Wasser gelöst ge- wesener huniöser Stoffe zu Stande. Druck und Hitze, die man so gern heranzieht, sind für die Entstehung von Kohlenlagern her unwesentlicher. Zur Veranschaulichnng des Gesagten dienten zahl- reiche Materialien aus der grossen Sammlung der Königl. geologischen Landesanstalt und Bergakademie und die vorn (Fig. 2) erwähnte Wandtafel, deren Einzelheiten dcmonstrirt wurden. Auf der von Herrn H. Potonie geleiteten Excursion nach dem Harz, die von Wernigerode auf den Brocken und von dem Gipfel desselben hinab nach Ilsenburg führte, wurde zur Illustration des Vortrages ein von der neuen Brockenbahn durchschnittenes Torfmoor besichtigt, auf das (freilieh zur Zeit gerade nicht sehr deutliche) moor- braune Wasser der Ilse aufmerksam gemacht und endlich eine Fundstelle mit allochthonen Pflanzenresten in der (Culm?) Grauwacke bei Ilsenburg besucht, die reiche Häcksel-Funde bot. Die aus Anlass des Feriencnrsus veranstaltete Aus- stellung war von 20 Firmen beschickt, welche fast ausschliesslich physikalische und chemische Unterrichts- mittel ausgestellt hatten. Die Ausstellung fand in der -Vula des Dorotheenstädtischen Realgymnasiums statt und war an 7 Tagen von 10 bis 5 Uhr jedermann zugänglich. Die Buchhandlung Georg Winkelmann (W. Ober- wallstr. 14 — 16), welche in Berlin wohl das reichste Lager von Wandtafeln für die verschiedenen Unterrichtszweige hält, hatte eine grosse Zahl von scliwarzen und farbigen Wandtafeln fih- den Unterricht in der Physik, Chemie und Technologie ausgestellt, von denen besonders einige neue Tafeln sich durch guten Maassstab, klare und in kräftigen Farben ausgeführte Darstellung auszeichneten. Solche Tafeln sind auch für Anstalten, welche über reichere Mittel verfügen, z. B. bei Wiederholungen, von Werth. Die Ausstellung des naturhistorischen Instituts (Lin- naea (N. Invalidenstr. 105) enthielt zerlegbare, aus Papier- masse hergestellte Anschaunngsstücke für den Unterricht in der Anthropologie, vorzüglich präparirte Skelette, die rühmlichst bekannten Präparate über die Eutwickelung der Insecten, sehr schöne zootomische Spritpräparate, und zwar sowohl Situs-Präparate, welche ein Gesammt- bild der Lagerungsverhältnisse der inneren Organe in ihrer natürlichen Anordnung zeigen, als auch Injections- präparate, bei denen die Arterien mit einer intensiv rothen Masse ausgespritzt und daher deutlich sichtbar sind, und endlich Nervenpräparate, welche den Verlauf des Rücken- marks und der davon ausstrahlenden Nerven veran- schaulichen. Viel Interesse fand auch eine reichhaltige Sammlung von Hölzern und eine Sammlung von Erzeug- nissen deutscher Colonien. Die Fabrik chemischer, elektrochemischer und bacterio- logischer Apparate Max Kahler und Martini (W, Wil- helmstr. 50) hatte neben zahlreichen Gebrauchsgegen- ständen für den chemischen Unterricht Apparate für Elektrochemie wie Elemente, Regulirwiderstände, Elek- troden, Strommessapparate, elektrische Oefen und den sehr preiswerthen Heissluftmotor nach Heinrici ausgestellt. Die Glasbläserei war durch die beiden Firmen W. Niehls und Max Stahl vertreten. Die Ausstellung von W. Niehls (N, Schönhauser - Allee 171) enthielt mehrere Neuheiten, so einen Apparat für die Demonstra- tion des Gasdruckes nach Oberlehrer Frick, welcher als Barometer, offenes und geschlossenes Manometer benutzt werden kann und dessen Handhabung äusserst einfach und bequem ist (30 M.); sehr demonstrativ war auch die in zwei Ausführungen vorhandene Zusammenstellung zur Veranschaulichung der Herstellung und Einrichtung von Thermometern, welche die Herstellung eines Thermo- meters in 7, bezw 12 Stadien zeigte. Verbesserungen hatte auch aufzuweisen das Metallthermometer nach Breguet. Bemerkenswerth waren auch die ausgestellten, amtlich geprüften Thermometer für Temperaturen bis — 120° imd bis -4-583° aus Jenenser Borosilikatglas, das Hypsometer, der Hofmaun'sche Zersetzuugsapparat, der sich durch kräftige Platinverbindung auszeichnete und die für Glasarbeiten höchst empfehlenswerthe Härte- skala für Glas, welche eine Auswahl der dauerhaft ver- schmelzbaren Glassorten ermöglicht. Max Stahl (NW, Philippstr. 22) hatte ausgestellt eine automatische Queck- silberluftpumpe eigener Construction, eine Canalstrahlen- röhre nach Goldstein, Wasserstrahlpumpen und -Gebläse, einen Hofmanu'schen Apparat zur Schwefelsäurezersetzung, Lichtmühlen und Crooke'sche Röhren, sowie einen Satz vor der Lampe geblasener Bechergläser. Als Specialität in Projections- und Beleuchtungs- apparaten hatte E. Meckel (NO, Landsbergerstr. 85) einfache und doppelte Projectionsapparate, Lampen für Petroleum, Acetylen, Kalklicht, Zirconlicht sowie für elektrisches Bogenlicht ausgestellt. Ebenfalls mit Special- apparaten war vertreten Otto Bohne (S, Prinzenstr. 90), mit selbstregistrirenden Baro-, Thermo- und Hygrometern, sowie mit Aneroiden, 'deren eines speciell für Schulzwecke unter einer Glasglocke hermetisch abgeschlossen durch Blasen oder Saugen mittels eines Gummiballes das Steigen oder Fallen des Barometers veranschaulicht. Auf die Ausstellung neuer Specialapparate hatte sich diesmal auch Ferdinand Ernecke (SW, Königgrätzerstr. 112) beschränkt. Erwähnt seien der elektrolytische Wehnelt- ünterbrecher, eine Difterentiallampe nach Zwick-Ernecke, eine Tangentenbussole nach Kolbe, Apparate zur De- monstration des Gesetzes der Wheatstone'schen Brücke nach Spies in zwei Ausführungen (flu- elektrischen und für Wasserstrom), die Radwage nach Johaunessohn (in zwei Ausführungen), einen Projectionsapparat nach Kolbe, Liehtbrechungsapparate nach Kolbe und nach Mülilenbein. Grössere Sammlungen von Apparaten aus verschiedenen Gebieten hatten ausgestellt Lepp in und Masche, Herbst und Gebhardt. Von den Apparaten der Firma Leppin und Masche (SO, Engel-Ufer 17) sei erwähnt die Wellen- maschine nach Thompson zur Demonstration der Fort- pflanzung elektrischer Wellen, Hertz'sche Spiegel im kleinen Format, ein neues Vertikalgalvanometer mit zwei aus- wechselbaren Spulen, eine Acetylenlampe zum Projections- apparat, ein Apparat zur ProjectionLissajous'scher Figuren, ein Schulkathetometer mit Fernrohr (mit Fadenkreuz) und Mikrometerschraube (G5 M.), ein Sphäromctcr V200 •"»i '''"" gebend, eine hydraulische Presse mit drehbarem Hebel (dicht bis 140 Atmosphären). Die Ausstellung von A.Herbst (0, Krautstr. 26 a) enthielt unter Anderen mechanische, XV. Nr. 3. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. optische und akustische Apparate nach Szymäriski, den Apparat zur Veranschaulichung des Trägheitsmoments nach Max Koppe, einen Projectionsapi)arat, eine durch gute Isolation sich auszeichnende Influenzmaschine, das Modell eines Automaten, eine neue Wärmemühle, ausser- ordentlich empfindliche Goldblattelektroskope zur An- stellung des Volta'sehen Fundamentalversuchs. Die Appa- rate von Paul Gebhardt (C, Neue Schönhauserstr. 6) umfassten alle Gebiete der Physik, darunter auch solide gearbeitete Apparate für solche Anstalten, welche nur über geringe Geldmittel verfügen. Besondere Construetionseigenthümlichkeiteu boten die Apparate von F. A. Hintze (N, Metzerstr. 29) dar, so ein Apparat zur Bestimmung des Ausdehnungskoefficienten fester Körper, bei dem der zur Erhitzung dienende Wasser- dampf von beiden Seiten in die Metallröhreu geleitet wird und in der Mitte entweicht, wodurch eine sehr gleichmässige Erwärmung erzielt wird. Der Apparat kann auch zur Demonstration der Hitzdrahtinstrumente dienen, welche zur Messung von Wechselströmen ange- wendet werden, wenn ein dünner Draht statt der Röhre ausgespannt und ein elektrischer Strom hindurch geschickt wird. Bei dem Spektralapparat war der Spalt für chemische Versuche durch eine abnehmbare Glimmerplatte geschützt und das Prisma leicht auswechselbar gegen ein Gitter. Der ausgestellte Projectionsapparat konnte mit einem elektrischen Handregulator (60 M.) oder einer Acetylen- einrichtung (30 M.) betrieben werden. Der ausgestellte Apparat wurde bei dem Vortrage des Herrn Dr. Schott benutzt und bewährte sich gut. Ausgestellt waren auch nach dem nassen Collodiumverfahren hergestellte Dia- positive der Porträts berühmter Physiker in einer für den Projectionsapparat geeigneten Grösse. Sehr preiswerth waren ein Spiegelgalvanometer mit Glockenmagnet und verschiebbaren Rollen vom Gesammtwiderstande 500 Ohm und 1,24 Ohm (45 M.) und ein vereinfachtes aperiodisches Spiegelgalvanometer nach Thomson mit vier Rollen von je 3,5 ( »hm (45 M.). Erwähnt seien auch das Rebenstorf- sche Thermoskop und ein Sieniens'sches Doseurelais. Mit Influenzmaschinen Wimshurst'schen Systems im Preise von 20 bis 150 Mark und zugehörigen Neben- apparaten war Alfred Wehrsen (SO, Brückenstr. 10b) vertreten. Schon die Maschine von 20 cm Scheibendurch- messer (20 M.) gaben Funken von 9-10 cm Länge. Drei Accumulatorenfabriken hatten die Ausstellung beschickt. Die Accumulatorenwerke Zimmermann & Co. (W. Friedrichstr. 59—60) hatten ausgestellt Accu- raulatoren für transportablen Betrieb mit Säure- und Trockenfüllung, eine 1 kg schwere tragbare elektrische Sicherheitslampe, bei welcher mit 3 Troeken-Accumulatoren eine ö'/j Volt-Lampe circa 3 Stunden gespeist wird, Hartgummikästen, Isoliermaterial und einzelne Platten. Auch die Accumulatoreu- und Elektricitäts- Werke vormals W. A. Boese & Co. (SO. Köpenickerstr. 154) hatten eine Sammlung von Platten und Rahmen sowie eine Reihe von Elementen, einzeln und in Kästen zu- sammengebaut, in Glas- und in Celluloidgefässen sowie einen Pachytropen ausgestellt. Die Gülcher- Accumu- latoren-Fabrik (NW., Spenerstr. 23) zeigte ebenfalls transportable Accumulatoren in verschiedenen Typen. Ausschliesslich galvanische Apparate enthielt die Aus- stellung von Keiser & Schmidt (N., Johannisstr. 20) Funkeninductoreu, die grösseren mit auswechselbarem Unterbrecher (Platin-, Deprez-Unterbrecher, Quecksilber- wippe, rotirender Quecksilberunterbrecher für schnelle Unterbrechungen), Thermosäule nach Rubens, Ampere- und Voltmeter, ein Universal- Vertikal-Galvanometer nach Deprez d'Arsonval, das Szymariskiscbe Spiegelgalvano- meter, eine Walzenmessbrücke und einen Kondensator nach Kohlrausch, verschiedene Rheostate, die Szyraanski- schen Apparate zur Demonstration der Marconischen Versuche, eine Handdynamomaschine für Gleichstrom und eine solche, welche auf Gleichstrom oder mehrphasigen Wechselstrom geschaltet werden konnte. Die Specialfabrik elektrotechnischer Instrumente und Apparate von Dr. Paul Meyer (Berliu-Rummelsburg, Boxhagen 7—8) hatte ein Schaltbrett ausgestellt, wie es von ihr für die Luisenstädtische Ober-Realschule in Berlin für 110 Volt Netzspannung ausgeführt ist. Als Vorschaltwiderstand dienten Glühlampen. Das Haupt- arbeitsgebiet dieser Firma, Messapparate, war durch Volt- und Amperemeter und zwar sowohl in aperiodischen Präcisionsapparaten, wie in Weicheiseninstrumenten in den verschiedenen Messbereichen, Formen und Preislagen reich vertreten, ebenso metallene Regulirwiderstände, Aus- und Umschalter, Sicherungen etc. Den Hauptanziehungspunkt der Ausstellung bildete der Aufbau der Allgemeinen Elektricitäts-Gesell- schaft (NW., Schiffbauerdamm 22). Die Gesellschaft hatte eine besondere Leitung nach der Aula legen lassen, um ihre Apparate in Thätigkeit zeigen zu können. Aus- gestellt waren Funkeninductoreu bis zu 50 cm Funken- länge, eine vollständige Einrichtung zu Versuchen mit Röntgenstrahlen, betrieben mit einem Funkeninductor von 50 cm Funkenlänge, Turbinenunterbrecher, Glühlampen in verschiedenen Formen, Grössen und Helligkeiten, Glüh- lampenfassungen, Elektromotoren für Gleich-, Wechsel- und Drehstrom, elektrische Ventilatoren, elektrische Heiz- und Kochapparate, Löthkolben mit Bogenlichtheizung, Vorschalt- und Regulirwiderstände, Volt- und Ampere- meter, Kurbel- und Hebelausschalter, Sicherungen, Leitungs- materialien in Kupfer und Aluminium, in Draht und leicht biegsamen Drahtseilen, Isolirmaterialien in Gummi und Guttapercha, Stabilit, Mikanit und Glimmer. Auch hatte die Gesellschaft eine reiche Sammlung ihrer Veröffent- lichungen ausgelegt und ihre Ausstellung mit werthvoUen Abbildungen ihre grossartigen Anlagen geschmückt. Von auswärtigen Firmen hatte Dr. Stöhrer & Sohn in Leipzig eine Bogenlampe mit Handregulierung und einen für die Projection geeigneten Wellenapparat zur Demonstration der stehenden und der fortschreitenden Welle ausgestellt. R. Heyne. Altägyptisches Porzellan. Die Streitfrage, ob die alten Aegypter Porzellan herzustellen verstanden haben, glaubt Le Chatelier in bejahendem Sinne entscheiden zu können. Unter den in Gräbern gefundenen Sachen sind wiederholt welche aus Porzellan beobachtet worden, aber diese galten für aus Indien eingeführte Fabrikate. Nun erklärt jedoch Le Chatelier in Comptes rendus, 1899, No. 7 das zu Saggarah bei Memphis gesammelte Bruchstück einer Grabfigur mit hieroglyphischer Inschrift, die demnach in Aegypten selbst gefertigt ist, für Porzellan imd zwar für ein wirkliches Weichporzellan. Das Stück zeigt harte und durchscheinende, blassblaue Masse und be- steht in lluuderttheilen aus 5,8 Natron, 1,7 Kupferoxyd, 2,1 Kalk, 1,4 Thonerde, 0,4 Eisenoxyd und 88,6 Kiesel- säure; mau erhalte ein ganz ähnliches Product, wenn man 40% kupferhaltiges blaues Glas, 55 7o zerstossenen Sand und 5 7o weissen Thon zur Masse verwende (nach der chemischen P^rmel 3,3Si02 • 0,23CaO • 0,13CuO • 0,64Na20; wo bleiot AI.3O3V der Berichterstatter) und bei einer Temperatur von 1Ö50'* brenne, während bei Steige- 32 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. XV. Nr. a. rung anf 1200" die Färbung von blassblau nach grün umschlage; da diese Masse im feuchten Zustande nur geringe Plasticität besitze, habe sie nur zu so stark ge- drungenen Gestalten geformt werden können, wie die ägyptischen Statuetten darstellen. — Der angeführten chemischen Zusammensetzung nach, die nicht nur von der des chinesischen, sondern auch von der jedes andern nor- malen Porzellans vollständig abweicht, dürfte die Auf- fassung Le Chateliers wenig Beifall finden und das beobachtete Stück eher zu den Glasflüssen als zu den keramischen Producten zu rechnen sein. 0. L. Die Macht der Suggestion tiitt in besonders ekla- tanter Weise in einem einfachen Experiment hervor, das Prof. Slosson von der Universität Wyoming kürzlich in einer seiner Vorlesungen gemacht hat und über welches er in der Psychological Review berichtet. Nachdem er einige andere Versuche gemacht hatte, stellte er eine mit einer hellen Flüssigkeit gefüllte, ver- korkte Flasche auf den Tisch und erklärte feststellen zu wollen, wie lange Zeit nach dem Entkorken der Flasche vergehen würde, bis seine Zuhörer den Geruch der Flüssig- keit wahrnehmen würden. Der Geruch der gewählten chemischen Verbindung sei bestimmt keinem der An- wesenden bekannt; zwar sei er ziemlich intensiv, hoft'ent- lich werde er aber niemand lästig fallen. Bevor nun Slosson die Flasche entkorkte, bat er seine Zuhörer, die Hand zu erheben, sobald sie den Geruch wahrnähmen. Darauf öffnete er die Flasche, goss einen Theil der darin enthaltenen Flüssigkeit auf ein Stück Watte, wobei er das Gesicht abwandte, um sich dem scharfen Gerucli möglichst wenig auszusetzen, zog die Uhr und wartete einige Sekunden. Nach 15 Sekunden hatten die meisten der ihm zu- nächst sitzenden Personen bereits die Hand erhoben, nach 40 Sekunden erklärten ^4 der Hörer den Geruch zu spüren, auch auf den entferntesten Plätzen des Saales. Von den übrigen Personen, die vorwiegend männlichen Geschlechts waren, hätte sich wohl auch gar mancher noch gemeldet, wenn nicht einige Personen auf den vordersten Reihen sich durch den Geruch so unangenehm belästigt gefühlt hätten, dass sie den Saal verlassen wollten, wodurch Slosson sich veranlasst sah, den Ver- such abzubrechen und zu erklären, dass jene so intensiv riechende chemische Flüssigkeit nichts als — Wasser sei. H. Die Ziisanimeusetzung und der Nährwerth der wichtigsten Früchte. Hierüber wurde der französischen Akademie am 16. October ein Bericht von Ball and vor- gelegt, der zu diesem Zwecke untersucht hatte: Wein- trauben, Orangen, Hasel- und Walnüsse, Granaten, Johannisbeeren, Feigen, Bananen, Oliven, Datteln, Apri- kosen, Mandeln, Kirschen, Quitten, Erdbeeren, Himbeeren, Mispeln, Pfirsiche, Birnen, Aepfel und Pflaumen. Alle Früchte enthalten im Zustande der Reife 72 bis 92 Procent Wasser; in den mehr oder weniger getrocknet in den Handel kommenden Früchten, wie Rosinen, Prünellen, Hasel- und Walnüssen, Feigen und Mandeln übersteigt dieser Gehalt selten 33 Procent und beträgt bei Mandeln und Nüssen oft sogar weniger als 10 Procent. In den fleischigen Früchten bewegt sich die Menge von stickstoffhaltiger, das vegetabilische Eiweiss dar- stellender Substanz zwischen 0,25 Procent in der Birne und 1,45 Procent in der Banane, dagegen ist sie viel höher, nämlich 15—20 Procent der Trockensubstanz bei den Nüssen und Mandeln. In noch geringern Mengen sind im Allgemeinen die Fette und alle in Aether löslichen Substanzen (ätherische Oele, Harz und Farbstoff) vertreten, in welcher Beziehung jedoch die Oliven, Mandeln und Nüsse auffällige Ausnahmen darstellen, da in ihnen das Oel (mit 58—68 Procent der Trockensubstanz) herrscht. — Auch an Aschensubstanzen, von denen die der Feigen, Birnen und Prünellen Spuren von Mangan aufweisen, sind die Früchte arm, ebenso an inerter Cellulose, von der sich merkbare Mengen nur in Quitten und Mispeln finden. Den stärksten Säuregehalt (1,25 Procent) besitzen die Himbeeren und Johannisbeeren. Zucker und sogenannte Extractivstoflfe (Stärke, Dextrine, Pcctiue, Gummi, ver- zuckerbare Cellulose, organische Säuren) stellen mit dem Wasser die Hauptmasse der in fleischigen Früchten ent- halteneu Bestandtheile dar. Der vollständig assimilirbare Zucker spielt die Hauptrolle bei der Ernährung; die Früchte, wie Bananen, Datteln und Feigen, die von ihm die grössten Mengen enthalten, bilden in Wahrheit Kohlen- hydrat-Nahrungsmittel. Die Extractivstoffe wirken auch nach Art des Zuckers, aber in geringerem Maasse, da sie weniger verdaulich sind. Mit seltenen Ausnahmen sind also die Früchte wenig nahrhaft und können nicht als Nahrungsmittel gelten: ihre Säfte spielen vielmehr die Rolle von Würzen oder Leckerbissen, die unscrm Geschmack mehr oder weniger durch Duft, Frische oder Säure schmeicheln. 0. L. Den Einfluss verschiedener Beleuchtuugsarten auf das menschliche Auge will nach einer Mittheilung des ^ElektrotechnischenAnzeigers" ein russischer Arzt, Dr. Kotz, feststellen durch Zählung der Lidbewegungen in einer Minute, indem er von der Thatsache ausgeht, dass sich das Augenlid stets dann bewegt, wenn die Netzhaut oder die Muskeln des Auges ermüdet sind. Er stellte fest, dass bei Kerzenlicht . . 6,8 Lidbewegungen in der Minute „ Gaslicht ... 2,8 ,/ „ „ „ „ Sonnenlicht . . 2,2 „ „ „ „ „ elektrischem Licht 1,8 „ „ „ „ stattfanden. Darnach ist das elektrische Licht für die Augen am vortheilhaftesten und gesundesten. Als schädlich ist jede Beleuchtungsart zu bezeichnen, welche mehr als 3 Lid- bewegungen in der Minute veranlasst. H. Illustrirte Wetter-Monatsübersicht. (December.) — Der vergangene December erwies sich als ein rechter Wintermonat mit Schnee und Eis, wie ihn Deutschland seit Januar 1897 nicht mehr kannte Seine mittleren Wärmeverhältnisse spiegeln sich am besten in den Auf- zeichnungen von Berlin wieder, die wegen der geo- graphischen Lage der Hauptstadt den Durchschiiitts- teniperaturen innerhalb des deutschen Reiches ungefähr entsprechen. Wie aus umstehender Zeichnung ersichtlich ist, begann der Monat mit einigen verhältnissmässig warmen Tagen, doch fand von Anfang an eine ziemlich rasche, bis Mitte December fortschreitende Abkühlung statt. Seit dem 8. blieb das Thermometer Tag und Nacht unter dem Gefrierpunkte und die Kälte wuchs bis zum 15. December, an dem das Minimumthermometer in Berlin bis — 18,1" C. herabging und die Mitteltemperatur sich auf — 15,3" G. erniedrigte. Diese lag volle 17 Grade unter ihrem normalen Werthe, und es ist innerhalb der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nur ein Decembertag, nändieli der 24. December 1876 mit einer noch um einen halben Grad tieferen Mitteltemperatur vorgekommen. XV. Nr. 3. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Aber auf diese ausserordentliche Kälte folgte eine gleichfalls ungewöhnlich schnelle Erwärmung, so dass bereits am 16. Nachmittags ein sehr hässliches Thau- wetter bcfrann, das bei stets bedecktem Himmel drei Tage lang anhielt. Nach Abnahme der Bewölkung trat dann bald wieder ziemlich strenger Frost auf, der zwar nicht einen solchen Kältegrad wie beim ersten Male er- reichte, dessen Wirkung aber durch scharfe Ostwinde erheblich verstärkt wurde. Gerade zum Weihnachtsfeste setzten mildere südwestliche Winde ein, und am Schlüsse des Jahres stiegen die Temperaturen noch einmal fast so hoch, wie sie zu Beginn des Monats gewesen waren. Diese zwei Frostperioden linden sich überall in ganz Norddeutschland vor, doch trat, wie man aus den in der rv ^cmperafuren im j^cecmScr i899. ^ Berlin: Tägliches Maximum, üez. Minimum. _^__ Tagesmittci, 1899. „_„..., TajesmiH-cl, normal. .Beccmbcr. B. 11. 16. 21. ItlEnrETTEnEUSEtU. Zeichnung mitgetheilten Beispielen erkennt, die zwischen beiden liegende Erwärmung im Osten etwas früher und weniger schroff als im Westen ein; zu Königsberg sank die Temperatur während der zweiten Hälfte des Monats noch zwei Grade tiefer als während der ersten. Gleich- massiger hielt die Kälte in Süddeutsehlaud an, und dort erreichte das Minimumthermometer zu München mehr- mals — 20" C. Die mittlere Mouatstemperatur war allgemein 3 bis 4 Grade niedriger, als für den December normal ist. Für Berlin berechnete sie sich zu — 2,9" C, während der December 1890 sogar — 4,7"C. hatte. In beiden Wintermouaten kam die Kälte theils durch eisige Ostwinde, theils durch die starke Aus- strahlung der den Erdboden bedeckenden Schneeober- fläche zu Stande, gegen welche die Erwärmung durch die Sonne, die im letzten December zu Berlin im Ganzen 53 Stunden schien, bei weitem zurücktrat. Die Niederschläge im vergangenen Monat, die unsere zweite Zeichnung verau.schaulicht, waren in Deutsehland recht häufig, ihre Monatssumme, welche für den Durchschnitt der berichtenden Stationen 47,6 Milli- meter*) betrug, kam dem normalen Werthe sehr nahe, war aber in den verschiedenen Landestheilen ziemlich ungleich. In . den ersten Tagen des December fanden überall sehr zahlreiche Regenfälle statt, die am 5. in Norddeutschland unter heftigen und vielfach von Gewittern begleiteten Nordweststürmen in Schnee übergingen, während im Süden noch vom 6. zum 7. besonders ergiebige, z. B. in Friedrichshafen 40 Millimeter Regen fielen. Seit dem 9. December Hessen dort wie an der Nordseeküste die Niederschläge erheblich nach, wogegen an der Ost- see und im norddeutschen Binnenlande, namentlich öst- lich der Elbe, um so stärkere Schneefälle vorkamen. Nachdem bereits auf den meisten deutschen Flüssen wegen des starken Eises die Schiffahrt hatte eingestellt werden müssen, traten jetzt auch im Eisenbahn- und Landverkehr durch Schneeverwehungen, besonders in Schlesien ÜflliililiflPllfl Mifflerer VIenh Für Deufschland. MonalssumuiEiiimOecpfflt). m.%91 9B. 9b 9f. *) In der Niederschlagszeichming sind in Folge eines erst nachträglich bemerkten Versehens bei der Uebermittelung der letzten Beobachtungen die Monatssumme für 1899 und einzelne Summen vom 24.-31. December, ebenso in der Temperatur- zeichnung mehrere Minima vom 31. unrichtig wiedergegeben worden. E. Less. und Bayern, mancherlei Störungen ein. Nur an wenigen Tagen, vom 19. bis 23. December, war es beinahe in ganz Deutschland trocken. Dann erneuerten sich die Sehneefälle wieder, wurden aber in den letzten Tagen des Monats durch Regen abgelöst, die abermals im Süden besonders reichlich fielen und im grösseren Theile Deutsch- lands mit der Schneedecke am Jahresschlüsse aufräumten. Nachdem am Anfang des Monats ein tiefes baro- metrisches Minimum vom norwegischen Meere südostwärts nach Russland gezogen war, breitete sich über die scandinavische Halbinsel und Finnland ein umfangreiches Maximum aus, das sodann während des ganzen December in Nord- oder Osteuropa verharrte. Da Nordwesteuropa alsbald stark erkaltete, so wurden die oceanischen Depressionen von der Richtung des Golfstromes nach Sudosten abgelenkt und vertieften sich dann jedesmal erheblich auf dem Mittelmeere. Die Folge davon waren für ganz Mittel- und SUdeuropa sehr lebhafte nordöstliche Winde, die an der adriatischen Küste wiederholent- lich zu schweren Borastürmen anwuchsen. In Deutschland drangen vom adriatischen Meere her ziemlich häufig Theihninima ein, die, besonders dem Osten, viel Schnee und nur einmal eine starke Erwärmung brachten. Erst seit dem 23. vermochten mehrere ziemlich flache Minima vom atlantischen Ocean wieder in nord- i östlicher Richtung vorzudringen. Diese waren jedoch nur die Vorläufer einer viel tieferen Depression, bei deren An- { näherung am 29. Morgens das Barometer auf Scilly und zu ! Rochespoint in Irland bis 719 mm herabging, und welche Natur wisseuscliaftlicbc Wocbensclnift. in der ganzen westlichen Hälfte Europas einen raschen j Uebergang /u nassem Thauwetter bewirkte. Dieses un- | gcwöhniicb tiefe Minimum scheint in 4V2 Tagen ostnord- j ostwärts den atlantischen Ocean durchquert /u haben, da am Abend des 24. aus Sydney auf Cape Breton Island j bei Neuschottland ein Barometerstand von 7'20 mm ge- j meldet wurde, und man hätte daher den bevorstehenden ! Wetterumscliwung in Europa vielleicht schon mehrere ! Tage voraussehen können, wenn auch von einigen Punkten I auf dem Ocean bereits Nachrichten vorgelegen hätten. | Dr. E. Less. j Aus dem wissenschaftlichen Leben. | Ernannt wurden: Dr. med. Arthur Groenouw, Privat- 1 docent der Ophthalmologie in Breslau zum ausserordentlichen j Professor; Dr. Willy Marckwald, Privatdocent der Chemie in 1 Berlin, zum ausserordentlichen Professor; Dr. Karl Schlösser, Privatdocent der Ophthalmologie in München zum ausserordent- lichen Professor; Dr. G. Eigler, Uocent der Hygiene in Klausen- burg, zum ordentlichen Professor; Dr. .1. W. Salomonson, Privatdocent der Neuropathologie in Amsterdam, zum ausser- ordentlichen Professor; Dr. Mar.x, Oberarzt am Berliner Institut für Infectionskrankheiten, zum Mitgliede des Instituts für experi- mentelle Therapie in Frankfurt a. M ; Prof. Dr. Ricliard Klebs in Königsberg i. Pr., Hilfsgeologe bei der geologi.sehen Landes- aufnahme, zum Landesgeologeu bei der geologischen Landes- anstalt in Berlin: Prof. Dr. Hermann Kossel. zum Mitgliede j des kaiserlichen Gesundheitsamtes; Dr. Adolf Schenk, Privat- | docent der Geographie in Halle zum ausseroidentlichen Professor; Dr. Arwed Wieler, Privatdocent der Botanik an der teclinischen Hochschule in Aachen zum ausserordentlichen Professor; Dr. Wil- helm KoUe, Assistenzarzt am Berliner Institut für LüVetions- krankheiten, zum Professor; Dr. J. Habermann, ausserordent- : lieber Professor der Ohrenheilkunde in Graz, zum ordentlichen 1 Professor;. Dr. A. Naumann, ordentlicher Professor der Chemie 1 in Giessen, zum Geheimen Hofrath ; Obergeometer im Stadtbau- amt zu Brunn K. Steiner zum Honorardocenten für Geodäsie; die Privatdocenten 0. Schrutz (Geschichte der Medizin) und E. Kimla (Anatomie) an der czechischen Universitiit l'rat;, zu ausserordentlichen Professoren; Dr. K. Storch, Ailjunkt der Chemie an der thierärztlichen Hochschule in Wien, zum nrdent- lichen Professor; die Privatdocenten an der Bergakademie zu Pribram J. Theurer (Mathematik und Physik), A. Harpf (Chemie und Probirkunde) und J. Adamczik (Geometrie) zu ausserordentlichen Professoren. Berufen wurden: 1 >r W. K. liiintgen, ordentlicher Pro- fessor der Physik in Wiirzluirs;, nach München; Dr. Tschirwinski, ausserordentlicher Piott.*scir dor Pharmakologie in Jurjew, als ordentlicher Professor nach Moskau. Es habilitirten sich: Assistent Dr. E. Seefehlner für Elektrotechnik an der technischen Hoch.schule in Dresden; Dr. K. Luther für physikalische und anorganische Chemie in Leipzig. In den Ruhestand treten: Dr. Hofmokl, Professor der Chirurgie in Wien: Dr. F. Mooler, Professor der inneren Medizin, in Greifswald. Es starben: Dr. R. vonHauschka, Professor emeritus der ehemaligen medizinisch-chirurgischen Josephsakademie in Wien Dr. J. R. Lavise, ausserordentlicher Professor der Chirurgie in 1 Brüssel; der Botaniker Walter Götze in Deutsch-Ostafrika; | Dr. Joseph Neuhäuser, Professor der Philosophie, in Bonn; Sir James Paget, berathender Arzt am Bartholomäus-Hospital in London und Honorar-Fellow der königlichen Gesellschaft der Aerzte; der bekannte Ophthalmologe Geheimer Medicinalrath Prof. Dr. Alfred Mooren in Düsseldorf; Geheimer Regierungs- rath Prof. der Chemie Dr. Eammelsberg in Gross-Liehterfelde. L 1 1 1 e r a t u r. ! E. Häckel, Die Welträthsel. Gemeinverständliche Studien über monistische Philosophie. Neue unveränderte Auf- lage. 4. bis .5. Tausend. Bonn, E. Strauss, 1899. 8", VIII. 47 3 S. 9 Mk. Seit mehr als einem Menschenalter steht Häckel an der Spitze des Kampfes für den Monismus, den er in einer Reihe grösserer und kleinerer Schriften, die über die ganze Erde ver- breitet sind, in feuriger Begeisterung geführt hat. Jetzt, beim Herannahen des Alters, drängt es ihn, nochmals die Arbeit seines ganzen Lebens zusammenzufassen, und dem neuen Jahrhundert als sein wissenschaftliches Testament zu hinterlassen. In der Einleitung weist Häckel darauf hin, wie ein grosser Zwiespalt durch unser ganzes Geistesleben gehe, wie unsere staat- lichen und sozialen Einrichtungen keineswegs fortschreiten mit den rasch wachsenden Erkenntnissen der Naturwissenschaften. Als Hauptursache sei unsere rein formale Bildung anzusehen, während doch unsere Zeit eine reale fordere. Besonders ver- hängnissvoll erwies sich der Irrthum des Anthropismus, der Lehre, dass der Men.sch im Centrum der Welt stehe und diese von seinem Standpunkte aus beurtheilen müsse, während er doch nur ein kleines, geringfügiges Glied des Ganzen darstelle und den Gesetzen der Welt unterworfen sei. Jener Standpunkt führte auch zu der Aufstellung der sogen. Welträthsel, die jedoch als gelöst zu erachten sind, sobald wir sie nicht durch metaphysische Spekulation, sondern durch Erfahrung und Schhissfolgerung zu ergründen suchen. Der eigentliche Inhalt des Buches zerfällt in 4 Theile: Der Mensch, die Seele, die Welt und der Gott. Der Mensch ist das heutige Endglied der Entwickelungs- reihen der Organismen auf der Ei'de. Wir können ihn nur ver- stehen, wenn wir .seine Anatomie, Physiologie, Ontogenie und Phylogenie erforschen. Dann ergiebt sich, dass sich der Mensch als höchstes Säugethier im Wesentlichen ebenso verhält, wie diese. Auch seine Seele können wir nur verstehen, wenn wir sie auf demselben Wege empirisch zu erforschen suchen; denn auch die Psychologie ist eine empirische, keine exakte Wissenschaft, sie ist nur ein Zweig der Physiologie. Wir finden dann, dass die Seele eine physiologische Eigenschaft des Protoplasmas, speziell des Psychoplasmas ist, und als solche jeder Zelle zukommt. Ihre höhere Entwickelung beginnt aber erst mit der Ausbildung des Neuroplasmas, d. h. des Plasmas der nervösen Organe. Anfangs ist ihre Thätigkeit noch unbewusst; das ßewusstsein bildet sich erst mit den nervösen Centralorganen aus; es ist eine innere An- schauung oder Spiegelung, und zerfällt in ein Aussen- und ein Innenbewusst.sein. Die individuelle Seele entstellt bei der Ver- einigung der Seelen der Ei- und Samenzelle; sie entwickelt sich mit dem Individuum und stirbt mir, diesem; bei der Ontogenie spielen \'iirsti1hnii;L-n und Gedächtniss des Psychoplasmas als Ur- sachen il.r \'i-r(vbung eine wesentliche Rolle. Der Wille ist Strebung des Protoplasmas, und als solcher nicht frei; der Charakter ist durch die Vererbung gegeben, das Handeln wird bestimmt durch Anpassung an die Au'ssenwelt. Die Welt wird erfüllt von der Substanz, deren Natur heute räthselhafter ist als je. Ihre beiden hauptsächlichsten Attiibute sind die der Materie (des ausgedehnten Stoifes) und des Geistes (der denkenden Energie). Ihr wichtigstes Gesetz ist das ihrer Erhaltung. Die Materie besteht aus zwei Haupttheilen, der Masse und dem Aether, die den ganzen Weltraum so ausfüllen, dass kein leerer Raum bleibt; sie sind in ständiger Bewegung und Wechsel- wirkung, wie überhaupt die Bewegung eine' immanente Eigen- schaft des Stoffes ist. So stellt das Weltall das Perpetuum mobile dar, wobei die Materie der Raum, die Bewegung die Zeit ist. Raum, Zeit und Kraft sind also thatsächlich. Die Materie ist natürlich nicht todt, sondern sie besitzt Empfindung und Willen niedersten Grades (Anziehung und Abstossung). Auch das Leben beruht nicht auf einer übernatürlichen Lebenskraft, sondern ist an die Substanz gebunden und ihren Gesetzen unterworfen. Es kann daher auch keine übernatürlichen Kräfte geben, die als Götter, Geister u. s. w. das Schicksal der Welt lenken. Gott ist nicht extra-, sondern intramundan. Alle theistischen Religionen stellen sich ihn persönlich vor. Die meisten Menschen sind heut zu Tage Mixotheisten, d. h. sie bekennen sich zwar äusserlich zu irgend einer der vorhandenen Religionen oder Kon- fession-^n, weichen aber in ihren Anschauungen und Ueberzeugun- gen vielfach von dieser ab. Um so nölhiger erscheint daher eine einheitliche, befriedigende Lehre, wie sie der Monismus bietet. Dieser stellt keineswegs eine Revolution, sondern nur eine Refor- mation des Bestehenden dar. Selbst die christlichen Feste können übernommen werden, wobei man sie nur ihrer ursprünglichen Bedeutung als Feier von Natur-Ereignissen wieder zu nähern braucht. Die heilige Dreieinigkeit des Christenthums wird ersetzt durch das dreifache Ideal der Wahrheit, Tugend, Schönheit. Die reine Wahrheit ist nur in der Natur-Erkenutniss zu finden. Bei der Lehre von der Tugend können direkt die Hauptlehren des Christenthums übernommen werden. Für die Lehre von der Schönheit muss aber Anschluss an den Hellenismus gesucht wer- den und ist ebenfalls das Studium der Natur von höchster Be- deutung. So hoch die christlichen Lehren in vieler Beziehung auch stehen, so enthalten sie doch auch manche falsche Sitten- lehren, bei denen der Moni.smus in Gegensatz zu ihm tritt. So vor Allem die Lehre von der Selbstveraclitung, bezw. der übertriebenen Nächstenliebe; gerade einer der wichtigsten Grund- sätze der monistischen Sittenlehre besteht in der Gleichsetzung der Selbst- und der Nächtenliebe; ferner in den Lehren von der Verachtung der Welt, des Leibes, der Natur, der Kultur, der Familie und des Weibes. — Da« wesentlichste Moment der mo- nistischen Erziehung ist: selbstsläudiges Denken zu lernen. XV. Nr. Naturwisseii.sehaftliche Wcicliciiscliritt. Es ist klar, dass mit dieser subjektiven Auswahl von Sätzen nicht einmal eine Ueborsicht über den ungemein reichen Inhalt des Buches gestehen ist, in dem nur wenige der die gesittete Welt bewegenden Fragen unberührt geblieben sein dürfton. Aber es ergiebt sich schon liieraus, dass das Buch sieh weit über den Werth von „Studien" erhebt. Thatsächlich ist es der Versuch eines Lehrgebäudes der monistischen Welt-Anschauung, der da- durch noch bedeutend an Werth gewinnt, dass Häckel, seiner Auffassung der Naturwissenschaft als historischer Wissenschaft gemäss, überall auch eine Geschichte der betr. Anschauungen giebt. " ■ " " ' 's der Kritiker in diesem Buche wird. Der naturwissenschaftliche Initsache besser wissen; der Philo- subjektiv anderer Ansicht sein. vergessen, dass es heute keinen Es ist ferner klar, das manche Angriffspunkte finden Spezialist wird manche Einzel soph wird in mancher Frii£;( Aber das sollte kein Kritikei Naturforscher mehr gii-bt, der solcb' umfassende Kenntnisse auf allen naturwissenschaftlichen Gebieten mit solch' weitscbauendem Blicke vereinigt wie Häckel, dass diesem nur A. von Humboldt und Job. Müller darin gleichkamen. Es ist nur natürlich, dass Häckel von seinem unzweifelhaft doch höheren Standpunkte aus manche Thatsache anders ansehen wird, als der Spezialforscher von seinem doch immer mehr einseitigen Standpunkte. Es soll damit der Kritik keineswegs ihr Recht genommen, sie soll nur auf das ihr gebührende Maass zurückgeführt werden, dass nämlich auch die zerstörendste Einzelkritik den Werth dieser ungeheuren bewundernswerthen Geistes-Arbeit nicht wesentlich beeinflussen kann. Der unl)efangene Leser wird nicht selten Anstoss nehmen an dem oft mehr als nöthig scharfen Urtheile Häckel's. Er sei aber daran erinnert, welch' unzählige, rein persönliche, oft maass- los unflätliige Angriffe Häckel während seiner von innerster Ueberzeugung und reinstem Wollen geleiteten Sehriftstellerthätig- keit hat über sich ergehen lassen müssen. Da Häckel sich mit diisem Werke von der Oeffentlichkeit zurückziehen zu wollen scheint, schienen mir diese allgemeinen Erörterungen angebracht. Dr. L Reh. Adolf Drescher, Dr. med. Werden. Sein, Vergehen. Zur Grund- legung dir Pliilosophie auf naturwissenschaftlicher Basis. Mit 17 Abbildungen. J. Rickersche Buchhandlung, Giessen. 1897. Preis 2,50 Mark. Die Kant'schen Wahrrehmungsformen Raum und Zeit sind behufs einer Naturphilosophie objektiv zu setzen; der Stoff als der erfüllte Raum ist dann nicht stabil, sondern zeitlich bedingt, daher in ewiger Vernichtung und Regeneration begriffen, ein Vorgang, der räumlich betrachtet, als Bewegung unter der Form der Welle er.«cheinf, deren einfachste individuelle Gestalt wiederum der Ringwirhel .lavstcllt. Die Komplikationen derartiger klninster Ringwirbel, iVtninc, diirrli Zusammentreffen mehrerer solcher von verschiedonaitit^ir Wirlulricbtung und nach Aufhebung der at- traktiven Kräfte in der Verschmelzung die Regeneration von Ringindividuen durch die nunmehr überwiegenden, repulsiven Elemente bildet das Weltgeschehen. Ist diese Regeneration eine primitivste Art der Zeugung, so andererseits die Beschränkung der an sich unendlichen Wirkungsfähigkeit des Einzelatoms durch die Coexistenz der anderen, wodurch also die Wirkung aller Atome sich in einem abspiegelt, eine Vorstufe der Empfindung, des Denkens. Diese Empfindung des Beschränktseins, das Leiden, wird aufgehoben erst durch die Vernichtung des individuellen Daseins im Nirwana, in dem dann doch wieder die Regeneration des individuellen Willens zum Leben erfolgt. Man mag über die Einzelheiten der Schrift denken, wie man will, zwei Verdienste hat sie sicher, die aufs engste zusammen- hängen: Verfasser wendet sich scharf gegen die Anschauung von festen, unveränderlichen Atomen und or betrachtet die Welt als Phänomen in dem Kreislauf, der beim Menschen als Subjekt an- hebt und sich bei ihm als Objekt schliesst. In diesem Rahmen versucht er die einheitliche Erklärung der Natur mit wesentlich physikalischen Mitteln. Auf die letzten Gründe geht auch er freilich nicht zurück. Indem der Mensch im Bewusstsein sich der einzelnen Wahrnehmung gegenüberstellt, dann im Selbstbewusst- sein die Gesammtheit seiner Vorstellungen objektivirt, trägt er die Begriffe des Individualismus, des Zusammenhanges, der Wir- kung 'aus sich auf die Aussenwelt über. Grundbegriffe, die in unserer Schrift mehr vorausgesetzt als hergeleitet sind. Zusammen- streben und Losstreben sollten daher nicht als Ergebniss irgend welcher primitiven Bewegung, sondern als Voraus^setzung aller Veränderung betrachtet werden; Gravitation nnd Centiifugalkraft sind nicht nur die Elemente der Massenbewegung, sie sind psy- chologisch als Grundsätze des Naturerkennens begründet, Es sind zwei Kräfte, die nicht abwechselnd wirken, wie Verfasser will, sondern gleichzeitig, der Untergang eines Individuums be- deutet nicht seinen Eingang in Nirwana, sondern nur seine Zer- störung durch eine Individualität niederer Ordnung und für diese wieder der Verlust der lii^lieritAen lünhi'it nicht die völlige Ver- einzelung, sondern das Miimplicn in .•inrn .indi'rrn Zusammen- hang. So ist denn aucli .Ipi- Kvisl.iiif „Willr /.um Leben — Er- kenntniss des Leidens - Xiclit« .jllen des Lobuns" mit seinen Schopenhaucrschen Pessimisuius nicht zu halten. Ein NichtwoUon des individuellen Lebens ist eine Erscheinung, die in gewissen zeitweiligen Strömungen höheren Lebens ein Einsiedlerdasein führt, aber nie für die gi^sanimte Natur zum Prinzip erhoben werden kann. Fritz Graebner. Jahrbuch der Chemie. Bericht über die wichtigsten Fort- schritte der reinen untl angewandten Chemie. Herausgegeben von Richard Meyer in Braunscbweig. VIII. Jahrgang, 1898. Friedr. Vieweg und Sohn in Braunschweig, 1899. — Preis 1.5, gebunden 16 Mk. Das Unternehmen ist gut eingefahren: ist doch der vor- liegende Band, der die Fortschritte von 1898 behandelt, schon im Sommer 1899 erschienen. Wir sehen, und a..ch das Vnrw(jrt weist ausdrücklich darauf hin, dass sich auch der 8. .I.ilirpiiisj; in Form und Inhalt durchaus seinen Vdrgängern anschürsst. iiml (aerz Jnh.C.Schmidtlein.Jngenieur Berlin NW., Luisenstp.22. ■;innna.-,Pt.:rTn^.r^t^^« rie Apparate Be .lahi luindt-rt.^ ui.jht kannte. Sind doch aber die Beziehungen, iu denen wir die Dinge erkennen, zunächst von uns selbst gesetzt und nur deshalb als Analoga des Geistes er- weisbar, weil sie nach seinem Bilde gemacht sind. Fritz Graeb'ener. Bergbau, einschliesslich Steinbruchbetrieb und Edelstein- gewinnung. Geschichte des Bergbaues, \'.iikiMinii' n nn'l Ali- h;ui der nutzbaren Mineralien in den \\ i.lii iu-i i, l',,'i i;!iau- hezirken aller Länder. Für weitere Ivii;im- ^..-cliil.ici t Mm E. Treptow, Professor an der Bergakademie in i-reiberg. Mit 396 Textabbildungen, sowie fi Beilagen — Leipzig Otto Spamer. 1900. G Mark. Dieses Buch erschien zuerst als „Sond erabdru ck des I. Theiles Bergbau" der neunten, durchaus neugestalteten Auflage des „Buches der Erfindungen, Gewerbe und In- dustrien" (Leipzig, Otto Spamer, 1899). In der achten Auflage dieses Sammelwerkes war das obenbezeichnete Gebiet in Band III 1885 unter dem Titel „Gewinnung der Rohstoffe aus dem Eril- innern" abgehandelt worden. Ein Vergleich mit dieser früheren Bearbeitung ergiebt, dass die vorgefundene Eihtheilung und An- ordnung des Stoff'es zum Theil beibehalten, zum Theil aber durch andere Gruppirung gewisser Abschnitte oder zweckmässige Zu- sammenfassung und gesonderte Vorführung des in verschie- denen Abschnitten behandelten Zusammengehörigen wesent- lich verbessert, dass ferner der Inhalt unter Berücksichtigung der neuesten technischen Fortschritte und der jüngsten Geschichte des Bergbaues bedeutend erweitert und der Text entsprechend umgestaltet, grösstentheils aber ganz neu geliefert worden ist. Auch die Zahl der Abbildungen, von denen nur etwa 30 aus der älteren Auflage wieder benutzt wurden, ist bedeutend vermehrt, u. A. durch Wiedergabe vieler photographischer, den rühmlichst bekannten Heinrich Börner .^ilun Sanmilongen von Magnesium- Blitzlicht-Aufnahmen aus Ja. . Si. iiik,;li|eu- und Kalisalz-Berg- werken oder anderswoher i i,i umhiiih in i- oder für Zwecke dieses Werks besonders hergestelltur Uriginal-Bilder. Im Folgenden sei eine Uebersicht über den reichen Inhalt des Werks gegeben. Die „Einleitung" bietet kurze Ueberblicke und Betrach- tungen über 1. die Geschichte des Bergbaues, (unter beson- derer Berücksichtigung Deutschlands) und dessen gegenwärtige Bedeutung; 2. den Bau unserer Erdrinde (Eruptivgesteine, geschichtete Gesteine und deren Gliederung; geologischer Bau Deutschlands und der benachbarten Gebiete); — 3. das Vor- kommen der benutzbaren Mineralien und deren Abbau- würdigkeit; — 4. den Bergmann und seinen Beruf (Ge- schichtliches; besondere Eigenthümlichkeiten; Gefahren und Unglücksfälle; althergebrachte Trachten, Gebräuche und Feste; Gestalt, Leben und Beruf des Bergmanns in Dichtung und Kunst; bergmännische Kunstwerke und Münzen.) Alsdann werden die „technischen Hülfsmittel des Bergbaues", die bei der Aufsuchung und planmässigen Aus- beutung der Lagerstätten, bni der markscheiderischen Vermessung und dem Risswesen, bei den Gesteinsarbeiten, dem Grubenausbau der Förderung, Fahrung, Wasserhaltung und Wetterwirthschaft, besonders häutig zur Anwendung kommen, dem Leser in Wort und Bild vorgeführt. Den Haupttheil des Werkes bildet der Abschnitt „Der Bergbaubetrieb". Hierin wird zunächst der Erzbergbau abgehandelt, und zwar — in getrennten Schilderungen — der- jenige auf Gold, Platin und verwandte Metalle, Silber. Kupfer, Eisen, Quecksilber, Blei, Zink, die übrigen Metalle und Erze. Iu diesen Einzeldarstellungen erfahren wir Näheres über Werth, Pro- duktion der ganzen Erde, einz Erzeugungsstätten, Verwendnni:. n Vorkonunen, etwaige besomli le suchung, die berühmtesten La-i-rs nische Ausbeutung nebst Xailni Wickelung, Bedeutung, Eigenthüi klimatische, ethnologische, wiitli.-^. Verhältnisse, Arbeiterfrage, Ab.^.a lor Länder wie der wichtigsten iii'T.alnu'-ischi.-s und u'ni .logisches MrtlHHl.Mi .I.M- Auf- und Unter- iiil.ai .|.-r I-a-d.. und d.'veu tech- •l.trn uImu- givschiehtüche Ent- lu'lik'iti-n, über geographische, lal'tlulu' und allgemeine Lebens- :/, u. dergl. Hieran schliessen ;h eine in knappem Rahmen gehaltene Beschreibung der Ai,if- bereitung der Erze; sodann Darstellungen des Bergbaues auf fossile Brennstoffe (Graphit, Anthracit, Steinkohle und Braunkohle einschliesslich Briketiruug, Torf, Erdgas, Naphtha, Erdwachs, Asphalt) sowie der Gewinnung der Salze (Stein- und Kalisalze, Salzsoole und deren Versiedung, Alaune, -Vitriole, Soda, Glaubersalz, Salpeter, Borax und Borsäure). — Der so un- gemein wichtige und doch auch sehr verschiedenartige- Stein- kohlenbergbau hätte wohl etwas eingehender und mannigfaltiger geschildert werden können. — In ähnlicher Weise wie die eben besprochenen Abschnitte sind aucli din folgenden behandelt: „Der Steinbruchbetrieb" (auf S:niil>trin, Kalkstein, Marmor, Thonschiefer, Eruptivgesteine, Serpriitm, riin>phate, Gips, Schleifmittel, Infusorienerde, Glimmer, Asbest, Felds|jat, Schwerspat, Flussspat, Strontianit) und „Edel- steine und Schmucksteine", nur dass hier den Einzel-Be- sprechungen der verschiedenen Steine eine Einleitung — mit Be- merkungen über Vorkommen , Eigenschaften , Schlififformen, Schleifen, Graviren, Verwendung zu technischen Zwecken, Preis, Nachahmungen und Fälschungen, Dubletten und künstliche Bil- dungen — voraufgeschiekt ist. Der allenthalben sachkundia;, klar und fesselnd geschriebene Text wird auf's Wirk-am-ie ,i-:ni/t luivh \ .-i/ugliche Abbildun- gen von neuerdings i_ i • • -.: leui Werkzeugen und Geräthen aus der , ,_ ... u altägvptischen Steinbrüchen und Kuuier Abljaueii, \on Mineralien, Gesteinen, Petrefakten, interessanten geologischen Erscheinungen und Lager- stätten, von bergmännischen Trachten und Kunstwerken, Werk- zeugen, Vorrichtungen, Maschinen, Betriebsvorgängen, von Tage- bauen, Grubenbauen, ganzen Werksanlagen, Briketfabriken, von Naphtha-Springquellen und Raffinerien. Goldsucher-Ausrüstungen Goldwäschen, Steinbrüchen, Diamant-Gruben und -Wäschen, den berühmtesten Diamanten, von Krystall- und Edelstein -Schlift'- formen, den verschiedenen Arten der Bernsteingewinnung u. A. m. Hiernach kann dieses im besten Sinne volksthümliche Werk all denen, welche dem Vorkommen und der Gewinnung nutzbarer Mineralien, dem Bergbau und Bergmannsberuf ein gewisses Inter- esse entgegenbringen oder sich über irgend welche, dieses Gebiet berührende Fragen unterrichten wollen, besimders auch den Studirendeu des Berg- und Hüttenfaches, nur auf's Wärmste empfohlen werden. Bergbau- und Hüttenwesen für weitere Kreise dargestellt von Professor E. Treptow. Professor Dr. F. Wüst und Professor Dr. W. Borchers mit 608 Text- Abbildungen, 'sowie 12 Bei- lagen. Leipzig, Otto Spamer, 1900. Preis 10 Mark. In diesem Buche finden wir das obenbesprochene Werk von „Bergbau" ungekürzt vereinigt mit einer ähnlichen Darstellung des „Hüttenwesens" und zwar wird in letzterer nach einer „Einleitung" betr. die allgemeinen Grundlagen des Hüttenwesens und die Wärmeerzeugung, zunächst das Gebiet der Eisenhütten- kunde von F. Wüst, sodann das der Metallhiittenkunde von W. Borchers abgehandelt Di. II. Theil ist für sich allein erschienen unter dem Hüttenwesen, zum Selbststudium für Hüttenloute, Chemiker, Studirende an Bergakademien und technischen Hochschulen sowie für weitere Kreise übersichtlich dargestellt von Professor Dr. F. Wüst und Professor W. Borchers. Mit 212 Text- Abbildungen und 6 Beilagen. Leipzig, Otto Spanier. Preis 6 Mai'k. G. Franke. XV. Nr. 4. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Prof. Dr. L. Graetz, Die Elektricität und ihr© Anwendungen. Achte vermehrte Auflage. Mit 483 Abbildungen. Stuttgart, Verlag von J. Engelhorn, 1900. 590 S. Preis geheftet 7 Mk. Wenn ein Buch von der anerkannten Vorzüglichkeit des vorliegenden durch in kurzen Zwischenräumen aufeinander fol- gende Neuauflagen beständig auf der Höhe der mit Windeseile fortschreitenden, wissenschaftlichen und technischen Entwickelung erhalten wird, so können wir dies nur mit hoher Befriedigung begrüssen. Zweifellos hat die Verlagshandlung diese schnelle Aufeinanderfolge neuer Auflagen neben der Vortrefflichkeit der populären und doch gründlichen Darstellungsweise des Verfassers nicht zum wenigsten auch dem sehr massigen Preisansatz _ zu danken. Dass der Verfasser darauf Bedacht genommen, nicht nur die neuesten Errungenschaften der Wissenschaft und Technik dem Werk einzufügen, sondern zugleich Abschnitte über überholte Dinge zu kürzen oder ganz wegzulassen, sodass der äussere Um- fang keine wesentliche Veränderung zu erfahren brauchte, möge gleichfalls anerkennend hervorgehoben werden. Findet man doch vielfach noch neuere, physikalische Lehrbücher, in denen der Er- läuterung der Motoren von Ritchie und Page breiter Raum ge- widmet wird, während die Benutzung der Dynamomaschine als Motor kaum erwähnt wird. Mit Recht hat Graetz jene älteren, nur historisch beraerkenswerthen Versuche zur Verwandlung elektrischer in mechaniscl^e Energie völlig unbeachtet gelassen, um dafür die Behandlung der heute allein in Gebrauch befind- lichen Dynamos auf etwas breitere Basis stellen zu können. In keinem anderen populären Buche haben wir eine so lichtvolle Erörterung über Hauptstrom-, Nebenschluss- und Compound- Dyuamomaschinen gefunden wie hier. — Von Neuerungen auf elektrotechnischem Gebiete, die in der Neuauflage berücksichtigt sind, seien erwähnt: Die Spannungstheiler der A. E. G., die (Quecksilber -Turbinen - Unterbrecher, Wehnelt's elektrolytischer Unterbrecher, Nernst's Glühlampe, das Telpherage -Transport- system, die Nutzanwendungen der Elektrochemie zur Metall- gewinnung (Siemens' Kupfer- und Gold-Abscheiduug), zur Dar- stellung der Carbide und des Ozons und des letzteren Anwendung in der Bleicherei. — Wir zweifeln nach alledem nicht, dass das auch äusserlich trefflich ausgestattete Buch immer weitere Ver- breitung finden wird, und möchten es insbesondere zu Prämien für Schüler der oberen Klassen höherer Lehranstalten empfehlen. F. Kbr. Silvanus P. Thompson, Mehrphasige elektrische Ströme und Wechselstrommotoren. Autorisirte deutsche Uebersetzung von K. Strecker. Mit 171 in den Text gedruckton Abbildungen und 2 Tafeln. Halle a. S., Verlag von W. Knapp. 1896. Preis ge- heftet 12 Mk. Seit der elektrischen Ausstellung zu Frankfurt a. M. im Jahre 1891 stehen die mehrphasigen oder Drehstrom-Motoren im Vorder- grunde des Interesses der Elektrotechniker. Bei der ausserordent- lich grossen Mannigfaltigkeit der das an sich ja äusserst einfache Drehfeld-Prinzip benutzenden Vorschläge zur Erzeugung und Ver- werthung mehrphasiger, elektrischer Ströme muss es von Studi- renden und Ingenieuren mit Dank begrüsst werden, wenn sich ihnen ein Führer von dem Lehrgeschick und der wissenschaft- lichen Bedeutung eines Silvanus P. Thompson zur Verfügung stellt. — Ausgehend von der Erzeugung mehrphasiger Ströme, als deren einfachster Spezialfall der gewöhnliche Wechselstrom gelten kann, bespricht der Verfasser alsdann die nicht ganz einfachen Schaltungen dieser Ströme, entwickelt ferner die höchst merk- würdigen, schon von Arago bemerkten und von Faraday erklärlen Eigenschaften der magnetischen Drehfelder, auf Grund deren aber erst recht spät, in den 80er Jahren, der Gedanke eines Dreh- strommotors eutsprosste. Thompson setzt nun in anschaulicher Weise die Verwirklichung dieses Gedankens durch Ferraris, Tesla, Dobrowolsky und andere auseinander, die zu dem epochemachen- den Erfolge einer weiten Kraftübertragung auf der Frankfurter Ausstellung führte. Eine detaillirte, durch zahlreiche, zweckdien- liche Zeichnungen unterstützte Behandlung des Baues und der Theorie mehrphasiger Motoren , sowie der Vertheilung mehr- phasiger Ströme aus Centralstationen bildet alsdann die zweite Hälfte des Buches, Die anhangsweise hinzugefügte Bibliographie lässt erkennen, welch' erstaunliche Summe von Arbeit von. dem Heere der Elektrotechniker während der letzten Jahre auf dieses Gebiet verwendet worden ist, als deren Früchte fast ein halbes Hundert deutscher Reiehspatente aufgezählt werden. F. Kbr. Dr. Chr. Jensen, Beiträge zur Photometrie des Himmels. Separatabdruck aus den Schriften des Naturwissenschaftlichen Vereins für Schleswig-Holstein. Bd. XI, Heft 2. Die vorliegende Dissertation gliedert sich in zwei Theile. Zunächst giebt Verfasser eine erschöpfende, historische Darstel- lung der bisher bekannt gewordenen Untersuchungen über die atmosphärische Polarisation, jene zuerst von Arago entdeckte, dann vor Allem von Brevster, Babinet, Rubenson und Busch studirte und trotz aller Bemühungen so hervorragender Forscher bis auf den heutigen Tag noch nicht befriedigend erklärte Er- scheinung der Polarisation des blauen Himmelslichtes in einer durch den anvisirten Punkt, die Sonne und das Auge des Be- obachters bestimmten Ebene. Die von Wheatstone auf Grund dieser Entdeckung konstruirte Polaruhr ist ja gewiss vielfach bekannt, weniger allgemein bekannt dürfte aber das Vorhandensein der von Arago und Babinet entdeckten neutralen Punkte und deren bis jetzt noch recht räthselhafte Ortsveränderungen in Bezug auf die Sonne sein. Da die betreffenden Originalabhandlungen in den ver- schiedensten Schriften zerstreut sind, ist die hier gegebene, sorg- fältige Zusammenfassung aller bezüglichen Forschungen eine ver- dienstliche Arbeit. — In einem zweiten Theile seiner Abhandlung leitet Verfasser aus einer Reihe von eigenen Beobachtungen den Verlauf der Polarisation und Helligkeit des Zeniths in seiner Ab- hängigkeit von der Sonnenhöhe und Tageszeit ab und erleichtert den Ueberblick durch graphische Darstellung der betreffenden Funktionen. Bei den Helligkeitsmessungen, die mit dem L. Webcr- schen Photometer angestellt wurden, zeigte sich eine höchst merkwürdige Anomalie in dem Gange der Fläohonholligkoit des Zeniths für Sonnenhöhen zwischen 30" und 40". [.cidcr xlieint eine Erklärung für diese in der Kurve höchst aufl'jlli mb' i\iii.kimg (von 30° bis etwa 37° Sonnenhöhe bleibt die Zenithlirlliokiit an- nähernd konstant) bisher nicht gefunden zu sein, sodass \'erfasser sich eine Diskussion dieser Erscheinung für die Zukunft vorbe- halten musste. Bei den Polarisationsbestimmungen, die mit einem gleichfalls von Prof. Weber zusammengestellten Apparat unter Verwendung eines Lummer-Brodhun'schen Prismas ausgeführt wurden, zeigte sich das Maximum der Polarisation des Zeniths bei einer Sonnenhöhe von — 2°, was nach dem Verfasser viel- leicht damit zusammenhängt, dass sich der Babinet'sohe Punkt bald nach Sonnenuntergang für kurze Zeit der Sonne nähert. Im Uebrigen konnte Verfasser durch seine Beobachtungen bestätigen, dass Nebel, Rauch und Wolken durch Herabminderung der Po- larisation die Beobachtungen beträchtlich stören können. Auch die festgestellte Abnahme der Polarisation (gegenüber den ent- sprechenden Sonnenhöhen zugehörigen Normalwerthen) in den Mitl.iiisst mihI'U dürfte mit einem Bewölkungsmaximum zu dieser T;m.s,,-'ii /,ii-:uiiiiienhängen. Bezüglich weiterer Einzelheiten der Bi'(.li^irliiiiiij-i'ii;ebnisse muss auf die Abhandlung selbst verwiesen wrrJru F. Kbr. Bäumler, J. A., Mykologische Fragmente. Wien. — 1.40 Mark. Brauns, Dr. Hans, Zur Kenntniss der südafrikanischen Hyme- nopteren. Wien. — 3 Mark. Cohen, E.. Meteoreisen-Studien. Wien. — 0,80 Mark. Hertwig, Prof. Dir. Dr. Ose, Die Elemente der Entwickelungs- Ichr.' d.'s M.n^chrii und der Wirbelthiere. Jena. - 8,50 Mark. Kiepert, Geh. Beg.-Bath Prof. Dr. Ludw., Grundriss der Diffe- rfutial und Inti^gnil-Kechnung. 11. Theil: Integral-Rechnung. Haiinnv. ,, - 13 Mark. Küster, Dr. Ernst, Ueber Gewebespannungen und passives Wachs- thiiiii liii Mceresalgen. Berlin. — 1 Mark. Iiampa, Dr. Ant., Ueber einen Beugungsversuch mit elektrischen Wellen. Wien. — 0,50 Mark. Lecher, Prof. Dr. Ernst, Ueber einen theoretischen und e.xperi- mentellen Trugschluss in der Elektricitätslehre. Wien. — 0,G0 Mark. Merk, Priv.-Doc. Dr. Ludw., Experimentelles zur Biologie der nn'n.schlicheu Haut. 1. Mittheilung: Die Beziehungen der Hornscliiclit zum Gewebe.safte. Wien. — 2,10 Mark. Schmidt, Dr. Erich, Die magnetische Untersuchung des Eisens und verwandter M.-talle. Halle. — 4 Mark. Strümpell, Prof. Dir. Dr. Adf , Lehrbuch der speciellen Patho- logie und Therapie der inneren Krankheiten. 3. Bd.: Krank- heiten dos Nervensystems. Leipzig. — 14 Mark. Szymonowicz, Prof. Dr. Ladisl., Lehrbuch der Histologie und der mikroskopisciien Anatomie. 1. Lfg. Würzburg. — 3 Mark. Inhalt: C. F. Heibig: Naturbewunderung. — Ueber die Mikroben in den arktischen Regionen. — Die Abhängigkeit der Be- wegung der Bacterien vom Sauerstoff. ^ Ueber den Chemotropismus der Pollenschläuche. — Anemotropismus. — Ueber den Schwefelcyansäuregehalt des Speichels beim Menschen. — Untersuchungen an dem Klärbeckensehlamm zu Frankfurt a. M. — Die Leuchtfähigkeit von Dämpfen und ihre Beziehungen zur chemischen Constitution. — Ueber die chemische Untersuchung der Rauchproducte des Tabaks. — Litteratur: A. Turner, Die Kraft und Materie im Räume. — Bergbau, einschliesslich Steinbruchbetrieb und Edelsteingewinnung. — Bergbau- und Hüttenwesen. — Prof. Dr. L. Graetz, Die Elektricität und ihre Anwendungen. — Silvanus P. Thompson, Mehrphasige elektrische Ströme und Wechselstrommotoren. — Dr. Chr. Jensen, Beiträge zur Photometrie des Himmels. — Liste. 48 Naturw aftliebe Woclieiisebrift. XV. Nr. 4. ►♦♦♦♦♦♦ ♦♦♦♦♦♦♦♦ »♦♦♦♦♦♦♦»♦♦♦♦♦♦♦ ♦♦♦♦♦♦♦! I von Poncet Glashütten -Werke 54, K;;nM.-i.„,..tr. 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Jcil 1, 174 5 , aoU.'" 1 Wa. - Ik ^\= luihvmuv ÜHiiii ^'siiiliuft bi-v iinnv Icil -2,^ los 3., goli. 0,fi(l Dif. — Vlii^ycliiiiuvjfratt uub (i-li'tlvi;,ildt. Ji-il o, 12o 3, geb. 0,60 Wt. — "Sic tf-lofht,^ltat in ilircr iHiiUHiibim.i. Joil 4, 101 £., (\(\). 0,60 Wt — SSoii bi'ii dicmijdicn .Sivaitcii unb tSk-ftvüd)cnüc. Jcil h. 10« S., geb. 0,60 9Jff. — (£l)cmtc. 2cil 6, 71» =,, geb. 0,50 »ff. - l'lngemaiibte e()emte. »ttbcvhmbc. Seil 7, 116 e., geb. 0,60 Wf. — Som ?(ücr bet Srbc (©eologic). Sßon ber Umbref|ung bcr (Srbc. ®ic PV'= )d)minbigfeit bc§ Sid)t§. Seil 8, 152 ©., geb. 1 mt — 'Sin§ .?iüf)tid)ou im ei. ^i'bm .^aii mib i.'cboii uoii *4>flaii,-,c imb Jicv. Ji'il 10, lljo 5, qi'"' ' -'-''f- - '3:''K- ®ei[tcoU-bni boii Hieiifri) \iiib Jbicv, Jnl II, loO 2., neb. (l.Cd Wf - 'l>i»)d)oloiiii' uub \'ltmiiiuv 2nl li'. l.'-l 5.. geb. O.so ^lil -- .Vier,-, uub VUigc. ieil 13, 133 ©., gcb, 0,SO lUf. — i.'luU'iluug ;,u d)i'Mujd)cn eTiH-rimeutoii. cUtiU (?(fttouümie). Seil 16, 271 ©., geb. 1,60 am. — Tic niifterfeubcu Srnnfljeitcu unb bie 58attetien. ®ie Ißflan.^enmolt unfrcr .s>eimat fonft nnb je^t. 3)ic ©vcftratnnnl>)ic nnb bie ?^-ij.)teruiuclt. Jeil 17, 178 ©., geb. 1 9Jff. — '.)(bftiimmung'3Icf)ve u\ib Tnviiuui'jmU'J. Jeil 18, 128 ©., geb. 0,si) Wi. -- %t<\\ bev tJvlialtung bcv .»livnfl. Seil lü, 104 ©., geb. 0,60 äli'f. — Tic Guluiitreliiug bev 'ix'lcudiluug-Mcdiuif. Siliuui= iolugir. Jeil 20, 162 ©., geb. lUif. - Tic ycntnvmiiienjdiaft im (ivuierbidcbeu. 3i.'ifienjcbatt wvXs i(t W., iit fcinftcm Siicl)l)nbcrl)allifrniis 10 Wort. Verantwortlicher Redacteur: Dr. Heiir\- Potoni(5, Gr. Lichterfelde (P.-B.) bei Berlin, Potsdamerstrasse 35, für den Inseratentheil: Hugo Bernstein in Berlin. - Verlag: Ferd. Dümmlers Verlagsbuchhandlung, Berlin SW. 12. - Druck: G. Bernstein, Berlin SW. 12, ►n^ ^•:« ^^ A/Vochenschri/y. Redaktion: Dr. H. Potonie. Verlag: Ferd. Düüimlers Verlagsbuchhandlung, Berlin SW. 12, Zimmerstr. 94. XV. Band. Sonntag, den 4. Februar 11)00. Nr. 5. Abonnement: Man abonnirt bei aUen Buchhandlungen und Post- y Inserate; Die viergespaltene Petitzeile 40 ^. Grössere Aufträge ent- anstalten, wie bei der Expedition. Der Vierteljahrspreis ist Jt 4.— {jp sprechenden Rabatt. Beilagen nach üebereinkunft. Inseratenannahine Bringegeld bei der Post 15 A extra. Postzeitungsliste Nr. 5301. £ bei allen Annoncenbureaus wie bei der Expedition. Abdruck ist nur mit vollständiger Qaellenangabe gestattet. Die Schilde der Oceanier. Von L. Frobenii Von allen materiellen ßesitetliiimern primitiver Völker ist der Bogen wohl einzig- und allein ein anerkannt wich- tiges und mehrseitig verarbeitetes Studieuobject der ver- gleichenden Völkerkunde geworden, trotzdem es deren mehrere giebt, die gleich günstig für derartige Unter- suchungen sind. Um nun in diesen Blättern, die eine eingehende Studie über meine naturwissenschaftliche Culturlehre sowie eine Anwendung auf die Mathematik der Naturvölker brachten, an einem recht klaren Bei- spiele einmal eine Probe der Anwendbarkeit dieser Lehre zu bieten, wende ich mich einem weniger durchforschten, ich kann wohl sagen, überhaupt von anderer Seite nicht eingehender betrachteten Gegenstande zu, dem Schilde, und will ihn in einem Gebiete, wo ihm sonst wohl noch Niemand die gebührende Aufmerksamkeit schenkte, näm- lich in Oceanieu, des Näheren erörtern. Indem ich eine Waffe, wie den Schild betrachte, mache ich mir sogleich klar, dass ich es nicht nur mit der Entstehung und Umbildung einer oder mehrerer Formen zu thun habe, ferner dass dieser Schild nicht unabhängig und launig, sondern nach bestimmten, ausser- halb der Schilde liegenden Bedingungen sich verändert. Der Schild ist sozusagen ein Negativ zu dem Positiv, das die Angriffswaffe darstellt. Nicht nur nämlich, mit welcher Waffe der Feind mich angreift, wie also dieser entsprechend meine Schutzwaffe am ge- eignetsten sein wird, ist von Wichtigkeit für meine Wahl, sondern auch, welche Waffe ich selbst führen will. Wenn z. B. fast alle Kassaivölker in Afrika den Schild auf- gegeben haben, so kann ich überzeugt sein, das hängt damit zusammen, dass diese Stämme meist mit Pfeil und Bogen schiessen und kämpfen. Nun liegt der Grund aber nicht etwa darin, dass die Schilde schlecht gegen Pfeilschflsse schützen, sondern darin, dass der Bogen- schütze den Schild schlecht handhaben kann, zumal die eine Hand den Bogen, die andere den Pfeil erfassen mu.ss. Diese einfache Ueberlegung zeigt schon, dass das Schild- studium in eine ganze Reihe von Problemen hineingreifen muss und auch, dass die Form des Griffes von ausser- ordentlicher Bedeutung ist. Thatsächlich werden wir diesem Unterscheidungsmerkmal in Oceanien, wo die P'ormen bunter durch einanderlaufen als anderswo, mehr Beachtung schenken müssen als in Afrika.*) Denn kein Gebiet der Erde hat so viele Schildformen wie das Quellgebiet Oceaniens, Indonesien. In der oben erwähnten Arbeit über die Mathematik legte ich schon das Bild der Kulturentwickelung in Oceanien dar, soweit dasselbe für derartige Einzelstudien von Wichtigkeit ist. Daher darf ich hier darauf ver- weisen und mich kurz fassen. Es sind drei Achsen zu berücksichtigen. 1. Die Südacbse geht von Indonesien aus, läuft über Neuholland und endet in Melanesien, stellt also einen nach Norden offenen Bogen dar. 2. Die Mittel- achse läuft in ziemlich geradem Streifen von Indonesien durch Melanesien, also über Neuguinea nach dem öst- lichen Melanesien. 3. Die Nordachse läuft als weite Fläche von Indonesien über Mikronesien (mit der Süd- grenze am Nordrande Neuguineas) nach Melanesien und Polynesien, stellt also eine nach Südwesten offene Bogen- fläche dar. Die Gruppirung der einzelnen Formen kann vor- genommen werden nach folgenden Gesichtspunkten. 1. nach geographischen, 2. nach formalen; aj nach dem Griff, b) nach der Form der Schildfläche, c) nach dem Material. Eine eingehende Schilderung wird stets erst die Formen nach der geographischen Verbreitung, dann die Formen nach der formalen Zusammengehörigkeit *) Die afrikanischen Schilde i kanischen Öultur" 1898, C. 2, 8. 23 „Der Ursprung 56. Naturwissenscbaftliche Wochenschrift. XV. Nr. 5. genügende 2: zur Ver erörtern müssen, liier stellt mir nicht der Raum für eine solche eingehende Behandlui fügung und ich muss mich auf eine Eintheilung nach formalen Ge- sichtspunkten be- schränlcen, der icli die Berüclcsichti- gniiji- der Form des Grittes, der Ilaudbabe, zu Grunde lege, kli sende aber eine knappe Uebersiclit der Hauptformeu der Behandlung voraus, um so in Fragen des Mi- schungsproblemes auf eine Vorkennt- uiss mich beziehen zu können. Ich unterscheide 3 For- men: 1. Nigritische Form der Süd- achse. Hölzerner Parirschild mit senkrechtem, aus dem Vollen ge- schnittenen Griff". 2. Asiatische Form des Nordens. Runder Leder- schild mit Wölbung und doppeltem Ledergriff für Ai"m und Hand. 3. Vormala- Jische Form der Mitte. Viereckiger, oben eingeschnit- tener Schild aus Rotang mit Schnur zum Umhängen oder einfach: Ro- tangpanzer. I. Nigritischer Schild. Vor Allem ist festzustellen, dass in Neuholland der Schild nicht all- gemein gebräuch- lich ist, sondern an einigen Orten, wie in König Ge- orgs-Sund z. B., nach directer Aus- sage fehh,*) dass die nigritischen Schildformen im Ausklang der Süd- achse, also in Me- *) Scott Nind: „Description of the natives of King Georges Sound" in Tlie journ. of the Geogr. Soc. London. Band I, S. 32. ,ir» »k lanesien, selten sind, in Indonesien dagegen ausserordent- lich häufig, dass endlich eine Beziehung zum nigritischen Schilde sich in der Wafteuführung auf der Nordachse (in Mikronesien und Polynesien) nachweisen lässt. Nunmehr sind die Formen in diesen einzelnen Gebieten zu betrachten. a) N e u h 1 - land. Es kommen bei demselben Stamme oft meh- rere Schildformen neben einander vor. So sagt Taplin, der Schild der Narrinyeri be- stände entweder aus Holz oder aus der Rinde des rothen Gummi- baumes. Die Be- wohner von Neu- südwales haben ebenfalls Schilde von zweierlei Art nach Dumont d'Urville; die von Baumrinde schüt- zen nicht so vor dem Lanzenstoss, wie die von festem und im Feuer ge- härtetem Holz ge- fertigten, welche inwendig mit 2 (?) Handhaben ver- sehen, aber wegen ihrer Schwerenicht so gebräuchlich sind. Auch wird mir mitgetheilt, dass je nach dem Zwecke verschie- dene Schilde vor- handen wären, so vor Allem in Vic- toria, wo alle drei Schildformen ne- beneinander vor- kommen, wie wir sie nunmehr be- sprechen wollen.*) ü 18 \1 19 ^ = Ruckansicht, II = Vorderansicht, II , „ schnitt durch die Mitte, V = Querschnitt durch die Mitte. A ist der Schnitt durch eine andere Form dieser Schilde. — 2 = Schild aus Ost-Neuholland (die " = Form). — 3 = Rinden-Schild aus Noril- NeuhoUand (die — = Form) A ist ein Schild mit eiugeftigtem Grit!. — 4 = Schild von den Forrestier- Inseln. — 5 = Schild (Tabangan) von AUor. — 6 = Schild von den nördlichen Plnlippinen. — 7 = Schild von Allor. - 8 = Dajakschild. A der Griff von der Seite. — » = Schild von den Molukken. A Querschnitt am oberen Ende. - 10 ^ Schild von den Sulu-Inseln. — 11 = Batak-Schild (Sumatra). - 12 = Schild von Allor. - IS = Sihild von Finschafen von der Seite. - 14 = Schild aus der Astrolabebai von hinten. — 15 = Schild von Mitra-Fels von hinten (unten der Rotanggriff von der Schildspitze aus gesehen). Der Rotangüljerzui; wunle fortgelassen. — 16 = Schild von Santa Anna. — 17 = Bogenschild von den Aru (nach Dr. ychnielt/..) — 18 = Schild aus dem Papuagolf von hinten. — 19 = Schild von Angriffshafen von hinten. Die Bezeichnungen I— V bedeuten stets ■ ■■" tets rechts liegend). IV = Längs- *) Taplin in „Nat. Tribes of South Australia" S. 40. Du- montD'Urville: „Ent- deckungsreise der französischen Cor- vette Astrolabe. 1826 bis 1829. Hist. Th." S. 30. Die Litteratur über neuholländische Schilde ist ausserordentlich kiimmerlicli. Das Beste hat Brough Sinyth in seinem Buche über die „Aborigines of Viktoria" ge- bracht. Sonst finden sich noch einige Angaben z. B. bei Samuel Gasen: „The Dieyierie Tribe« Adelaide 1871, S. 33, Wyatt in XV. Nr. 5. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 51 Die ursprüngliche Form des australischen Schildes (Fig. 1) treffen wir in dem einfachen dicken, vierkantigen, oben und unten spitz zulaufenden und mit einem in Folge Durchführung eines der Handbreite und Handdicke ent- sprechenden Kanales in der Mitte von einer zur anderen zweier neben einander liegenden Flächen gewonnenen Handgriffe versehenen Schilde an. Die Länge schwankt zwischen 45 und 90 cm. Das Holz ist hart, wahrschein- lich im Feuer gehärtet. Die beiden Flächen, die der Kanal oder Handgriff verbindet, stellen die glatte, convex- dachförmige Hinterseite, die beiden anderen, die ebenfalls convex-daehförmige, aber mit allerhand eingegrabenen Linien verzierte Aussenseite dar. Die Breite ist nicht über 6 — 9 cm. Daneben kommen noch eine längere und nach aussen gewölbtere, aber noch schmalere Form bis zu ca. 1 m Länge vor, die aber wenig von der eben be- schriebenen und skizzirten verschieden ist. (Fig. 1 AV.) — Als Ausschmückung kommt neben den eingravirten Orna- menten nur bei der ersten Variante noch ein Fellstreifen vor-, der um die Mitte geschlungen ist, sodass er auch — wie die Hand von der anderen Seite — den Canal passirt. Diese Schilde dienen lediglich gegen Keulen- würfe und -Schläge. Die zweite Schildform ist am besten ausgebildet in Queensland, ■ während die erstere wesentlich südwestlich ist. Dieser Schild (Fig. 2) stellt eine nach aussen ge- wölbte, hinten absolut gerade Fläche von ovaler Contur dar. Der Canal für das Durchgreifen der Hand ist hinten in der Mitte angebracht. Der so ausgespaarte Handgriff (Stab) liegt demnach genau in der Fläche des Schildes. (Siehe den Schnitt durch die Mitte nach der Längsachse Fig. 2 IV). Hei diesen Schilden liegt die Schwierigkeit im Herstellen des Kanales. Seinetwegen müssen sie aussen gewölbt und in der Mitte dick sein. Die dritte Form dagegen geht, wie wir nachstehend sehen werden, von der geraden, ungewölbten Platte aus. Daher nenne ich diese die r^-Form, die nächste aber die — Form. Der Name ist vom Querschnitt durch die Mitte genommen, (Fig. 2V und 3V) und es fehlen demnach eigentlich die Punkte in dem Halbkreise und unter dem Strich. — Von dieser r^-Form giebt es mehrere Varianten, eine kleinere im Süden und im Centrum Queenslands, deren Form Fig. 2 entspricht und eine grosse aus der Rockingham- bay und Nord-Queensland, deren Rand nicht streng oval ist, sondern mehr dem Durchschnitt eines Brotes gleicht. Diese sind ausserdem mit mehreren Farben phantastisch bemalt. — Gemeinsam mit der c^- Form wird meist das Holzschwert genannt, doch dient sie auch gegen Bumerang und Keule. Die dritte — Form der australischen Schilde (Fig. .3) zeichnet sich, wie schon angedeutet, durch eine flache Wand und einen freistehenden Griff aus (Fig. 3 IV). Die Schwierigkeit, diese Form herzustellen, besteht demnach nicht in der Anlage des Griffkanales, sondern in der Herstellung des Griffholzes, das ausgespaart werden nuiss. Und das ist für die ursprüngliche Form eine sehr compli- cirte Sache, denn die Schildwand wird bei diesen aus Rinde hergestellt und der Griff aus einem mitsammt der Rinde aus dem Baum herausgelösten Holzblocke ge- schnitzt, lieber das Verfahren hören wir schon von Cook : „Bisweilen fanden wir die ganze Form der Schilde in der Rinde wirklich ausgeschnitten, aber noch nicht von „Nat. Tribes of South Australia", S. 172. Bastian: „Oceanien", S. 130, 129. Watkin Tench: „Nachricht von der E?.pedition nach Botany Bay" 1789, S. 80. Turnbull: ..Reise um die Welt 1776 bis 1780", S. 49. Georg Angas: „Savage Life and Scenes in Australia and New Zealand", Vol. I, S. 147, Vol. II, S. 214/5 und in der bekannten Litteratur bei Cook, Eyre, Lumholtz, Curr etc. Ab- bildiiugon bei Brough Smyth, Edge Partington, Lumholtz etc. dem Baum losgelöst; sondern sie war nm- rings um den Rand der Schilde ein wenig aufgehoben und wurde durch dazwischen hineingetriebene Keile in dieser Lage gehalten. Die Eingeborenen müssen demnach wohl wahrgenommen haben, dass Baumrinde dicker und stärker wächst, wenn man ein Stück davon rings umher aus- schneidet und sie in diesem Zustande noch eine Zeit lang am Baum sitzen lässt." Damit ist die Vorbereitung zur Herstellung eines solchen Schildes beschrieben: später, wenn die Rinde ein gutes Stück schon absteht, wird sie mitsammt einem Holzblock in der Mitte für Herstellung des Griffes mit dem Beile herausgeschlagen. — Eine jüngere und eine entschieden Nachlässigkeit verrathende Form oder Variante dieser Schilde zeigt nicht mehr Her- stellung aus einem Stück. Es wird vielmehr einfach ein entsprechendes Stück Rinde mit zwei Löchern versehen und in diese ein gebogenes Holz als Griff" gesteckt. Fig. 3a IV. — Während diese beiden Varianten wohl in ganz Neu- holland mit Ausnahme einiger Gegenden des Ostens und Westens vorkommen, gehört die folgende wesentlich dem Westen an. Dem ganzen Typus nach gehört dieser Schild in disse Gruppe, es ist also eine —-Form. Der- selbe wird aber ganz aus Holz hergestellt, also ge- schnitzt. — Alle diese Schilde der Form dienen nicht wie die ursprüngliche und die r^-Form dem Einzelkampf und gegen Keulen etc., sondern es sind die Schutzwaffen gegen den Speerwurf und in der Schlacht. b. Melanesien. Wie schon oben erwähnt, klingt die Südachse in Melanesien aus, und wir müssen hier nach Verwandten der nigritischen Schilde Ausschau halten. Es finden sich drei Formen und Beziehungen, von denen die auf den Salomonen heimischen später Erwähnung finden, die der Inseln zwischen dem Bismarckarchipel und Neu- guinea sowie diejenige Neupommerns aber hier be- schrieben werden sollen. Der Schild von den French- und Forrestier-Inseln gehört der r^- Gruppe an. Derselbe hat eine Länge von 155 bis 160 cm, bei einer Breite von 17 bis 20 cm. Er (Fig. 4) besteht aus einem auffallend leichten Holz, weicher aber zäher Natur, und ist aus einem Stück ge- schnitzt. Auf der Aussenseite sitzt in der Mitte ein er- haben geschnitzter Vogel der Stelle gegenüber, wo im Innern der Griffkanal durchgeführt ist. Auch ist der Schild der Mitte zu leicht gewölbt. Der Rand ist mit Rotang oder Stuhlrohr fest durchzogen und umwickelt, zu welchem Zwecke eine Unzahl kleiner Löcher nun unweit des Randes um den Schild läuft. Auch ist der Rand mit feinen Flaumfedern garnirt, die aber im Verfall sind. Die Schildfläche selbst ist auf dem grösseren Theile hinten und vorn mit Rotangstreifen überzogen, die schräg verlaufen. Endlich ist eine reiche Ornamentirung mittelst eiugravirter Linien und hinten Bernalung in rothen, grünen, weissen und gelben Erdfarben zu vermerken. — Natürlich haben wir es mit einem nigritischen Schilde der r^-Form zu thun, dessen Rotangüberzug aber an das Vorkommen im Gebiete der Mittelachse und der vor- malajischen Cultur erinnert. Der Schild von Neupommern und zwar aus dem sud- lichen Theile der Insel, ist mir aus der Sammlung des leider so früh verstorbenen Baumttller, — der auch die vorher beschriebenen Formen zuerst nach Europa gebracht hat — , in Karlsruhe und Mannheim bekannt. Dieser ist aber eine —-Form, deren Fläche bei einer Länge von ca. 80 — 120 cm ca. 12 — 18 cm breit ist. Auch diese Schilde sind aus leichtem und zähem Holz und zwar aus einem Stücke hergestellt. Ein Rotangüberzng fehlt, doch ist die Vorderfläche mit allerhand Ornamenten in weissen, grauen etc. Farben bemalt. Nur ein Exemplar von vieren ist am Rande mit Federn geschmückt. Bei der Leicliligkeit" 52 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. XV. Nr. 5. und Zerbrechlichkeit dieser Geräthe ist es kaum anzu- nehmen, dass es sich um ernste Kriegswatfen handelt, sondern wohl nur um Tanz- oder Cultuswerkzeug. c. Indonesien. Indonesien, das überhaupt an Schild- formen reichste Land der Erde, bietet auch die meisten Formen der nig-ritischen Schilde. Es ist aber nicht schwer, nachzuweisen, dass alle Vorkommnisse auf die drei in Neuholland vorgefundenen Formen, nämlich 1. die ursprüngliche, 2. die ^^^Forra und 3. die — Form zurück- zuführen sind, in welcher Keihenfolge wir sie nunmehr be- trachten wollen. 1. Die ursprünglichen Formen. Diese sind sehr selten und in dem in Neuholland einheimischen Typus nur auf den kleinen Sunda nachgewiesen. — Vor Allem ist der Tabangan, der kleine Holzschild der Vorkämpfer an der Küste Allors zu erwähnen. Das im Berliner Museum unter I c. 21029 befindliche Stück ist von dem bekannten Sammler Jacobsen erworben und hat eine Länge von 48V2 cm bei einer Breite von ca. 8 cm in der Mitte (vergl. Fig. 5). Das aus einem Stück Holz hergestellte Exem- plar läuft den Enden zu spitz aus, oben noch einmal zu einem Knoten sich verdickend, der einen Menschenkopf mit in Perlmutterschale ausgelegten Augen darstellt. Eine leichte Bemalung in hellereu und dunkleren Streifen ist unwesentlich. Sehr wichtig ist die Angabe des Sammlers, dass der Tabangan vom Vorkämpfer, einem sehr tapferen Manne gebraucht wird, der ihn dazu benutzt, die auf ihn abgeschossenen Pfeile abzuwehren. Es ist also ein Parirschild.*) — Auch der aus mehreren Theilen zusammengesetzte Schild der Insel Wetter bietet in dem einen seiner Elemente eine ursprüngliche Form des nigri- tischeu Schildes. Die beiden Theile heissen Eralili und Kalau. Der Eralili ist aus 0,6 cm starkem Büftelfell ver- fertigt, in Kreuzform mit ungleich breiten Armen. Der uutere als der breiteste misst am Ende 24 cm und ist von da ab spitz abgeschnitten, — eine abgerundete Form ist seltener, — während der obere an seinem Anfange 17 cm, an seinem Ende 23 cm breit und an letzterem gerade bleibt. Die beiden Seitenarme erscheinen gleich- sam aus dem unteren herausgewachsen und sind mit lang herabhängenden Ziegenhaaren verziert. In der Mitte des Eralili ist ein Loch, vor das der Kalau mit seinem Griff so 'ZU liegen kommt, dass die Hand ihn erfassen kann. Der Kalau besteht aus einem buckeiförmigen Stück Holz, ähnlich dem Tabangan, welcher in der Mitte mit starkem Bütt'eileder überzogen ist, das seinerseits wieder in Seiten- flügelchen ausläuft, die auf dem Eralili befestigt sind. Der nach unten und oben spitz auslaufende Kalau ist mit den Spitzen durch an den entsprechenden Enden am Kande des Eralili augebrachte Löcher gesteckt, auch ist der Kalau oben und unten mit Lederstreifen überzogen. Der Kalau ist 53 cm lang (Höhe der Schilder), in der Mitte mit den Flügeln 17 cm breit und 6 cm tief. Durch einen Strick werden beide Theile vom Kämpfer fest zusammen- gehalten. Das Eralili ist 48 cm hoch, bei einer Grund- breite von 41 cm. Dieser Schild dient zur Abwehr der Klevang hiebe, wozu er durch die Lederbestand- theile geeignet wird.**) 2. Die ^-^- Formen sind weit häufiger. Sie finden sich auf Nias und den Meutavej***), also im Südwesten, *) Jacobsen: ,.Reise in die Inselwelt des Bandameeres" 1896, S. 93/94. **) Baessler im Internationalen Archiv für Ethnographie 1891, Bd. IV, S. 74/75 und Taf. VIH, Fig. 9 und 10. Jacobsen: „Bandameer" S. 108. ***■) H. von Rosenbei-g: „Der malayische Archipel" 1878, S. 164, 165,191, 193. Ratze! : „Völkerkunde." 2. I, S. :!S6. Albert S. Bickmoore: „Reisen im ostindischen Archipel I8G5-1856, 1869 S. 339. Modigliani: „Un viaggi a Nias, Milane 1890, S. 229-231, Fig. 38 u. a. a. 0. etc. und auf den Philippinen und der Nordostecke Neu- guineas*), also im Nordosten Indonesiens. Der Schild von Nias ist zumal von Modigliani genau beschrieben. Nach ihm hat der auf Süd-Nias heimische Baluse die Form eines Bananenblattes, woran auch die Mittelrippe an der Aussenseite und die (juer über ihn laufenden niedri- geren Rippen erinnern. Unten läuft der Schild in eine oft mit einem Eisenscbuh versehene Spitze aus. Die Mittelrippe ist in der Mitte zu einem dicken Knopf oder Buckel angeschwollen, der einen von innen oder hinten angelegten Canal, das Grift'loch, verdeckt. Der Canal ist aber bei diesen wie bei den Schilden von Mentawej da- durch sehr bemerkenswerth, dass er links, wo die Finger und der Handballen hineinfahren, viel grösser eintritt, als er rechts, wo die Fingerspitzen herauskommen, aus- läuft. Während die Hauptrippe auf der Aussenseite aus Holz ausgeführt ist, sind die Querrippen aus Kotang her- gestellt. Dieselben laufen um den ganzen Schild. Kinder lernen den Gebrauch dieser Schilde an Nachbildungen von Rinde, die an der Sonne gehärtet werden. Als Maass giebt Modigliani an: Länge 1,45 bis 1,10 m; Breite 34 bis 21 cm. Stärke mit der Mittelrippe 9,5 bis 6,5 cm. Aehnlich geformt sind die Schilde der Mentawej, die unten in eine Spitze auslaufen, während sie oben gerade ab- schneiden. Ein im Darmstädter Museum liegendes, von Rosenberg gesammeltes Exemplar misst 165 cm Länge und ca. 23 cm Breite am oberen Rande. Den Griffcanal verhüllt aussen ein kleiner Buckel, aber eine Mittelrippe fehlt. Da- gegen ist die CanalmUndung wie bei dem Niasschild links grösser wie rechts. Ausserdem ist der Mentawejschild nicht selten mit eigenartigen Ornamenten innen und aussen bemalt. — Einen typischen Schild von den Philippinen bilde ich in Fig. 6 ab. Derselbe stammt aus dem Leip- ziger Museum: Sammlung Hans Meyer. Bei einer Breite von ca. 26 cm in der Mitte ist er 103 cm lang. Oben ist der Schild ein wenig breiter als unten. Zwei Ein- schnitte, die oben rechts und links ca. 20 cm tief, einer, der unten ca. 25 cm tief einschneidet, geben dem Schilde oben 3, unten 2 Hörner. Der Schild ist leicht gewölbt, in der Mitte sogar ziemlich stark gebuckelt, und so für den versenkten Griffcanal gut vorbereitet. Mehrmals sind Rotangbänder übergeflochteu. Ein Igorrotenschild der gleichen Sammlung ist aus leichtem, schwarzbraunen Holz 110 cm lang und ziemlich gleichmässig ca. 20 cm breit, weniger stark gebuckelt, mehrfach mit Rotang- flechtwerk verstärkt, aber ohne Einschnitte in den oberen und in den unteren Rand. Aber ein kleines, mit Rotang umflochtenes Holzzäpfchen auf dem oberen Rand in der Mitte fällt auf. Sonst ist der Schild leicht dachförmig, fällt also nach rechts und nach links leicht ab und zeigt allerhand Anzeichen einer kunstliebenden Hand wie eine Ciselirung des unten und oben in Relief auslaufenden Gritlstabes und erhabenen Schlangenlinien an den beiden Rändern der Aussenseite. — Wie aus der Beschreibung nnd Abbildung J. D. E. Schmeltz' hervorgeht, kommt in der Richtung nach Neuguinea eine verwandte Form vor. — Die Philippinen besitzen neben anderen leichteren Varianten noch eine wichtigere, wie aus der Abbildung in Ratzel's Völkei-kunde 2. I, S. 378 hervorgeht. 3. Die — Form des nigritischen Schildes, also mit frei gearbeitetem Griff". Die Verwandten dieser Form beherrschen das gesammte innere Indonesien, also Borneo, *) „Allgemeine Historien der Reisen zu Wasser und zu Lande", Bd. XI,- S. 398. Ferdinand Blumentritt: „Versuch einer Ethno- graphie der Philippinen", 1882, S. 26. A. B. Meyer u. A. Schaden- berg: „Die Philippinen", Publ. Bd. VIII, Taf. V und Te.\t. J. D. E. Schmeltz und F. de Clerq: „I'^thnographisch Be- schrijring van de West en Nordkust van Nederlandsch Nieuw- Guinea", 1897, Taf. XXIX, No. 17. XV. Nr. 5. Natarwissenschaftliche Wochenschrift. 53 Sumatra, die Molnkken, das westliche Neuguinea und einige der nordöstlichen kleinen Sunda. Wir werden mehrere wichtige Varianten unterscheiden müssen, die aber alle durch die Eigenart des prognaten Griffes, also das Fehlen eines Griffcanales, zu einer Gruppe vereinigt werden. Unterschieden sind sie nur durch die Form der Fläche, die gerade und nach den beiden Seiten abfallend also dachartig, und dann noch nach unten und oben zurückgebogen sein kann, dann durch die Contur des Schildes, die rechteckig, sechseckig, oval etc. sein kann, endlich durch das Material und zum Schlüsse noch durch die Ausschmückung. Dass die Grösse eine bedeutende Rolle spielt, ist selbstverständlich. Die einfachste Gestalt wird dargestellt durch gewisse Schilde von Kisser und Allor. Das von letzterer Insel stammende, unter Fig. 7 abgebildete Exemplar trägt im Berliner Museum die Nummer Ic. 18798 (Slg. Jacobsen). Es ist eine leichte Holzplatte mit eingeritzten Mustern. Die Höhe beträgt 98 cm, die Breite 15 cm. Die Form ist genau rechteckig, und der Griff hebt sich von der sonst gleichmässig starken Platte ohne Griflfcanal ab. Ausser derartigen Schilden von den kleinen Sunda weiss ich als dieser Variante zugehörig nur Schilde von Borneo zu er- wähnen, die eine gerade Vorderfläche besitzen. Soweit mir bekannt, kommen sie nur an der Westküste dieser Insel vor, sind aus schwarzem Holze hergestellt und auf der Vorderseite in Schnörkeln und Linien bunt und sogar golden und silbern bemalt. Sie sind stets sechseckig, und daher oben unter einem Winkel von etwas über 90° zugespitzt, unten in einem Winkel von etwas unter 90°, so dass sie unten spitzer sind als oben. Die beiden langen Seitenconturen sind gerade, die 4 Conturen an den oberen und unteren beiden Enden aber gewellt. Das Exemplar in Leiden S. 360/5275, Prov.: West-Borneo misst bei 66 cm Höhe etwa 18 cm Breite. — Der geraden Aussenfläche zufolge kommen für diese Variante auch die zu- sammengesetzten Schilde von Borneo in Betracht, die aber wegen ihrer Zusammensetzung in eigener Gruppe ver- einigt werden mögen. Dieser seltenen einfachen Gestalt des — Schildes stehen die complicirteren der dachförmigen Vorderfläche, also die /\ -Schilde in grosser Uebermacht gegenüber. Zu diesen gehören 1. die breiten Schilde der Dajak und Toradjes, sowie schmalere von Ost-Celebes, 2. Schilde von Westneuguinea und endlich 3. die Schilde der Mo- lnkken. — 1. Der Litteratur*) zufolge ist der Dajakschild von 3 Fuss bis 3 Fuss 4 Zoll lang und 15 bis 20 Zoll breit. Die Maasse des in Fig. 8 abgebildeten Stückes sind : Länge von der oberen bis zur unteren Spitze 117 cm, Breite 37 cm, Länge der beiden Seitenränder 77 cm, der vier den oberen und den unteren Rand bildenden Conturen 27 cm, Länge des ganzen Griff'streifens wie unter a) ab- gebildet ca. 50 cm. Diese Schilde sind leicht dachförmig. d. h. die Wand des Schildes fällt von einer die obere mit der unteren Spitze verbindenden Firstiinie nach beiden Seiten sanft ab, sodass sie in einem Winkel von etwa 135° zu einander stehen. Aussen und innen sind die Schilde meist mit reichem Schmuck an Malerei, den Bildern von Mensehen verziert, aussen auch wohl mit Haaren. Eine grössere Festigkeit wird ihnen durch Rotang- streifen zu Theil, die in Durchbohrungen befestigt sind *) Viele Abbildungen zumal bei Hein: „Bildende Kunst der Dajak" und bei Ling Roth: „The Natives of Sarawak", Bd. II, London 1896, vgl. auch Bock: „Unter den Kannibalen von Borneo", 1882,8.219/20. Franz Junghuhn: „Die Battaländer auf Sumatra", Berlin 1874, Bd. II, S. 330 etc. etc. und von rechts nach links resp. umgekehrt über den Schild laufen. Wir wissen auch Bescheid über den eigentlichen Zweck dieses Schildes. Derselbe soll nämlich nicht die Speerspitze auffangen, sondern der Dajak pflegt die Speere mittelst seiner durch eine Drehung der Hand aufzufangen. Gleiche Schilde besitzen Völker im Innern von Celebes, doch sind diese reichlicher mit Bambus und Rotangstreifen geschützt. Grössenverhältnisse eines Toradjesschildes: Länge zwischen den Spitzen 120 cm, Breite 42, Länge der vier Conturen an den Enden 25 cm. Der Griff ist stärker und kürzer gebaut, die Firstkante mehr abgestumpft und die Seiten mehr gewölbt, sodass der Querschnitt nicht die Winkelform, sondern eine Bogenform hat. Auf Celebes existirt aber auch noch eine schmälere Form. Dies sind Schilde, die aus einem ganz leichten und weichen, aber zähen Holze be- stehen und deren dachförmige Wand einen weit kleineren Winkel besitzt. Maasse: z. B. Länge 106 cm. Breite au den Enden 10 em, in der Mitte 18 cm. Die Seiten- flächen sind also nach oben und unten abgewölbt. Der Winkel ist unter 90°. Kurzum, der Schild nähert sich der Molukkenform, • auch in dem Fehlen einer Zu- spitzung oben und unten und in der reichen Perlmutter- einlage die mosaikartig die Vorderfläche in Streifen schmückt, ausserdem Verzierung mit rothen, schwarzen und hellen Haaren. Starke Verwendung von Rotangstreifen. — 2. Schilde von Ron in der Geelvinkbai gehören ebenfalls hierher, wie die 2 Exemplare 48, 6 und 929, 777 u. a. in Leiden mich gelehrt haben.*) Die Länge verhält sich zur Breite etwa wie 5 zu 1. Oben ist zuweilen eine sitzende Figur ausgeschnitten in durchbrochener Arbeit. Die Vorderfläche ist bunt bemalt. Der Abfallwinkel der Seiten ist sehr gross. — Endlich haben wir 3. die grösste Familie der Molukkenschilde **) zu Iteschreiben. (Fig. 9.) Derselbe kommt von Flores (Larantuka. Berlin. Mus. Ic. 18241, lg. 67 cm) bis nach Neuguinea vor, von den Banggai- Inseln und Halmahera bis nach den Arn. Seine Grösse schwankt von 45 cm bis über l'/.j m Länge (auf Tanini- bar, BerUn. Mus. Ic. 20787), bei einer Breite in der Mitte von ca. 7—12 cm, au den Enden lO'/a— 20 cm. Die meist abgerundere Firstkante ist unten und oben nach hinten gebogen, sodass der Schild zurückgewölbt ist. Eine Zuspitzung der Enden fehlt. Die Seiten-Conturen sind in Bogenform eingeschnitten, wodurch es kommt, dass der Schild in der Mitte schmaler ist als an den Enden. Meistens wird ein leichtes Holz genommen. Eine Verfestigung durch Rotangstreifen konnte ich nicht beob- achten. Dagegen fallen alle möglichen Verzierungen auf. Auch reicht die Griff leiste, die im Allgemeinen schon oben am Schilde beginnt, nicht immer soweit. Zumal auf Halmahera kommt reicher Besatz der Vorderfläche mit kleineu Perlmutter- und anderen Muschelstücken, in neuerer Zeit auch Porzellanstückchen vor. Kükenthal er- wähnt für dieses Gebiet auch Benagelung mit Rotang- streifen, Martin eine solche auch für Seran, wo die Aus- schmückung mit Muschelmosaik sich nicht auf alle Stücke erstreckt. Auf Seran auch schom Verzierung des Schildes mit aufgeklebtem Papier neben Federschmuck. Dieser *) Gute Abbildungen bei Schmeltz und de Cerq, Taf. XXIX, No. 10 und XXVIII, No 10 nebst ausgiebiger Beschreibung eben- da S. 140/47. **) A. Bastian: „Die Molukkeu, Reiseergebnisse und Studien", S. 74. Bickmore S. 148 und 1.51. C. Ribbe: ,Die Aru-Inseln" in der Festschrift des Voreins für Erdkunde zu Dresden, 1888, S. 184. K. Martin: „Reisen in den Molukken", 1894, S. .58, 104, 191 192, 235, 28.5. Warnik 1899 i. A. H. d. R. Bd. VIII, S. 74. Küken- thal: „Im malajischen Archipel" 1896, S. 147, 197 etc. J. G. F. Riedel: „De Sluik- en Kroesharige Rassen Tuschen Selebes en Papua" 1886, Taf. 4, Buru etc. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. XV. Nr. 5. Papierschmncii ist auf den üliassern, die den kleinen Tan^- schild von dem Kriegsschild der Buruer ererbt haben wollen, allgemeiner. Die Verwendung des Schildes ist in den meisten Gegenden auf den Tanz beschränkt, zumal auf den Aru, wo neben ihm bei festlichen Aufzügen Models von Klevangs geschwungen werden, auf Luang, wo er beim Purkafeste auftritt (Berlin. Mus. Ic. 19 804.) und auch im Norden. Auf Tanimbar aber ist er ein „Kriegs- scliild zum Pariren". Bemerkenswerth ist, dass diese Schilde auf den Banggai eine ziemliche Breite haben und mit einem Mittelknauf versehen sind (z. B. Berliner Mus. Ic. 22038). Dieser letztere Schild erinnert an die merkwürdigen Schilde der Talaut (Leiden Mus. z. B. 653/1 und 561/20), deren Länge zur Breite sich wie 8 zu 1 ungefähr ver- hält. Auf V4 vom oberen Rande nimmt die sonst ziemlich gleichmässige Breite plötzlich ab und der Schild läuft nach einer kleinen Einbuchtung nach oben spitz zu. In der Mitte vorne findet sich ein starker Buckel, der von innen ausgehöhlt ist und so eine Art Griffcanal bildet, von dem wir aber sonst nicht sprechen dürfen, da ausserdem . der Griff frei heraus- gearbeitet ist. Es kommen für die — Schilde ausserdem noch zweierlei Eigenarten in Betracht, nämlich einmal die zusammen- gesetzten Schilde von Borneo und dann eine Form des Tabangan mit eingesetztem Griff. Diese Schilde von Borneo neigen durchgehends der ovalen Gestalt zu, von der sie hie und da durch Zuspitzung des unteren Endes und Abflachung des oberen (z. B. Berlin. Mus. Ic. 713 über 60 cm lang „in Mittel- und Süd-Borneo" gebräuch- lich) oder nur Abflachung des oberen Randes (z. B. Berlin. Mus. Ic. 10 Nordwest-Borneo) abweicht. Die richtig ovalen Schilde besitzen entweder Rotangwand oder Holzwand. Ein solcher Schild mit Holzwand in Leiden ist bei einer Länge von ca. 74 cm etwas über 30 cm breit (461/30) und stammt aus West-Borneo. Der äussere Rand ist von einem starken Rotangstreifen eingefasst. Der ganzen Längsachse nach ist ein etwa dem Drittel der grössten Breite entsprechendes Holzbrett vorn auf- gebunden, dem hinten ein ebensolches, nach oben und unten spitz zulaufendes entspricht. Das hintere ist das Griffbrett von der Form wie Fig. 3, nur ist der Griff- streifen in Relief vom oberen bis zum unteren Ende ge- arbeitet. Dagegen besteht die Wandung des Berliner Schildes Ic. 9, Central-Borneo, Länge ca. 55 cm, Breite ca. 18 cm, aus einer Flechtwerkplatte, der aber wie bei dem vorigen Schilde ein Rand von Rotang, ein senk- rechtes Streifenbrett wie eine Mittelrippe vorn und ein ähnliches Brett mit dem erhabenen Griffe hinten nicht fehlt. Diese Schilde müssen unbedingt der — Form zugezählt werden, bedeuten aber dennoch in Folge der Zusammensetzung im Wesentlichen Abänderung. Die Rotangflechtplatte erinnert an vormalajische Vorkomm- nisse. — Weiter gehört in die Gruppe der —-Schilde Berlin Ic. 18797, ein Tabangansehild von Allor. Der- selbe ist länger (nämlich 58 cm lg.) als der in Fig. 5 abgebildete Tabangan ui^l in der Mitte auch breiter und flächenhaft gewölbt gebildet, wodurch die Gestalt sich der Fig. 31 nähert. Wie das andere Stück ist dieser Schild nach unten und oben zugespitzt und oben mit einem geschnitzten Kopf versehen, ganz abweichend aber ist der Griff gebildet, nämlich genau wie bei. Fig. 3a. Die Wand ist mit zwei übereinanderliegenden Löchern ver- sehen und in diese der gekrümmte und sonst ganz regel- recht senkrecht stehende, mit Lederstreifen umwickelte Griff hineingesetzt. Es ist also genau das Prinzip des jüngeren australischen Rindenschildes. Ausser den beschriebenen und den später zur Be- schreibung gelangenden Holzschilden asiatischer Verwandt- schaft kommen in Indonesien nun noch eine ganze Reihe vor, über deren Zugehörigkeit sich wegen mangelhafter Schilderung der Reisenden und wegen Mangels an musealem Uutersucbungsniaterial ich mir kein ürtheil zu fällen wage. So führten auch die Bewohner der Andamanen Schilde, wie die von Engano. Letztere waren aus festem Holz gemacht, 5 — 6 Fuss hoch und 2 — 3 Fuss breit und auf der Aussenseite mit Schnitzarbeit und Malerei verziert. Etwas über der Mitte waren zwei Löcher angebracht, um den annähernden Feind dadurch beobachten zu können, ohne dass der dahinter stehende genöthigt war, sich bloss zu geben. Man brauchte diese Schilde nur als Brustwehr bei der Vertheidigung von Häusern uud Dörfern, da sie zu schwer waren, um ins Feld geführt werden zu können. Die von Forbes und Jacobsen er- wähnten Timorlaut-Schilde gehören wohl zu der Molukken- gruppe, aber weder die hölzernen Schilde Sumatras noch die Timors können irgend einer Gruppe ohne Weiteres zugetheilt werden.*) d. Polynesien. Weder Mikronesien noch Polynesien haben irgend etwas, was man mit Recht einen Schild nennen könnte.**) Dagegen kommt für diese Gegenden eine verwandte wichtige Erscheinung häufig vor. Die Gilbert-Insulaner***) haben unter anderem Keulen an Länge bis über 1,18 m, die an beiden Enden zuge- spitzt sind und zum Abwehren der Speere dienen sollen. Auch giebt es ja auf den gleichen Inseln Wurfkeulen, die mit einem langen Stocke abgeschlagen werden. Die Hawaier kannten ebenfalls keinen eigentlichen Schild. Statt dessen diente ihnen der Wurfspiess, mit dessen unterem Ende sie mit bewundernswürdiger Geschicklich- keit die Streiche des Gegners und sogar Schleudersteine parirten. Vankouver beobachtete solche Kampfesweise gelegentlich eines Gefechtes, das die Hawaier ihm zu Ehren aufführten. In der linken Hand hielten sie ihre Speere, mit denen sie die feindlichen parirten, mit der rechten fingen sie die abgeschickten auf, und warfen sie sogleich mit grosser Geschicklichkeit wieder zurück. Und ähnlich wird ein Gefecht zweier Tahitier geschildert, die beide mit Speeren und Keulen bewaffnet waren. Der eine that den Angriff, und der andere vertheidigte sich. Der erste schwang den Speer und warf ihn oder stiess nach seinem Gegner damit, indem er zm- gleichen Zeit seine Keule gebrauchte. Derjenige, welcher sich ver- theidigte, steckte die Spitze seines Speeres in die Erde in einer schrägen Richtung, sodass der oberste Theil über seinem Kopfe hervorragte, und indem er das Auge seines Feindes beobachtete, fing er seine Schläge und Stösse durch die Bewegung des Speeres auf, und so bestand die Geschicklichkeit hauptsächlich in der Vertheidigung. Diese Kunst des Parirens des Speeres mit dem Speere wurde auch auf den anderen polynesischen Inseln geübt. Bei einem derartigen, von Turner für Samoa geschilderten Kampfspiele stand ein Mann in einer Entfernung abseits uud erlaubte anderen den Speer nach ihm zu schleudern. Er hatte keinen Speer, wohl aber eine Keule, und er legte *) Rosenberg: S- 11, 59, 210, 350. Jacobsen: „Bandameer" S. 131/132. Henry 0. Forbes: „A Natiiralists Wandering in tlie Eastern Arcliipelago, 1878— 1S83". 1885, S. 314/315. Rienzi: „Oceanien" Band I, S. 125. Junghiihn : „Battaliinder", Band II, S. 320. *-^) James Edge-Partington bildet im: „Album of the Weapon, Tools, Ornaments ets of the Natives of the Pacific Islands" : einen Ceremonialschild mit Federschmuck von Aitutaki ab, dessen prognater Griff das Recht der Bestimmung auf — ,- Form giebt ; das ist jedoch eine sehr vereinzelte Thatsache und die Abbildung recht mangelhaft. ***) O. Fisch: „Ethnologische Erfahrungen und Belegstücke aus der Südsee". Wien 1893, S. 311. Edge Partington Theil II, Taf. 95, No. 12. XV. Nr. 5. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 55 eine ausserordentliche Gewandtheit an den Tag, mit dieser die heranschwirrenden Speere wegzuschlagen.*) Diese charakteristische Waflenübung erstreckt sich von Polynesien ziemlich weit über das östliche Melanesien. Guppy betont, dass die oben blattförmig gebildeten und gekrümmten Keulen der vSalomoncn nicht nur zum Angritf, sondern auch für die Vertheidigung benutzt werden, und Codrington sagt, dass die Eingeborenen von Sau Cristoval, die vor Allem Speerkänipfer sind, keine Schilde benutzen, sondern die feindlichen Speere mit langen, gekrümmten Stäben abwehren. Cook und Forster fiel es schon auf, dass die Bewohner der Neuhebriden mit ihren Keulen, die auf Tanua eine flammenartige Schneide hatten, die Wurfpfeile der Gegner parirten, ganz ähnlich den Ta- hitiern.**) Und schauen wir uns nun in Indonesien um, ob wir von solchen Angaben nichts finden, so entdecken wir, dass die Lanipongs sich im Kriege eines laugen, mit einem Kieselsteine besetzten Hambusstockes bedienten, mit dem sie feindliche Lanzenstiche abwehrten, und die JMakassaren entweder mit Schild und Kri oder mit zwei Kris fochten, mit deren einem sie die gegnerischen Streiche auffingen und mit deren anderem sie selbst Stösse versetzten.***) — Diese WaÖenkunst wurde also auf der ganzen Nordachse ge- übt. Wir sind berechtigt, auf sie einen besonderen Werth zu legen, zumal wenn wir die Bemerkungen über die Verwendung der nigritischen Schilde berücksichtigen, wie dies in dem folgenden Abschnitte geschehen soll. e. Geographische und formale Entwickelung der nigritischen Schildformen. Wir haben vom nigritischen Schilde somit im Ganzen 4 Formen kennen gelernt, nämlich einmal die ursprüngliclie Form, dann die r^-Form, die — Form und endlich den einfachen Stock wohl als Kümmerform. Es hat sich ganz klar erwiesen, dass dieser Schild unbedingt der Südachse angehört. Fragen wir nach der Gegend, wo die wenig veränderten Grundformen noch erhalten sind, so muss mit dem Hin- weis auf Neuholland geantwortet werden. Denn abge- sehen davon, dass Indonesien eine wahre Uebermenge von vergnüglichen Umbildungen hervorgebracht hat und noch heute besitzt, fehlt vor Allem bis auf vereinzelte Vorkommnisse auf den kleinen Sunda die ursprüngliche Form (Fig. 1 und 5) und wir vermögen wohl in Neu- holland, nicht aber in Indonesien die Entstehung der *) George Vancouver: „Reisen nach dem nördlichen Theil der Südsee 1790—1795". Bd. I, S. 335. J. R. Forster: „Uebei- setzung der Tagebücher der Entdeckungsreise nach der Südsee 1776-1780", 1781, S. Ib7. Bastian: „üceanieu" S. 16. Rienzi: „Oceanien" Bd. II, S. 131. George Turner: „Samoa an hundred years ago and long before." 1884, S. 127, vergl. auch Cook. Forster etc. **) H. B. Guppy: „The Salomon Islands and their Natives", London 1887, S. 75. R. H. Codrington: „The Melanesians" 1891, S. 305. Bastian: „Oceanien" S. 90. ***) Du Bois in der Tijdschrift 1852 1, S. 318. Allg. Hist. d. R. Bd. XI, S. 486/487. Schildfläche, „der Wand", erkennen. Bei der ur- sprünglichen Form ist von einer Wand nicht zu sprechen. Betrachten wir nämlich die zweite der beiden ursprüng- lichen Formen auf Neuhollaud, die ich zwar nicht in einer Total-Ansicht, in la aber wenigstens in einem Querschnitt durch die Mitte vorstelle, so ersehen wir sofort, dass diese Schilde ursprünglich mehr zur Vertiefung als zur Verbreiterung neigen. Aber wenn der nigri- tische Schild ursprünglich kein Flächenprincip besitzt, wie kommt es dann zur Fläche? Ich möchte die Frage mit einem Hinweis auf das Material beantworten, das Fig. 3 ins Leben rief. Die Herstellung der Watfe aus Baumrinde mit angefügtem Holzblock zur Ausführung des Griöes brachte anscheinend die Fläche hervor bei der — Gruppe. Ich will aber ein „Anwachsen" der Breite der ursprünglichen bis zur ^^-Form nicht in Abrede stellen. Es ist immerhin zu bemerken, dass auch in Indonesien die Entwickelung zur Fläche keine ununter- brochene ist. Die bisweilen grösste und verbreitetste Gruppe ist diejenige mit der dachartigen Eückbiegung der durch eine senkrechte Mittelfirste in zwei Flächen getheilten Wand. Auch hier wieder dringt die Kante durch und tritt das Flächenprinzip zurück. Wir müssen den Grund hierfür im Wesen des nigritischen Schildes, in seinem Zwecke aufsuchen und sehen uns demnach nach Notizen über seine Anwendung um. Auf Neuholland dienen die ursprünglichen und die r~A- artigen Schilde nur im Einzelkampf mit Keule, Buraerang und Holzschwert, die — F'orm aber gegen den Speerwurf und in der Schiacht. Die ursprüngliche Form in Indonesien ist der Tabangan, der dazu benutzt wird, die feindlichen Pfeile abzuwehren. Der Dajak verwendet seinen breiten, zu solchem Verfahren unter allen noch weitaus am besten geeigneten Schild nicht zum Auffangen der Speerspitzen, sondern wir hören, dass er die Speere mittelst des Schildes durch eine Drehung der Hand ab- zulenken pflegt. Die Bewohner der Molukken können mit ihrem Schilde gar nichts anfangen als pariren, und an alles das reiht sich die Bemerkung an, dass sogar Stock und Schwert als Schutzwatt'c in Indonesien zur Anwen- dung gelangen, wenn diese Kampfesweise in den west- lichen Gebieten vielleicht auch nicht so blüht als in den westlichen, in Mikro-, Poly- und dem östHchen Melanesien. Damit wird die Sache ganz einfach. Der nigritische Schild ist als Parirschild entstanden und kehrte mit seinen Eigenarten auch immer wieder zu diesem Zwecke zurück. Dass er sich in dem mit Eisenwaften reich ausgestatteten Indonesien ausserordentlich stark umgebildet hat, kann nicht irre machen. Dass er aus Indonesien nicht voll- kommen nach Polynesien mitgenommen wurde, sondern nur in der Kampfesweise eine verwandte Erscheinung über die Nordachse entsandt hat, darf ich aber wohl damit begründen, dass der Seekrieg die Führung des Schildes nicht recht gestattet. (Schluss folgt.) All den Nistplätzeii der Eismöve. (Pagophila ebiirnea). — Der schwedischen „Antarctic"- Expedition nach Spitzbergen und König Karls -Land im Jahre 1898 gelang es, die Nist- und Brutplätze der Eismöve auf König Karls-Land und Neu-lsland zu entdecken. Im selbigen Jahre fand Kapitän Kjeldsen sie auf Franz- Josephs-Land. Die folgenden Mittheilungen, welche der Zoologe der Antarctic- Expedition Gustav Kolthoff, einer der besten Kenner der nordischen Vogelwelt, in seinem im Erscheinen begrifi'euen Werke: „Ür djurens lif"*) giebt, dürften darum Anspruch auf allseitiges Interesse erheben, umsomehr als die Eismöve zuweilen als Winter- gast bei uns erscheint. „Wenn der Nordpolfahrer soweit nach dem Norden vorgedrungen ist, dass er den offenen und eisfreien Theil des Polarmeeres hinter sich gelassen hat, wenn er soweit *) Stockhohii : Skoghind. 2U Hwfte a 50 Uere. ^m 56 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. XV. Nr. 5. gekommen ist, dass er seine Hoffnungen, weiterzukommen, scheitern sieht, und vor ihm nur das ewige Eis sich aus- dehnt, dann hat er oft Gelegenheit,, einen schneeweissen Vogel über dem Eise kreisen oder auf einem schwimmen- den Eisberge sitzen zu sehen. Es ist die Eismöve. Dort oben am geheimnissvollen kalten Pole ist die Heimath dieses Vogels, der wahrscheinlich der nördlichste unter allen Vögeln der Erde ist. Kein Wunder, dass das Interesse der Nordpolfahrer sich in erhöhtem Maasse diesem Vogel zugewendet hat. Ein Vogel, der unter so merkwürdigen Verhältnissen lebt, wird übrigens bei jedermann Interesse finden, und ich will darum mittheilen, was ich über ihn weiss. In Grösse und äusserer Erscheinung stimmt die Eis möve am meisten mit einer gewöhnlichen Sturmmöwe (Larus canus) überein. Das Gefieder ist weiss, der Schnabel gelb, die Füsse sind schwarz und die Augen schwarzbraun. Sie zeigt einen kräftigeren Bau als die übrigen Möven; der Körper ist kürzer und dicker, die Flügel sind kürzer und breiter, die Beine und Füsse gröber und letztere mit bedeutend grösseren und stärkeren Krallen versehen. Die Eismöve hat das Gebiet des ewigen Eises rund um den Pol in Besitz und geht wahrscheinlich soweit nach dem Pole hinauf, als offenes Wasser zwischen den Eisschollen zu finden ist oder als Eisbären, Walrosse und Seehunde leben können. Zur Sommerzeit verirrt sie sich äusserst selten südlich über die Grenze des Treibeises, und wahrscheinlich verlebt sie auch in der Regel den Winter dort oben. Es erscheint in der That wie ein Wunder, dass die Eismöve in dem stetigen Dunkel des laugen und strengen Polarwinters existiren kann; aber da sie nur äusserst selten zu dieser Jahreszeit in südlicheren Breiten ange- troffen wird, muss man annehmen, dass der grössere Theil im Eismeere überwintert. Die Eismöve ist übrigens nicht der einzige Vogel, der den Winter so hoch oben im Norden verlebt. Fast noch merkwürdiger erscheint es, dass das SchDeehuhn auf Spitzbergen existiren kann und hier im Dunkel bei Schnee und Kälte seine Nahrung aus dem dürftigen Pflanzenreiche zu suchen vermag. Eine geringe Zahl von Eismöven zieht jedoch zur Winterzeit nach dem Süden, und vereinzelt haben sie sich sogar nach Schweden und an die Ostsee verirrt. Draussen im Treibeise leben die Eismöven zerstreut. Selten siebt man sie in Gesellschaft und in Schaaren nur dann, wenn sie sich um einen Kadaver zusammenfinden. Niemals segelt sie, wie der Eissturmvogel, in geringer Höhe über dem Meeresspiegel, niemals sieht man sie, wie andere Möven, hoch oben in der Luft ihre Kreise ziehen. Mit leichten Flügelschlägen fliegt sie in einer Höhe von 20 — 30 Metern leise vorwärts, indem sie nach Nahrung ausspäht, und dass sie währenddessen in erstaunlichem Grade ihre Augen mit sich hat, habe ich oft beobachten können. Sobald wir einen auf dem Eise liegenden Seehund erlegt hatten, kamen die Eismöven sofort heran und ver- sammelten sich um das todte Thier, selbst wenn vorher auch kein einziger Vogel zu erblicken gewesen wäre. Die Vögel schienen sich hauptsächlich durch die Blutflecke leiten zu lassen und kamen oft aus weiten Entfernungen direct herangeflogen. Entweder sieht man die Eismöve über dem Eise da- hinfliegen oder auf einer Eisscholle sitzen. Sehr selten legt sie sich auf den Meeresspiegel, und es sieht dann beinahe aus, als furchte sie sich vor einem Bade in dem kalten Wasser. Als ich bei Spitzbergen vom Fahrzeuge aus den Möven einige Speckstücke zuwarf, bemühten sie sich, dicht über dem Wasser dahinfliegend, die Stücke mit dem Schnabel zu erhaschen. Nur in ein paar Fällen gelang es mir zu sehen, wie sie auf einen Augenblick sich auf das Wasser niederliessen. Die Eismöven führen im Eismeere ungefähr ein Leben, wie die Geier in den Wüsten des Südens. Weit umher streifen sie, um todte Thierkörper zu suchen, und verzehren dieselben mit gleich gutem Appetit, mögen sie auch noch so alt oder bereits in Verwesung übergegangen sein. Sie folgen dem Eisbären auf dessen Raubzügen, um die Ueberreste von seinen Mahlzeiten zu erhaschen, und zeigen sich dabei äusserst gefrässig. Als die „Sofia" 1883 über die Baffins-Bai segelte, war mehrere Tage hindurch keine einzige Eismöve zu sehen. Aber eines schönen Tages erblickten wir drei Bären, und um diese hatten sich Eismöven versammelt. Als ich auf einen der Bären zuruderte, um ihn zu er- schiessen, schwebten die Vögel dicht über meinem Kopfe, und kaum war der Bär erlegt, und kaum färbte das Blut das Eis roth, so schlugen sie sich dort nieder und Hessen sich kaum von dem todten Thiere vertreiben. ' Reichliche Mahlzeiten gewähren diesen Vögeln die Seehundskörper, welche die Jäger auf dem Eise liegen lassen. Auf König Karls Land, wo die Eismöven sehr zahlreich sind, sah man sie mit Gier von alten, verwesten Bärenkörpern fressen, und wenn wir einem Bären den Pelz abzogen, schwebten die Eismöven imaufhörlich dicht über unseren Köpfen. Während die Eismöve frisst, steht sie oft auf dem Kadaver oder auf dem Stück Speck, das sie gefunden hat, und sie benutzt ohne Zweifel ihre starken, ge- krümmten und scharfen Klauen, um die Nahrung festzu- halten, während sie Stück um Stück mit dem Schnabel davon abhackt. Obwohl sie stets in Frieden und Eintracht mit anderen Vögeln zu leben scheint, hat es doch den Anschein, als hätten diese einen gewissen Respect vor ihr. So sah ich eines Tages die Bürgermeistermöve sich mehrfach unter einen Kadaver zurückziehen, um den Eismöven Platz zu machen. Als ich, um Vögel anzulocken, am Ufer des nördlichen Spitzbergens Seehundsspeck auslegte, sammelten sich dort Eismöven in grosser Zahl. Mit neidischen Blicken sassen die Bürgermeistermöven daneben als stumme Zuschauer, griffen aber nicht zu, bevor sich die Eismöven entfernt hatten. Dessenungeachtet habe ich nie die Eismöven mit anderen Vögeln in Streit ge- rathen sehen. Es kam mir so vor, als hätte die grosse und starke Bürgermeistermöve aus purer Höflichkeit gegen die kleine Eismöve derselben den Vortritt bei den Mahl- zeiten gelassen. Dass die Eismöve jedoch nicht ausschliesslich von Aas lebt, wird dadurch bewiesen, dass ich auf König Karls-Land ein Exemplar erlegte, welches einen recht grossen Polardorsch verschlungen hatte. In anderen Fällen sah ich die Eismöve und eine grosse Anzahl von Stummelmöven damit beschäftigt, kleine Dorsche zu fischen, welche in dichtgedrängtem Zuge in der Nähe des Ufers standen. Es dauerte lange, bevor man in Erfahrung brachte, wo die Eismöve nistete, und die Eier und die Jungen derselben waren ganz unbekannt. Schliesslich fand man ihre Nester auf steilen Bergen des nördlichen Spitz- bergens und brachte von dort sowohl Eier als Junge mit. Als wir während der Polarexpedition des Jahres 1898 am 4. August auf König Karls-Land ankamen, sahen wir zahlreiche Eismöven am Ufer entlang fliegen oder auf gestrandeten Eisblöcken sitzen. Wir besuchten zuerst die westlichste der beiden Inseln dieses geheimnissvollen Landes, das Schwedische Vorland, und wussten im vor- aus, dass die Eismöven auf der östlichsten Spitze der- XV. Nr. 5. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 57 selben, dem Kap Weissenfels, nistend gefunden war. Der gewandte Arzt der Expedition, Dr. Lewin, der kühn auf den steilen Abhang des Felsens hinauskletterte, entdeckte dort zuerst ihr Nest mit Eiern und Jungen. Als ich am folgenden Tage dorthin kam und über die senkrecht zum Meere abfallende Felswand hinabsah, flogen einige Eismöven, ängstlich „pirr" oder „tirr" schreiend, unter mir hin und her. Oft setzten sie sich auf die Absätze des Abhanges oder auf den Rand des- selben in meiner nächsten Nähe, und sie schienen mit den Stummelmöven in gutem Einvernehmen zu leben, welche dort in grösserer Anzahl nisteten. Als ich, auf dem Bauche liegend, über den Abhang hinaussah, entdeckte ich einige Meter unter mir ein aus grünem Moose gebautes, ziemlich grosses Nest und in demselben eine ganz ruhig brütende Eismöve. Auf anderen Stufen waren mehrere ähnliche Nester, von denen die meisten jedoch leer waren; aber in einigen lagen halbbcfiederte Junge zu zweien in jedem Neste. Ich machte die überraschende Beobachtung, dass einige der Jungen aut den blossen Altsätzen lagen, wo kein Nest zu finden war und wohin die noch nicht flüggen Jungen unmöglich von den auf anderen Stufen liegenden Nestern gehen konnten. Die Eltern müssen also zuweilen entweder die Jungen aus den Nestern entfernen oder auch die Nester forttragen. Eine andere Beobachtung, welche späterhin erwähnt werden wird, lässt darauf schliesseu, dass die Eismöven wirklieh aus der einen oder der anderen Ursache ihre Jungen aus dem Neste forttragen. Da die Jungen der Eismöve im Halbdaunenkleide bisher unbekannt waren, war es für mich von besonderer Wichtigkeit, einige Exemplare zu erlangen. Dieselben die steile Felswand heraufzuholen, war jedoch keine leichte Sache; aber in solchen Fällen müssen alle Scbwierigkeiteu überwunden werden, und es gelang schliesslich, einige Exemplare dieser seltenen Jungen zu fangen. Zwei derselben und ihre Mutter stehen jetzt nebst einem Neste in der Eismeergrotte im Biologischen Museum in Stockholm. Während dieser Arbeit verliess der schon erwähnte, brütende Vogel sein Nest, und wir entdeckten in dem- selben ein Ei. Das Nest lag jedoch sehr weit nach unten, sodass das köstliche Ei keineswegs leicht zu erlangen war. Es gelang jedoch schliesslich in der Weise, dass mein Gehülfe, an ein Seil gebunden, welches festgehalten wurde, ein Stück in einer Spalte des Felsens hinab- kletterte und das Ei mit einem Insektenfangnetz, welches ich an einer Stange befestigt hatte, heraufholte. Aus meinen Beobachtungen am Nestplatze der Eis- möve scheint hervorzugehen, dass dieser Vogel erst später im Sommer heckt, dass er sein Nest aus Moos baut und darin 2, zuweilen — vielleicht in einem Nach- gelege — nur 1 Ei legt. Die Eier sind olivengrau mit grossen, dunkelbraunen und kleinereu, heilgrauen Flecken. Auch auf der östlich von Schwedisch Vorland liegen- den König Karls-Insel sah ich die Eismöven in grosser Zahl zusammen mit Stummelmöven hecken, theils auf der Südseite vom Sjögrens Berg, theils an der Westseite vom Retzius-Berg. Auf Grund der losen Beschaffenheit dieser Berge dürften jedoch die dortigen Nestplätze unzugänglich sein. Auch auf der östlich vom König Karls-Land liegenden Abels - Insel, welche von Lerners Deutscher Expedition besucht wurde, scheint die Eismöve in grosser Zahl zu nisten, und die Nester liegen hier auf dem kahlen Erdboden. Am 18. August sahen wir eine Insel, mit Eis bedeckt, sich aus dem Meere erheben. Es war die sogenannte Weisse Insel oder Giles-Land. Zwischen treibenden Eis- schollen kreuzten wir an dieselbe heran und segelten Stunde auf Stunde rund um die Küste derselben, ohne anderes als Eis sehen zu können. Freilich flogen Eis- möven um dieselbe herum, aber wer hätte glauben können, dass hier der Wohnplatz eines Vogels sei, — auf einem Lande, von dem mehr als neun Zehntel unter ewigem Eise ruhen? Diese Eismöve hatte jedoch hier ihr Heim. Nachdem der grössere Theil des Landes umsegelt war, sahen wir einen kleinen Theil desselben, den süd- westlichen Theil, frei von Eis. Ein Boot wm-de hinab- gelassen, und mit Professor Nathorst und einem anderen Kameraden ruderte ich ans Land. Am Uufer lagen Eis- blöcke durcheinander, und wir mussten eine Strecke an der Küste entlang rudern, bevor es uns gelang, zwischen dieselben hineinzudringen, welche zu phantastischen Formen aufgethürmt waren. In der Nähe des Landes war das Wasser seicht, und dort, innerhalb des Eises, war es ruhig wie in einem Hafen, sodass wir an dem hohen Ufer bequem anlegen konnten. Der kleine Theil der Insel, welcher hier eisfrei war, war niedrig und be- stand einzig aus Felsen, Geröll und grobem Kiese und war mit einer dünnen Schicht neu gefallenen Schnees bedeckt. Als wir ans Land stiegen, kamen Eismöven, weiss wie das von ihnen bewohnte Land, in Schaaren auf uns zugeflogen. Zu Hunderten sassen andere oben an den Bergabhängen und auf dem Kiese. Da mir daran gelegen war, die Nester dieser Vögel zu finden, eilte ich an Land zu kommen. Es dauerte nicht lange, bevor ich das eine Nest nach dem anderen entdeckte, aber alle waren leer. Der Erdboden, auf dem wir standen, war vollkommen steril. Die Nester der Vögel waren jedoch aus grünem Moose hergestellt, das also auf der Insel zu finden sein musste. In grosser Zahl bedeckten die Nester den Erdboden; aber wo steckten die Jungen'? Dass diese noch nicht den Nistplatz ver- lassen haben konnten, ging zum Theil daraus hervor, dass wir während unserer ganzen Fahrt noch keinem einzigen ausgeflogenen Jungvogel begegnet waren, zum Theil daraus, dass die alten Vögel in Schaaren bei den Nestern verweilten und bei unserer Ankunft nicht entflohen. Jedes Nest war mit einer dünnen Schicht Schnees bedeckt, und überall im Schnee waren Spuren der alten Vögel sichtbar, aber nirgends deutete eine kleinere Spur darauf, dass Junge sich hier seit dem Schneefalle auf- gehalten hätten. Wenn Raubthiere sich auf der Insel gezeigt hätten, hätte man den Verdacht hegen können, dass die Jungen denselben zur Beute gefallen wären. Aber weder Spuren von Bären noch von Füchsen Hessen sich entdecken. Zudem hätten höchst wahrscheinlich alsdann die alten Vögel, wie gewöhnlich in solchen Fällen den Nistplatz verlassen. Das Eis begann dem Lande zuzutreiben und drohte den Weg zum Fahrzeug zu versperren. Wir mussten darum schon nach ein paar Stunden an die Rückkehr auf die „Antarctie" denken, welche uns weit draussen auf dem Meere erwartete. Hätte uns etwas mehr Zeit zur Verfügung gestanden, so wäre es uns vielleicht möglich gewesen, hinter das Geheimniss der Eismöven zu kommen. Jetzt aber kann man nur Vermuthungen darüber austeilen, wie es sich mit den Jungen derselben verhielt. Mir scheint es am wahrscheinlichsten, dass die Vögel aus einem oder dem andern Anlass ihre Junge aus den Nestern an einen anderen Platz gebracht haben. Möglicher- weise waren sie irgendwo in der Nähe, vielleicht auch weiter ins Gebirge hinauf verborgen. Es ist nicht un- möglich, dass die" alten Vögel durcli ihr Verhalten unsere 58 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. XV. Nr. 5. Aufmerksamkeit von dem Platze ablenken wollten, wo sie ihre Jnnge verborgen hielten. Merkwürdig ist, dass während der ganzen Fahrt nicht mehr als zwei ausgeflogene Eismövenjunge bemerkt, und das erste, welches beobachtet wurde, wurde am 25. August bei Grey Hock auf Nord-Spitzbergen erlegt. Die' Eismöve unterscheidet sieb in mehreren Be- ziehungen von den eigentlichen Möven und wird darum auch jetzt als besondere Gattung angesehen. Unter anderem weicht sie dadurch ab, dass die Jungvögel in ihrem ersten Federkleide nicht grau sind. Sie haben einzig einige dunkle Flecke am Vordertheile des Kopfes sowie an den Flügeln und auf dem Rücken und bekommen schon nach dem ersten Jahre ein ganz weisses Gefieder." A. P. Lorenzen. Die japanischen Tanzmäuse, welche eine albinotische, verschieden gefärbte Spielart der gewöhnlichen Hausmaus darstellen, zeichnen sich durch ihre fast unablässig aus- geführten drehenden oder „tanzenden" Bewegungen aus. Die Neigung zu diesen Drehbewegungen ist so gross, dass sie beim Laufen die gerade Richtung niemals innehalten, sondern stets sich im Zickzack vorwärts bewegen, wobei sie nach der Gegend, der sie zustreben, schnüffelnd den Kopf erheben. Plötzlich wird dann häufig der Lauf unter- brochen, und die Tbiere fangen an, sich im Kreise herum- zudrehen, und zwar mit solcher Schnelligkeit, dass man die wirbelnden Bewegungen kaum mit den Augen zu verfolgen vermag und dass im Käfige der Thiere etwa vorhandene Sägespäne u. dergl. nach allen Richtungen hinweggeschleudert werden. Befindet sich zufällig ein einzelner Gegenstand, etwa ein Pfahl, ein Stock oder dergl., in der Nähe des Thieres, so wird die wirbelnde Bewegung nm diesen Gegenstand als Mittelpunkt aus- geführt, anderenfalls dreht sich das Thier um sich selbst im Kreise herum. Auch mehrere Tauzmäuse können sich in dieser Weise mit rasender Geschwindigkeit drehen, wobei sich eine dicht an die andere schliesst, so dass jedes Thier mit der Schnauze das Hintertheil des Vordermannes berührt. Bei den einzeln wirbelnden Mäusen findet die Drehung häufig in einem so kleinen Kreise statt, dass die Schnauze des Thieres die Schwanzwurzel desselben zu berühren scheint. Plötzlich findet dann eine Unterbrechung des Kreislaufes statt, worauf die Mäuse ihre kreisenden Bewegungen mit derselben Geschwindigkeit in entgegen- gesetzter Richtung wieder aufnehmen. Dies gilt sowohl für mehrere, als auch für eine einzelne „tanzende" Maus. Auch beim Fressen und Saufen wie überhaupt bei allen übrigen Thätigkeiten unterbrechen die Thiere nur auf sehr kurze Zeit ihre unruhigen Bewegungen. Höchst wahrscheinlich ist diese Ruhelosigkeit, wie B. Rawitz im Archiv für Anatomie und Physiologie, Physiol. Abth. 1899, 3. und 4. Heft („Das Gehörorgan der japanischen Tanzmäuse") nachweist, auf die Taub- heit der Mäuse zurückzuführen, welche die wehrlosen und schüchternen Thiere zur Sicherung ihrer Existenz nur auf den Gesichts- und Geruchssinn anweist. Dass die Mäuse wirklich taub sind, wurde durch Gehör- prüfungen mittelst lauter und hoher Töne bewiesen, auf welche andere Mäuse mit normalem Gehör deutlich rea- girten, während die Tanzmäuse vollkommen gleichgültig blieben. Ist somit die Unruhe sowie das beständige Schnüffeln und Sichern der Thiere durch ihre Taubheit erklärt, so fragt es sich, auf welchen anatomischen That- sachen die letztere sowie die drehenden Bewegungen be- ruhen. Eine Untersuchung der Bogengänge ergab eine hoch- gradige Veränderung derselben und der übrigen Labyrinthabschnitte insofern, als statt der normalen drei Bogengänge überhaupt nur ein einziger, nämlich der obere Bogengang als regelmässig entwickelt bezeichnet werden kann. Der hintere und der äussere Bogengang ist verkrüppelt, und auch die Art und Weise ihrer Verbindung unter einander entspricht ebensowenig den regelrechten Verhältnisseh, wie die Mün- dungen der Ampullen, der Bau des Utriculus und Sacculus und die weite Verbindung derselben unter einander sowie mit der Schnecke. Letztere zeigte die Erhaltung aller Windungen des Corti'schen Organes, dagegen eine starke Entartung der Hörzelleu, der Zellen des Ganglion spinale und der zugehörigen Nervenfasern. R. glaubt die Degeneration der zuletzt genannten Elemente auf die weite Verbindung zwischen dem Utriculus und der Scala tympani zurückführen zu dürfen, durch welche die Endolymphe aus den Bogengängen in die Schnecke mit Leichtigkeit hinüberströmen kann, sodass sie durch ihren Druck auf das Corti'sche Organ die Schwingungsfähigkeit desselben aufhebt. .Hierdurch werde bei dem lebhaften Temperamente und den häufigen Kreis- bewegungen der jugendlichen Thiere in Folge der steten Functionsstörungen des Cortischen Organes sich allmählich eine Atrophie desselben geltend machen, welche die Taub- heit der bei der Geburt vielleicht mit Hörvermögen be- gabten Thiere mit der Zeit zur Folge hat. Für die Richtigkeit dieser Auffassung wird der Umstand an- geführt, dass das Corti'sche Organ überhaupt zur Ent- wickelung gelangt. Wenn nun auch diese Erklärung der Entartung der Schneckenelemente als Hypothese bezeich- net werden muss, da nicht der Nachweis geführt wurde, dass neugeborene Tanzmäuse auf Töne reagiren, so ist andererseits als die Ursache der Drehbewegungen ohne Zweifel der anomale Bau der Bogengänge anzu- ehen. Das „Tanzen" der Mäuse entsteht dadurch, dass dieselben bei der Ausführung von Bewegungen nicht im Stande sind, die beabsichtigte geradlinige Richtung inne- zuhalten, da sie in Folge der anomalen Bogengänge zur Ausführung von Kreisbewegungen getrieben werden. In diesem Befunde liegt die Bedeutung der Rawitz'schen Untersuchung für die statische Labyrinththeorie. Da nach der letzteren die Bogengänge der Orientirung über die in ihrer Ebene liegenden Drehbewegungen dienen, so wird der in Folge der Verkrüppelung des hinteren und äusseren Bogenganges zu erwartende functionelle Ausfall für die Unfähigkeit der Thiere, sich ohne Bei- hülfe des Gesichts- und Geruchssinnes in gerader Linie dem Ziele zu nähern, maassgebend sein. Nach R. besteht die Function der normalen Bogengänge darin, dass sie die Innehaltung der einmal eingeschlagenen Richtung ermög- lichen, und in diesem Sinne werden die Bogengänge als der Sitz des Orientirungsvermögens bezeichnet. Wegener. Aus dem Gebiete der künstlichen Riechstoffe. — In einer früheren Abhandlung wurde mitgetheilt, dass nach Angaben von Hesse das ätherische Jasmin-Blüthenöl zum grössten Theil besteht aus Benzylacetat, Linalylacetat, Benzylalkohol und Linalool. Allein wenn diese Körper auch quantitativ die Haupt- nienge des Oels ausmachen, so sind sie allein noch keineswegs die eigentlichen Träger des Jasmingeruchs, vielmehr wird der Geruch des Jasminblüthenöls im wesent- lichen durch andere, sehr intensiv riechende Verbindungen bedingt. So hat z. B. Hesse die überraschende Thatsache festgestellt, dass im JasminblUthenöl ca. 2'/3 °/n Indol ent- halten sind und dass die Gegenwart des Indols ein sehr XV. Nr. 5. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. wichtiger Factor beim Hervorrufendes Jasmingeruches ist. Bis jetzt hat man das Indol allerdings als einen intensiv riechenden Körper gekannt, doch wurde es nie als Riechstoff bezeichnet und ein nach gewöhnlichen Methoden dargestelltes Indol kann auch in der That keinen Anspruch auf den Namen eines Parfüms machen. Allein treibt man seine Reinigung noch weiter als bis zur Analysenreinheit — eine bei vielen Riechstoffen erforder- liche Nothwendigkeit — so findet man die Thatsache, dass das Indol Parfummischungen, einen bestimmten, frischen Blumengeruch ertheilt. Ferner findet sich im Jasmiublüthenöl zu ca. V2 Vo Anthranilsäuremethylester, welcher, wie schon früher mit- getheilt, sich auch als wesentlicher Bestandtheil im Neroli- öl vorfindet. Schliesslich wurde noch als ein sehr wichtiger Be- standtheil des JasminblUthenöls ein neues Keton von der Formel CnIIigO erkannt, welches Hesse mit dem Namen Jasmon belegt. Es ist dies ein hellgelbes Oel, welches besonders in verdünnten Lösungen einen äusserst inten- siven, angenehmen Jasmingeruch zeigt. Die drei Verbindungen Indol, Anthanilsäuremethylester und Jasmon bilden zusammen mit den früher besprochenen Producteu die wesentlichen Bestandtheile des Jasminriech- stoffs, und folgende ist nunmehr die Zusammensetzung des ätherischen Jasminblüthenöls : 3,0 °/o Jasmon, 2,5 % Indol, 0,5 % Antranilsäuremethylester, 65,0 % Benzylacetat, 7,5 7o Linalylacetat, 6,0% Benzylalkohol, 15,5% Linalool. Für das Studium der Bildung der natürlichen Riech- stoffe und des Zusammenhangs von Farbstoff und Riech- stoff der Blüthen ist das Nebeneinander- Vorkommen von Indol und Anthanilsäuremethylester (welche beide Spaltungs- producte des Indigos sind) von grossem Interesse. Dr. H. Buss. Aus dem wissenschaftlichen Leben. Ernannt wurden : Dr. Joseph Schaff er zum provisorischen Leiter des embryologischen Instituts der Universität Wien ; Dr. Muratow, ausserordentlicher Professor der Geburtshülfe und Gynäkologie in Dorpat, zum ordentlichen Professor; ausserordent- licher Professor Dr. Kudrewecki, Director der therapeutischen Fakultiltsklinik in Warschau, zum ordentlichen Professor; Dr. N. Muchin, ausserordentlicher Professor der speciellen Pathologie in Warschau, zum ordentlichen Professor. Berufen wurden: Privatdocent der analytischen Chemie in Berlin Dr. Oskar Piloty als ausserordentlicher Professor nach München; Professor der Chemie und Director der chemischen Universitätsanstalt in Jena Dr. Ludwig Knorr nach Freiburg i. Br.; Dr. Willy Wien, ordentlicher Professor der Physik in Giessen, als Nachfolger Prof. Röntgens nach Würzburg; Dr. Windisch, Privatdocent der Chemie in Berlin und technischer Hilfsarbeiter beim kaiserlichen Gesundheitsamt nach Geisenheim als Vorsteher des chemischen Laboratoriums der königlichen Lehranstalt für Weinbau. Es habilitirten sich: Dr. L. Neuraayer für Anatomie in München; Dr. August Szökely für experimentelle Patholgie in Budapest; Dr. M. Salaghi für Orthopädie an der medizinischen Schule in Florenz; Dr. Arno low für Hygiene in Kasan; Dr. Anton Heveroch für Psychiatrie und Neurologie in Prag; Dr. Moritz Sachs für Augenheilkunde in Wien; Dr. Forch für Physik an der technischen Hochschnle in Darmstadt. Abgelehnt hat: Geh. Medicinalrath Prof. Dr. Käst, Director der medicinischen Universitätsklinik in Breslau einen Ruf nach Halle als Nachfolger Prof. Dr. Webers. ^ In den Ruhestand tritt: Prof. Dr. Schenk, Leiter des embryologischen Instituts in Wien. Es starben: Geheimer Ober - Bergrath Dr. W. Hau'che- corne, Director der königlichen geologischen Landesaustalt und Bergakademie zu Berlin; Sanitätsrath Dr. J. von Steinau- S t e i n r ü c k , dirigirender Arzt der inneren Abtheilung des Kranken- hauses Bethanien zu Berlin; Dr. Wilhelm Sommer, Director der Provinzial-Irrenanstalt in Alienberg ((_)stpreussen); Assistent Dr. med. Kostanecki in Krakau. L i 1 1 e r a t u r. Lethaea geognostica oder Beschreibung und Abbildung der für die Gebirgsformation bezeichnendsten Versteinerungen. Heraus- gegeben von einer Vereinigung von Palaeontologen. 1. Theil: Iiethaea palaeozoica. 2. Bd., I.Lieferung von Fritz Frech. Mit 13 Tafeln, 3 Karten und 31 Figuren. 1897. — 2. Bd., L'. Lieferung Die Steinkohlenformation von Fritz Frech. Mit 9 Tafeln, 3 Karten und 99 Figuren. 1899. — E. Schweizerbart'sche Verlagshandlung (C. N. Nägele) Stutt- gart 1897-1899. Das gross angelegte, von dem Vorgänger Frech's auf dem Lehrstuhl der Geologie und Palaeontologie an der Universität Breslau Ferd. Roemer gegründete und begonnene Werk ist für den wissenschaftlich wirkenden Geologen und zur eingehenderen Orientirung auch für denjenigen, der sich für geologische und palaeontologische Fragen interessirt, von grosser Wichtigkeit: ebnet es doch durch Einführung in die Litteratur und geschickte Zusammenfassung des augenblicklichen Standpunktes den Weg. Es gehört dazu ein grosser Ueborblick und Umsicht, die der Ver- fasser in hervorragendem Maasse besitzt. Bei den grossen Fortschritten, welche die Kenntniss des Palaeozoicums seit Ende der 70 er Jahre gemacht hat, d. h. seit dem Erscheinen des von Ferd. Roemer bearbeiteten Anfanges des 1. Bandes der Lethaea war eine blosse Glossirung des Roemer- schen Textes, um den Versuch zu machen, ihn wieder auf heutigen Standpunkt zu bringen, nicht möglich; Frech hat sich deshalb entschlossen, eine neue Darstellung des Entwickelungsganges der palaeozoischen Aera zu liefern und ,auf Grund einer möglichst genauen Vergleichung der einzelnen Schichtgruppen und ihres organischen Inhaltes versucht, die Meeresbewegungen jener entlegenen Zeiten unter einheitlichen Gesichtspunkten in Bild und Wort übersichtlich darzustellen." Eigentlich sollte das Werk nur die Palaeontologie behandeln, (vergl. den Haupttitel) und also mittelbar der Stratigraphio dienen, jedoch ist ein Verstäudniss der Entwickelung des or- ganischen Reiches freilich nur genügend zu erreichen, wenn auch die stratigraphische Geologie Berücksichtigung findet, was von Frech in dankenswerther Weise geschehen ist. So hat er ein hübsches Kapitel auch über die mächtige praecambrische For- mationsreihe dem Ganzen vorausgesandt, obwohl organische Reste aus derselben nur spärlich bekannt sind. Bach's, Dr. M., Studien und Lesefrüchte aus dem Buche der Natur. Köln. — 5 Mark. Barrande, Joach., Systeme silurien du centre de la Boheme Leipzig. Lang, Vikt. v., Ueber lougitudinale Töne von Kautschukfäden, Wien. — 0,10 Mark. lietsch, Dr. Emil, Die schweizerischen Molassekohlen östlich der Reuss. Bern. — S Mark. Meyer, Dr. Stef., Maguetisirzahlen anorganischer Verbindungen. Wien. — 0,70 Mark. Sarasin Paul, u. Fritz Sarasin, DD., Materialien zur Natur- geschichte der Insel Celobes. 2. Bd.: Die Land-Mollusken von Celebes. Wiesbaden. — 60 Mark. Siebenrock, Custos-Adj. Frdr.. Ueber den Bau und die Ent- wicklung des Zungenbein-Apparates der Schildkröten. Wien. 2,80 Mark. Spengel, Prof. Dr. J. W., Lieber einige Aberrationen von Papilio machaou. Jena. — 2,50 Mark. Sterneok, Oberst Bob. v., Untersuchungen über den Zusammen- hang der Schwere unter der Erdoberfläche mit der Temperatur. Wien. - 1,20 Mark. XTnger, Frz., u. Steph. Endlicher, Briefwechsel. Berlin. — 5 Mark. Waagen, Prof. W.. et J. Jahn, DD., Classe des echinoderraes. Leipzig. — 40 Mark. Willy, Rud., Die Krisis in der Psychologie. Leipzig. — 5 Mark. [nhalt: L. Frobenius: Die Schilde der Oceanier. — An den Nistplätzen der Eisniöve (Pagophila eburnea). — Die japanischen Tanzmäuse. — Aus dem Gebiete der künstlichen Riechstoffe. — Aus dem wissenschaftlichen Leben. — Litteratur: Lethaea geognostica. Lethaea palaeozoica. — Liste. 60 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. XV. Nr. .5. Elektrische Einlagen |iir £ichl unD }Cra|t. TI|n|afMAfti AtAfiA in spezieller Konstruktiou für wisseu' IllClkll UUIUIUI C !«clial'tliche und modizinische Zwecke Pll fipl^ll C J^l^l^tricitäts-Aktien-Gesellscliaft BERIilN NW., Schiffbauerdamm 23. VoranscblAge kostenfrei. — Telephon Amt III, 1320. "^ag Ferd. D ttmmlers Ye rlagsbu chhan dlung in Ber l in SW.1 2. Soeben erschien: Tabellen zur qualitativen Analyse bearbeitet von Dr. F. P. Treadwell, unter Mitwirkung von Dr. Victor Meyer, I>rofe«sor an der Univcrsilfit Heidelb.TK. Vierte vermehrte und verbesserte Auflage, neu bearbeitet von Dr. F. P. Treadwell. Lex. 8". Preis kartonnirt 4 Mark. Lehrbuch Pflanz enpalaeontologie mit besonderer Rücksicht auf die Bedürfnisse des Geologen. Kgl. Bezirksgeologen Potoniö, nit Vorlesungen über Pflanzenpalaeontologie Mit 3 Tafeln und fast 700 Einzelbildern in 355 Textfiguren. 402 Seiten, gr. 8". Preis geh. 8.- M., geb. 9,60 M. Lehrbuch der Potentialtheorie. Allgemeine Theorie des Potentials und der Potentialfunklionen im Räume, Von Dr. Arthur Korn. Privatdozent an der königl. Universität München. Mit 94 in den Text gedruckten Figuren. 27 IJogeii gross Octav. Preis 9 Mk., gebunden 10 Mk. 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Piimniirrs llrrlagebudilianiilung in Srrlin SW. 12, ]!immtrftr. 94. prgfrlidjfö (Bffrpiidi für kö 5nitfil|r Ikid). IVixi 6em (Einfüljrungsgefc^ unö Sadjrcgifter. ■i ©ritte forgfüttig rcoibiertc 91uflagc. m 599 Sfiten. Sitein Dcta«. ®c6unbeii -1 maxi Dom Raunte ber (£rfcnntnts. Fragmente }\K CIBt^ih «nö ^fijdjölogif aus Ui pcltlittcratur, selainraelt uub betauäBegcben üon Dr. ^rtttl vo%% C$ijt|rlti, ©tabtfAuIiiifteftor in äBcrIin. I. Ilianö: ^ntttbprOÖfcme. 3roeite «uflnge. 808 ©. gc. 8. II. ^ttnb: |)aö f5ctC. 786 S. gr. 8. III. panb: i^wi unb ^öfc 832 ©. gr. 8. .;;rcbcr »nitb gel). 7,50 Wh, in fcinftcm Üiclifiolicrfjollifraitä 10 ffljorf. (jratis ""d franko liefern wir den 3. Nachtragl (Juli 1897 bis Juni 1899) v unserem Verlagskatalog. Ferd. Dümmlers Verlagsbuchh., BerUn SW. 12, Zimmerstr. (14. PATENTBUREAU Ölrich R. jvlacrz Jnh. C. Schmidtlein.Jngenieur Berlin NW., Luisenstr.22. Ferd. Dümmlers Verlagsbuchhandlung in Berlin SW. 12. 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Inserate: Die viergespaltene Petitzeile 40 A. Grössere Aufträge ent- sprechenden Rabatt. Beilagen nach üebereinkunft. Inseratenannahme bei allen Annoncenbureaus wie bei der Expedition. Abclrnck ist nur mit vollständiger Qaellenangabe gestattet. Die Schilder der Oceanier. Von L. Frobeni (Schlus-.) II. Asiatischer Schild. Der asiatische Hciiikl wurde von den Europäern auf der ganzen Erde im Vordringen angetroffen, sowohl in Nordamerika als in Atriiia, wo er langsam sich auf der Siidachse fortschiebt. Dasselbe ist also auch für Oceanien anzunehmen. Der asiatische Schild ist ein Lederschild, der in Indonesien zur Zeit der polynesischeu Wanderung, die später durch den Abbruch der Verbindung des Weges über Mikronesien sich von Indonesien vollkommen isolirte, wohl noch nicht einheimisch und eingebürgert war und wohl aus diesem Grunde auch heute noch den Polynesiern fehlt, obgleich sie ihn ganz gut in Rotang oder Holz hätten nachbilden können. Anders ist die Sache in Mela- nesien, und wir werden in diesem Gebiet rege Umschau halten müssen. a) Indonesien. Der asiatische Schild ist in seiner ursprünglichen Form ein gewölbter oder gebuckelter, aus starkem Leder bestehender Rundschild mit zwei Griffen, einem für die Hand, und einem für den Arm, dessen Widerstandskraft auf der Wölbnngselasticität beruht. Die drei maassgebenden Gesichtspunkte, die die Verwandt- schaft verrathen, sind demnach: 1. die runde Form, 2. die Art der wagerecht angebrachten Griffe, 3. das Material: Leder. Das wichtigste von diesen beruht in der Anlage der Griffe, das unwichtigste in dem Material, denn es ist natürlich, dass in einem Laude, wie Indo- nesien, dessen Industrie meistentheils die Pflanzenfaser bevorzugt, alsbald das Leder von einem anderen Material verdrängt werden muss. Immerhin wollen wir uns erst über die Verbreitung von Lederschilden orientiren, dann aber der Reihe nach erst die runden und endlich die vier- eckigen Schilde in Indonesien ins Auge fassen. a) Lederschilde. Vor Allem wird — um in geographi- scher Anordnung zu bleiben — auf Sumatra bei den Battak ein Lederschild erwähnt. Im Anschluss hieran steht eine Bemerkung aus dem Jahre 1595: „Ihre Schilde sind hölzern oder sie spannen auch Leder über einen Reif." Ferner sind Lederschilde auf Flores und Timor und end- lich eine ganze Reihe von verschiedenen Formen auf Kisser, Letti, Allor, Baber zu erwähnen, sodass diese Ver- breitung sich genau auf die, das innere Indonesien um- grenzende südliche Inselkette beschränkt. Nur Ueberzüge von Leder und Fell auf Holzschilden bei den Piraten von Sulu und Mindanao, sowie den Stämmen des nordwest- lichen Neuguinea werden in der Litteratur erwähnt. b) Rundschilde. Die Vcrlireitung des Rundschildes deckt sich im Süden mit der des Lederschildes, sie zielit sich aber auch über das westliche Borneo undSulu, Mindanao und die Talautinseln, sodass sie sich in eigner nördlichen und einer südlichen Zunge nach Indonesien hineinerstreckt. Ein vereinzeltes Vorkommen ist ein Tanzschild auf Seran und Saparua. — Trotzdem dies nicht solche der ursprüng- lichen Form sind, sondern Schilde eines selbstständigen Typus, wollen wir die Besprechung mit einer Beschreibung derer von Sulu beginnen. Der Sulu-Schild besteht nach Baessler aus trocknem Holz, ist rund und hat einen Durchmesser von ca. ■V4 — 1 m- An der Innens-eite sind zwei Griffe angebracht, durch deren ersten man den Arm steckt, während man den zweiten mit der Hand umfasst; die Aussenseite ist meist mit Schnitzwerk verziert. Der in Fig. 10 abgebildete Sulu- schild des Leipziger Museums ist wie alle Verwandten dieser Gruppe aus einem Stück geschnitten und hat bei einem Durchmesser von etwas über 70 cm eine Tiefe von der Aussenseite gemessen von ca. 12 cm. Aussen auf der Mitte prangt ein kleiner Holzkuauf. Um den 62 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. XV. Nr. Rand ist mit Holzuägeln eine Einfassung von Stuhlrohr angebracht. Innen sind nun bei der Herstellung zwei starke Querleisten ausgespaart, die in Schwalbenschwanz- form in den etwas abgesetzten Rand übergehen. Der untere behält auf der ganzen Länge seine Breite, ist aber seitlich rund ausgeschnitten zum Durchstecken des Armes. Der obere verliert in der Mitte auf einer Länge von ca. 10 cm seine Breite. Auch ist er der Wandung zu vier- eckig ausgeschnitten; das restirende Verbindungsstück ist abgerundet zu einem Griffsfab, den die Hand leicht er- fassen kann. Demnach sind Arm- und Handgriff durch die Form unterschieden. — Diese Schilde sind verbreitet bis Borneo (Catalog von Webster 1895, Vol. I, No. 5, S. 7. Leiden, Reichsmuseum S. 761, No. 222), Benkoelen (Leiden S. 939, No. 51 a), Mindanao und bis zu den Labo- oder Ta- lautinseln. (Ein entsprechender Schild von den Philippinen in Leiden!) Ling Roth, der diesen Schild bei den See- dajak als priccei erwähnt, sagt von der Verwendung leider nichts Näheres.*) — Bei einem Reihentanze der jungen Burschen Serans haben die meisten kleine, runde, bunt beklebte und an den Rändern mit Federn verzierte Schilde, wie Martin solche auch auf Saparua gesehen hatte. Der Lage dieser Inseln und sonstigen zum Norden weisenden Beziehungen zufolge, möchte ich an einen kümmerlichen Verwandten des kräftigen Sulu - Schildes denken. Die Schilde der südöstlichen kleinen Sunda bestehen, soweit sie in diese Gruppe gehören, aus Leder und sind in der Ausgestaltung und Verwendbarkeit von ausserordent- lich verschiedenem Werthe. Da sind die Lederschilde von Flores aus starkem Leder und ca. 1 m im Durch- messer mit kräftiger Rotangumrandung, zwei festen Holz- hügeln und ordentlicher Wölbung. Und daneben die kümmerlich kleinen Schilde aus Timor,^einfache Scheiben aus gelbem Leder, einem einfachen Riemen, durch zwei Löcher gezogen, als Griff, ohne Wölbung, ohne Rand- versteifung. Und als Spielzeug erscheinen sie auch, wenn sie oben in Schwalbenschwanzform auswachsen. Das sind keine Kriegswaffen, das sind kümmerliche Aus- klangsformen. Mitteldinge befinden sich auf den nord- östlichen kleinen Inseln. Auf Kisser kommen Formen ähnlich denen von Timor, aber mit einem Rotangrande vor. Auf Baber tritt zu dem einen Griffriemen ein Holz- bügel, und dann macht auch der Riemen einem zweiten Holzbügel Platz. An Stelle des ledernen Griflfriemens finden wir häufig einen Rotangstreifen. Auf Letti end- lich kehrt der kräftige Schild von Flores wieder. — Auf Sumatra und Java kommen nun noch verschiedene Varia- tionen vor. Von Java stammt ein grosser, geflochtener Rundschild mit Bügel aus Holz, von den Atjeh auf Sumatra ein Rundschild aus Flechtwerk (Berliner Mus. Ic. 9558) mit zwei Ringen als Handhabe. Bei letzteren erwähnt Junghuhn auch kleine, hölzerne Rundschilde, das Leipziger Museum besitzt aber sogar einen Adjehschild aus Messing, von 35 cm Durchmesser. Derselbe ist in zwei Reihen je dreimal durchbohrt zur Aufnahme von Metallknöpfen, die innen mit ebensovielen, also im Ganzen 6 Ringen, ver- sehen sind, offenbar zur Aufnahme von Schnüren als Hand- habe. Auf der Aussenseite ist ein Halbmond als Schmuck angebracht. Offenbar ist der Schild von auswärts ge- kommen; aber es interessirt uns, ihn hier an der Grenze Asiens zu treffen. c. Langschilde. Langschilde asiatischer Verwandt- schaft kommen in Indonesien vor: auf Sumatra, Nias, Flores, Solor, AUor. Das ist die gleiche Verbreitung wie *) Baessler im Internationalen Archiv für Ethnograpliie 1891, Bd, IV, S. 68. Blumentritt a. a. O. S. 54 Allg. Hist. d. R., Bd. XI, S. 11.59 Forrest, Deutsche Ausgabe S. 172. Ling Roth Bd. II, S. 139. Mai-tin: „Molukken" etc. etc. die der Lederschilde, es ist das südliche Gebiet der Rund- schilde. Der Schild von Nias, der den Reigen eröffnen mag, gehört dem Norden dieser Insel an, während auf dem Süden die besprochene, Baluse genannte Form nigritischer Verwandtschaft einheimisch ist. Dieser Dague ist nicht wie der Baluse leicht, handlich und geeignet, im Hand- gemenge gebraucht zu werden, sondern vielmehr schwer und gross, eine wahre Festung, hinter welcher die Krieger sich verstecken, wenn sie auf der Vertheidigungsmauer ihrer Ortschaft stehen. Modigliani vergleicht ihn in der Form mit dem Dajakschild; wie dieser ist auch er oben und unten zugespitzt, aber er ist verhältnissraässig schmäler. Der Dagne ist aus solidem Holze hergestellt, sehr schwer und gewohnheitsgemäss mit Büffelfell überzogen, und zwar ist dieses mit Rotangstreifen aufgenäht. Die beiden Seiten sind mit einem Stocke als Randverstärkung versehen. Der Griff des Dagne besteht aus vier untereinander mit Rotang fest verbundenen Holzstücken, nämlicii den beiden wage- recht liegenden Griflfhölzern, die wir vom Sulu- und Flores- schilde kennen, und zwei kurzen, sie verbindenden und senkrecht zwischen beiden augebrachten Holzleisten. Da es sehr schwer ist, den Schild zu handhaben, wird er zum Gebrauche auf den Kopf gestellt, die Hand fährt durch die Oeflfnung des nunmehr oben sich befindenden, für den Arm bestimmten Griffholzes und packt das untere, eigentlich nach oben gehörige Grift'theil. Alsdann drehen sie ihn herum und vermögen ihu nun leichter zu heben, da er ausbalancirt ist. Bei einer Länge von 1,57 m und einer Breite von 0,37 m hat der Dagne ein Gewicht von 5,7 Kilo, bei einer Länge von 1,51 m und 0,34 m Breite ein Gewicht von 3,7 Ko. — Der nächste Verwandte ist ein Battakschild, wie etwa in Fig. 11 abgebildet. Der- selbe besteht aus einer Lederplafte, einem breiten, quer- gelegten Griffholz und einer auf der Aussenseite davor angebrachten Querleiste. Das ausserordentlich dicke Leder ist viereckig, fast rechteckig, 68 cm hoch, unten 31 cm und oben 36 cm breit. An Ornamenten sind aussen Spuren kleiner Sterne eingekratzt. Unten links (nicht mitabgebildet) ist eine kleine Schelle angebracht. Mehrere unregelmässig am Rande angebrachte Löcher und quer über den Schild laufende Schnuren haben wohl einer Garnirung mit Federn, die heute nicht mehr vorhanden ist, gedient. Wenigstens ist ein Schmuck von (oben) Haaren und (unten) Federn an einem sich, wie der eben be- schriebene, im Leipziger Museum befindenden Stück, erhalten, das ausserdem gewölbt ist, d. h. im Längsdui'chschnitt einen dem Träger zugekehrten offenen Bogen von 17 cm Tiefe darstellt. Sonst ist der Schild in den Dimensionen gleich. — Der nächste Schild gleicher Zugehörigkeit ist der von AUor. (Dazwischen ßinige schwächliche Instru- mente auf Flores und Solor.) Dieser stellt (Fig. 12) eine Holzplatte von ca. 124 cm Länge und 17 cm Breite dar. Sie ist fast rechteckig oben, aber mit einem flachen Ein- schnitt versehen. Zwei Holzbügel dienen als Griff", von denen der fast genau in der Mitte der Hinterwand an- gebrachte dem Arme, der unten auf \^ der ganzen Länge ungefähr angebrachte, nur halb so starke Griff für die Hand bestimmt ist. Also wie bei dem Dagne von Nordnias greift der Arm beim Erfassen von oben nach unten, dann wird der Schild umgedreht, so dass der Ein- schnitt nach unten kommt. Die Schildplatte ist ganz leicht gewölbt, sodass die concave Seite dem Träger zu sich befindet. Aussen ist der Schild „mit der Abbildung des Vorvaters (des Ahnen) als Schutzgeist", dazu noch mit Haarbüscheln ausgeschmückt. Das Geräth heisst Krabi und stammt von den Bergbewohnern Allors. — Zwischen Sumatra und Allor kommen auf Flores und Solor noch schwächere Schilde vor, so z. B. (Berliner Mus. Ic. Naturwissenschaftliche "VTochenschrift. 63 18244) in Larantuka auf Flores, ein Holzschild von 87 cm Länge und 11 cm Breite, unten wagerecht, oben aber im Bogen abgerundet. Der Rand ist von Rotang eingefasst, der Griff ist ein wagerecht, 42 cm von oben angebrachter Rotangring. Die Aussenseite ist mit Musehein ausgelegt. Aehnliche Formen sind in Ratzel's Völkerkunde, 2, Bd. I, S. 378 und bei Jacobsen S. 77 abgebildet. Im Reichs- museum in Leiden trägt eine grosse Modellfigur einen solchen Schild von Solor. Hier ist aber hinten eine Mittel- rippe angebracht und es liegen rechts und links von der- selben je ein Griffband, durch deren eines der „Vor- kämpfer" den Arm gesteckt hat, den Schild mit der Aussenfläche der Hand, den Daumen auf der Mittelrippe zurückdrückend. Sonst habe ich für diese Gegenden keine Formen dieser Verwandtscliaft entdecken können.*) Der asiatische Schild tritt also von Indien aus wohl ausgerüstet und in altbekannter Form ein, bildet sich im nördllicben Indonesien zum festen Typus aus (Suluschild), wandert aber sonst auf der südlichen Sundakette bis in das Bandameer, auf dieser Bahn sehr variirend, hie und da aber doch immer wieder zur alten Form zurückkehrend. In Verbindung mit dem nigritischen Schilde tritt er häufig auf, von diesem die Holzplatte entlehnend. Wichtig nun wird es sein, wie der Schild sich in Melanesien umbildet. b) Melanesien. Es sind die mannigfachen Schilde von Neuguinea, dann die selteneren von den Salomonen zu besprechen. In Bezug auf erstere kann ich mich ganz auf Finschs ausgezeichnet genaue Schilderungen berufen, und bedarf es nur einiger Nachträge, wie Beschreibung des Schildes von Mitra und Aehnliches mehr. Es ist bemerkenswerth, dass der grössere Theil Neu- guineas und zwar gerade der Indonesien zu gelegene keinerlei Spuren eines Schildes asiatischer Verwandtschaft aufzuweisen hat und dass solche nur dem östlichen Theile der Insel angehören. Das erste Vorkommniss ist in Hatzfeldhafen zu erwähnen, wo Schilde der in meinem Werk über die afrikanischen Culturen Seite 23 abgebildeten Form vorkommen. Dies sind ausserordentlich hohe Schilde, deren Breite nur ein Sechstel der Länge beträgt. Das obere Ende ist ganz abgerundet, unten sind nur die Spitzen gekrümmt. Die Seite ist von einem Rotangstreifen um- säumt. Reiche Ornamente zieren die Vorderseite. Aeusser- lich betrachtet würde man den Schild unbedingt zur — Gruppe Indonesiens zählen und zwar ihn der Ce- lebes- Neuguinea -Verwandtschaft zutheileu, denn er hat eine ausgeprägt dachartige Wand. Dennoch müssen wir ihn den asiatischen Schilden angHedern, da er einen doppelten asiatischen Griff hat. D^er äusseren Form nach würde man dagegen die Schilde der Astrolabe-Bai un- bedingt der asiatischen Gruppe zutheilen. Dies sind nämlich Rundschilde (Fig. 13). Die Schilde werden aus schwerem Holze und zwar aus den Wurzelstöckeu hoher Bäume geschnitzt. Es giebt grosse Exemplare von 80— 92cm Durchmesser und kleine von ca. 40 cm Durchmesser, die in einem Netze getragen werden. Dem ausserordent- lichen Gewicht, bis 10 Kilo, zufolge nimmt Finsch an, dass sie nicht mit in den Kampf genommen werden, sondern bei der Vertheidigung der Dörfer Anwendung finden. Sie werden in den Gemeindehäusern aufbewahrt und sind Dorfeigenthum. Aussen sind sie in Relief mit einem Kreuz und sonstigen Linien ornamentirt. Der Griff ist sehr eigenartig. Auf der inneren Fläche erheben sich zwei längliche Buckel, aus dem Ganzen gearbeitet und jeder mit einem Bohrloch versehen, durch die die Schnur gezogen wird, die nach Finsch als Handhabe (?) *) Modigliani: „Nias S. 131/182. Rosenberg S. 164 und Ab- bildung S. 57. Jocobsen: „Bandameer" S. 77, 93. Gaimard bei Rienzi l. Bd., S. 226. dient. Es wird Niemand, der diese Schilde genan be- trachtet hat, ganz so scheinen, als ob dieser ziemlich lange Strick eine geeignete Handhabe darstellt und dass er somit ein zweifelloses Argument für die asiatische Ver- wandtschaft ist. In der That ist die Sache complicirt. Nach einer in meinem Besitze sich befindenden Photo- graphie wird der Schild auch ganz eigenartig ge- handhabt, nändich vom Bogenschützen über die linke Schulter gehängt. Ich habe darauf später zurückzukommen. — Viel eher ein asiatischer Schild ist der von Finsch- hafen (Fig. 14). Diese Schilde sind 1,60 m bis 1,80 m lang nnd ca. 40 cm breit, so dass sie einen Mann ziem- lich decken. Dabei sind sie auch sehr schwer. Zuweilen zeigen sie auf der Vorderseite originelle Bemalung in Farben. In Adolfshafen sah Finsch ähnliche Schilde, lang, schmal, an einem Ende abgerundet, an dem andern gerade, mit schwarz und weiss bemalt. Der Längsachse nach sind die Schilde gebogen, zurückgewölbt; sie tragen zwei Griffe aus Rotang, einen breiteren unteren und einen einfachen oberen. Das ist echt asiatisch. — Der Schild von Mitrafels (Fig. 15) stammt aus dem Museum in Leiden. Das Reichsmitseum hat zwei derartige Schilde 1168/3 von 68 cm, 1156,4 von 87 cm Höhe bei Vs grösster Breite. (Ein Exemplar bei Edge Partington hat 35" Länge bei 12" Breite.) Es sind das Holzplatten mit einem Rotang- überzug und einem Bügel für die Hand. Oben sind sie zugespitzt, unten stark abgeschnitten. — Im südöstlichen Gebiet sind mehr Formen zu erwähnen. Solche von Teste sind rechteckig, etwas concav, mit feiner Schnitzarbeit im Relief. Daneben tritt ein länglich ovaler, aussen mit feiner Schnitzarbeit und Bemalung und vor Allem mit einem echt asiatischen Gr.ff aus Holzstäben und Strickwerk auf. Erstere sind ca. 1 m hoch und 40 cm breit, letztere bei 90 cm bis 1 m ebenso breit Doch giebt es hier an der Ostspitze auch runde Schilde. — Ferner der Schild von Trobriand. Derselbe besteht aus leichtem Holze und ist 75 bis 80 cm lang, oval und zwar unten breiter und au der breitesten Stelle etwa 28 bis 32 cm breit. Der Griff: zwei querliegende Rotangbänder auf ^/^ vom oberen Rande. Zuweilen auf der Aussenseite eine zierliche Be- malung in veränderlichen Mustern. — Endlich als letzte Form der ovale Schild von Keraepunu. Er kommt nur in der Nord- und der Kappel-Bai vor und ist für diese Gegend charakteristisch. Es ist das eine oben und unten abgerundete Holzplatte meist in 8-Form, also seitlich ein- geschnürt in der Mitte. Maasse: Länge 85 cm. Breite auf ein Viertel von oben und von unten ca. 45 cm, in der Mitte, also auf einhalb, ca. 30 cm. Die Hälfte der Holzplatte ist so, dass nur oben und unten ein Viertel frei bleibt, mit einer feingeflochtenen Rotangdecke umgeben, die mehr Festigkeit bieten soll. Hinten in der Mitte ein wagerechter, ins Holz eingebohrter Rotanggriff.*) — Wir sehen also, dass die Verbreitung der Schilde dieser Ver- wandtschaft, wie ja überhaupt der Schilde, eine sehr be- schränkte ist und dass sie mehr Lücken aufweist wie wir es bisher kennen gelernt haben. In dem Schilde von Hatzfeldhafen macht sich ein Uebergang zu indonesischen Formen bemerkbar; das ist eine Mischform (dachartig mit asiatischem Griff), wie sie aus Indonesien selbst mir nicht bekannt ist. Dabei ist bemerkenswerth, dass die Griffe auf Neuguinea zum grössten Theile schwächlich sind, und dass summa summarum ein einheitlicher Typus, wie ihn doch z. B. der Bogen Neuguineas darstellt, sich nicht herausgebildet hat. ;^ Daher dürfen wir^die kleine *) Finsch: ,Ethnol. Erf." S. 119, 168/169, 172, 216, 645. „Samoafahrten" S. 78, 108, 178, 271, 282. Kdge Partington Th. I, Taf. 282, No. 3; Taf. 283, No. 1, 4; Taf. 284 No. 3. Th. U, Taf. 157, No. 1. A. B. Meyer und Parkinson: „Masken und Schnitzereien" Taf. VUI, Fig. 2. Bastian: Sumatra Taf. I, No. 2. Xatiii-wissenschaftliche Woelienschi-ift. XV. Nr. 6. Gruppe von Verwandten der asiatischen Schilde, die wir auf Neuguinea gefunden haben, als eine schwächliche Nachkommenschaft der asiatischen Schilde in Indonesien bezeichnen. Es wäre in Melanesien zu prüfen, ob sieh hier die Verhältnisse ebenso erweisen, also ob die aus- gesprochene Ansicht hier noch weitere Belege findet. Im ösilicben Melanesien und zwar auf dem Ueber- gangsgebiet von Neuguinea nach den Salomonen trafen wir nigritische Schilde an (Fig. 4). In den Marawat- schilden von der Gazellehalhinsel, die vor allem aus Rotang bestehen, ist ein üebergang zum Schilde von Neuguinea vertreten, der auf der anderen Seite nach den Salomonen weist. Auf einer anderen Gruppe sind Schilde nicht nachgewiesen; wenn auch Quiros solche in Merena und D'Entrecasteaux auf den Luisiaden solche gesehen haben will, so hat doch eine nähere Durchforschung dieser Gegenden keinen thatsächlichen Beleg hierfür erbracht. Auf Florida, Guadalcanar, Isabel, San Cristoval und, wenn auch weniger allgemein auch auf der Insel Malanta wird hauptsächlich mit dem Speere gefochten. Man pflegt im Allgemeinen den Schild als Begleitwaffe des Speeres zu bezeichnen, aber auf San Cristoval fehlt er, und statt seiner dient hier, wie schon oben erwähnt, die Keule. Auch auf Bougainville und den benachbarten Inseln fehlt der Schild. Da, wo er vorkommt, misst er im Allgemeinen (nach Guppy) 3 Fuss der Länge und 9 — 10 Zoll der Breite nach. Gewöhnlich bestehen sie aus einer Schilf- oder Rohrplatte, die durch Rotang zu- sammengehalten wird. Auf einigen Inseln, wie auf Florida und Guadalcanar sind sie mit feinem Flechtwerk bedeckt und die den Häuptlingen gehörigen Stücke mit Perlen geziert. Auf anderen Inseln, wie auf Jsabel und Choiseul sind sie roher und der zierliche üeberzug fehlt. Auf diesen beiden genannten Inseln sind sie in der Form rechteckig, während sie auf Florida und Guadalcanar mehr oval und in der Mitte zusammengezogen sind. In den deutschen Museen finden sieh mit unbedeutenden Ausnahmen nur die Schilde von Florida etc., die aus einer rotangdurchflochtenen Rohrplatte von 85 — 90 cm Länge bei ca. 25 cm grösster Breite (nach unten zu) und ovaler Gestalt bestehen. Der Griff wird durch einen horizontalen, rotangunisponnenen Ring dargestellt, der wohl als asiatischer Abkömmling aufzufassen ist. Ein ausser- ordentlich kunstreich und zierlich auf der Aussenseite mit Muschelstückcheu in Mosaikarbeit ausgelegter Schild im Leidener Reichsmuseum (924/55) von 72 cm Höhe hat aber noch einen anderen Halt. Auf der Rückseite sind nämlich in ziemlich gleichen Abständen 7 hölzerne Querleisten angebracht. Sie werden zusammengehalten von einem starken, oben und unten spitz zulaufenden, der Höhe der Schilde an Länge entsprechenden runden Stabe, der auf dem Rücken der Querleisten liegt und somit durch sie vom Schilde getrennt wird. Zwischen der dritten und vierten Querleiste ist ausserdem ein asiatischer Querriemen aus Rotang angebracht. Der Stab erinnert an die nigritischen Griffhölzer. — Einen recht- winkligen Schild von Flechtwerk, 35 Zoll hoch, oben 7 unten 9 Zoll breit (also oben schmäler als unten) bildet Edge Partingten ab, ebenso einen stark zurückgewölbten, reich ornamenlirten Schild aus Holz etc. — Unser ganzes Interesse nehmen aber die merkwürdigen Schilde von Santa Anna in Anspruch, deren sich einige im Leipziger Museum befinden. Edge Partington bildet die beiden wichtigen Formen ab. Beifolgend abgebildetes Stück (Fig. 16) gehört einer Privatsammlung an und ist genau 1 m lang. Die Breite beträgt oben etwa ein Siebentel, unten fast ein Sechstel der Länge. Nach beiden Enden ist die Fläche zugespitzt. Das merkwürdige an diesen, aus einem Stücke geschnitzten Holzschilden ist der Griff und der Obertheil. Für den Griff sind nämlich zwei Holzbuckel, ähnlich wie beim Astrolabe-Schilde (Fig. 13) hergestellt. Der Griff selbst fehlt. C»beu an der Spitze befinden sich aber zwei längere, mehrfach durchbohrte Holzstreifen im Sinne (aber länger als sie) der beiden Griff- bügel. Wozu diese dienen (vielleicht zur Anbringung von Pfeilen, also quasi als Köcher?) ist unbekannt. Besonders bei anderen Formen, deren unteres Drittel bis auf einen Stab ausgeschnitten, sodass der Schild wie gestielt ist, und bei denen die Spitze bis auf die oberen Leisten ausgeschnitten ist, erinnert das an nigritische Formen {Neuholland!). Und die Buckelbildung entspricht ja durchaus dem Princip des ausgespaarten Griffes der — Schilde. Liegt darin eine Annäherung au nigritische Formen, so erinnert doch der quer angebrachte Riemen als Griff an die asiatische Scbildform und sobald der Schild aus Geflecht besteht, dieser an die Hauptindustrie der vormalajischen Kultur. — Endlich sei noch erwähnt, dass Sürville einen Schild von Port Prasslin auf Isabel abbildet, der oben sehr stark ausgeschnitten und seitlich zusammengedrückt, sonst aber von ovaler Gestalt ist. Nach Angabe des Seefahrers bestand er aus gespaltenem Rotang und war wie Korbmacherarbeit geflochten. An der einen Seite waren zwei Griffe angebracht, durch die man die Arme steckte. „Sie bedecken sich damit, wenn sie in ihren Canots sitzen, den Rücken und den Kopf, und bedienen sich ihrer auch als Regenschirm. Einige von diesen Schilden sind an den vier Ecken mit Quasten und Troddeln besetzt, die aus einer Art Band von gelbem und rothem Stroh verfertigt werden." Guppy hat diese Schilde nicht angetroffen.*) e) Geographische und formale Entwickelung der asiatischen Schildformen. Das Entwickelungs- bild ist verhältnissmässig klar. Der asiatische Schild zieht in kräftiger und ursprünglicher Form im westlichen Indo- nesien ein; auf einem zungenartigen Streifen pilgert er durch die nördlichen Gebiete, hier einen festen Typus im Suluschilde hervorbringend. Im südlichen Gebiet Indo- nesiens zieht er bis zu den äusseren kleinen Sunda, hie und da in ursprünglicher Gestalt, bald aber auch in Misch- formen Stationen der Wanderung gründend. Nach Osten zu kommt dann ein grosses Gebiet, auf dem die Schild- form fehlt und endlich tritt er im östlichen Neuguinea und im anschliessenden Melanesien, auf einer ziemlich grossen Fläche also, aber arg verkümmert und varianten- reich, auch nicht gleichmässig, sondern nur ab und zu, also verstreut auf, nicht in einem festen Tj'pus, sondern in allen möglichen schwankenden Gestalten. Das ist ein Aussengebiet, eine Ausbreitung über das eigentliche Macht- gebiet der asiatischen Cultur in Oceanien. Der Anschluss fehlt ja nicht; er ist in dem dachförmigen Schilde von Hatzfeldhafen geboten. Es ist aber kein fester Zu- sammenhang, sondern nur der trümmerhafte Ueberrest eines einmaligen Einfalles. Der asiatische Schild ist ein echter Speerschild und ist es auf der ganzen Wanderschaft fast geblieben. Wir j sahen aber im Astrolabeschild, dass er in dem Aussen- gebiet auch seiner Bestimmung untreu geworden ist. Und 1 dies nicht nur in der Astrolabebai. Auch vom Schilde ] der Eingeborenen in Port Prasslin sagt Sürville, er diene zum Schutze gegen Pfeilschüsse. { Demnach ist alles leicht verständlich : Im Westen I stark. Dann abgewandelte Formen. Im Osten abge- i flacht, kümmerlich. Das ist das Bild eines nach Osten j vorrückenden Geräthes. ■) Guppy S. 75. Codlington S. 305. Parkinson: „Zur Ethno- graphie der nordwestlichen Saloinoinseln", S. 2 Sürville bei Bligh „Reise in das Südmeer" 793, S. 311, 326. A. B. Meyer und Parkinson Taf. 18. Siehe auch Schmeltz: Cat. Mus. God. etc. XY. Nr. 6. Xatni-wissonscliaftlifho AYorlienschrift. 65 III. Vormalajisoher Schild. Vom vormalajischen „Hogenscliilde" sind noch kümmer- liche Reste vorhanden, die arg aufgesucht sein wollen. Wir wollen daher von vornherein an die Frage denken, ob die Erscheinungen, die wir auf den Bogenschild hin- deuten, nicht vielleicht sporadisch, nebensächlich sind und im Zusammenhange mit anderen Thatsachen eine einfachere Erklärung finden; ob es nicht also unberechtigt sein könnte, eine eigene Entwickelungsreihe anzunehmen. Wir wollen diese Frage also nicht vergessen und sie uns bei jeder einzelnen Form stillschweigend insGedächtuiss zurück- rufen. 1. Der Schild der Aru-Inseln. (Fig. 17.) Der Wichtigkeit halber wollen wir alle hierher gehörigen Notizen zusammenstellen. Schon Wallaee bemerkte: Einer der Kriegsschilde wurde mir zum Ansehen gebracht; er war aus Rotang gefertigt und mit Baumwollgarn bewickelt, sodass er leicht, stark und zugleich sehr fest war. Un- gefähr in der Mitte befand sich ein Armloch mit einem Verschluss oder einer Klappe darüber; der Arm kann hindurch gesteckt und der Bogen gespannt werden, wälirend der Körper und das Gesieht bis zu den Augen hinauf bedeckt blieben, was nicht geschehen kann, wenn der Schild an Schlingen, welche hinten in der gewöhn- lichen Weise befestigt sind, am Arme getragen wird. — Nach Bastian tragen die Orang Gunung auf den Arn einen halben Harnisch aus Rotang, um beim Bogenschiessen geschützt zu sein. — Neben dem „grossen", mit Casuar- federn umsäumten Schild von Baumbast erwähnt Rosen- berg den aus biegsamen Zweigen geflochtenen Kürass, den Djabi. — Ribbe, der den ersten dieser Schilde nach Europa brachte (Museum in Leipzig!) schreibt: Zu seinem Schutze benutzt der Arunese einen Schild, Djabi genannt, es ist dies ein viereckiges, in der Mitte gebrochenes, nach den Seiten abgedachtes, festes Geflecht aus spani- schem RohFj in dessen Mitte sich ein Loch nvit .Deckel befindet. Er ist sehr selten. Der Djabi wird mit der Schnur fest um den Hals über die Schultern gebunden, demnach ragt der Kopf über den Schild hinaus; in das in der Mitte sich befindende Loch wird der linke Arm gesteckt, somit also der Schild von dem dahinter Schutz Suchenden an der linken Seite getragen. Mit der durch- gesteckten Hand hält der Kämpfer seinen Bogen in der Mitte fest, während er mit der rechten Hand den Pfeil au die Schnur setzt und den Bogen beim Schiesseu spannt. Indem der Kämpfende auf der Erde kauert, findet der Körper Schutz hinter dem Djabi. — Der Baron van Hoevell, Resident von Amboina, hat sowohl dem Berliner, als dem Leidener Museum je ein Exemplar dieser seltenen und und seltsamen Waffe geschenkt, und Schmeltz gebührt die Ehre, als Erster ihn eingeliend erörtert und abgebildet zu haben. Schmeltz schreibt: Der Panzer ist über einer Grundlage von Rohr (Rotang) aus Cocosfaserschnur ge- flochten. (Hierdurch wird die Angabe bei de Hollander, als bilde Baumrinde das Material, berichtigt.), von aussen convex, von innen concav und am unteren Ende viel schmaler als am oberen. Als Verzierung sind Stückchen rothen Baumwollstoffes in Querreihen eingeflochten. Den oberen Rand bildet ein dicker W^ulst von Tau und Rotang, dessen eines Ende in eine dicke Schnur, und dessen an- deres in eine Schleife von demselben Material übergeht. Etwas unterhalb dieses Wulstes befindet sich an der Aussenseite eine Ocse für die Aufnahme eines Rohr- schaftes, eines Büschels von Paradiesvogelfedern (diesen Schmuck habe ich in meiner mehr schematischen Zeich- nung fortgelassen. L. F. — ) und noch weiter unten auf der Mittellinie eine vierseitige Oeflnung, hinter einem vom oberen Rande derselben ausgehenden, schräg gestellten Stück von Flcchtwcrk. Innen ist am obeicn Rande der Oeffnung ein von Blattstreifen geflochtenes Band befestigt. Herr Baron von Hoevell theilt uns mit, dass dieser Panzer, dessen einheimischer Name „Djabi" ist, im Innern von Trangan bei den Alfuren im Gebrauch sei. Mittelst des am oberen Rande befindlichen Taues wird er über der linken Schulter befestigt und der linke Arm durch das Loch gesteckt, behufs Hantirung des „Fir" genannten Bogens. Die solcher Gestalt gedeckte linke Seite wird dem Feinde zu- gekehrt; in die Schleife am oberen Rande hängt der Krieger sein entblösstes Schwert, um es nöthigen Falles mit der rechten Hand leicht ergreifen zu können.*) — Wir haben es hier mit einer Schutzwaffe, halb Schild, halb Panzer zu thun, die entschieden besonders geeignet erscheint, dem Bogenschützen ein Schutz zu sein und die andererseits keinerlei Beziehungen zu einer der bisher besprochenen Schildformen verräth, weder im Material noch in der Gestalt, noch in der Griffconstruction. Jetzt gilt es. Verwandte dieser einsamen Bogenschilde auf- zufinden. 2. Weitere Bogenschilde. — Im Papuagolfe ist ein eigenartiger. Käs oder Lana genannter Schild heimisch, wie es sonst in Neuguinea nicht nachgewiesen wurde (Fig. 18). Es ist das entweder eine langrechteckige — meist unregelmässige — oder eine ovale Schildfläche. Die Länge dieser Schilde zur Breite schwankt zwischen 2'/.j bis ;-i'/2 zu 1, wobei die Höhe um ein Beträchtliches einen Meter sowohl überschreiten wie nicht erreichen kann. Die Vorderfläche ist mit eigenartigen Mustern in Relief ver- ziert und mit schwarzer, rother und weisser Farbe bemalt. Am oberen Rande ist ein rechteckiger Einschnitt ange- bracht und zwar in der Mitte und bei etwa '/,, der ganzen Breite des Schildes stets tiefer als breit, sodass der Schild oben in zwei Rechtecken oder — bei den ovalen Formen — in zwei Hörnern ausläuft. Unter dem Einschnitt sind zwei Löcher durch das Holz gebohrt, die ein langes Band, den Traggurt, -festhalten, dessen beide Enden hindurchgeschlungen und auf der Aussenseite in dicke Knoten geschlagen sind. Dazu sagt Finsch: „Der rechtwinklige Ausschnitt am oberen Rande wird für die Form dieser Schilde charakteristisch und ist für den linken Arm freigelassen, da der Schild an dem in der Rückseite befestigten Bande über die lijnke Schulter getragen wird." Das ist oft'eubar ein ganz echter Bogenschild, der dem Aruschilde im Traggurt sowohl als in dem Ausschnitt für den linken Arm durchaus verwandt ist. — Im Leidener Museum be- findet sich unter 1016/4 ein in die gleiche Gruppe ge- höriger Schild von Solor. Derselbe stellt eine Holzplatte von 69 cm Höhe und ca. 20 cm Breite dar. In den oberen Rand greift von oben nicht ganz 20 cm tief ein einem Drittel der Breite des ganzen Schildes entsprechender, rechteckiger Ausschnitt ein, unter dem der Schild zwei- mal zur Aufnahme des Traggurtes durchbohrt ist. Auf der Mitte der Vorderseite, also von dem Ausschnitt bis an den unteren Rand läuft eine ganz schmale erhöhte Leiste. Sonst ist die Vorderseite mit Muscheln und Malerei geschmückt. Der ganzen Form mit den beiden Con- structionsprinzipien des oberen Einschnittes und des langen Traggürtels zu Folge muss dieser Schild als der nächste Verwandte jener der Papuaschildc bezeichnet werden. — Ferner ist hier zu nennen Ic. 18 804, ein Schild im Berliner Museum von den Bergbewohnern der Insel Aller stammend, mit Namen Kalili. Es ist dies eine 93 cm hohe und ca. 23 cm breite Lederplattc von rechteckiger Gestalt, die oben in der Mitte mit einem rechteckigen *) Wallaoe: „Der Malayische Archipel" Bd. II, S. 244. A. Bastian: „Timor" S 96. Rcsenbere: S. 1^39. Ritte: „Arn" S. 183'4. Schmeltz im Intern. Archiv für Ethnographie, Bd. VIII, S. »93. S. 59/GO. Schmeltz und de Clorq S. 235/36. Natur-w-issenschaftliche Wochenschrift. XY. Nr. Ausschnitt an Breite einem Drittel des ganzen Schildes entsprechend, versehen ist. Darunter sind als Zierath wohl einige Löcher und Ritzen angebracht. Ein langer Schultertraggurt, aus einem Zeugstreifen bestehend, der wieder durch zwei Löcher geführt ist, hängt hinten in der Mitte herab. — Damit ist die Zahl der mir bekannt gewordenen Schilde mit den beiden bezeichnenden Merk- malen des oberen Einschnittes ftir den linken Arm und des Traggurtes erschöpft und es sind nun die Schilde zu erwähnen, die nur das eine, das andere Merkmal aber nicht aufzuweisen vermögen. Als wichtiger erscheint dabei un- bedingt der Traggurt. Ich kenne folgende Schilde mit Traggurt. — In Angriff hafen auf Neuguinea (Nordküste) ist ein viereckiger, verhältnissmässig schwerer, gestreckter Schild heimisch (Fig. 19). Als Länge giebt Finsch 1,10 m, als ]}reite 48 cm an. Länge zur Breite verhält sich meist wie 3 zu 1. Zuweilen geht von der Mitte des oberen Randes ein kleiner flossenförniiger Fortsatz aus. Jeden- falls fehlt ein Einschnitt stets. Die Vorderseite ist in Relief mit allerhand Schnitzwerk bedeckt, zumal häufig mit den Bildnissen des Menschen oder vielleicht auch eines Reptils. In der Mitte ist der Schild zweimal durch- bohrt und der aus Bast- oder Tapastreif bestehende Schultergurt hindurchgezogen sowie aussen verknotet. Weiterhin sind die oben beschriebenen Schilde der Astrola- bebai von runder Gestalt, aber mit zwei Buckeln zur Aufnahme des Riemens oder vielmehr Strickes hierher zu rechnen (Fig. 13). Denn wie aus der anderen Ortes wiedergegebenen Abbildung eines Bogenschützen der Astrolabe-Bai hervorgeht, wird der Schild mit dem Stricke über die Schulter gehängt. Hinge das schwere Geräth über dem Arm, so würde die Sicherheit beim Schiessen ausserordentlich behindert. Andere Schilde aus Deutsch- neug-uinea stellen langgestreckte Rechtecke aus Weiden- geflecht mit einfachem oder gar doppeltem Tragstrick dar. Es ist auch möglich, dass Schilde wie Fig. 16 von Santa Anna einen Sehultertraggurt besessen haben. Zu dieser Annahme führt mich wenigstens die Analogie des Griffbuckels, die denen der Astrolabe-Bai entsprechen. — Weniger Gewicht möchte ich auf das Vorkommen eines oberen Ausschnittes an Schilden mit nigritischem und asiatischem Griff legen. Immerhin verdient das Vor- kommen eine Erwähnung, zumal, wenn dies bei Schilden wie dem von Sürville abgebildeten (Isabell) beobachtet wird, die aus Rotang bestehen. Einschnitte dieser Art kommen weiterhin auf Flores und anderen kleinen Sunda vor. Endlich muss an die Schilde von den Philippinen (Fig. 6) erinnert werden. — Wichtig ist die Frage nach dem ursprünglichen Material der Bogenschilde. Nur der Aru-Schild besteht aus Flechtwerk, die meisten aus Holz und der Schild von AUor sogar aus Leder. Und dennoch halte ich die geflochtenen Schilde für die ursprünglichen, aus Gründen, die sich im nächsten Abschnitt von selbst ergeben. Aus Flechtwerk besteht eine verhältnissmässig grosse Anzahl dieser Schutzwaflfen. Da sind die schönen Salo- monenschilde, die Maravotschilde von ISeupommern, Schilde aus Deutschneuguinea. Der Schild von Keraepuno ist mit feinem Fleebtwerkbezug, der von Mitrafels mit kräftigerem bedeckt. In Indonesien wäre vor allem an die aus Flecht- werk und Holzgriff zusammengesetzten Schilde von Borneo zu erinnern. Jacobsen sagt: „An der Ostküste von Djampea (zwischen Celebes und Flores) sollen aus Rotang ge- flochtene Schilde im Gebrauch sein, der Art, wie wir sie später nur ein einziges Mal auf Bonerate erwarben. Die Besitzer der Rotangschilde sollen Ureinwohner sein, Reste einer heidnischen Bevölkerung, die wohl nie ein Europäer aufgesucht hat." Der Schild von Bonerate ist mir in Jacobsen's Sammlung entgangen. Aber es giebt nach der Litteratur auch sonst Rotangschilde auf den kleinen Snnda, so dass die Verbreitung derselben sich weit über die Mittelachse nachweisen lässt.*) 3. Brustschilde. — Von Neupommern bis in das westliche Indonesien ist ein merkwürdiges Geräth heimisch, das unter dem Namen „Kampfschmuck" gewöhnlich auf- geführt wird. Dieses Geräth stellt eine meist herzförmige Rotangplatte von ca. 30 cm Länge und etwa 22 cm Breite — ■ das sind die grossen Dimensionen — dar. Mit Eber- zähnen und Abrusbohnen ist die Vorderseite zierlich ge- schmückt. Auch ist die Platte manchmal keilförmig aus- geschnitten und die Lücke durch Reihen von Hauern ausgefüllt. Diese Brustschilde, als welche ich sie auf- führen möchte, wei'den um den Hals getragen, sodass sie die Brust decken, auch wohl auf dem Rücken und im Kampfe mit den Zähnen. — Polynesien hatte ganz ent- schieden ähnliche Schutzwaffen, obgleich mir noch keine zu Gesicht gekommen ist. Sie spielen in der Litteratur eine ziemlich bedeutsame Rolle. Wilson und Cook er- wähnen von Tahiti die „geschmackvollen" und „schön befiederten Brustschilde". In Forsters: „Tagebuch" treten Brustschilde mit Federn von den hellsten „Farben ge- ziert" auf. Der alte Zimmermann berichtet, dass die alten Hawaier die Götterbilder „in Form eines Brust- schildes von einer Art dünnen und biegsamen Holzes flochten." Aber mehr hören wir nicht, können jedoch feststellen, dass die Polynesier geflochtene und mit Federn gezierte Schilde, die auf der Brust getragen wurden, be- sassen. — Im Anschluss hieran wären dann einerseits die hölzernen wohlbekannten Brustschilde der Osterinsel — Jacobsen fand Aehuliches auf der Timorlaut-Gruppe — und die Perlmutterschalbrustschilde der östlichen Mela- nesier und Polynesier zu vermerken. Dies alles ge- winnt einen gewissen Werth, wenn wir hören, und zwar aus so guter Quelle wie Rosenberg, dass die Bogenschützen von Dorey (Neuguinea) zur Vertheidigung platte Schalen der Perlmuschel an der linken Seite trugen.**) 4. Panzer etc. Im Anschluss an die letzte Notiz sei an die Panzer aus zusammengesetzten Muschelschalen, sowie solche aus Rotang mit aufgesetzten Muscheln erinnert, die in Celebes, auf den Sulu und auf Mindanao getragen wurden. Ich glaube nun, dass wenn man die Panzer heranziehen will, man sich auf bestimmte Vor- kommnisse beschränken muss. Bedenken wir, dass die Lederpanzer in Indonesien genau die Verbreitung der Rundschilde auf der südlichen Inselkette haben, nämlich von hier bis in die kleinen Sunda, dass im Norden fertige „Jacken" und sogar Hosen (Auf Celebes und Philippinen sogar Panzerhemden) einen Anschluss an asiatische Merk- male bilden, so wird man sich hüten müssen, z. B. die Kürasse der Gilbertinseln (vergl. Schmeltz im Cat. Mus. God.) und die Jackenpanzer der Dajak mit bestimmten einfachen Rotangpanzern in Beziehung zu bringen, die sich nur vom westlichen Melanesien an östlich nachweisen lassen. Da sind z. B. die Pa-ite genannten Leibgurte von AUor, von etwa 13'/., cm Breite und an Länge dem Taillenumfange entsprechend,***) die um den Leib ge- schlungen wurden und als Schutzmittel gegen Pfeile dienten. Au der Küste hiessen sie „bana" und das er- innert an „Pana" = Pfeil oder noch öfter Bogen. In Buton erwähnt Jacobsen eine Art Panzer aus feinem Ro- tang. Und daran reihen sieh dann die Rotangpanzer, *) Haddoii: „Decorative Art" Taf.VI, No. 89, 90, 93-97 etc. Finsch: „Ethnol. Erf." S. lUt, 216. Samoafahrten, S. 237. - Jacobsfiii: Bandameer S. 30. **) Vor Allem Abbildungen bei Schmeltz und Finsch, dann Cook, Forster, Zimmermann, Wilson etc. Rosenberg: „Malayische Archipel" S. 447. Jacobsen: „Bandameer" S. 241. ***) Berliner Museum Ic, 19 0.59. XV. Nr. 6. ■haftliche Woi-hensehi-ift. 67 die D'Albertis am Fly-FIuss und Finsch in Angriffsliafen entdeckten, an, und die aus einem breitem Ringe aus Rotang'geflecht bestehen. Die von Angriffshafen haben am unteren Rande eine Taillenweite von 77 — 83 cm, sind also sehr eng. Diese Panzer müssen über die Hüften gezogen werden, derart, dass die höhere hintere Seite den Nacken deckt, und werden mit zwei Bändern über die Hcludtern befestigt. — Ich kann mich an dieser Stelle nicht eingehend mit dieser Schutzwatfe beschäftigen und be- schränke mich demnach auf den Hinweis auf diese Gruppe von Vorkommnissen, die durch die Gemeinsamkeit des Materiales und der Construction sowie das gemeinsame Grunilpriuzip eines Schutzes gegen Pfeile zusammen- gehalten werden. 5. Zusammenfassung. — Es sind im Wesentlichen die Thatsachen, aus denen man das Bild des Wesens und der Verbreitung des vormalajischen Schildes wird er- gänzen müssen. Kehren wir zur Capitelfrage zurück, ob das Angeführte auch wohl alles zusammengehört und in derart enger, entwickelungsgeschichtlieher Beziehung steht, dass es unter einem Titel vereinigt werden darf, so können wir wohl mit gutem Recht bejahen. Denn: a) Es lässt sich doch das alles auf ein Ausgangs- material, nämlich den Rotang resp. das Rotanggeflecht zurückführen. b) Allen diesen Schutzvorrichtungen liegt das Prinzip der Entlastung der Hände sowie der Belastung der Schultern zu Grunde. c) Wirklich „floriren" thut die Menge dieser Er- scheinungen nur im eigentlichen Bogengebiet, wo also der Bogen die Hauptwaffe ist. Für die Entwickelung des Bogenschildes ist aber eines maassgebend und zu bedenken, dass der Schild nur und lediglich dem Bogenschützen von absolutem Werthe ist, dass er also bei einer Waftentheilung überall, wo noch der Speer dazutritt, werthlos wird, weil er hindert. Daher die Neubildung des Astrolabe- und Attaque-Bai-Schildes. Heute aber ist er auch in Melanesien in Gegenden selten, wo nur mit dem Bogen gekämpft wird. Deshalb die geringe Verbreitung des Bogenschildes und noch mehr die ausgeprägten Anzeichen einer Verkümmerung und des Verschwindens. Es ist das eine Ueberlegung, die wir anstellen müssen, und deren Ergebniss sehr wichtig und auch nothwendig ist, wenn wir die Verbreitungsart und das Formproblem des vormalajischen Bogens tiber- haupt verstehen wollen. Sicher ist, dass der vormalajische Krieger sich durch Rotangflechtwerk wappnete. IV. Allgemeine TJebersiclit über die SchUde Oceaniens. Fassen wir nunmehr nochmals die wesentlichsten Punkte zusammen zu einem geschlossenen Bilde.*) *) In Anmerkung soll wenigstens noch eine knappe Uebersicht dei- Formen geboten werden. I. Nig ritische Gruppe. 1. ursprüngliche Form, 2. /'^-Form, 3. —-Form. II. Vormalajische Gruppe. 1. Aruschild, 2. einfache Bogenschilde, 3. Brustschilde, Rotangpanzer etc. III. Asiatische Gruppe. 1. Rundschilde (meist Leder), 2. Langschilde (meist Holz), 3. Melanesische Formen (verkümmert). Oceanien besitzt drei verschiedene Schildformen, die in keinerlei Beziehung hinsichtlich ihres Ursprunges stehen, nämlich den nigritischen Holzschild, den asiatischen Leder- schild und den vormalajischen Rotangschild. Der erstere ist charakterisirt durch das Prinzip der Kantenwirkung in senkrechter Richtung, ist demgemäss gestreckt und mit einem senkrechten Griff versehen. Der asiatische Schild ist durch das Prinzip der Wölbungselasticität ausgezeichnet, ist demnach rund und besitzt zwei Griffe für Arm und Hand. Der vormalajische Schild ist gekennzeichnet durch das Prinzip des Flächenschutzes, ist demnach gestreckt und mit Vorrichtungen zum Tragen über der Schulter, dabei Freihalten des linken Armes etc. versehen. Die Verbreitung ist eine einfache. Der Südacbse gehört der nigritische und der Mittelachse der vormalajische Schild an. Der asiatische Schild dagegen beschränkt sich noch auf Indonesien, hat aber im östhchen Indonesien ein Lehngebiet verkümmerter Formen. Der Zweck der drei Schildformen geht aus der Con- struction hervor. Der nigritische Schild dient dem Pa- riren, der asiatische dem Auffangen der Hiebe und Stiche. Dem nigritischen Schilde entspriclit eine hölzerne Waffe und mehr der Einzelkampf, der asiatischen die Eisenklinge an Schwert und Speer. Der vormalajische Schild endlich ist nur für einen Bogeukampf geeignet, da für Speer- stich und Schwert- oder Keulenschlag der Griff zu schwach ist. Das Alter der Schilde ist nicht schwer zu bestimmen: Bedenken wir, dass der nigritische Schild noch einer Kampfweise der primitivsten Art, nämlich dem Einzel- kampf oder Zweikampf sein Dasein verdankt, dass der asiatische Schild von der Eisenbewaffnung begleitet ist und der vormalajische Schild einem Bogenkampfe, der zwischen beiden steht, angehört, so ist die Reihenfolge: nigritischer, vormalajischer und asiatischer Schild eine der Natur der Sache am nächsten kommende. Die Verwandtschaft betreffend ist zunächst das Fehlen eines Zusammenhanges untereinander bedeutsam. Sie verändern sich wohl oberflächlich, nämlich nur im Material, treten aber nur nebeneinander auf: (z. B. auf AUor, wo alle drei Schildformen nachgewiesen wurden). Ueber die Abstammung ist nur hinsichtlich des asiatischen Schildes, der wie auf der ganzen Breitseite der in allen Erdtheilen siegreich vordringenden asiatischen Cultur auch in Oceanien noch bei der Wanderung über die Grenzen der engeren Heimath heraus augetroffen wurde etwas Ab- schliessendes zu sagen. Der nigritische Schild ist auch in Afrika heimisch, ohne dass wir jedoch sagen können, dass er von Oceanien nach Afrika oder umgekehrt ge- wandert sei. Der vormalajische Schild jedoch ist auch bei Abai, Padam und nördlicheu Naga, also im Innern Hinterindiens angetroffen. Wir ahnen also wenigstens etwas hinsichtlich des Ursprungslandes der vormalajischen Cultur. Dass der Schild nach Afrika in den afri- kanisch - malajischen Culturbesitz gelangte, (U. d. afrikanischen Cultur Fig. 16) wurde anderen Ortes be- sprochen. Ich will damit weiter nichts bewiesen haben, als aufs neue das „organische Wesen" materieller Cultur- besitze. Dass eine Anhäufung derartiger Studien zuletzt die weitgehenden Schlüsse über die Geschichte der Culturen und auch der Völkerbeziehung gestatten, habe ich in diesen Blättern dargelegt. Xatnrwissi^ii!- -nsrlirift. XV. Xi lieber die Herkunft der alten Phiyger. — In den Mittlieilungen des Kaiserlichen Deutschen Archäologischen Institutes, Athenische Abtheilung Bd. XXIV (1899) 1. Heft, berichtet A. Koerte über einen altphrygischen Tumulus bei Bos-öjük. der ersten Station der anatolischen Eisen- bahn auf der phrygiseheu Hochebene. Die Kesultate seiner durch die im Sommer 1895 zu Eisenbahnzweckeu erfolgte Abtragung des Grabhügels ermöglichten archäologischen Untersuchung desselben dürfte auch manche Leser dieser Wochenschrift interessiren. Die gemachten keramischen Funde zeigen in allen Einzelheiten eine so genaue üebereinstimmung mit denen aus Troja, dass Koerte kein Bedenken trägt, die Cultur von Bos-öjük mit der von Troja für identisch zu erklären. Da er nun Reste genau derselben Art auch im Osten des phrygischen Hochlandes gesammelt hat und einen aus denselben Schichten bestehenden Tumulus bei Tschai im Süden nachweisen kann, kommt er zu dem Schlüsse, dass die schon im Alterthum hervorgetretene Anschauung von dem nationalen Zusammenhang der Phryger und Troer be- rechtigt war. Besonders interessant ist jedoch der weiterhin geführte Nachweis, dass die Troer und Phryger ans Europa, und zwar aus Thracien eingewandert sind. Zwar hat auch dies schon Herodot angenommen und darauf hingewiesen, dass die noch später in Macedonien ansässigen, aus Thracien stammenden Briger oder Bryger ein Rest des prygischen Volkes in Europa seien, aber ein unanfechtbarer Beweis für die Richtigkeit seiner Be- hauptung war bisher nicht zu erbringen. Koerte hat nun in einem Tumulus 4 km östlich von Saloniki, ganze nahe der Gegend, wo nach Herodot die Briger sassen, einen ganz ähnlichen Schichtenwechsel und zahlreiche Scherben der- selben Technik wie in Bos-öjük vorgefunden, wodurch die Angaben Herodots ihre archäologische Bestätigung finden. Zum Schlüsse führt Koerte noch an, dass Virchow (Verh. der Berliner anthropol. Gesellsch. 1896, S. 126) die in Bos-öjük gefundenen Schädel einer Bevölkerung zuweist, die den heutigen Armeniern verwandt war, und stellt daneben die auch durch die Sprachwissenschaft gestützte Angabe Herodots, dass die Armenier aus Phrygien stammten, und die eines späteren griechischen Schrift- stellers, des Eudoxos, dass ihre Sprache Vieles mit der der Phryger gemein habe. Dr Arnold Behr. Ueber die Pest. — Als im vergangenen Jahre die Pest in Oporto auftrat und nun Europa in recht bedenk- lieber Weise bedrohte, entwickelten sowohl die Staats- behörden als auch die Gelehrten aller Länder unseres Continents, obwohl die Pestfrage die meisten von ihnen schon seit Jahren beschäftigt, einen ganz besonders regen Eifer dabei, zweckentsprechende Schutzmaassregeln gegen die Weiterverbreitung der furchtbaren, das Gemeinwohl so gefährdenden Seuche zu treffen und das Wesen der Pest selbst nochmals nach allen Richtungen hin zu prüfen, Lücken zu ergänzen, um aus den gewonnenen Resultaten event. Sätze von allgemeiner Gültigkeit herleiten zu können. Auch in Berlin hat am 19. und 20. October v. J. im Kaiserlichen Gesundheitsamt eine wissenschaftÜLhe Be- sprechung über die Pestfrage stattgefunden und es soll im Folgenden eine Reihe der dabei zur Discussion ge- kommenen Punkte (Sonderbeilage der Deutschen Medi- zinischen Wochenschrift vom 16. November 1899), soweit dieselben von allgemeinerem Interesse sind, nebst einigen angebracht el-scheinenden Zusätzen Erwähnung finden. Die Beulen- oder Bubonenpest ist eine schon seit vielen Jahrhunderten ebenso bekannte wie gcfiirchtete, aus dem Orient stammende Krankheit, die unter dem Volksnamen „Der schwarze Tod" früher zu verschiedenen Malen furchtbare Verheerungszüge durch Europa unter- nommen hat, so z. B. im 6. Jahrhundert, dann im Jahre 1349, wo sie, von genuesischen Schiften aus Asien nach Italien geschleppt, ganz' besonders dieses, dann Frank- reich und Deutschland heimsuchte, und zwei -Fünftel der Gesammtbevülkerung Europas dahingerafft haben soll, weiterhin im 16., gegen Ende des 17. und zu Anfang dos 18. Jahrhunderts. Seit dem Jahre 1720 ist die Seuche aus Europa fast ganz versehwunden und hat sich nur noch, in viel geringerer Heftigkeit auftretend und auf klei- nere Territorien beschränkt, wenn man von der diesjährigen Epidemie absieht, im östlichen Thcile unseres Continents gezeigt, so z. B. 1837 in Griechenland und den unterea Donauländern; 1879 in Wetljanka im Gouvernement Astrachan. Ausserhalb Europa ist die Krankheit 1844 in Aegypten, danach noch in Tripolis, Mesopotamien, Persien, Arabien, 1894 in China, insbesondere in Hongkong, und 1896 in Bombay aufgetreten, scheint jedoch in einigen der letztgenannten Länder, wie z. B. in Arabien, Meso- potamien, desgleichen auch in Yünnan in Amia, endemisch zu sein. Der Erreger der Krankheit ist ein Bacterium, das gelegentlich einer im Jahre 1894 in Hongkong ausge- brochenen Pestepidemie fast gleichzeitig von Kitasato und Yersin entdeckt wurde. Die Bacterien finden sich in Massen in den geschwollenen und vereiterten Lymph- drüsen, auch in inneren Organen, z. B. in der Milz, weniger im Blut, und haben die Form von kurzen, dicken Stäbchen mit abgerundeten Enden. Was die Stellung im System anbetrifft, sind der Erreger der Hühnercholera, der Bacillus aerogenes, die Pseudotuberculose der Nage- thiere und der Mäusetyphus als in Betracht kommend an- zusehen. Die Pestbaeterien lassen sich ziemlich gut tin- girei; und zeigen auch eine Polfärbung. Bei einigen Pestculturen Hess sich um das centrale Stäbchen ein zarter Saum erkennen, von dem man noch nicht weiss, ob man ihn für eine Kapsel oder für einen Bestandtheil der Leibes- substanz halten soll. Die von einigen Seiten angenommene Beweglichkeit der Bacterien kann nicht bestätigt werden. Dauerformen sind nicht beobachtet worden, wohl aber existiren Degenerations- und Involutionsformen. So ent- stehen auf 3 " „ Kochsalzagar Hefepilzen und Protozoen ähnende Involutionsformen, die, was ihre Färbbarkeit anbelangt, sich sehr verschieden verhalten, indem sie sich bald sehr intensiv färben, bald nur sehr schwach gefärbt erscheinen. Auch auf trockenem Nähragar erhält man derartige Involutionsformen, Besonders schöne Involutions- formen hat man erzielt, wenn zu Bouillon ein ganz schwacher Zusatz von Carbolsäure gemacht worden war. Die nach der Haffkineschen Methode (Culturen auf sehr trockenem Nähragar) angestellten Versuche ergaben nicht so ausgesprochene Degenerationsformen, wie man sie bei Züchtung auf Kochsalzagar erhält. Aehnliche Degene- rationsformen wie beim Pesterreger sind auch bei Meeres- Bacterien zur Beobachtung gekommen, desgleichen beim Bacterium prodigiosum. Was die Züchtung des Pestbacteriums auf künstlichem Nährboden anbetrifft, so sind eine ganz schwache Alkali- tät und ein mittlerer Feuchtigkeitsgehalt des Nährbodens erforderlieh, und als Nährboden dürfte der Gelatine vor allen andern der Vorzug zu geben sein. Die Wachsthuras- grenzen liegen für den Pestbacillus ziemlich weit aus- einander. Er wächst am besten zwischen 30 und 32° C, jedoch auch noch ganz gut zwischen 27 — 30°, sehr viel langsamer schon bei 20—25°, aber selbst noch im Winter kann man im ungeheizten Zimmer bei einer Temperatur von 4—7° auf Gelatine Colonieen erzielen, jedoch nicht mehr bei 0°. Bei der Concurrenz anderer, besonders XV. Xr. 6. Xatnrwissenschaftlicho Wochenschrift. 69 saprophytischer Bacterien ist es anzuempfehlen, die Gelatine bei niedriger Temperatur zu benutzen. Von sonstigen biologischen Ergebnissen ist die sowohl in Indien wie in Deutschland * beobachtete Stalaktitenbildung be- merkenswerth, desgleichen die Thatsache, dass die Pest- bacillen aus beerdigten Rattencadavern sehr rasch in die Erde übergehen und in der Umgebung des Cadavers sich noch bis auf 2ü cm Entfernung nachweisen lassen. Ferner haben die Untersuchungen über das V^erhalten des Pest- bacillus gegen schädliche Einflüsse ergeben, dass die Pest- erreger in Indien beim Trocknen sehr rasch zu Grunde gehen. Die Widerstandsfähigkeit gegen das Eintrocknen ist einmal abhängig von der Dicke der dem Eintrocknen ausgesetzten Schicht, dann von der Temperatur der Um- gebung — wofür insbesondere der Umstand spricht, dass die Bacillen in heisseren Klimaten viel schneller absterben wie in kälteren — , ausserdem aber kommt es noch auf die Art des Nährsubstrates an. Wurden Pestbacterien an feinem Staub eingetrocknet, und dieser dann aufgewirbelt, dann erwiesen sich die Staubtheilchen bei der Unter- suchung als keimfrei. Eine Uebertragung des Pest- erregers durch den Luftstrom wird des weiteren als ausgeschlossen betrachtet, wohl aber die Möglichkeit herangezogen, dass eine Verschleppung durch Verschleu- dern grösserer mit dem Pestbacillus imprägnirter Partikel vorkommen könne. An Seidenfäden angetrocknete Pest- bacillen, bei Zimmertemperatur im Dunkeln aufbewahrt, zeigten sich noch nach 56 Tagen lebensfähig. Sonstige Untersuchungen über die Widerstandsfähigkeit der Pest- bacterien haben ergeben, dass dieselben zu Grunde gingen, wenn sie 10 Minuten einer feuchten Hitze von 7ü°, oder 5 Minuten einer feuchten Hitze von 80°, oder 1 Minute einer solchen von 100° ausgesetzt wurden. S^oige Schmier- seife tödtete sie in 30 Minuten, 1 %ige Garbolsäure- oder Lysollösung in 10 Minuten, 1 "/oo Sublimatlösung aber so- fort. Im Hinblick auf ihre ausserordentliche Einwirkung auf den Organismus drängt sich der Gedanke auf, dass, wie viele anderen Mikroorganismen, so auch die Pest- bacillen ein Toxin bilden müssen, und es liegt auch be- reits eine Reihe von Untersuchungen vor, die kaum einen Zweifel darüber lassen. So ist besonders bemerkens- werth, dass in Filtraten von bei niedriger Temperatur gewachsenen Bouillonculturen des Pestbacillus ein sehr heftig wirkendes Gift gefunden wurde, dessen Reindar- stellung allerdings noch nicht gelungen ist. Ferner ge- hören hierher die pathologisch-anatomischen Befunde bei einigen zur Untersuchung gekommenen Föten. Es stellte sich nämlich heraus, dass dieselben bacteriologisch voll- kommen steril waren, aber secundär sonst in Pestleichen zur Beobachtung kommende Krankheitswirkungen auf- wiesen, was sich nur darauf zurückführen lässt, dass die Bacterien nicht, wohl aber das Toxin die Placenta durch- wandert hatte. Die Virulenz der Pestbacillen kann beim Fortzüchten auf künstlichem Nährboden eine AbSchwächung erleiden, erhält sich jedoch bei der Fortpflanzung im leben- den Organismus lange auf der Höhe. Die Prüfung einer zwei Jahre hindurch in zugeschmolzenem Glasrohr im Dunkeln aufbewahrten Cultur ergab, dass dieselbe kaum geschwächt war, während eine von demselben Cultur- stamme zwei Jahre lang fortgezüchtete Cultur sich als aviruleut erwies. Was die Pathogenität der Pest- bacillen für Thiere anbetrifft, so sind zunächst die An- sichten über die Empfänglichkeit der Schweine getheilt, dagegen sind Mäuse und Ratten sehr empfänglich, und die letzteren allem Anschein noch mehr wie die ersteren. Sehr empflndlich ist auch der graue Affe Semno- pithecus entellus, etwas weniger der braune Makake, Macacus radiatus. Hinsichtlich der Ratten wird darauf hingewiesen, dass dieselben wegen ihrer ausserordent- lichen Verbreitung in den Wohnungen und ihrer Um- gebung als Pestverbreiter ganz besonders zu fürchten seien, urasomehr als die pestkranken Thiere ihre Scheu vor dem Menschen theihveise verlieren, aus ihren Schlupf- winkeln hervorkriechen und schliesslich an leicht zugäng- lichen Orten verenden. Ueber die Weiterverbreitung der Pest durch die Mäuse sind die Ansichten vorläufig noch nicht geklärt. Die Eintrittspforten des Pestbacillus in den menschlichen Körper sind die äussere Haut, die Schleimhaut der Luftwege, des Mundes und die Augen- bindehaut. Was die Lokalisation angeht, so erfolgt die- selbe in der Haut oder in der Schleimhaut selbst seltener, sehr häufig dagegen in den Lymphdrüsen, die zur In- fectionsstelle in Beziehung stehen, und bei einer Infection von den Luftwegen aus in der Lunge. Für die Incu- bationsdauer werden im Durchschnitt 3—10 Tage an- genommen, jedoch ist man darüber noch nicht genügend orientirt. Auf die einzelnen das Auftreten von Epidemieen bedingenden Factoren hier einzugehen, würde zu weit führen, ebenso müssen wir uns versagen, die prophylakti- schen Maassregeln in unsere Betrachtung zu ziehen. A. L. Ueber den gegenwärtigen Zustand der Vulcane Südeuropas hat der mit deren Besuch vom französischen Unterrichtsminister beauftragte Matteucci der Pariser Akademie am 6. November einen Bericht erstattet, der insbesondere die gasförmigen Producte der Fumarolen be- rücksichtigt. Die Beobachtungen nahmen ihren Anfang im Herbst 1898. Am Vesuv weisen nur noch die in den Jahren 1872, 1889, 1891 und 1895 entstandenen Spalten Solfataren- Thätigkeit auf. Die 1872 aufgerissenen Nordnordwest- Spalten, aus denen sich so gewaltige und gewaltthätige Lavamassen ergossen, sind wieder vollständig geschlossen und unthätig. Einzig die secundären Südwestspalten, die indirecte Verbindung mit dem Magmaheerde besitzen, hauchten im Herbst 1898 noch Wasserdampf aus mit Spuren von Chlorwasserstoff und schwefliger Säure, viel Kohlensäure vmd Kohlenwasserstoffen, bei einer zwischen 40 und 50° wechselnden Temperatur. — Die hoch- gelegene Ostspalte von 1889 entsendet viel Wasserdampf mit schwefliger und Chlorwasserstoff'säure und einer merk- baren Menge von Kohlensäure und Kohlenwasserstoffen. — Die nördliche Spalte, aus der sich vom 7. Juni bis 3. Februar 1894 ununterbrochen Lava ergoss und zu- gleich Wasserdampf mit wenig Chlorwasserstofl"-, Kohlen- uud schwefliger Säure entwickelte, hat zugleich mit Be- endigung des Lavaausflusses aufgehört. Gase und Dämpfe auszusenden. Kurze Zeit danach unterblieben auch seitens der ergossenen Lavamassen selbst die starken Gasaus- strömungen, die vorher bei der Bildung von Sulfaten und Chloriden des Eisens und Kupfers, von Eisenglanz (fer oligiste) und von Tenorit entwickelt wurden. Im Herbst 1898 hauchte noch eine geringe Zahl von Spalten dieses Lavastromes ein wenig trockene Chlorwasserstoffsäure bei Temperaturen von 50 — 80° aus. Die neuen Spalten, die sich am 3. Juli 1895 aufthaten und denen, wie bereits in No. 36 des vorigen Jahrganges mitgetheilt wurde, im Herbste 1898 grosse Lavamassen entquollen, haben die ungewöhnlich zahlreichen, verschiedenartigen gasförmigen Emanationen und festen Sublimationsproducte geliefert, die ebenfalls schon angeführt wurden, nämlich Chlor-, Jod-, Brom- und Fluorwasserstoffsäure, schweflige und Schwefelsäure, Kohlensäure, Schwefel, Selen, Jod, ver- schiedene Sulfate und Chloride von Eisen und Kupfer, Erythrosiderit, Oligist, Chloride von Eisen und Natrium. Auf den Laven selbst schlugen sich Kochsalz, Salmiak, Katurwissenschaftliehe Wochenschrift. XY. Nr. 6. Tenorit und Natriumbicarbonat nieder. Der Central- iirater zeigte vvälirend der ganzen Zeit eine explosive Tbätigkeit, die Matte ucci als die für den Stroadioli typisclie bezeichnet. Am 11. October 1899 besucbte Matte ucci den Vesuv nochmals und fand dessen ganze Thätigkeit auf den Gipfelkrater beschränkt; doch hält er es für wohl möglich, dass der in der Nacht vom 1. zum 2. September beendete seitliche Lavenerguss von denselben Westnordwest-Spalten wieder beginnen werde. Der Krater des Aetna besass bei Matteucci's Besuch 500 m Länge von Westnordwest nach Ostsüdost, 400 m Breite und mehr denn 200 m Tiefe; im Innern fanden sich glühende Blöcke, von denen sich 1 — 2 m hohe blaue Flammen entwickelten, in denen Schwefel und vielleicht auch Kohlenoxyd verbraunte. Auf dem Krater- rande fanden sich : Schweflige Säure, Schwefelwasserstoff, Kohlensäure, Chlor- und Fluorwasserstoffsäure, Schwefel, Sulfate und Chloride von Kalium, Natrium, Magnesium, Aluminium, Eisen und Kupfer. Die höchsten Explosious- kegel der Eruptionen von 1879 und 1892 sandten viele saure Dämpfe aus, darunter auch ein wenig Fluorwasser- stoffsäure. Andere, tieferliegende Kratermüudungen (bocca) der Eruption von 1892, sowie solche von 1883, lieferten Natriumsulfat und -bicarbonat; letzteres Salz wurde auch in den Seitenmoränen der Lavaströme von 1892 ange- troffen. In Folge der heftigen Explosionen, die am Tage des römischen Erdbebens (19. Julii begannen,, aber nur wenige Tage dauerten, hat der Aetnakrater inzwischen eine geringe Erweiterung erfahren und eine sehr deut- liche Erhöbung auf dem Boden erhalten. Der Vuicano beharrt in seiner Solfatarenthätigkeit von 1888 — 1890; die Wände und der Boden des weiten Kraters dunsten Wasser mit vielen Gasen aus, darunter Kohlen- und Schwefelsäure, Schwefel- und Chlorwasser Stoff. Die Dämpfe von Schwefel- und Borsäure verdichten sieh fast überall, ausser um die wärmsten Fumarolen herum. Ein einziges Mal, bei Nacht, gelang es, die Gegenwärt von Fluorwasserstoffsäure nachzuweisen. In den von der Vulcanachse entferntesten Theilen, so zu Faraglioni du Porto di Levante und an der Aussenseite der jüngsten Kraterumwallung waren Kohlenwasserstoff" und Kohlensäure mit geringen Mengen von Chlorwasser- stoff und Schwefelsäure zu bemerken. Die Thätigkeit des Stromboli ist eine eigenartige, wohl gekennzeichnete. Der vulcanische Apparat besteht aus 7 Kratern, von denen einer bald Schlacken und Dämpfe, bald mit Sand beiadenen Rauch, bald kleine Lavaströme aussendet. Unter den Gasen war Fluor- wasserstoffsäure zu erkennen. Die Explosionen folgen schnell aufeinander und lassen, aus der Nähe und bei Nacht beobachtet, bläulich gekrönte Flammen sehen. Eine am 7. März 1899 eingetretene Steigerung der Thätig- keit hat zur Folge gehabt, dass 2 von den 7 Kratern zu einem einzigen verschmolzen und die EruptibnsmUndung unter bedeutender Erweiterung den Platz wechselte. Auf Santorin hat sich das Terrain, das seit der Eruption von 1866—1870 die Bai südwestlich von Mikra- kaimeni bildete, merklich gesenkt. Die in dem Kanäle zwischen Nea- und Mikrakaimeni zusammeufliessenden, eisenhaltigen Gewässer besitzen 45—60" Wärme und ent- halten sowohl Kohlenwasserstoff, als auch Kohlensäure. In Folge der bedeutenden Bodensenkung hat sich der Hafen von Hag. Georgios, westlich von Neakainieni, um mehrere Meter erweitert. Die Mai-Inseln zwischen diesem Hafen und Paleakaimeni sind fast ganz unterm Meeres- spiegel verschwunden. Der Krater Georgios I. war, als Matteucci ihn besuchte, überzogen von Eisenchlorid, Eisenkaliumdoppelchlorid, Gips, Kupfersulfaten und -Chlo- riden, sowie Schwefel. Unter den Dämpfen wurden j beobachtet Wasser mit Chlorwasserstoff-, Kohlen-, schwef- liger und Fluorwasserstoffsäure. Aul' den Laven von Aphroessa fand sich ein wenig Natriumbicarbonat: Matteucci meint, dass Santorin -sich nach 30 Jahren des Gasausdunstens vorzubereiten scheine, das imposante Schauspiel von Flammen und Explosionen wieder auf- zuführen, das es schon im Aegäischen Meere gegeben hat. Zusammenfassend bemerkt Matteucci über die Fu- marolen, dass der Mangel des Nachweises gewisser Gase unter ihnen in den Gegenden lebhafter vulcanischer Thätig- keit wohl daraus zu erklären sei, dass ihre Kennzeichen duroll die Gegenwart stärkerer Säuren verhüllt würden. 0. L. Kritik der Falb'scheu Witteniiigsprognose für den Monat Deceiiiber.*) Prognose: „1. bis 9. December. Es treten ausgebreitete Niederschläge ein, die um den 5. ihr Maximum erreichen dürften. Um den 6. sind Schnee- fälle zu erwarten, die an den Küsten von Gewittern be- gleitet sind. Die Temperatur steht anfangs nahe dem Mittel, steigt dann bedeutend über dasselbe und geht in den letzten Tagen wieder etwas zurück." Wirklicher Verlauf: Niederschlagsverhältnisse der Prognose genau entsprechend; Temperatur anfangs recht hoch, fällt dann ziendich stetig bis unter die normale. — Prognose: „10. bis 15. December. Die Niederschläge nehmen wieder zu, doch nicht bedeutend. Schneefälle sind wahrscheinlich. Die Temperatur steht etwas über dem Mittel." Wirk- licher Verlauf: Stetiges, starkes Sinken der Temperatur, sehr strenger Fiost. In Süd- und Westdeutschland ge- ringe, in Nord- und Ostdeutschland stärkere Nieder- schläge. — Prognose: „16. bis 22. December. Schnee- fälle treten vereinzelt ein, sind aber noch nicht bedeutend. Im Allgemeinen trocken. Die Temperatur hält sich nahe am Mittel. Nur in Westeuropa sind die Regen bedeutend." Wirklicher Verlauf: Plötzliches, sehr starkes Steigen der Temperatur, ohne dass im Allgemeinen die normale über- schritten wird, dann abermals sehr starker Fall. Meist trocken. — Prognose: „23. bis 31. December. Die Temperatur sinkt bedeutend unter das Mittel. Es treten ausgebreitete und ergiebige Schneefälle ein. Sonst ist das Wetter trocken, nur in den letzten Tagen stellen sieh bei steigender Temperatur wieder Regen ein." Wirk- licher Verlauf: Mit kurzer Unterbrechung um den 25. und 26. dauerndes, starkes Steigen der Temperatur. Massige, nur in Süddeutschland ergiebigere Niederschläge, anfangs Schnee, später Regen. ^ H. Aus dem wissenschaftlichen Leben. Eniamit wurden: Dr. Felix vcin LLiselian, Directorial- assistent am Berliner Museum für Völkerkunde zum ausserordent- lichen Professor. Es habilitirten sich: Regierungs-Bauführer Ensslin an der technischen Hochschule in Stuttgart für Motorwesen, Elastioitäts- und Festigkeitslehre; Assistent am chemischen Institut der Uni- versität Bonn Dr. Reitter für Chemie daselbst Abgelehnt hat: Dr. Alfred Go Idscheidev, ausserordent- licher Professor der inneren Medicin an der Berliner Universität und leitender Arzt der inneren Abtheilung am Kraukenhause Moabit einen Ruf nach Greifswald als ordentlicher Professor und Director der medicinischen Klinik. Es starb: Der Palaeontologe Geh. Rath Dr. Hans Bruno Geinitz, Prof. emeritus in Dresden. *) Wir schliessen hiermit die fortdauernde Kritik der Falb- schen Prognosen, welche wir seit August 1898 allmonatlich an der Hand der Thatsachen gegeben haben, da das aus diesen 17 Monaten gewonnene Material reich genug sein dürfte, um für unsere Leser ein endgültiges, sicheres Urtheil über den Werth jener Prognosen ein für alle Mal zu eimöglichon. Red. XV. Xr. 6. Xntiirwisspnschaftliclie Worhenschrift. Naturwissenschaftliche Feriencurse. — Im Laufe dieses Jiihres sind seitens des Ministei-iuma der geiBtlichen, Unterrichts- und JVIedicinal-Aiigelegenheiten zwei naturwissenschaftliche Ferien- curse in Aussicht genommen, in Berlin und Göttingen, auch wird der Frankfurter Cursus wiederum mit ministerioller Beihilfe statt- finden. Der Feriencursus in Berlin und Frankfurt ist auf Michaelis verlegt, weshalb der Cursus in Göttingen Ostern stattfinden soll. Der (_;ursu,s hat insofern eine Aondening erfahren, als diesmal nur Miitheuiatik und Physik und ihre Anwendungen beriieUsichtigt werden, während Chemie und biologische Wissenschaften im nächsten Jahre behandelt werden. Die Einbeziehung der Mathe- matik ist dem Göttinger Cursus oigenthumlich, ebenso die Geo- däsie und Versicherungsmathematik, Zeit und Thema der Vor- lesungen und Demonstrationen sind durch nachfolgendes Pro- gramm gegeben. Programm für den vom 19. April bis li'Mai in Göttingen abzuhaltenden, naturwissenschaftlichen FeViencursus für Lehrer höherer Schulen. — Methodik: Oberlehrer Prof Behrendsen: Behandlung der Wellenlehre im Unterricht höherer Schulen. — Prof Dr. Klein: Mathematik: Allgemeine Erörterungen über die für den Schulunterricht in Betracht kommenden Theile der angewandten Mathematik und insbesondere über technische Mechanik. Demonstration der Modellsammlung. — - Professor Dr. Schilling: Darstellende Geometrie. — Prof. Dr. Wiechert: Elementare Geodäsie. Demonstration des geophysikalischen In- stitute.?. — Prof Dr. Bohlmanri: Elemente der Versicherunga- mathematik. — Physik: Prof Dr. Riecke: Ueber elektrische Entladungserscheinunigen. Besichtigung des physikalischen In- stitutes und Erläuterung seiner allgemeinen Einrichtung. — Privat- docent Dr. Simon: Demonstration von lichtelektrischen Versuchen. — Prof. Dr. Des Coudres: Gleichstrom und Wechselstrom in ihrer Verwendung bei elektrischen Centralen, verbunden mit einer Besichtigung des städtischen Elektricitätswerkes und mit Demonstrationen im Institute. — Prof Dr. Meyer: Physik der Wärmekraftmaschinen, verbunden mit Demonstrationen im Institute und mit einer E.xcursion nach der Tuchfabrik von Ferdinand Lewin. L i 1 1 e r a t u r. Prof. Dr. W. Koppen. Abtheilungsvor.steher an der deutsehen Seewarte, Grimdüiiien. der Maritimen Meteorologie, vorzugs- weise für Seeleute dargelegt. — G. W. Niemever Nachfolger (G. Wolfhagen). Hamburg 1899. Die eminenten Erfahrungen und Kenntnisse, welche Professor Koppen im Laufe der Jahre und Jahrzelnite iiuf seinem ureigensten Forschungsgebiete, in der